Rösser, Reiter und herrliche Landschaft – Georgiritt in Sommerholz

Andreas Hauser aus Lochen am See

Andreas Hauser aus Lochen am See (neun Jahre jung) denkt nach, worüber, das habe ich nicht erfahren

Salzburg | Flachgau | Neumarkt am Wallersee | Wenn sich 136 Pferde versammeln – exakt so viele waren es am vergangenen Sonntag, den 14. April 2013, und wenn sich „oben“ in Sommerholz weit mehr als 500 Menschen bei dem kleinen Kirchlein „zum hl. Georg“ einfinden, dann muss da etwas Besonderes stattfinden.

Das „da“ liegt im Gemeindegebiet der jungen Flachgauer Stadt Neumarkt am Wallersee auf gut 770 Meter über dem Meeresspiegel, nur wenige hundert Meter von der oberösterreichischen Landesgrenze entfernt. Und das Besondere an diesem Sonntag war der 22. Georgiritt mit Pferdesegnung, der in Sommerholz alle zwei Jahre stattfindet. Altbürgermeister Hans-Georg Enzinger, jahrelang selbst Mitorganisator der Veranstaltung, war schon beim ersten Sommerholzer Georgiritt im Jahr 1967 dabei gewesen.

Alle Bilder der Veranstaltung auf meiner Bilder-Plattform unter diesem Link.

Vier Stunden von Lochen am See geritten

Schon in der Nähe des Schlosses Sighartstein, bei der Gärtnerei Trapp, parkten die ersten Pferdebesitzer ihre Transporter und legten die letzten Kilometer im Sattel ihrer Pferde zurück. Auf der Straße hörte man Hufgeklapper der Pferde, die gut besetzte Kutschen zur Kirche zogen.

Am Festplatz neben dem Zeughaus des Löschzugs Sommerholz der Freiwilligen Feuerwehr Neumarkt am Wallersee waren ebenfalls schon Rösser und Reiter eingetroffen. Unter ihnen Roman Hauser mit seinem Noriker-Hengst „Palermo“ und Andreas Hauser (neun Jahre jung) mit seinem „Moritz“. Ja, wenn das Wetter passt, meinte Roman, dann reiten wir schon von Lochen am See hierher. So wie an diesem Sonntag. Vier Stunden haben sie von Lochen gebraucht, gute 20 Kilometer im Sattel, und nach dem Ende der Veranstaltung natürlich nochmals vier Stunden nach Hause.

Er heißt nicht nur Vulkan, er ist auch einer

Bald sieht man Pferde, wohin man auch schaut. Dreht man sich um, sieht man in Augenhöhe in irgendein Paar aufgeweckt blickende Augen, vielleicht gerade etwas schnaubend, manchmal auch an der Kameraausrüstung des Fotografen schnuppernd – alle Schleckversuche konnten erfolgreich verhindert werden. Manche Pferde sind prächtig geschmückt, sind mit verzierten Sättel oder blumengeschmückten Schweifen versehen.

Mitten drin steht ein Einspänner. Die Fahrerin, Johanna Kollmann, ist aus Seekirchen am Wallersee. Der Einspänner wird vom vierjährigen Noriker-Wallach „Leo Vulkan“ gezogen. Also eine von einem Vulkan gespeiste Kleinkutsche. Da lacht Johanna und meint, ja und was für einen Vulkan! Der hat es in sich. Sie selbst war schon früher dabei gewesen, beim Georgiritt, mit Ponys und Haflinger. Aber dann machte sie mal eine Pause – ihr „Leo Vulkan“ musste ja erst groß werden. Aber vor vielen Jahren, so erzählt Johanna Kollmann, habe sie sogar einmal beim Kranzlstechen gewonnen, mit ihrem „Jimmy“.

