Hostienschänder, Plättenfahrer und Moorbader: Rundfahrt durch das obere Innviertel

Gstaig, Oberösterreich, Innviertel, Wallfahrtsort

Fröhliche Engerl am Friedhof in Gstaig

Österreich | Oberösterreich | Innviertel | „Das Salz des Reisens sind die glücklichen Zufälle“ und wer am Maria-Himmelfahrtstag 2013 sich auf einen Ausflug ins obere Innviertel eingelassen hatte, dem waren glückliche Zufälle beschieden: ein erzählender Mesner, zwei aufgehängte Hochburger, eines der sieben Geißlein… begeben wir uns also auf einen unspektakulären, aber lohnenswerten Ausflug ins obere Innviertel.

Peter Pfarl schlägt in seinem Buch „Pilgerwege in Oberösterreich“ acht Wallfahrtsorte im Innviertel vor, die einen Besuch wert sind. Also auf zu einem Ausflug am Hochfest Maria Himmelfahrt durch das westlichste Gebiet Oberösterreichs, dem Innviertel, das auch so manch weltliches Erlebnis bietet.

Bricht man beispielsweise aus dem Salzburger Raum auf, könnte Ihr Ausflug so ablaufen: Die herrliche Kulisse der Berchtesgadener und Chiemgauer Alpen zur Linken geht es von Neumarkt am Wallersee los. Mattsee liegt konkurrenzlos schön im Vormittagslicht und gleich „hinter der Grenze“ zu Oberösterreich, bei Perwang, beginnt die beschauliche Hügellandschaft des Innviertels. Da stehen schmucke Bauernhöfe am Wegesrand, die Straße taucht in ein flaches Tal ein, um sich gleich wieder durch einen schattigen Wald ein paar Höhenmeter nach oben zu winden.

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im Innviertel hat man noch Zeit!

Von Perwang kann man einen Abstecher nach Kirchberg bei Mattighofen machen. Dort erstreckt sich neben dem Hildegard-Naturhaus auf über 6.000 m² ein in Europa einzigartiger Schau-Kräutergarten. Hauptaugenmerk sind natürlich die Heilkräuter und der Arzneigarten nach Hildegard von Bingen. Wildsträucher, Wasserlauf und Teich, der „Ort der Sinne“, ein Kinderspielbereich mit Goldwaschplatz u.v.m. kann man dort entdecken.

Fernblick über das Innviertel und nach wenigen Kilometer Fahrt sieht man den Wegweiser „Gstaig“.

Gstaig im Innviertel

Von einem giftigen Fliegenbiss gerettet

Gstaig? Das sind ein paar Weiler, ein Gasthaus mit sehr gutem Ruf weit über die Landesgrenzen, ja sogar Staatsgrenzen hinaus und die Filialkirche der Pfarre Feldkirchen bei Mattighofen, hl. Petrus und Paulus. Eine Braumeistersgattin aus Perwang brachte 1758.

Gstaig? Das sind ein paar Weiler, ein Gasthaus mit sehr gutem Ruf weit über die Landesgrenzen, ja sogar Staatsgrenzen hinaus und die Filialkirche der Pfarre Feldkirchen bei Mattighofen, hl. Petrus und Paulus. Eine Braumeistersgattin aus Perwang brachte 1758 einen Kupferstich von einem Marienbild nach Gstaig, das in der Nähe Roms verehrt wurde. Die „Maria vom Guten Rat“ wirkte fortan Wunder. So wurde die Gasthausköchin Kathi Gröbner nach einer Attacke einer „giftigen Fliege tödlich verletzt“, die am 14. August 1909 geschah, am nächsten Tag, dem Maria Himmelfahrstag wundersam geheilt.

Die etwas renovierungsbedürftige Rokokokirche war jedoch an diesem Maria-Himmelfahrtstag schon wieder versperrt, der Frühschoppen im „Gasthaus Maria zum Guten Rat“ gut besucht, es noch zu früh fürs Mittagessen, also Weiterfahrt zu einem Ort der Hostienschändung. Vorher sollte man aber noch die Gräber bei der Kirche von Gstaig inspizieren. Dort sitzen und liegen lachende, fröhliche und singende Engel – Sterben scheint in Gstaig eine schöne Sache zu sein!

