Was ist ein gutes (italienisches) Essen?

Tja, was macht ein Essen zu einem genussvollen Erlebnis? Ja, da werden jetzt die Meinungen auseinander gehen: „in unserem Lieblingsrestaurant Da Toni“, „im Ristorante Al Gatto, wo es diese herrlichen … gibt“ usw. Und gab ich mal eine „Empfehlung“ von mir, so passierte es dann manchmal, dass jene enttäuscht waren von meinem Tipp, weil… dort der Wein nicht so gut war wie in ihrem Lieblingslokal, die Nudeln anders gekocht, das Perlhuhn zäh‘ und was weiß ich noch alles.

Spaghetti, frutta di mare, pane e vino!

Spaghetti, frutta di mare, pane e vino!

Also? Was macht ein Essen zu einem genussvollen Erlebnis? Der Ort, werden jetzt manche lauthals brüllen. Jetzt was? Der geografische Ort wie beispielsweise einer am Gardasee oder der Ort als Gebäude, also ein Schloss oder ein Steinhaus? Ersteres überzeugt nicht, denn ein geografischer Ort alleine schafft noch kein Ess-Erlebnis. Er kann allerdings eine wesentliche Voraussetzung dafür sein, wenn Letzteres auch noch zutrifft. Aber halt! Es muss jetzt kein Schloss sein. Ich erinnere mich an viele Essen, die ich in ganz einfachen Lokalen zu mir nahm, an manchmal besonderen – geografischen – Orten, manchmal irgendwo im Hinterland nella campagna (in der Pampas). Natürlich gab es auch außergewöhnliche Pranzi (Mittagessen). Einmal, in den Marken, fuhren wir gegen den Apennin, beim letzten Dorf vor der Felswand links, dem Weg nach – es gab sowieso keine Umkehrmöglichkeit für den Bus. Am Ende duckten sich einige Häuser aus Stein, mit Schindeln des selbigen gedeckt, gegen die aufragenden Felsen. Was wir dann Kulinarisches erlebten, war Gesprächsthema für den Rest der Reise!

„Ja wie haben Sie denn dieses Lokal nur entdeckt?“ wurde ich bestürmt. Ehm, mehr aus Verlegenheit. Ich studierte einigen italienische Führer über Agriturismi (landschaftliche Betriebe, die es oft schon gar nicht mehr sind, aber einerlei, die ihre eigenen Produkte anbieten). Und mit dem Gespür für ein gutes (italienisches) Essen hatte ich mich für dieses entschieden.

So, jetzt wissen meine Leser aber immer noch nicht, Was macht ein Essen zu einem genussvollen Erlebnis für mich macht.

Das ist im Grunde einfach erklärt. Überall dort, wo ich mich wohl fühle, wo ich beim Hineinschauen ins Lokal ein inneres ok bekomme („da kannst du reingehen„), wo ich ein freundliches „Buon Giorno“ entgegen gelächelt bekomme, geschäftstüchtiger Ursache oder weil die Menschen einfach so sind – einerlei, wo die Speisen nach Italien schmecken und auch für italienische Verhältnisse noch bezahlbar sind, wo es einen guten offenen Wein gibt, im Sommer einen Weißen, Spritzigen, im Winter einen Roten, wo viele Einheimische sind, wo nicht groß am Lokal prangt: hier spricht man deutsch oder Touristenmenu, wo ich ins Gespräch mit den Menschen kommen kann, wo ich nach dem Essen noch in Ruhe sitzen bleiben kann – das sind dann jene Orte der Nahrungsaufnahme, die mein Essen zu einem genussvollem Erlebnis machen.

Für mich sind oft einfache, un-raffinierte Speisen, das italienische Ess-Erlebnis schlechthin. Ich meine, ich halte es da so wie bei mir im Salzburger Land zu Hause. Schweinsbraten, G’Röstl, Essigwurst, Leberknödelsuppe, Zwetschkenkuchen – Bodenständiges gut zubereitet mit dem Blick ins Land (wie erwähnt, geografische Orte können durchaus Würze sein). Und weil ich dafür einen Blick habe, habe ich mir auch schon manchmal Probleme damit eingehandelt. Nämlich dann, wenn der Ort meines Essens als genussvolles Erlebnis an einen kleinen Ort, sprich mit wenigen Plätzen, stattfand. Und mich der Rest der Gruppe dort tafeln fand. Und, no na, auch dort Tafeln wollte (Wo Fernfahrer [Reiseleiter] essen, da lass dich nieder, Reiseleiter-Sprichwort). Aber es zu wenige oder freie Sitzplätze gab.

„Herr Reiseleiter, was gehn’s denn auch in a so kleines Lokal essen. Wo’s doch wissen, dass wir 40 Leut‘ sind“.

Tja, was macht ein Essen zu einem genussvollen Erlebnis? Wenn ich oben Beschriebenes alleine oder mit meiner Frau zusammen finde und mir vorstelle, dass es in Italien nur deshalb so viele Heilige gab, weil auch die wussten, wo es sich gut leben lässt!

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