„Auto halt! Straßenmaut“ heißt es nun im Salzburger Freilichtmuseum

das historische Mauthaus Guttal samt historischer Mobil-Tankstelle im Salzburger Freilichtmuseum

das historische Mauthaus Guttal samt historischer Mobil-Tankstelle im Salzburger Freilichtmuseum am Tag der Eröffnung am 4. August 2013

Salzburg | Freilichtmuseum Salzburg | Großglockner Hochalpenstraße | Das historische Mauthaus Guttal wurde 1935 auf der Kärntner Seite der Großglockner Hochalpenstraße oberhalb von Heiligenblut am Großglockner errichtet. 2012 wurde es dort abgetragen und im Salzburger Freilichtmuseum in Großgmain für die Nachwelt wieder originalgetreu aufgebaut.

50 Meter Großglockner-Straße im Freilichtmuseum
Am Sonntag, den 4. August 2013, wurde bei herrlichem Sommerwetter dieses Mauthaus als 93. Gebäude des Salzburger Freilichtmuseums in einem Festakt offiziell eingeweiht. Vom Museumseingang fuhr eine Abordnung des Motor Veteranen Clubs Salzburg mit historischen Fahrzeugen der 1930er Jahre, ein Citroen, ein Steyr 50 („Steyr Baby“), Steyr 200 u.a., dem Festzug voraus, der von den beiden Trachtenmusikkapellen der Großglockner-Hochalpenstraßen-Anrainergemeinden Fusch an der Großglocknerstraße (Salzburg) und Heiligenblut am Großglockner (Kärnten) begleitet wurde. Der Festzug benutzte dann auf den letzten 50 Metern „echte“ Großglockner-Hochalpenstraße-Straße: gewalzte Sandstraße, begrenzt durch große Steinblöcke und dem früheren markanten blau-weißen Straßenbegrenzungsgeländer.

So sah das Mautthaus an seinem Originalplatz aus

So sah das Mautthaus an seinem Originalplatz aus

“Da haben wir so manchen Mautpreller erwischt“
Das historische Mauthaus Guttal wurde von 1935 bis 1993 zur Kontrolle der Benutzer der Panoramastraße, aber auch als Tankstelle benutzt. Es befand sich auf 1 868 m ü. A. nahe der Straßengabelung zur Kaiser-Franz-Josefs-Höhe und zum Hochtor. Damals lebten die Mautner während der nur wenige Monate dauernden Öffnung der Straße im Mauthaus Tag und Nacht. Sie waren Wetter- und Straßenzustandsmelder nach Salzburg, bedienten die Tankstelle, an der manchmal bis zu 4 000 Liter täglich noch mit Hand in die Tanks der Fahrzeuge gepumpt wurden und sie mussten die Fahrzeuge kontrollieren, ob sie die korrekte Maut bezahlt hatten. Manche Busfahrer und Reiseleiter versuchten den Mautnern weiß zu machen, sie hätten in ihrem 50-Sitzer-Bus nur 40 Fahrgäste. Dann wurde gezählt, kontrolliert und wurden mehr Fahrgäste gezählt, mussten die Busfahrer und Reiseleiter auch noch Strafe zahlen.

Anlässlich der Eröffnung des Gebäudes im Salzburger Freilichtmuseum berichteten Zeitzeugen von ihren Erlebnissen. Der heute 68-jährige Johannes Schachner war der letzte Mautner von 1968 bis 1993 in diesem Haus gewesen. Er erzählte davon, wie er in Reisebussen die Zahl der Fahrgäste nachzählte, so manchen Mautpreller erwischte, wie einmal ein Tank beim Nachfüllen – auf Verlangen des deutschen Autobesitzer „volltanken – 50 Liter“ – schon nach zehn Litern überlief, weil der Deutsche die Tankanzeige durch die Talfahrt fälschlicherweise als „leer“ gesehen hatte. Da es noch keine Tankuhr gab, wurde die Literanzahl anhand der Hebelbewegungen „gemessen“.

Ein andere Zeitzeuge, Ambros Unterkirchner, ist als Sohn der ersten Mautnerin zur Eröffnung nach Großgmain gekommen. Er war damals, am 3. August 1935, am Tag der Eröffnung der Großglockner Hochalpenstraße, gerade mal 12 Tage alt.

Eines der ersten Fertigteilhäuser Österreichs
Dr. Michael Becker, Direktor des Salzburger Freilichtmuseums, führte in seiner Rede aus, dass für ihn dieses Mauthaus unter anderem auch deshalb erhaltenswert ist, weil es sich um eines der ersten Häuser Österreichs handelt, das in einem Fertigteil-System hergestellt worden war. Nach Begrüßungsworten von Dr. Johannes Hörl, Generaldirektor und Vorstand der Großglockner Hochalpenstraßen AG, freute sich Landeshauptmann Dr. Wilfried Haslauer, der gleichzeitig Aufsichtsratsvorsitzender der Großglockner Hochalpenstraßen AG ist, dass die Großglockner Hochalpenstraße nun auch anschaulich im Salzburger Freilichtmuseum präsentiert wird. Josef Schachner, Bürgermeister von Heiligenblut am Großglockner, meinte auf die Frage, die ihm Fritz Schwärz stellte, der den Festakt moderierte, ob er nicht etwas traurig wäre, dass nun ein Kärntner Original nach Salzburg versetzt wurde: „Solange die Salzburger viele Besucher nach Heiligenblut schicken, darf das Mauthaus auch gerne in Salzburg stehen!“. Und der Bürgermeister der Gemeinde Fusch an der Großglockner Hochalpenstraße, Leonhard Madreiter, meinte, eigentlich müsste die Maut ja drei Mal so hoch sein, denn was man da an einem Tag alles entlang dieser Panoramastraße erleben kann, wäre diesen Preis allemal wert.

Der Pfarrer von Großgmain, Herbert Schmatzberger, nahm dann die Segnung des Mauthauses vor.

Im Technik-Raum

Im Technik-Raum

Jausenraum im Keller des Mauthauses
Das Mauthaus diente bis Mitte der 1970er Jahre als Mautstelle, bis das Mautsystem der Großglockner Hochalpenstraße umgestellt wurde und es als Zahl- und Kontrollstelle nicht mehr notwendig war. Es blieb aber noch bis 1993 eine Servicestation mit einer Mobil-Tankstelle.

Im Freilichtmuseum Großgmain ist nun im Obergeschoß des Mauthauses eine Dauerausstellung über die Großglockner Hochalpenstraße mit dem Titel „Auto halt! Straßenmaut!“ zu sehen, wo u. a. verschiedene Kurzberichte aus einem Autoradio zu hören sind. Zu ebener Erde ist neben dem Arbeitsraum auch der Wohnbereich der Mautner sowie der „Technik-Raum“ mit historischer Telefonanlage zu sehen. Im Kellerbereich, der sich originalgetreu an einen Hang schmiegt, befindet sich neben dem „Heizungsraum“ der Jausenraum, der über eine eigene Tür auch von außen erreichbar war. Vor dem Mautthaus wurden die historischen Verkehrszeichen „Maut – Zahlstelle“, der Mautschranken, die Mobil-Tankstelle sowie eine Notrufsäule aufgebaut. Begrenzt ist der Bereich um das Mauthaus mit einem früher an der Glocknerstraße üblichen blau-weiß-blauen Metallgeländer.

Beim Mautschranken, rechts eine Wallack-Rotationsschneefräse

Beim Mautschranken, rechts eine Wallack-Rotationsschneefräse

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