Ein besonderes Salzburg-Buch: Wege zum Bier – 600 Jahre Braukultur

Titelbild Wege zum Bier - 600 Jahre Braukultur: es zeigt eine zeitgenössische Szene von 1910 im Stieglkeller

Titelbild Wege zum Bier - 600 Jahre Braukultur: es zeigt eine zeitgenössische Szene von 1910 im Stieglkeller

Dass einst das Bier auch manchmal „gepantscht“ war und man lieber welschen (aus Italien) Wein in Salzburg trank, sehr zum Missfallen der Salzburger Fürsterzbischöfe, sind Salzburger Trink-Gegensätze der Geschichte. Heute wird wohl niemand daran zweifeln, dass Bier zu Salzburg gehört wie Mozart oder die Festspiele. Und über die Geschichte des Bieres in Stadt und Land Salzburg erzählt das neue Buch, das ich heute gerne vorstellen möchte.

Sehr gut recherchiert, umfassend, gut illustriert – ein Buch für Bier-Geschichtsfreunde
Proteste gegen Umgeldpauschalierung und Bierzwang der Hofbrauereien, von der Zunftordnung und Pfuscher, über Mozarts Besuche in Bräuhäusern, den ruinösen Verdrängungswettbewerb der Brauereien Anfang des 20. Jahrhunderts, über Bierseligkeit und längst verschwundene Brauereien wie der Guggenthaler Brauerei, dem Noppinger Bräu oder Höllbräu – die Geschichte des Bieres auf Salzburger Boden wird im ersten Teil des Buches auf rund 80 Seiten anschaulich beschrieben.

Sechs Spaziergängen durch die Stadt Salzburg und zwei Ausflüge aufs Land
Was dann auf den anderen, rund 150 Seiten, zu lesen ist, das ist Salzburger Biergeschichte für den Liebhaber! Bei sechs Spaziergängen durch Stadt sowie einem Ausflug in die Salz- und Bierstadt Hallein und einer „Landpartie nach Obertrum“ erfährt der Leser viel Wissenswertes über längst vergessene Brauereien und natürlich vieles über die noch bestehenden. Aber in diese Spaziergänge ließen die beiden Autoren auch fundiertes Wissen einfließen. Wissen Sie, was es mit der Bierjodlgasse auf sich hat, was ein Niederleghaus war oder wo sich Salzburgs ältestes Freudenhaus befindet?

das Bild zeigt eine alte Ansicht des Hofbräus Kaltenhausen, unten erkennt man noch die Eisenbahnbrücke, die heute nicht mehr existiert

das Bild zeigt eine alte Ansicht des Hofbräus Kaltenhausen, unten erkennt man noch die Eisenbahnbrücke, die heute nicht mehr existiert

Mödlhammerbräu, Stockhamerbräu, landesfürstliches Kaltenbierhaus, Guglbräu, Kaltenhauser Keller in Mülln – ja, es gibt viele Spuren des Bieres in Salzburg, an denen der Besucher achtlos vorübergeht. Wieso die Familie Kiener am Augustiner Bräu Mülln 25 Prozent Anteil hält wird ebenso erklärt wie die Geschichte der vier ehemaligen Brauereien an der Linzer Gasse. Wer wusste schon, dass die Weißbierbrauerei in der Rupertgasse seit 1901 besteht und von einem Mitglied der Hoteliersfamilie Gmachl aus Elixhausen betrieben wird? Natürlich erfährt der Leser auch alles über die Stieglbrauerei und den Stieglkeller.

Anton Neumayr vereitelte 1920 eine Wahlkampfrede Adolf Hitlers in einem Halleiner Bräu
Dass Hallein einst als das Bierzentrum des Landes gegolten hat, liest der erstaunte Leser im Kapitel über Hallein. Zwischen interessanten geschichtlichen Anmerkungen zur Saline auf der Pernerinsel schildern die beiden Autoren die Geschichte des Stampflbräus, des Unterholzerbräus, dessen Zunftschild noch heute über der Straße hängt und anderen verschwundenen Brauhäusern, von der von Bürgermeister Anton Neumayr vereitelten Wahlkampfrede Adolf Hitlers 1920 im Bürgermeisterbrauhäus, später Gasthof Scheicher und schließlich über das Hofbräu Kaltenhausen, wo Kurfürstin Maria Leopoldine von Österreich-Este als Besitzerin 1832 die erste und lange Zeit einzige Dampfmaschine in Salzburg aufstellen ließ. Isi-Bräu in privater Atmosphäre, Raggei-Bräu mit Mitnahmebier in Bügelflaschen und die Trumer Privatbrauerei sind nur einige Themen des letzten beschriebenen Ausfluges in den Salzburger Flachgau.

Prost! Ein von Herrn Krieger frisch gezapftes Augustiner ließ sich Peter Krackowizer im Augustiner Bräu Mülln schmecken.

Prost! Ein von Herrn Krieger frisch gezapftes Augustiner ließ sich Peter Krackowizer im Augustiner Bräu Mülln schmecken.

Wer sich für Geschichte und Bier interessiert, für den ist das Buch eine wahre Fundgrube an Details
Zahlreiche Illustrationen, Bilder, alte Rechnungen und Übersichtskarten für die Rundgänge machen das Buch lebendig und farbig. Gute Quellen- und Literaturangaben bestärken den Eindruck, dass es sich bei diesem Buch nicht um irgendein oberflächliches Werk handelt, sondern um ein wohl recherchiertes Geschichtsbuch, das im Übrigen manche Irrtümer aufklärt, wie beispielsweise, dass Mozart schon im Stieglkeller mit Michael Haydn gebechert haben sollte – zu deren Lebzeiten war aber der Stieglkeller noch gar nicht in Betrieb!

Info
Wege zum Bier
600 Jahre Braukultur
Gerhard Ammerer, Harald Waitzbauer
ISBN 978-3-900213-16-9
erschienen 2011 in der Schriftenreihe des Archivs der Stadt Salzburg 32

Advertisements

Ein Kommentar zu “Ein besonderes Salzburg-Buch: Wege zum Bier – 600 Jahre Braukultur

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s