Liegestuhl mit Handtuch blockieren – eine „kulturelle Eigenart“?

Liegestuhl mit Handtuch, reserviert

Liegestuhl mit Handtuch, reserviert, an der Königsseeache im Land Salzburg, aber auf privaten Grund …

Wer kennt es nicht, das Problem mit angeblich ewig zu wenigen Liegestühlen am Urlaubsziel.

Nach einem guten und ausgiebigen Frühstück schlendert man gemütlich zum Pool und – niemand da, aber auf allen Liegestühlen markieren Handtücher: diese hier sind besetzt! Um 11 Uhr sind dann viele auch tatsächlich besetzt und um 16 Uhr einige immer noch nicht. Das sind jene Liegen von den Tagesausflüglern, die vielleicht doch noch oder auch nicht, jedenfalls am darauf folgenden Tag dieselbe(n) Liege(n) als ihr angestammtes Eigentum (?) wieder benützen möchten.

Gegen diese Unsitte haben viele Hoteliers schon so manches unternommen. Wie es mir scheint, jedoch ohne anhaltenden Erfolg. Und wer will schon an seinem ersten Urlaubstag zu einem (gesetzlich) vorgeschriebenen Benimm-Kurs erscheinen, analog zu den gesetzlich – tatsächlich – vorgeschriebenen Seenotübungen an Bord eines Kreuzfahrtschiffes?

Apropos Kreuzfahrt. Die amerikanische Reederei Carnival Cruises hat nun, vorerst probeweise, Handtuch-Sherifs an Bord  der „Carnival Breeze“ eingesetzt. Diese räumen Handtücher  nach 40 Minuten von nicht besetzten Liegen wieder weg.  Nun meinte eine deutsche Reisefachzeitschrift dazu, sie hätte sich vom Chef der amerikanischen Reederei „…etwas mehr Feingefühl gegenüber kulturellen Eigenarten erwartet…“

Ich finde solch ein unmanierliches Vorgehen weder bei uns Österreichern noch bei unseren deutschen Nachbarn als „kulturelle Eigenart„, sondern als „Unart„.  Es ist schlicht Egoismus eines in Panik geratenden Urlaubers, der seinen sich doch seit Monaten bis ins letzten Details vorgestellten und ausgemalten Urlaub perfekt genießen will. Da haben andere Urlauber mit selben Absichten keinen Platz.

Schade.

Übrigens, sowie auf den – deutschen – Aida-Schiffen als auch auf den – deutschen – TUI Schiffen gibt es solche Kontrollen der Liegestühle, die überwiegend positiv aufgenommen werden. Warum also die deutsche Fachzeitschrift gerade bei einer amerikanischen Gesellschaft auf angebliche – deutsche – kulturelle Eigenarten pocht, ist mir aber nicht ganz klar.

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