In der Wallfahrtskirche Hart bei Pischelsdorf: in dieser Höhle fand der Bauer einst die gestohlenen Hostien

Mei Nam‘ ist net wichtig, die Leut‘ kennen eh alle den Mesner von Hart

Nach kurzer Fahrt durch die Wälder und Felder des Innviertels gelangt man nach Hart südlich von Pischelsdorf. Auf der einen Seite steht die Wallfahrtskirche mit der einzigen Wallfahrt Oberösterreichs, die dem Heiligen Altarsakrament geweiht ist; auf der anderen Seite unter mächtigen, schattigen Bäumen ein Bauernhof mit Gasthaus, rundherum ein paar Höfe und aus. Ende des 15. Jahrhunderts hatte ein böser Bube aus der Kirche von Auerbach bei Mattighofen ein Ziborium mit Hostien entwendet. Bauer Nikolaus Dunst fand sie auf einem Feld bei Hart, dort, wo heute die Wallfahrtskirche steht. Nicht etwa eine Gedächtniskapelle ließ die geistliche Obrigkeit hier errichten, nein, es wurde eine richtige Kirche! Einst gab es eine lebendige Wallfahrt hierher. Doch mittelweile ist sie fast eingeschlafen.

Aber eben nur fast. Denn an diesem Marien-Feiertag stand ein Feuerwehrauto aus Berndorf bei Salzburg zwischen Kirche und Wirt. „Die Berndorfer Feuerwehr macht jedes Jahr am 15. August eine Wallfahrt hierher“ erzählte der Mesner, der gerade die Kirche zusperren wollte. Doch als er interessierte Besucher sah, drehte er um (nicht den Schlüssel, sondern am Absatz seiner Schuhe) und begann über die Kirche zu erzählen. Bei einem Bild wusste er zu berichten, dass ein Perwanger dieses lange gesucht hatte, stammte es doch von seinen nach Bayern ausgewanderten Vorfahren. Und groß war seine Freude, als er es in der Wallfahrtskirche Hart entdeckte. Der freundlicher Mesner wollte sich nicht mit dem Bild fotografieren lassen und auch sein Name tut nichts zur Sache, denn die Leute kennen ihn eh‘ alle „als Mesner von Hart“ meinte er schmunzelnd und sperrte die Kirche heute ausnahmsweise nicht zu, weil er eh‘ gleich gegenüber beim Wirt einkehrte.

St Georgen Fillmannsbach

Das kleine Kirchlein von Sankt Georgen am Filmannsbach erscheint schon bald auf einem Hügel. Da es Mittagszeit war, war die Kirche zugesperrt (es war schon fast wie in Italien, wo auch mittags alle Kirche zugesperrt werden), aber die Sonnenblume neben der Dachrinne am Friedhof entschädigte als nettes Motiv. Wer sich gerne verfährt, sollte das in Sankt Georgen am Filmannsbach machen. Denn dann kommt er zu der alten aufgelassenen Brauerei König. Die beiden Braugasthöfe sind zwar außen renoviert, jedoch herrscht kein Gastbetrieb mehr. Auf der anderen Seite der Straße stehen die alten Braugebäude und warten darauf, aus ihrem Dornröschenschlaf erweckt zu werden.

Franz-Xaver-Gruber-Friedensweg in Hochburg-Ach

Denkmal am Franz-Xaver-Gruber-Friedensweg in Hochburg-Ach

Farbstifte, Friedensweg und wo der Komponist von „Stille Nacht“ zur Welt gekommen war

„Schau, da steht ein Kunstwerk im Feld“ meinte meine Frau, was mich zur sanften, aber wohldosierten Bremsung meines Pkw verleitete und den Salzburger mit Wohnwagenanhänger hinter mir ins Schwitzen brachte. War er doch als Rennfahrer im letzten Wald auf mich aufgelaufen und überlegte sich wohl schon das Überholen, denn 80 km/h auf Innvierteler Landstraßen durch Wälder scheinen zu langsam zu sein. Erst recht, wenn man einen Wohnwagen hinter sich herschleppt und kaum Abstand zum Vordermann hält.

Doch zurück zum Kunstwerk im Feld. Geradeaus die Kirche von Hochburg, rechts das Denkmal, eines des Hochburger Friedensweges. Das wäre eine eigene Geschichte. Jedenfalls sollte man nach ein paar hundert Metern hinter dem einzigen Hof im Blickfeld nach rechts in die alte Allee einbiegen (und vorerst nicht dem Friedensweg folgen). Denn in der Mitte der nicht langen Allee eröffnet sich ein Blick auf das Schloss Hochburg. Es gehört Carl Graf Castell-Castell aus der Familie jener Faber-Castell, die uns die schönen bunten Farbstifte bescherte. Hier im Innviertel besitzt die Familie Castell-Castell noch heute große Teile des Weilhartforstes.

