Vom Dengeln, den Pontos-Griechen und anderem – das war das Rupertistadtfest Neumarkt am Wallersee 2013

Österreich | Salzburg | Flachgau | Neumarkt am Wallersee | Am Samstag, den 21. September 2013, war die Flachgauer Stadt Neumarkt am Wallersee der Nabel der Welt. Na ja, zumindest der Plusregion und zu dieser gehören ja bekanntlich noch Köstendorf und Straßwalchen.

Alle Bilder auf meiner Bilderplattform unter diesem Link.

Als am Vormittag die Sonne zaghaft vom Himmel blinzelte und sich ein Bild von der Veranstaltung machen wollte, lag Neumarkt am Wallersee noch in vorfeierlicher Ruhe. Wenn man von den Nebenstraßen mal absieht, die als örtliche Umleitung den Verkehr schon seit 8 Uhr in der Früh durch Wohngebiete führte. Da gab es schon mal Geschrei und Fäuste ballen, beispielsweise wie ein ortsunkundiger VW-Buslenker just an der engsten Stelle dieser Umleitung, in der Gartenstraße, sich von Einheimischen umzingelt sah: hinten Stau, vorne Stau und gar unfreundliche Worte ergossen sich über den armen Autolenker, der nicht links, nicht rechts, nicht vor und nicht zurück konnte. Doch irgendwie kamen sie dann doch „füreinand‘“, Minuten später ein neuerliches Hupkonzert ungeduldiger Autofahrer und ein paar hundert Meter weiter, auf der abgesperrten Hauptstraße, begann langsam das Rupertistadtfest.

“D‘Schneid muass beissn, greif her“

In der Handwerkermeile herrschte noch Ruhe und so konnte man mit den Handwerkern plaudern. Wilhelm Edtmayer aus Straßwalchen beugte sich über eine Sense und begann mit einem Hammer die Schneide zu schärfen – er dengelte. Und das schon genauso lange wie er verheiratet ist – 51 Jahre. Eigentlich braucht er keine Brillen, erzählte Edtmayer, aber wenn er dengelt, und das ist eine Arbeit, bei der man sehr genau und sorgfältig arbeiten muss, setzt er Brillen auf. Er fuhr geschickt über die soeben bearbeitete Schneide und meinte „der Vater hat‘ gsagt: d’Schneid muass beissn, dann is recht, greif her, jetzt is richtig scharf, weil d’Schneid beisst“. Der Eingeladene sah sich seine Finger an, erinnert sich an sein handwerkliches Geschick und lehnte dankend ab. „Es passiert dir nix, wenn’st es richtig machst. So muast über die Schneid foahrn“ und zeigte es vor. Doch die Finger wurden ja noch den ganzen Tag für den Auslöser am Fotoapparat benötigt. Also ging es weiter zu seinem Bruder Alois, der gleich daneben einen alten Dieselmotor vorführte. Alois Edtmayer erklärte, dass es sich um einen Dieselmotor aus dem Jahr 1939 handelt, der noch bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhundert Dreschmaschinen, Jauchepumpen und andere landwirtschaftliche Geräte angetrieben hatte.Ein breiter Gurt wurde über die Antriebswelle des Dieselmotors gestülpt, der am anderen Ende die Antriebswelle des jeweiligen Arbeitsgeräts bewegte.

Esst Neumarkter Honig und den längsten Apfelstrudel

Barbara Leimüller und Franz Zitz boten am Stand der Neumarkter ImkerInnen allerlei Süßes an. Die genaue Anzahl der dazu arbeitenden Bienen konnten sie zwar nicht nennen, wohl aber jene der örtlichen ImkerInnen – es sind exakt 20 an Zahl. Ein paar Schritte weiter standen Zuagroaste, Birgit und Reinhard Mutzler vom Weingut Mutzler aus Kirchberg am Wagram in Niederösterreich. Sie sind bereits in der vierten Generation Weinbauern und ihre Weine werden immer wieder bei internationalen Weinmessen prämiert.

Gegenüber der Handwerkermeile richtete Hilda Hurer gerade den längsten Apfelstrudel her. Ja, jetzt, der Längste , von wo? Hilda meinte, kurz nachdenkend, ja, das wüsste sie jetzt grad‘ auch nicht, und weiter „… sagen wir halt vom Flachgau“. Doch Hilda Hurer dürfte sich darin geirrt haben. Denn wie man später aus Gesprächen der Besucher hören konnte, ist es der „Längste der Welt“, der „Längste von Neumarkt“, der „Längste , den sie halt da gemacht haben“. Also, liebe Leser, beim 29. Rupertistadtfest von Neumarkt am Wallersee gab es den längsten Apfelstrudel! Alles klar?

Vor dem Stadtamt hatten die Stoabach Perchten ihren Stand. Sie gibt es seit gut vier Jahren und zählen 22 Mitglieder. Wo sie denn überall auftreten, war die Frage. Ja, in Neumarkt am Wallersee, eh klar, dann in Nußdorf am Hausberg, ach ja, und in Oberndorf bei Salzburg waren sie auch schon. Und im Ausland! Jetzt, wo? In Freilassing in Bayern im Rupertiwinkel, Alt-Salzburg (bis 1816).