30jähriges Jubiläum bei der „Ländlichen Reitergruppe Lochen“

Eine in weinrote Janker gekleidete fröhliche Reitergruppe sammelt sich etwas abseits. Dreizehn Mitglieder der „Ländlichen Reitergruppe Lochen“ haben den Weg herauf nach Sommerholz gefunden. Seit wann es diese Gruppe schon gäbe? Seit genau 30 Jahren! Und am 25. Mai 2013 wird dieses Jubiläum in Lochen am See gefeiert. Zunächst mit einem Orientierungsreiten und dann mit einem Country-Abend.

Der Georgiritt

Um kurz nach 11 Uhr begannen sich die ReiterInnen und Kutschen in Bewegung zu setzen und zogen in einer Prozession um den Hügel hinauf zum Kirchlein des hl. Georgs. Voran ritt der Herold, gefolgt vom heiligen Georg. Diesen stellte der Köstendorfer Johann Schober dar, und das schon seit 1975. Im folgten die Edelfräulein und zwei, ja was sind sie denn? Beim ersten Mal gefragt, antworteten sie, sie wissen es nicht. Beim zweiten Mal gefragt, grinsten die beiden und meinten, was sie seien? Zwei Deppen! Und ritten weiter. Die Nachforschung hat ergeben, dass sie zwei Knappen seien.

Erreichen die Reiter die Kirche, umreiten sie diese drei Mal. Das hätten schon die alten Germanen einst gemacht, wenn sie ein Land in Besitz nehmen wollten, führte später Pfarrer Dr. Michael Max in seinen Worten aus. Und er meinte „dass die Erde zum Glück der Menschen werde“ in Abwandlung des Zitats von Friedrich von Bodenstedt „Alles Glück dieser Erde liegt auf dem Rücken der Pferde“. Allerdings und das sei hier zitiert, ist das Originalzitat von Bodenstedt etwas länger: „Das Paradies der Erde liegt auf dem Rücken der Pferde, in der Gesundheit des Leibes und am Herzen des Weibes.“

Umrahmt von den Klängen der Trachtenmusikkapelle Neumarkt am Wallersee wurden dann die Pferde gesegnet, bevor es wieder hinunter zur Festwiese ging.

Und zum Kranzlstechen braucht man ein…

Kranzl, genau! Das aber war, nach mehrmaliger Ankündigung von Christian Maier, dem Obmann der Reitergruppe Neumarkt – Köstendorf, es ginge gleich los, nicht zu finden. Das Zeughaus des Löschzuges Sommerholz wurde gründlich durchsucht und siehe da, es tauchte die Kiste mit den Kranzl auf. Es konnte los gehen. Der Boden war weich, aber nicht nass, die Hufe der Pferde ließen Erdbatzen umher wirbeln. Das Kranzlstechen wurde in verschiedenen Klassen ausgetragen und die Höhe, in der das Kranzl hing, entsprechend angepasst: von den Kindern mit ihren Ponys bis hin zu Jugendlichen und Erwachsenen mit ihren Haflingern und Noriker-Pferden.

Jetzt war der Andreas Hauser, wir sprachen schon von ihm, extra von Lochen mit seinem „Moritz“ hergeritten, um beim Kranzlstechen mitzumachen. Und was macht der „Moritz“ im zweiten Durchgang, in dem es auf Zeit und Schnelligkeit ging? Er bockt und dreht im Kreis! „Hüa, jetzt geh‘ scho“ versuchte Andreas den „Moritz“ in Schwung zu bringen. „Moritz“ schien aber andere Ansichten vom Wettkampf zu haben und nahm diesen in „seinem“ Tempo auf. „Es ist schön, Pferdezüchter zu sein“ steht auf Andreas seinem Hut und der nahm’s dann auch gelassen und freute sich dabei gewesen zu sein.

Es gäbe wohl noch viele Geschichten zu schreiben, über die Pferde, die Menschen und den Georgiritt in Sommerholz. Aber man muss in schon selber erleben, den Georgiritt in Sommerholz in Neumarkt am Wallersee. In zwei Jahren gibt es wieder die Gelegenheit dazu. Dann werden die Reitergruppe Neumarkt – Köstendorf und die Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr Löschzug Sommerholz wieder zu Ehren des Heiligen einen Ritt über die Felder organisieren.

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