Auf der „Höh“ und bei den Teufelsengeln im Kobernaußerwald

Weißbach im Kobernaußerwald, Oberösterreich

am Weißenbach im Kobernaußerwald, nördlich von Schneegattern

Österreich|  Oberösterreich | Hausruck |  „Action, Events and Entertainment“ gilt bei vielen Menschen als das höchste Urlaubsgefühl. Die Landschaft des Kobernaußerwaldes mit seinen kleinen Sehenswürdigkeiten ist eine Alternative dazu. Und diese befindet sich als Grenzwald zwischen dem Inn- und Hausruckviertel im südwestlichen Teil Oberösterreichs.

Schon einmal über Watzlberg nach Schneegattern gefahren?
Im Buch „Eine Heimat am See“ beschreibt Franz Braumann in seiner Erzählung über „den letzten Gulden“ eine schaurige Winterfahrt durch den Kobernaußerwald. Heute mag eine Fahrt durch dieses Gebiet nicht mehr so dramatisch ablaufen, wie vor einem Jahrhundert. Geblieben sind aber die Erlebnisse für den Besucher, der sich die Zeit nimmt, eines der größten erhalten gebliebenen, zusammenhängenden Waldgebiete Österreichs kennenzulernen. Wie immer gilt aber der Hinweis, dass diese Geschichte nicht über alles berichten kann, was der Kobernaußerwald zu bieten hat.

Es gibt mehrere Wege, sich dem Kobernaußerwald zu nähern. Von Salzburg aus wählt man üblicherweise die Anfahrt über Straßwalchen und Friedburg nach Schneegattern. Probieren Sie doch einmal die Fahrt über Straßwalchen, Bundesstraße 1 bis Watzlberg, etwa drei Kilometer hinter Straßwalchen aus. Über Watzlberg und durch den Krenwald kommt man auch nach Schneegattern.  Im Sommer 2013 wurde dort gerade eine neue Pipeline zu den Erdgasbunkern bei Straßwalchen verlegt.

Die alte Wienerhöhe-Straße

Spätestens in Schneegattern ist man in der Beschaulichkeit des Kobernaußerwaldes angelangt.  Einst führte die Straße gleich am nördlichen Ende von Schneegattern (550 m ü. A.) über die Wienerhöhe (755 m ü. A.)  nach Kobernaußen und weiter nach Ried im Innkreis. Heute fährt man etwas weiter östlich des Gemeindezentrums von Schneegattern auf einer gut ausgebauten Straße. Die alte Wienerhöhe-Straße und die westlich davon abzweigende Forststraße durch das Weißenbachtal sind Schotterstraßen geblieben. Kilometerlang führt der Forstweg durch das Weißenbachtal kaum ansteigend durch herrliche Waldlandschaft. Links und rechts zweigen Seitentäler ab und wer genügend „Wadln“ hat, kann vorbei an der Achbachklause über Frauschereck (707 m ü. A.) bis nach Sankt Johann am Walde wandern oder radeln.

Nimmt man die ausgebaute Straße, so kann es passieren, dass freundliche Zeitgenossen Geschwindigkeitskontrollen der Polizei falsch interpretieren und entgegenkommende Fahrzeuge mit heftigem Blicken warnen wollen. Vernünftige Kobernaußerwald-Reisenden finden aber 100 km/h durchaus ausreichend, wenn nicht gar als zu rasante Reisegeschwindigkeit durch dieses Waldgebiet, das immer wieder neue Einblicke zeigt. Zum Beispiel auf dem höchsten Punkt bei der Kobernaußerwaldwarte (767 m ü. A.) den Blick auf ein Windrad. Hier darf es stehen, südlich am Lehmberg auf Salzburger Gebiet erregt schon die Planung eines solchen die Gemüter der Bewohner.

Von Bienen, Weitblicken und Teufelsengerl

Kurz vor der Kobernaußerwaldwarte kann man nach Maria Schmolln und Mattighofen abbiegen. Eine schöne, durch den Wald führende Straße auf einem Höhenrücken bietet abwechslungsreiche Ausblicke. Zum Beispiel auf Bienenstöcke am Straßenrand oder bei Frauschereck über das obere Innviertel. Beim Blick von Frauschereck meint man, der Wald im Innviertel höre überhaupt nicht mehr auf (er tut es aber ab und an dann doch, seien Sie beruhigt!).Dann erreicht man Sankt Johann am Walde.

Teufel auch, die Saiga-Hans-Leute haben nackte Engerl auf ihrem Friedhof

„Ja mei, dös machen halt‘ die Leut da so“ antworteten Einheimische, befragt nach der Eigenart, warum auf fast jedem Grab ein Engerl in mehr oder weniger lustige Pose sitzt. Ein ganz besonderes Engerl ist jenes mit Hörndln. Auch das Nackt-Hintern-Engerl (auf Friedhöfen drückt man sich gepflegt aus, auch am Land!) ist doch recht unterhaltsam. Übrigens, wer in Sankt Johann am Walde einen Parkplatz sucht, wird ihn zwar finden, aber wer nicht blitzschnell von der Hauptstraße abbiegt, wird mit Hupen und Vogel-Zeigen von einheimischen Rasern bestraft. Ortsgebiet heißt nämlich im Innviertel noch lange nicht 50-km/h-Fahren!

