Touren für Genießer: Gerlos – Großglockner – Nockalm

 Gerlos Alpenstraße Österreich

Zwei PS am Rande der Gerlos Alpenstraße (Bildquelle: Großglockner Hochalpenstraßen AG)

Österreich | Salzburg | Kärnten  6 000 Höhenmeter , 96 Kehren und viel Erlebnis
Zischend verdampft das Wasser in den Lärchenholztrögen, wenn es glühende Steine auf 40° C erwärmen. Dann steigen die „Kurgäste“ in die Tröge, Holzklappen schließen sich und nur die Köpfe schauen noch hervor. Das Karlbad an der Nockalmstraße dürfte auf 1 693 Meter über der Adria wohl das höchstgelegene Kurbad Österreichs sein.

Die Panorama-Alpenstraßen Salzburgs und Kärntens
Wenn im Juli und August die Quecksilbersäule in den Tälern Österreichs über 30° C steigen, locken Panoramastraßen in den Alpen die Menschen in die Bergwelt, da dort, je nach Höhenlage, angenehme 20° C herrschen. Im Herbst faszinieren dann die Farben der Natur die Besucher. Es sind jene Monate, in denen Cabrio-Fahrer das Verdeck zurückklappen und auf den gut ausgebauten Bergstraßen ihre Ausfahrten genießen. Es sind die Wochen der Motorrad-Freaks, die die guten Straßenbeläge schätzen und Kurve um Kurve die Bergwelt erfahren. Die 2011 durchgeführten Griffigkeitsmessungen durch die akkreditierte Prüf- und Überwachungsstelle „Austrian Institute of Technology“ bestätigten über 90 Prozent Straßenbeläge der Gerlos Alpenstraße, der Großglockner Hochalpenstraße, der Nockalmstraße, der Villacher Alpenstraße und der Goldeck Panoramastraße die Bestnote „sehr gut“, der Rest erhielt die Note „gut“.

 Karlbad an der Nockalmstraße in Kärnten

im „Kurmittelhaus“ des Karlbads an der Nockalmstraße in Kärnten

Gerlos Alpenstraße, Großglockner Hochalpenstraße und Nockalmstraße
Von diesen drei Bergstraßen ist in diesem Artikel die Rede. Sie führen zu den mit 380 m höchsten Wasserfällen Europas und den fünft höchsten Wasserfällen der Welt, zu den Krimmler Wasserfällen, zur höchstgelegenen Automobilausstellung der Welt und wie eingangs geschrieben, zum wahrscheinlich höchstgelegenen Kurbad Österreichs. . Natürlich lassen sich die Besuche dieser drei Ausflugsstraßen auch miteinander kombinieren oder durch „Seitensprünge“ erweitern. Diese Reise führt Sie vom Zillertal kommend über die Gerlos Alpenstraße in den Oberpinzgau. Über den Alpenhauptkamm der Hohen Tauern geht es auf der Großglockner Hochalpenstraße in den Wallfahrtsort Heiligenblut und durch das Mölltal hinaus in den Süden Österreichs an den Millstätter See in Kärnten. Von dort geht es wieder in die Bergwelt der Gurktaler Alpen hinauf auf die Nockalmstraße, an deren nördlichem Ende es nicht weit zur Geburtsstätte des ersten Porsche, nach Gmünd, ist.