Stammtischgespräche

Entlang der Hauptstraße präsentierten sich Vereine und andere Institutionen der Stadt, es gab Grillhendel, Bosna, Bier, Sturm und Schaumrollen. Die Schaumrollen waren grad‘ heut‘ im Angebot, nur zwei Euro das Stück. Bei „Niko dem Griechen“ ging ein Pärchen vorbei. Der Mann meinte, die Grillhendel vom Niko sähen so saftig aus, da kehren sie jetzt ein. Nix da, meinte die Frau, des is a Grieche, wir gehen zum Grillhendl-Brater. Na, da haben die beiden aber etwas versäumt, denn Niko’s Hendln waren in der Tat saftig und wer sie abends dann doch noch bei Niko probieren wollte, den strafte der leere Grill!

Gegenüber bei Francesco vor seiner Pizzeria tagte der „Samstag-Stammtisch der alten Neumarkter Bürger“. Thema des heutigen Stammtisches war natürlich die anstehende Nationalratswahl. Obwohl sie alle „Schwarze“ wären (für Auswärtige: Anhänger der Österreichischen Volkspartei), wüssten sie immer noch nicht so recht, wen sie denn bei der Nationalratswahlen wählen sollten, meinte einer aus der Runde augenzwinkernd. Der nächste Besuch an der Hauptstraße galt der Freiwilligen Feuerwehr, wo ein Blick in die Gulaschkanone gemacht wurde, vom Hauptoberkoch! Er befand die Sache für gut und es konnte also losgehen, das 29. Rupertistadtfest von Neumarkt am Wallersee.

Traktoren, Topolino und Turnverein

Am frühen Nachmittag begann dann der Festumzug. An Spitze des Festzuges kam die Trachtenmusikkapelle Neumarkt in ihren rot leuchtenden Trachtenjankern, die Mädeln mit rotweißen Schürzen, dahinter die anderen Vereine, der Heimatverein Edelweiß, die Kameradschaft, die Feuerwehr, das Rote Kreuz und die Sportvereine. Ihnen vorweg schritten drei Schotten, „alte Stammgäste“, wie sie begrüßt wurden. Vor der Tribüne der Ehrengäste mit Bürgermeister Dr. Emmerich Riesner, Altbürgermeister Ing. Hans-Georg Enzinger und anderen, kam dann eine Schar ganz kleiner, kleiner, mittlerer, großer und ganz großer Sportler vorbei. Dann tuckerten die Traktoren heran mit bunt geschmückten Kühlern und aufgesessener Familien. Es war einfach eine Freude zuzuschauen, zu sehen, wie die Menschen zu Fuß oder auf den Traktoren sich freuten und sich ihre meist (ur)alten Fahrzeuge wie der FIAT Topolino (das „Mäuschen“) über die Ausfahrt ebenfalls freuten (wie man das feststellen kann? Am Klang der Motoren!). Motorisierte Oldtimer-Vereine aus Neumarkt, Mattsee, Zell am Moos und andere zogen vorüber.

Das Ganze ging dann noch in die entgegengesetzte Richtung zum Ausgang des Festzugs zurück und als letzte offizieller Akt nach der mündlichen Eröffnung des Rupertistadtfests durch den Bürgermeister schlug Bürgermeister Dr. Riesner ein Fass Bier an, das die Musiker der Trachtenmusikkapelle laben sollte – gespendet von der Stieglbrauerei zu Salzburg.

Die Hauptstraße war ein Menschenmeer, die zur Mittagszeit noch etwas verwaisten Biertische und -bänke nun begehrt und ausgebucht, der Bahnhof Neumarkt für den Bummelzug an der Hauptstraße einzigartig, weil nur an diesem Festtag hier anzutreffen und die Stimmung ausgezeichnet. Die Menschen waren fröhlich und ausgelassen, auf den beiden Bühnen wechselten sich verschiedenen Gruppen ab. Es wurde Musik und Tanz dargeboten, am frühen Abend zeigte sogar eine Gruppe des Vereins der Griechen von Pontos in München alte Tänze aus der Heimat ihrer Vorfahren. Jetzt, wer oder was ist denn Pontos? Die Pontier waren jene Griechen, die die historische Landschaft Pontus besiedelten. Ihr Sprachraum erstreckte sich über die türkische Schwarzmeerküste bis hin zu angrenzenden Teilen Georgiens. 1923 mussten diese Griechen im Rahmen des Bevölkerungsaustauschs zwischen Griechenland und der Türkei zurück nach Griechenland. Sie überlieferten ihren Nachfahren ihre Bräuche und Sitten, darunter natürlich auch ihre Tänze. In Neumarkt am Wallersee wurden die Tänzer mit der Musik einer Trommel und einer Lyra, einem antiken Saiteninstrument aus der Familie der Leiern, begleitet.

„Wasser marsch“ hieß es bei der Feuerwehrjugend beim Kinderspielplatz, über den Köpfen konnte man bei Hubschrauberrundflügen einen Blick aus der Vogelperspektive auf das Fest werfen, Mülltonnen fanden eine interessante Verwertung bei Mülltonnenrennen und die „Kleeblatt-Musi“ aus Köstendorf, vier musizierende Kinder im Alter zwischen 9 und 11 Jahren, ernteten viel Applaus. Es kann hier nicht über alles berichtet werden, was am Samstag beim 29. Rupertistadtfest die Besucher alles erlebten, aber so viel noch zum Abschluss: Wer nicht dabei war, hat einiges versäumt!

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