Jetzt machte sich aber Hunger bemerkbar. Nach ein paar Kurven hinauf ins Zentrum von Hochburg steht auf der linken Seite der Stiftsgasthof Hochburg, der einst der heutigen Erzabtei Sankt Peter in Salzburg gehörte. Die wenigen Kastanienbäume im Gastgarten hatten schon bessere Zeiten gesehen, die Plastiksessel und –tische erinnern ein bisschen an Strandbars am Mittelmeer. Aber Stofftischdecke und gepflegte Speisenkarte ließen Kulinarisches erhoffen. Und wirklich, das Eierschwammerlragout mit Knödel (€ 9,90) und der Salat mit gebratenen Eierschwammerl (€ 8,50) schauten nicht nur sehr appetitlich aus, sondern schmeckten auch ausgezeichnet. Die Getränkepreise sind im Stiftsgasthof auch noch moderat (€ 2,80 die Halbe Bier, € 2,70 die Halbe Apfelsaft mit Leitungswasser). Und sollte man nicht so schönes Wetter für den Gartenbetrieb sein – die Gaststuben im Inneren des relativ großen Stiftsgasthofgebäudes sehen gemütlich aus.

Nach dem Essen sollst du ruh‘n oder ein paar Schritte tun. Also wurden ein paar Schritte unternommen, zum Heimathaus von Hochburg, in dem ausführlich dem berühmtesten Sohn der Gemeinde gehuldigt wird – Franz Xaver Gruber – er kam am 25. November 1787 in der Gemeinde Hochburg zur Welt. Zwar musste sein Geburtshaus einem Neubau weichen, doch ein anderes altes Bauerhaus aus dem Ort wurde abgetragen und neben dem Stiftsgasthof wieder aufgebaut. Man kann so die Atmosphäre eines Hofes aus der Zeit Anfang des 19. Jahrhunderts erleben, allerlei Interessantes sehen und lesen.

Merkwürdiges bietet der diesjährige Maibaum in Hochburg-Ach. Aufgehängte kann man dort in luftiger Höhe sehen. Diese Puppen erscheinen doch etwas makaber. Also lieber weiterfahren an die Salzach.

Wallfahrtskirche Maria Ach

Von Heilbrünndln, Plättenfahrern und Sand-Bänken

Zunächst trüben die Industriegebäude der Aluminiumwerke Ranshofen den Blick ein wenig, wenn man aus den Wäldern des oberen Weilhartfortes zum Rand des tieferliegenden Salzachtals bei Burghausen gelangt. Doch dann erreicht man die Aussichtskanzel oberhalb der Salzach auf österreichischer Seite, von der aus man einen wunderbaren Blick auf die am gegenüberliegenden Salzachufer liegende Stadt Burghausen hat. Besonders eindrucksvoll sieht man von dieser Aussichtskanzel die längste Burganlage Deutschlands, die sich oberhalb von Burghausen erstreckt.

Nach ein paar hundert Meter erreicht man die Salzach, fährt am österreichischen Ufer durch die Ortschaft Ach, wo die Wallfahrtskirche Maria Ach steht, und kommt in die Ortschaft Wanghausen. In Wanghausen, das noch zur Gemeinde Hochburg-Ach gehört, befindet sich das Schloss Wanghausen und die Wallfahrtskirche Maria Ach kann man auch vom Schlossparkplatz bequem erreichen.

Schloss Wanghausen

Die Legende berichtet, dass der Schlossherr von Wanghausen ein nach einem Hochwasser angeschwemmtes Marienbild fand und zu sich ins Schloss nahm. Aber das eigenwillige Marienbild kehrte immer wieder an seinen Fundort zurück, wo schließlich um 1400 eine Kapelle errichtet wurde. Die Kapelle muss aber schon älter sein, da bereits 1384 ein Bürger aus Passau „gen Ach wollt chirich fahrten“. Gegenüber der Kapelle fließt das „Goldbrünndl“, eine Quelle, die schon im 13. Jahrhundert für ihr gutes Wasser bekannt war. Am Maria-Himmelfahrtstag 2013 fand ein Feuerwehrwettbewerb im Plättenfahren statt. Im Garten der Wallfahrtskirche waren Biertische aufgestellt und etwas abseits davon konnte man verschiedene Blumeninseln bewundert. Leider hatte das Hochwasser im Juni 2013 auch hier Verwüstungen hinterlassen und so geht man am Uferweg immer noch auf Sand- und Schlammresten. Kaum vorstellbar erkennt man an den Hausmauern, dass hier das Wasser noch meterhoch über den Ufern gestanden haben muss.

