Nestroy in Neumarkt und Seeham, Jedermann und Fest zur Festspieleröffnung

„Liebesgeschichten und Heiratspossen“ von Johann Nestroy

„Liebesgeschichten und Heiratspossen“ von Johann Nestroy

Salzburg | Seeham | Neumarkt am Wallersee | 20. Juli 2013 | Er habe seine Belege fürs Finanzamt griffbereit in einer Schuhschachtel meinte Herr Nebel alias Leo Braune in Nestroys Posse „Liebesgeschichten und Heiratspossen“. Ausgezeichnete Musik bot das Streichquintett „Strings of Fire“ beim Fest zur Festspieleröffnung und der Vollmond verklärte die Aufführung „Einen Jux will er sich machen“ auf der Seehamer Seebühne – Rückschau auf ein kulturell abwechslungsreiches Sommerwochenende in Salzburg.

Das Straßentheater! … kam nach Neumarkt am Wallersee

Seit 1970 tingelt das Straßentheater durch Salzburgs Gemeinden und erfreut so sein Publikum mit erfrischend heiteren Stücken. Am Freitag, den 19. Juli 2013, machte es in der Flachgauer Stadt Neumarkt am Wallersee mit dem Stück „Liebesgeschichten und Heiratspossen“ von Johann Nestroy Halt. Eingestreut in das Verwirrspiel um schöne Frauen und das Heiraten nahm Leo Braune in der Rolle des armen Taglöhners Nebel, der sich als Baron aufspielt, in Liedern auch Bezug auf das Theater rund um Festspielintendant Pereira und dessen Doppelrolle bei den Salzburger Festspielen und der Mailänder Oper, auf das Theater um die unauffindbaren Millionen im Salzburger Finanzskandal und die fehlende Farbe Rot in der aktuellen Landesregierung.

Wie in Nestroys Stücken üblich, verwirrt sich zunächst alles, um schließlich doch zu einem glücklichen, wenn auch in diesem Stück etwas schnellen, nicht ganz verständlichen Ende zu kommen. Das mag aber auch an der Inszenierung von Klaus Gmeiner liegen, der aus einem abendfüllenden Stück eine erträgliche 90-Minuten-Variante schneiderte. Jedenfalls war es ein unterhaltsamer Abend unter einem prachtvollen sommerlichen Flachgauer Sternenhimmel bei angenehmer Temperatur.

Weitere Bilder vom Straßentheater in Neumarkt am Wallersee ⇒ auf meiner Bilderplattform.

„Singer Limited“, eine A-cappella-Gruppe der „Royal Grammar School“ von High Wycombe aus England sang am Mozartplatz

„Singer Limited“, eine A-cappella-Gruppe der „Royal Grammar School“ von High Wycombe aus England sang am Mozartplatz

Salzburgs Altstadt wurde zur Bühne

Wer ob der sommerlichen Hitze keine der zahlreichen Veranstaltungen, die in Gebäuden anlässlich des Festes zur Festspieleröffnung angeboten wurden, besuchen wollte, hatte im Freien am Mozart- und Papageno-Platz Gelegenheiten, mehr oder weniger guten Kunstgenuss zu erleben.

Martina Althuber

Martina Althuber

Ein „mehr“ waren etwa die „Singer Limited“, eine A-cappella-Gruppe der „Royal Grammar School“ von High Wycombe aus England. Bekannten Songs und Spirituals konnte man unter den Augen Wolfgang Amadeus Mozarts auf seinem Platz lauschen. Ein „weniger“ folgte am Papagenoplatz von der Gruppe „M᾽s Grace“ der Salzburgerin Martina Althuber. Zwischen Café Fasties und dem Zirkelwirt sollte es für eine Nummer ganz leise werden, die Kinder an die Leine genommen und der Mund gehalten, erbat sich Althuber bei einer Nummer. Denn diese singt sie ganz leise, kündigte sie an. Was sie dann aber eigentlich gar nicht tat und das auch erst nach einem zweiten Anlauf. Denn kurz nach Beginn des Liedes hörte sie auf und fing neu an, wie gesagt, eigentlich gar nicht ganz leise. Auch sonst wirkte die Gruppe etwas steif und ihre Musik braucht wohl noch eine Reifezeit.

Streichquintett „Strings of Fire“

Streichquintett „Strings of Fire“

Ein echter musikalischer Höhepunkt war dann aber das Streichquintett „Strings of Fire“. Sechs Mitglieder des Mozarteumorchesters Salzburg, Michael Kaupp, Daniela Beer, Romana Rauscher, Susanne Müller, Martin Hinterholzer und Michael Mitterlehner entlockten ihren Streichinstrumenten in der Tat ein musikalisches Feuerwerk. Ob „Halleluja“ von Leonhard Cohen, einen in einen Mambo verpackten „Rosaroten Panther“, Klassik neu interpretiert oder „My Way“ als Zugabe – ein mit begeistertem Publikum gefüllter Papagenoplatz erlebte Musik von hervorragender Qualität. Und am Weg nach Hause konnte man noch einen Blick durch die Dombögen auf die Neuinszenierung des „Jedermann“ werfen. Manche Adabeis spürten wohl schon die Müdigkeit, aber trotz des fortgeschrittenen Sommerabends waren Salzburgs Altstadtstraßen noch Bühne für jedermann.

Weitere Bilder vom Fest zur Festspieleröffnung ⇒ auf meiner Bilderplattform.

„Einen Jux will er sich machen“ von Johann Nestroy auf der Seebühne Seeham

Vollmond, Gelsen und Nestroy – die Seebühne Seeham ist ein Erlebnis!

Wer behauptet, Gelsen wären nicht an Kultur interessiert, der irrt. Vor ausverkaufter Tribüne, unter reger Anteilnahme der Gelsen an den Besuchern und im Scheinwerferlicht, sowie einem fast-Vollmond über dem Obertrumer See wollte Weinberl ein richtig verfluchter Kerl sein und sich „einen Jux machen“. Diese Komödie von Nestroy bekam durch die Seebühne eine besondere Note. Denn nicht nur zu ebener Erde, sondern auch im ersten Stock wurden Wortwitz und Verwechslungen gespielt. Christopherl, Zangler, Marie und Co kamen und gingen auch über Besuchertribüne und Gartenwege und ließen so die Zuschauer mittendrin erscheinen. Obwohl des Hausknechts Melchior geflügeltes Wort stets „des is klassisch“ war, muss man diese Inszenierung wohl mehr als „des war sehr gut“ bezeichnen. Und wie so oft bei Künstlern – sie mussten sich erst warmspielen, was angesichts der lauen Sommernacht unter Sternenhimmel bei vollem Mond dann auch trefflich gelang. Wer trotz später Stunde noch nicht müde war, erlebte auf dem Weg zu den Parkplätzen ein romantisch beleuchtetes Gemeindeamt.

Alle Bilder von der Seebühnen-Aufführung ⇒ auf meiner Bilderplattform.

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