Wundervolles Wasser (… in Salzburg, ein Buchtipp)

Wundervolles Wasser, vom Gesundtrinken, Kurbaden und Freischwimmen

Titelbild Buch: „Wundervolles Wasser, vom Gesundtrinken, Kurbaden und Freischwimmen“, Verlag Anton Pustet, Salzburg

Vom Gesundtrinken, Kurbaden und Freischwimmen, ein geschichtliches Fachbuch über Wasser im Land Salzburg in Bezug auf Religion, Fremdenverkehr und Vergnügen

Nein, es ist kein Physikbuch – es ist ein Geschichtsbuch über Wasser und dessen Vorkommen und Anwendungen im Bundesland Salzburg; ein Geschichtsbuch, das nach einer kurzen physikalisch-geographisch-allgemeinen Einführung mit der geschichtlichen Bedeutung des Wassers beginnt. Da ist die Rede von Maibrunnen und Frühlingsbädern, von den Wasserheiligen, Quellenpatronen und der Taufe. Da wird es schon recht Salzburg-bezogen: die Quelle der hl. Brigida aus Irland bei dem Kirchlein in Henndorf am Wallersee, Sankt Koloman in der Taugl und auf dem Kolomansberg bei Thalgau, der hl. Wolfgang oder der hl. Sixt in Wald im Pinzgau und andere Ort finden Erwähnung, alle mit Wasser im Zusammenhang.

Brechlbäder, Badeverbote, Wallfahrtsgeschichten

Es folgt ein mythologisches Kapitel über Meerstern, Nymphe und Muttergottheit, gefolgt von „Maria am Brunnen – Salzburger Kultstätten“. Da lese ich eine interessante Wallfahrtsgeschichte zum Gnadenbründl bei Zellhof am Grabensee oder vom Gnadenwasser zu „Maria im Elend“ in Embach bei Lend. Der Beitrag „Im Badehaus geht’s an die Wäsche“ hat mich besonders interessiert. Die Autorin schildert darin die Geschichte des Badens als körperlichen Reinigungsvorgang, von alten Badadressen in Salzburg, deren es neun gab, die allesamt beschrieben werden. Und ab diesem Kapitel findet sich eine weitere Bereicherung im Buch: Steiner bringt immer wieder Zitate aus historischen Dokumenten oder Beschreibungen, wie z. B. einen Blick in eine öffentliche Badestube aus dem Zeidlers Universallexikon aus dem Jahr 1733. Schröpfen, Aderlassen, vom Bader zum Wundarzt oder Schwitzbäder in Rauris sind nur einige der lesenswerten Beiträge dieses Kapitels.

„Ausmittlung eines Schwimmbades“

Woher das Wort „Wasser“ stammt, über den Salzburger Wasserhaushalt und das Trinkwasser sind Inhalte eines weiteren Kapitels. Soweit über die ersten rund 90 Seiten des Buches. Die folgenden rund 110 Seiten beschäftigen sich dann mit „Kurtourismus und Gesundheitspilger“ in Stadt und Land Salzburg: Aigen in der heutigen Stadt Salzburg, zählte zu den ältesten Kurorten des Landes, 34 kalte und warme Heilquellen gab es um 1820, darunter das Frauenbad zu Söllheim (Hallwang), Baden und Wallfahrten zur heiligen Margarethe – Bad Schwarzenbach in Uttendorf, Bad Stocking in Saalfelden oder die Solequelle an der Pfannhauswand in Unken – der Sauerbrunnen beim Meislgut, seien hier stellvertretend erwähnt. Natürlich werden auch die Moorbäder ausführlich beschrieben wie das Marienbad oder der Kurbetrieb in Mattsee-Aug. Das letzte Kapitel dieses zweiten Buchteils beschäftigt sich mit Schwimmbädern: eine „Ausmittlung eines Schwimmbades“ (1823) vom damaligen Salzburger Bürgermeister Anton von Heffter sowie eine Badeordnung aus demselben Jahr kann man lesen, über Vinzenz Priessnitz, einem schlesischen Wasserdoktor und die Krimmler Wasserfälle als „Heilmittel gegen Stadtleben und Empfindelei“ (Letzteres aus der Stiftsbibliothek Sankt Peter), über das Kurhotel Stern in Hallein, Schwimmen im Zeller See im Pinzgau, über das erste, architektonisch bemerkenswerte, nicht mehr bestehende Strandbad in Neumarkt am Wallersee und vieles andere mehr.

Was Gertraud Steiner in diesem Buch zusammengetragen hat, ist ein wesentlicher Teil der Geschichte Salzburgs und in gewisser Hinsicht wohl auch Grundlagenforschung zum Thema Fremdenverkehr in Salzburg. All dieses Wissen untermauert sie mit einem Literaturverzeichnis, das mehr als 100 Werke enthält, u.a. von Univ.-Prof. Dr. Heinz Dopsch, dem Historiker Herbert Klein, Josef Ernst von Koch Sternfeld, August Rettenbacher, Joseph Reisigl, Franz Zillner und anderen; weil ich doch immer ein wenig kritisch bin: ein Stichwörterverzeichnis, das leider fehlt, wäre dann noch „das Tüpferl am i“ gewesen.

Eines der besten geschichtlichen Fachbücher Salzburgs, das ich bisher gelesen habe und aufgrund der zahlreichen historischen Abbildungen und Fotografien ein wirklich lesens- und sehenswertes Buch.

Erschienen 2012 im Verlag Anton Pustet, Salzburg, ISBN 978-3-7025-0675-9

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