Kurios: wer im Internet mit „Saiga Hans“ sucht, wird auf die Homepage der Gemeinde geführt, so verbunden fühlt sich die Gemeinde mit dem Saiga Hans. Schuld daran ist die Pfarrkirche. Sie ist dem heiligen Johannes dem Täufer geweiht. Daraus entstand in der Mundart Sailiga (seliger) Hans, heute sagt man Saiga Hans.

Hinunter auf die „Höh“

In Sankt Johann am Walde kann man sich dann entscheiden, ob man noch zum Wallfahrtsort Maria Schmolln weiterfahren will und von dort weiter nach Mattighofen oder ob man in Sankt Johann im Walde auf die „Höh“ fährt und von dort dann Mattighofen erreicht. Dieser Straße führt  exakt 83 Meter ins Tal des Moosbaches und durch herrliche Landschaft des Kobernaußerwaldes wieder exakt 83 Meter  auf der „Höh“. Stehenbleiben bei einer Kapelle, die Ruhe genießen, einen Blick auf die paar Bauernhöfe werfen und weiter geht es ins Kindstal hinunter. Diesmal aber fast 200 Meter. Schließlich kommt man doch noch nach Mattighofen, aber an dessen Südende zum internationalem „Hot-Spot“ („heißen Ort“) der Stadt, zu den riesigen Fertigungshallen der Motorenwerke KTM und dessen Motorsport-Entwicklungszentrum. Nur wenige wissen, dass KTM auch seine Wurzeln in Hallein im Salzburger Land beim Gasthof Hohlwegwirt hat. Denn das „K“ bedeutet Kronreif und dessen Tante vom Hohlwegwirt finanzierte 1953 den Neustart  von „T“, Hans Trunkenpolz zusammen mit Ernst Kronreif in „M“ Mattighofen mit einer kräftigen finanziellen Unterstützung. Aber das ist eine andere Geschichte.

Bräu-Kino, Augustiner Bier und Wallfahren

Doch unser Ausflug führt uns wieder in südliche Richtung nach Straßwalchen. Wenn man durch Munderfing fährt, sollte man unbedingt beim Bräuwirt rechts abbiegen, parken und rund um das Gelände der ehemaligen Brauerei spazieren. Ein Bacherl und ein altes Holzhaus, im Sommer herrlicher Blumenschmuck, der urige Bräuwirt und – das „Bräu Kino“ bilden die Sehenswürdigkeiten der kleinen Gemeinde am südlichen Rand des Kobernaußerwaldes. Ja, im Bräu-Kino werden tatsächlich noch ab und an Kinofilme gezeigt, meist aber finden in dem großen Saal Veranstaltungen statt. Heute war das Kino zu, der Bräuwirt offen und der hat, schau, schau, Augustinerbier vom Fass vom Müllner Bräu in Salzburg.

Bevor unser Ausflug durch den westlichen Teil des Kobernaußerwaldes seinen Ausklang findet, besuchen wir noch den Wallfahrtsort Heiligenstatt an der Straße nach Straßwalchen. Schon gewohnt, die Kirche war versperrt, aber trotzdem lohnt sich ein Halt am Parkplatz vor der Kirche. Wer allerdings an der ersten Zufahrt vorbeifährt, muss umdrehen, da die zweite Zufahrt derart einen spitzen Winkel aufweist, dass ein Einbiegen selbstmörderisch erscheint (wir erinnern uns: Ortsgebiete im Innviertel haben keine Geschwindigkeitsbeschränkungen und die Einheimischen verstehen die „Ausländer“ recht wenig bei ihrer Parkplatzsuche!).

Die Ursprungssagen dieser Kirche ranken sich wieder einmal um Hostien. Diesmal aber um keine Gestohlenen, sondern um welche, die auch die geistliche Obrigkeit nicht vom Erdboden aufzuheben vermochte. Also errichtete man darüber eine Kirche. Das war im Jahr 1434. Urkundlich wurde aber eine Kapelle schon früher erwähnt, wie das halt so bei Entstehungsgeschichten ist. Das war im Jahr 1361.

Der größte Mensch der Welt

Noch eine Kuriosität wartet auf den Ausflügler am südlichen Rand des Kobernaußerwaldes.  In der Gemeinde Lengau, Ortsteil Friedburg, war der „Riese von Lengau“,  Franz Winkelmeier (*  1860; †  1887) zu Hause. Er war der größte Mensch der Welt zu seiner Zeit gewesen. 2,58 m maß „der Riese von Friedburg-Lengau“, was vom bekannten Mediziner Rudolf Virchow auch bestätigt wurde.

Nach so vielen Geschichten und Geschichte wird es wieder Zeit nach Hause zu kommen. Die Umfahrung von Straßwalchen war in diesem Sommer noch nicht fertig, in Steindorf staubte ein in Entstehung befindlicher Kreisverkehr die Fahrzeuge ein und der Ausflügler kam, wie einst als Wanderer, in Staub gehüllt daheim an. Aber er hat sich vorgenommen, bald wieder in dieses herrliche Waldgebiet zu reisen und weitere Kuriositäten und entdeckenswerte Orte zu erforschen.

 

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