Turisti

Es war im tiefen Süden Italiens, in Apulien. Es war bereits Dezember, die Tage begannen schon deutlich kürzer zu werden. Aldo Scoppa, mein alter neapolitanischer Freund, der leider schon gestorben ist, hatte einige seiner ausländischen Geschäftspartner, Reisebürobesitzer, zu einer Besichtigung von Apulien eingeladen.

Fasziniert von den barocken Bauten in Lecce – fast wie Spanien fühlten wir uns – ging es noch ein Stück tiefer in den Süden, nach Otranto. Es dunkelte bereits und als wir über die Küstenstraße die Ortseinfahrt erreicht hatten, trafen sich die Bewohner zu einem Glas Wein und einem Plausch an der Bar. Wir wurden durch ein Gewirr von Gassen und Gässchen geführt, ein wenig mit dem Gefühl, 1000 Augen beobachten uns. Unser Ziel war das herrliche byzantinische Kirchlein San Pietro.

"Wartet" meinte Aldo, "ich muss erst den Schlüssel für das Kirchlein besorgen, denn sie ist aus Sicherheitsgründen immer versperrt" – doch – es war bereits geöffnet, ein alter Mann hatte Licht gemacht und kam uns entgegen. In den Händen hielt er Ansichtskarten und kleine Führer zum Verkauf. Überrascht, das Kirchlein so spät noch geöffnet vorzufinden, meinte der alte Mann daraufhin angesprochen:

"No, no, es war schon zu. Aber als Ihr Turisti beim Ortseingang erschienen seid, wurde ich von Eurem Kommen verständigt. Denn jeder Turisto besucht mein Kirchlein…" schmunzelte und verkaufte weiter seine Postkarten.

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