Die Gerlos – Alpenübergang aus dem Pinzgau ins Zillertal

An der Gerlos Alpenstraße mit Blick hinunter in Richtung Krimml

An der Gerlos Alpenstraße mit Blick hinunter in Richtung Krimml

Die 1962 eröffnete zwölf Kilometer lange Gerlos Alpenstraße war die zweite große Bergstraße, die Franz Wallack nach der Großglockner Hochalpenstraße erbaute. Sie ist mit ihrem Scheitelpunkt auf 1 630 Metern über Adria die niedrigste der drei Passstraßen, hat auch nur neun Kehren und weist eine maximale Steigung von nur neun Prozent auf. Trotz dieser harmlosen technischen Daten entführt sie den Besucher in eine faszinierende Bergwelt. Kommt man aus dem Zillertal herauf, passiert man zunächst den Durlaßboden-Speichersee, um danach das auf 1 245 m ü. A. gelegene Gerlos am gleichnamigen Hochplateau zu erreichen. Im Winter ein Ski- und im Sommer ein Wanderparadies. Dann erst beginnt der Anstieg zur eigentlichen Gerlos Alpenstraße und bereits vom ersten Parkplatz nach der Mautstelle präsentieren sich die Krimmler Wasserfälle dem Besucher. In harmonisch an die Hänge gebauten Kehren geht es talwärts bis zum Parkplatz P4. Dort befinden sich einerseits die Erlebnis-WasserWunderWelten Krimml, andererseits die nur wenige Gehminuten entfernten Krimmler Wasserfälle (Kombikarte für Parkplatz, WasserWunderWelten und Wasserfälle).

Die WasserWunderWelten Krimml präsentieren das Lebenselexier Wasser im Rahmen einer unterhaltsamen, informativen und spannenden Schau als faszinierendes Element. Der Besuch der Krimmler Wasserfälle lohnt sich in jedem Fall, wenigstens bis zur ersten Aussichtskanzel, der Riemann Kanzel. Wer länger in Krimml bleiben möchte, dem sei eine Wanderung ins Krimmler Achental zum Krimmler Tauernhaus (1 631 m ü. A.) empfohlen. Tauernhäuser waren Hospize, Wacht- und Raststationen entlang von Saumpfaden für Samer und andere Wanderer in den Tauern. Sie wurden von den Salzburger Fürsterzbischöfen unterhalten. Die Fürsterzbischöfe nutzten früher auch die alte Gerlosstraße, um das Gold aus dem Zillertal, das zum Erzbistum Salzburg gehörte, zur Münze in der Stadt Salzburg zu bringen.

Die rund 60 Kilometer von Krimml bis zur Mautstation Ferleiten an der Großglockner Hochalpenstraße führen durch das Salzachtal im Oberpinzgau. Im Norden verlaufen die Kitzbüheler Alpen, auch Pinzgauer Grasberge genannt, im Süden die Hohen Tauern, Teil der Zentralalpen der Ostalpen. Aus der Vielzahl lohnender Besichtigungen entlang dieser Strecke sei das Nationalparkzentrum des Nationalparks Hohe Tauern in Mittersill erwähnt. Dort kann man den Nationalpark mit seinen 266 Dreitausendern und 342 Gletschern sowie (nochmals) die Krimmler Wasserfälle erleben. In acht Räumen wird die außergewöhnliche Naturvielfalt dieser Schutzzone präsentiert.

Webcam-Blick auf der Edelweißspitze an der Großglockner Hochalpenstraße

Webcam-Blick auf der Edelweißspitze an der Großglockner Hochalpenstraße

Die „Königin der Bergstraßen“, die Großglockner Hochalpenstraße

Wer schon einmal die Großglockner Hochalpenstraße befahren hat, weiß, dass ein Tag fast zu wenig ist, um alles entlang dieser Panoramastraße erkunden und genießen zu können. Daher ein Tipp: Gönnen Sie sich eine Übernachtung in einem der neun Gasthöfe und Hütten entlang der Straße. Besonders das Erlebnis frühmorgens am Berg hinterlässt dann zu einem unvergessliche Eindrücke, wenn die Sonne über die Bergkämme in den Himmel steigt und Berge und Täler zunehmend in das weiche Morgenlicht taucht. Als Bonus für alle, die an der Straße übernachten, gelten ihre Mautkarten auch noch am nächsten Tag. Für all jene, die zwar über die Großglockner Straße fahren, aber weiter zu ihrem Urlaubsziel reisen, gibt es eine speziell ermäßigte Rückfahrkarte für die Großglockner Hochalpenstraße (Rückfahrt im selben Kalenderjahr mit demselben Fahrzeug).

