Die singende Trapp-Familie kehrt nach 52 Jahren als Muscial “The Sound of Music” nach Salzburg zurück

Salzburger Landestheater

Szenenbild: von Trapp (Uwe Kröger) verdonnert seine gerade noch fröhlich herumspielenden Kinder mit neuen Kleidern aus ... wird hier nicht verraten! ... die ihnen Maria geschneidert hatte

Menschen in Jeans, in eleganten Kleidern, mit T-Shirt oder Pullover bekleidet, drängen sich in das Salzburger Landestheater. Das Musical “The Sound of Music” wird erstmals 52 Jahre nach seiner Uraufführung am 16. November 1959 in New York, Vereinigte Staaten von Amerika, in Salzburg gespielt.

“Edelweiß, Edelweiß“, die österreichische Nationalhymne in den Augen der Amerikaner
Die beiden erfolgreichen Musical-Schreiber Oscar Hammerstein II. (* 1895, † 1960) und der Komponist Richard Rogers (* 1902, † 1979) haben die Geschichte der Trapp-Familie zu einem Musical geformt. 1960 gewann dieses Musical fünf Tony-Awards und einen Grammy. Allein in New York wurde es 1 443 Mal aufgeführt und ging als erfolgreichstes Musical aller Zeiten nach drei Jahren auf Tournee. In London wurden sogar 2 386 Vorstellungen gespielt! Zahlreiche Auszeichnungen und Awards sowie über drei Millionen verkaufte Schallplatten folgten. Musiknummern wie „Edelweiß, Edelweiß“ (das lange Zeit als die österreichische Nationalhymne bei den Amerikanern gesehen wurde!) oder „My favorite things“ wurden zu Hits. Die deutschsprachige Erstaufführung fand am 9. März 1982 im Stadttheater Hildesheim, Deutschland, unter dem Titel „Die Trapp-Familie“ statt. Seit 2006 wird „Sound of Music“ in einer Produktion von Andrew Lloyd Webber erneut in London aufgeführt.
Bei der Premiere des Musicals 1959 befand sich Spyros Skouras, Präsident von Twentieth Century Fox, im Publikum und zeigte sich begeistert von der Aufführung. Bereits wenige Monate später erwarb er die Filmrechte an „Sound of music“ – für 1.25 Millionen Dollar. Der gleichnamige Film mit Julie Andrews in der Hauptrolle, kam 1965 in die Kinos von Amerika und knüpfte nahtlos an die Erfolge des Musicals an. Mittlerweile gilt er als einer der meistgesehenen Filme weltweit und zählt laut American Film Institute zu den besten Filmen aller Zeiten.

Die Handlung des Filmes ist, wie auch die des Musicals, an Maria Augusta von Trapps Lebensgeschichte angelehnt, unterscheidet sich aber in mehreren Punkten von der Realität.

Salzburger Landestheater

Max Dettweiler (Hubert Wild) ein Freund des Hauses, der noch eine wichtige Rolle spielen sollte, von Trapp (Uwe Kröger) und Elsa Strader (Franziska Becker) , die von Trapp zu heiraten beabsichtigte

Von der Marionettentheater-Premiere zur Premiere im Salzburger Landestheater

Am 9. Mai 2008 fand im Salzburger Marionettentheater nach einer erfolgreichen US-Tournee die Europapremiere des Musicals „The Sound of Music“ statt; 55 Marionetten tanzten, sangen und erzählten die Geschichte der Salzburger Trapp-Familie.

52 Jahre nach seiner Uraufführung war es dann auch in Salzburg soweit. Am Sonntag, den 23. Oktober 2011 fand die Premiere von „The Sound of Music“ als Musical am Salzburger Landestheater statt.

Georg Ludwig Ritter von Trapp, der erfolgreiche U-Boot-Kommandant im Ersten Weltkrieg und erklärte Gegner der Nationalsozialisten wird von Uwe Kröger dargestellt, Wietske van Tongeren spielt Maria Kutschera, die spätere zweite Frau von Trapp. Die Musikalische Leitung haben Peter Ewaldt und Stefan Müller, Inszenierung Andreas Gergen und Christian Struppeck, Choreographie Kim Duddy.

Die Geschichte auf der Bühne
Maria, die gerne Nonne im Benediktiner-Frauenstift Nonnberg werden möchte, singt für ihr Leben gerne. Dies lässt Schwester Oberin an der Fähigkeit Marias zweifeln, eine gute Nonne zu werden und schickt sie zu Freiherr von Trapp, der gerade wieder einmal eine Gouvernante für seine sieben Kinder sucht. Die Kinder, alle militärisch gedrillt, obwohl die Kleinste erst ein paar Jahre alt ist, in Kinderuniformen, finden schnell an den unkonventionellen Methoden Marias Freude, lernen singen und überraschen den bis dahin eher mürrischen Vater mit einem Lied zur Begrüßung seiner zukünftigen Frau, Elsa Schrader, einer steinreichen Aufsichtsratsvorsitzenden aus Wien. Im Hintergrund spielt der aufkommende Nationalsozialismus bereits eine Rolle. Das Anwesen von Trapp ist im Musical ein weitläufiges Gelände nahe eines Berges, von dem man auf Salzburg hinunter blickt.

