Heiliges Grab und Salzkammergut-Charme – Karsamstag in Mondsee

das Heilige Grab in Mondsee, Oberösterreich, Österreich

das Heilige Grab in Mondsee, Oberösterreich, Österreich

Oberösterreich | Salzburg | Ostern | „…85 Grabkugeln, 300 Glaseln… zum Beleuchten des Kreuzes, der Blumenvasen und wo Christus im Grab liegt…“ so steht es in der Inventarliste des Jahres 1887 der heutigen Basilika von Mondsee. Ein Besuch des Heiligen Grabes am Karsamstag in der Salzkammergut-Marktgemeinde Mondsee im österreichischen Oberösterreich.

Kaiserliches Sommerfrische-Flair, Traditionelles und Modernes Mondsee
Ungewöhnlich lange hält sich dieses Jahr der Winter. Nicht ungewöhnlich, aber doch früh fällt Ostern dieses Jahr noch in die Märztage. Noch hat der angesagte Regen nicht eingesetzt, doch die Wolken hüllen die Berge, die Mondsee im oberösterreichischen Salzkammergut umgeben, in ein vorösterliches Grau. Der Spaziergang durch Mondsee an diesem Karsamstag führt durch den Ortskern hinaus zum Friedhof bis zum alten Verwaltungsgebäude der oberösterreichischen Bundesforste, gibt Blicke frei auf Gebäude, die noch mit jenen hölzernen Vorbauten geschmückt sind, die einst zur Hochblüte der Sommerfrische um die Jahrhundertwende (19./20. Jh.) die Landschaften um den Attersee, Bad Ischl bis eben hin nach Mondsee prägten. Blickt man in Stiegenhäuser der Gebäude, erspäht man marmorne Treppen und romanisch anmutende Torbögen. Am Hauptplatz schmiegen sich die alten Hotels und Braugasthöfe mit herausgeputzten Fassaden aneinander, das Hotel von Iris Porsche muss man fast suchen, so harmonisch zeigt sich das Bild in der Ortsmitte.

Doch in Mondsee ist die Zeit nur oberflächlich stillgestanden. Ein modernes Grabkreuz bietet einen künstlerischen Kontrast zu schmiedeeisernen und Steinkreuze. Hier scheint solch Widerspruch kein Problem zu sein, in der Salzburger Gemeinde Puch bei Hallein im Wallfahrtsort Sankt Jakob am Thurn sehr wohl. Dort regte sich im März dieses Jahres „in der Mehrheit der Bevölkerung“, wie in Medien geschrieben wurde, der Unmut gegen solch einen künstlerischen Kontrapunkt am dortigen Friedhof. Mondsee ist eben modern(er). Am Rande der Marktgemeinde entdeckt man elegante Einfamilienhäuser und vor den Toren Mondsees sind Gewerbegebiete entstanden, wo man alle Dienstleistungen und Produkte findet. Die einst eigenartige Autobahnanfahrt wurde in einen schwungvollen Kreisverkehr umgemodelt und ein Blick auf den Veranstaltungskalender zeigt ein reges Kulturleben, sogar das Leben und Sterben des „Jedermanns“ wird hier im Sommer auf einer Freiluftbühne gezeigt.

Das barocke Heilige Grab von Mondsee ist anders als die anderen

Aus Basilika Sankt Michael strömen die Menschen – der Rosenkranz war gerade zu Ende gebetet worden. Doch nur kurz ist es still in der Basilika, dann spucken Ausflugskleinbusse Amerikaner und Japaner aus, die auf den Spuren des amerikanischen Filmes „The Sound of Music“ Halt machen, um den Ort der Hochzeit von Georg Ludwig Ritter von Trapp und seiner zweiten Frau Maria Augusta Kutschera zu erleben. Den Film-Hochzeitsort, denn im wirklichen Leben heirateten die beiden am 26. November 1927 in der Kirche des Benediktiner-Frauenstifts Nonnberg in Salzburg.

Aber schiebt man den dicken Vorhang zur Seitenkapelle zur Seite, empfängt einen wieder Stille, Ruhe und Dunkelheit. Hier kann man jedes Jahr vor Ostern das Heilige Grab erleben. Dieses Heilige Grab unterscheidet sich dadurch von anderen des Barocks, dass es nicht aus bemalten, hintereinander aufgestellten Kulissen besteht, die eine Tiefenwirkung erzielen, sondern nur aus einer Ebene mit Glasmosaik besteht, die von hinten angestrahlt wird. Die Glasmosaiken stammen von der Firma Eduard Zbitek in Neustift bei Olmütz (Mähren, Tschechien), die 1846 gegründet wurde.

Zwar gab es zur Zeit der Monarchie viele solche Heiligen Gräber, doch nur wenige überlebten die Stürme der Zeit. Und die Wiederentdeckung des verloren geglaubten Mondseer Grabes ist einem Zufall zu verdanken. Anlässlich der Renovierung der Basilika im Jahr 2005 entrümpelte man zunächst den Dachboden. Dabei fand Kirchenpfleger Alois Ebner das Heiligen Grab in sehr schlechtem Zustand. Obwohl niemand recht an eine Restaurierung glaubte, unternahm man 2007 den Versuch. Ebners 91jähriger Vater fertigte eine Zeichnung aus dem Gedächtnis an, da es keine Bilder oder sonstige Unterlagen des Heiligen Grabes gab. Die Restaurierung glückte und so erstrahlt das Heilige Grab aus dem 19. Jahrhundert alljährlich wieder in der Basilika von Mondsee zur Osterzeit.

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