Nach der Mautstelle Ferleiten auf Salzburger Seiten warten 48 Kilometer Straße und zwölf Besuchereinrichtungen darauf, erfahren und erlebt zu werden. Schon kurz nach Beginn der Straße informiert am Piffkar eine Ausstellung über die Geschichte „75 Jahre Großglockner Hochalpenstraße“. Weiter geht es durch die wilden Felsformationen der „Hexenküche“ hinauf auf das obere Nassfeld zum höchsten Punkt der Straße, der Edelweißspitze (2 571 m ü. A.). Von dort hat man einen der schönsten Ausblicke entlang der Großgroßglockner Hochalpenstraße: bei klarem Wetter sieht man über 30 Dreitausender, im Tal unten den Zeller See und in einigen Kilometer Entfernung bereits das Hochtor, die Grenze zwischen den Bundesländern Salzburg und Kärnten. Im „Bikers Corner“ auf der Edelweißspitze wird die Geschichte der drei internationalen Automobil- und Motorradrennen in der Zwischenkriegszeit auf der Großglockner Hochalpenstraßen gezeigt.

Herbert Haslinger

Herbert Haslinger „Mankeiwirt“ vom Gasthof Fuscherlacke

Auf der Fahrt zum Hochtor kommt man an der Fuscher Lacke und am Gasthof Fuscherlacke, genannt „Mankeiwirt“, vorbei. Mankeiwirt deshalb, weil Herbert Haslinger, der Wirt des Gasthofes, schwache und kranke Murmeltiere (Mankeis) pflegt und manchmal laufen diese Murmeltiere auch durch die Gaststube. Dem Gasthof gegenüber steht ein altes Wegmacherhaus, in dem eine Ausstellung den Bau der Straße zeigt. Auch ein Kramerladen aus jener Zeit, in dem die Arbeiter einkaufen konnten, ist dort zu sehen.

Zwischen Fuscher Lacke und Hochtor erreicht ein uralter Wanderweg aus dem Rauriser Tal, genauer gesagt aus dessen südwestliche Verlängerung, dem Seidlwinkltal, die Straße. Schon die Römer nutzten diesen Übergang, was Funde von Grabungen beweisen, die man in einem kleinen Museum beim Hochtor bestaunen kann.

Nun geht es auf kärntner Seite zunächst talwärts, bevor es bei Guttal wieder bergwärts auf der in diesem Abschnitt der Großglockner Hochalpenstraßen genannten Gletscherstraße. Schließlich kommt man zur Kaiser-Franz-Josefs-Höhe, dem Endpunkt der Straße. Sie befindet sich am Fuße des höchsten Berges von Österreich, dem Großglockner (3 798 m ü. A.) und oberhalb des größten Gletschers der Ostalpen, der Pasterze (rund acht Kilometer lang). Im Besucherzentrum neben dem großen Parkparkhaus Freiwandeck ist die höchst gelegene Automobilausstellung der Welt zu sehen: „125 Jahre Automobilismus – Die Erfolgsgeschichte des Automobils“. Neben dem „Benz Patent-Motorwagen Nr. 1“ aus dem Jahre 1886 werden der „Zweite Marcus Wagen“ (1888/89), ein Ford TT-Modell, ein VW-Käfer mit „Bretzelfenster“, ein Audi-Ur-Quattro und andere Meilensteine der Automobilgeschichte präsentiert.

Nach einer Wanderung (oder Fahrt mit der Gletscherbahn) hinunter zur Pasterze, einem Besuch bei der Wilhelm-Swarovski-Beobachtungswarte und einer kulinarischen Pause in einer der gastronomischen Betriebe im Bereich der Kaiser-Franz-Josefs-Höhe fährt man ein paar Kilometer wieder zurück, um bei Guttal hinunter nach Heiligenblut abzubiegen. Von Heiligenblut hat man nochmals einen wunderbaren Blick auf den Großglockner. Vielleicht möchten Sie ja auch dort übernachten, um am nächsten Tag weiter zur Nockalmstraße zu fahren.

Auf der Nockalmstraße durch den Nationalpark Nockberge

Vorbei an der mächtigen Kreuzeck-Gruppe (bis 2 700 m ü. A. hoch) und durch das Mölltal unterhalb der Reißeck-Gruppe, deren höchste Gipfel fast 3 000 Meter erreichen gelangt man nach Spittal an der Drau. Hier ist das Renaissance-Schloss Porcia einen Besuch wert, bevor es entlang des Millstätter Sees und durch den Kurort Bad Kleinkirchheim wieder bergwärts zur Nockalmstraße geht. Von der bereits 1 270 Meter hoch gelegenen Mautstelle geht es dann bis auf 2 042 m ü. A. Mit vielen Kurven und Serpentinen windet sich die Nockalmstraße durch den größten Fichten-, Lärchen- und Zirbenwald der Ostalpen. Auf der Passhöhe Schiestlscharte lohnt sich der Besuch der sagenumwobenen „Wunschglocke“ und in der Glockenhütte, wo ein Bauernmarkt regionale Köstlichkeiten bietet.