Bei einem Fest tanzen von Trapp und Maria zusammen, spüren ihre Liebe zueinander und Maria flieht ohne sich zu verabschieden ins Kloster. Sie will ihre aufkommenden Gefühle unterbinden. Doch Mutter Oberin erklärt ihr, sie hätte ihrem Herzen zu folgen. Maria kehrt zu von Trapp zurück, gerade im rechten Augenblick noch, da von Trapp bereits Heiratspläne mit der Wienerin hat. Doch die beiden „Heiratswilligen“ erkennen, dass sie nicht füreinander geschaffen sind und von Trapp und Maria bekennen einander ihre Liebe.

Salzburger Landestheater

während eines Gewitters sucht eines nach dem anderen der Kinder Schutz im Bett ihrer neuen Gouvernante Maria

Die Hochzeit im Stift Nonnberg wird szenisch angedeutet. Das Paar geht auf Hochzeitsreise. Zurückgekehrt erwartet sie Admiral von Schreiber, der von Trapp den Befehl überbringt, sich sofort in Bremerhaven beim Marinekommando einzufinden, dessen Kommando er übernehmen sollte. Von Trapp, der mit den Nationalsozialisten nichts zu tun haben will, will Zeit schinden und behauptet, bei den Salzburger Festspielen mit seinen Kindern auftreten zu müssen. Der Admiral gewährt die zwei Tage bis zu diesem Konzert, lässt aber SS-Leute auf der Bühne auf von Trapp warten, die ihn sofort nach der Aufführung nach Bremerhaven bringen sollen. Doch der Leiter des Konzerts, das als musikalischer Wettstreit stattgefunden hatte, zwar ein Nazi, aber Freund der Familie Trapp, weiß geschickt die Familie von der Bühne zu bringen. Schließlich fällt das Verschwinden auf und die Familie wird gesucht. Diese hat sich im Garten des Stiftes Nonnberg versteckt, es kommt zu einer dramatischen Begegnung und die Familie von Trapp entschwindet in der Dunkelheit der Nacht über den „rettenden Berg“.

Subjektive Eindrücke eines Vorpremiere-Besuchers
Ihr Regionaut Peter Krackowizer war bei der Vorpremiere am 22. Oktober 2011 dabei und schildert seine Eindrücke:

Anfänglich schienen die Darsteller noch etwas stimmschwach zu sein, was sich aber zunehmend besserte. Der Auftritt der Kinder brachte dann deutlich mehr Schwung ins Geschehen. Heiter und beschwingt ohne nennenswerte Highlights wurde ein solides Musical mit den bekannten Liedern wie „Edelweiß, Edelweiß“, dem Titellied „The Sound of Music“ oder „My Favorite Things“ – alle mit deutschen Texten – geboten. Die Bühnenbilder sind gut gewählt, die Lichteffekte dosiert und passend eingesetzt. Besonders die Kinder dominieren das Geschehen auf der Bühne. Irgendwie nicht notwendig fand ich Einspielungen aus der „Deutschen Wochenschau“ sowie eine Originalredeeinblendung von Adolf Hitler, die ich im Übrigen akustisch nicht klar verstanden hatte.

Salzburger Landestheater

Maria und Georg von Trapp haben einander gefunden!

Doch der Inhalt ist leicht verständlich. Jener vor der Pause lehnt sich noch an die echte Familiengeschichte an, der zweite ist überwiegend legendenhaft und entspricht nicht mehr den Tatsachen. Z. B. floh die Familie nicht mitten in der Nacht, sondern die Ausreise nach Amerika war wohl geplant und fand offiziell statt. Auch spielen im Musical nur sieben Kinder mit, obwohl die Familie Trapp zum Zeitpunkt der Flucht bereits neun Kinder hatte.

Da bei der von mir gesehenen Vorpremiere ein Vertreter von Rodgers & Hammerstein im Publikum vertreten war, die die Inhaber der Rechte von „The Sound of Music“ sind, sowie Johannes von Trapp, ein Sohn der Familie Trapp, wurden im Anschluss an die Vorpremiere alle Lieder nochmals auf Englisch gesungen. Übrigens, für die zu erwartenden amerikanischen Musical-Besucher wird über der Bühne jeweils der deutsch gesungen Text auf Englisch in einer Laufzeile eingeblendet.

Alles in allem, ein nettes Musical, das sicherlich den amerikanischen Geschmack noch besser trifft, als jenen verwöhnter Musicalbesucher hierzulande. Aber der Schlussapplaus fiel durchaus freundlich-heftig aus, mein Sitznachbar unterstützte diesen sehr stimmkräftig mit „Bravo“-Rufen – da wären meine Rufe wohl untergegangen.

Salzburger Landestheater

Maria muss sich von den Schwestern des Nonnbergstifts verabschieden und flieht mit ihrer Familie in die Dunkelheit der Nacht aus Salzburg

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