Unter diesem schlimmen Hochwasser hatte auch der Rosengarten des Schlosses Wanghausen arg gelitten. Ein paar kärglich aussehende Rosenstöcke lassen einem kaum glauben, dass dieser Schlossgarten weitum berühmt für seinen Rosengarten ist. Das Schloss selbst stammt aus dem 13. Jahrhundert und ist für Besucher nicht zugänglich.

Wer Wanderschuhe mitgenommen hat, kann von Wanghausen zum sagenumwobenen Heilbrünndl in etwa 15 Minuten gehen. Dieses liegt schon im Gemeindegebiet von Sankt Radegund. Von dort aus geht man aber doch gut fünf Viertelstunden. Um diese kleine Wallfahrtskapelle ranken sich natürlich Legenden, jedoch ist die Wallfahrt zu diesem Ort längst eingeschlafen.

der Bauernhof von Franz Jägerstätter in Sankt Radegund im Innviertel

Durch Wälder zu Moorseen und Geißlein

Durch die ausgedehnten Wälder des oberen Weilhartfortes kommt nach Sankt Radegund. Der kleine verschlafene Ort liegt auf einer Abbruchkante zum Salzachtal gut 100 Meter hoch über dem Fluss. Berühmt wurde die westlichste Gemeinde Oberösterreichs durch den Kriegsdienstverweigerer Franz Jägerstätter. Der 2007 von Papst Benedikt XVI. selig Gesprochene ruht in einem Grab an der Außenwand der Pfarrkirche, deren barocker Altar durchaus als eindrucksvoll bezeichnet werden darf. Auffallend am Hochaltar ist die Madonna mit dem Jesukind. Darüber ein Bild der hl. Radegundis, die Tochter eines thüringischen Königs im 6. Jahrhundert n. Chr.

Von Sankt Radegund fährt man hinunter an die Salzach und kann über eine Brücke Tittmoning besuchen. Tittmoning gehörte bis 1816 zum Erzstift Salzburg. Sehenswert sind die Burg und der Marktplatz mit seinen prächtigen Bürgerhäusern. Doch wir bleiben in Österreich und fahren über Ostermiething zu den Innviertler Moorseen, dem „Herz“ der Wohlfühlregion Seelentium – Oberes Innviertel. Der Holzöstersee liegt an jenem Maria-Himmelfahrtstag schon im warmen spätnachmittaglichen Sonnenlicht, die Luftemperatur noch immer über 25° C und noch immer Badebetrieb. Ein Rundgang um den kleinen Moorsee dauert nicht lange und führt zunächst über gepflegte Uferbereiche, wo neben Badenden auch etliche Fischer zu sehen sind. Zwischendrin bereitet sich die Trachtenmusikkapelle Franking zum Dämmerschoppen mit Weisenblasen vor. Am westlichen Ufer wandert der Besucher dann auf einem Holzsteg durch Moorlandschaft. Dachse, Schmetterlinge, Eulen, ja sogar Wildschweine leben hier, wie man Informationstafeln entnehmen kann.

Ausgebüchst!

Kurz bevor wir das Strandbad am nördlichen Ufer erreichen, stehen wir am Weg einem Geißlein gegenüber. Es ist von der Weide neben dem Weg ausgebüchst und kann nun nicht mehr über den Zaun zu seiner Mutter zurück. Zwei junge Leute versuchen vergeben das Zicklein wieder einzufangen, immer wieder entschlüpft es seinen Häschern.

Nun wird es aber langsam Zeit heimzufahren und im untergehenden Licht der Sonne geht es Richtung Salzburg. Kurz hinter Holzöster kommt man nach Franking. Dort gibt es eine Besonderheit. Im 4-Sterne-Hotel Moorhof kann man im ersten österreichischen Bierbad entspannen. Die Badewanne wird über einen Zapfhahn mit Bier gefüllt und während des Badens kann man natürlich eine Halbe genießen. Bei Lamprechtshausen geht es entweder über Oberndorf bei Salzburg in die Stadt Salzburg oder man biegt nach Michaelbeuern ab und fährt in Richtung Mattsee.

Es ist sicherlich nicht alles erzählt, was man im oberen Innviertel erleben kann. Aber vielleicht hat ja dieser Ausflug Lust auf mehr gemacht. Tipps und Informationen findet der Interessierte auf der Internetseite der Wohlfühlregion Seelentium.

Weblinks

www.seelentium.at
über alte Brauereien in Oberösterreich
über den Friedensweg und das Heimathaus in Hochburg-Ach

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