Nockalmstraße im Biosphärenpark Salzburger Lungau und Kärntner Nockberge (Bildquelle Nockalmstraße – Land Kärnten / Grohag)

Die Straße führt auf und ab durch die Bergwelt zur Grundalm, wo man die Ausstellung „Silva Magica“ nicht versäumen sollte. Dieser Naturpark soll den Besuchern anhand verschiedener Arten und Formen der Gesteine, der Pflanzen und des Wassers Erholung bieten und zugleich Wissen vermitteln. Bevor es dann wieder ins Tal hinunter geht, gelangt man zum eingangs erwähnten Karlbad. Eine Besichtigung dieses urigen Kurbetriebes ist zwar nicht möglich, aber man kann natürlich kuren oder zumindest in der Wirtsstube einkehren. Schließlich erreicht man das neue „Nationalpark-Zentrum Nockalmhof“ und dann Innerkrems am nördlichen Ende der Nockalmstraße.

Nur wenige Kilometer von Innerkrems sind es nach Kremsbrücke im Liesertal. Südlich von Kremsbrücke befindet sich die kleine Stadt Gmünd. Dorthin hatte Professor Ferdinand Porsche gegen Ende des Zweiten Weltkriegs sein Konstruktionsbüro verlegt. Am 15. Juni 1948 ließ Porsche den Wagen mit der Konstruktionsnummer 356 beim Amt der Kärntner Landesregierung mit dem Kennzeichen K-45.286 zulassen. Dieser erste Porsche war mit einem 1,1-Liter-Mittelmotor ausgestattet, der es auf 35 PS brachte. Es war der Beginn einer Automobillegende. Heute kann man in einem privaten Porsche-Museum in Gmünd die Geschichte dieser Automobilmarke erleben.

Kinderspielplatz an der Villacher Alpenstraße (Bildquelle Pressebild-Download Villacher Alpenstraßen- und Fremdenverkehrs GmbH)

Kinderspielplatz an der Villacher Alpenstraße (Bildquelle Pressebild-Download Villacher Alpenstraßen- und Fremdenverkehrs GmbH)

Neben diesen drei erwähnten Panoramastraßen gibt es in Kärnten noch die Goldeck Panoramastraße zwischen Spittal an der Drau und Villach (14,5 Kilometer, bis auf 1 895 m Höhe), sowie die Villacher Alpenstraße westlich von Villach auf den Dobratsch (16,5 Kilometer, bis auf 1 732 m Höhe). Was Sie auf diesen beiden Ausflugsstraßen erleben können und viele weitere Informationen zu den vorher beschriebenen drei Panoramastraßen können Sie in der Broschüre „Touren für Genießer“ nachlesen. Diese können Sie von der Homepage der Großglockner Hochalpenstraße unter Infomaterial herunterladen. In dieser 95-seitigen Broschüre sind unter anderem auch vier Tourenvorschläge beschrieben, sowie Übernachtungs- und Einkehrmöglichkeiten samt Besichtigungstipps und Internetlinks.

Für Motorradfahrer

Es gibt eine Broschüre, die man sich im Internet herunter laden kann, die auf spezielle Einrichtungen für Motorradfahrer entlang der drei beschriebenen Ausflugsstraßen eingeht und auch motorradfreundliche Übernachtungsmöglichkeiten auflistet.

Auf einen Blick

Die hier beschriebene Route ist ca. 360 Kilometer lang. Rechnet man alle Berg- und Talfahrten zusammen, so ergeben sich mehr als 6 000 Höhenmeter, die man dabei zurücklegt.

Großglockner Hochalpenstraße – www.grossglockner.at
Gerlos Alpenstraße – www.gerlosstrasse.at
WasserWunderWelten Krimml und der Krimmler Wasserfälle – www.wasserwelten-krimml.at
Nockalmstraße – www.nockalmstrasse.at

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