Goldener Herbst – Wandern an der Großglockner Hochalpenstraße

Blick vom Plattenkar nach Norden in das Seidlwinkltal

Blick vom Plattenkar (oberhalb des Hochtors) nach Norden in das Seidlwinkltal

Österreich | Salzburg | Kärnten |  Ob auf dem Weitwanderweg „Alpe-Adria-Trail“ mit Start- und Zielpunkt auf der Kaiser-Franz-Josefs-Höhe, zur Schwarzenberghütte durch das Ferleitental oder von der Edelweißspitze zum Baumgartlkopf – mit dem Auto oder zu Fuß, die Großglockner Hochalpenstraße ist Ausgangspunkt vieler Wandermöglichkeiten und entlang der Straße gibt es mehrere Übernachtungsmöglichkeiten.

Blick vom Plattenkar nach Norden in das Seidlwinkltal

Mankeiwirt (Murmeltier-Wirt) Herbert Haslinger vom Gasthof Fuscher Lacke mit Moritz, dem Murmeltier, das bei ihm lebt

“Der Glockner ist eine Sucht“
Moritz, das Murmeltier (Murmeltier im Dialekt „Mankei“), kriecht gerade wieder in die linke Jackentasche des Mankeiwirts Herbert Haslinger des Gasthofs Fuscherlacke. Der Gasthof liegt auf 2 261 Metern über dem Meeresspiegel an der Fuscher Lacke, einem kleinen Bergsee unterhalb der Edelweißspitze, mit Blick hinab ins Seidlwinkltal und hinüber zum Hochtor, der Grenze der Bundesländer Salzburg und Kärnten.

Herbert, eines von neun Kindern, wuchs in Fusch an der Großglocknerstraße auf und seit seinem zwölften Lebensjahr ist er jeden Sommer hier oben an der Großglockner Hochalpenstraße. Der Gasthof Fuscherlacke gehört ihm und er ist der erste im Frühjahr hier oben, noch bevor die Schneeräummannschaften mit ihren Wallack-Rotationspflügen sich herauf gefräst haben. Und er ist der letzte, der in den ersten Novembertagen wieder hinab ins Tal steigt. „Der Glockner ist eine Sucht“ meint Herbert und wie als Zustimmung blickt Moritz aus der Weste und pfeift – Murmeltiere geben  Pfeiftöne zur Verständigung von sich.

am Südportal des Hochtors auf Kärntner Seite - gut zureden hat nicht viel genutzt...

am Südportal des Hochtors auf Kärntner Seite – gut zureden hat nicht viel genutzt…

Sonnenaufgänge und Wanderwege

Jeder Tag ist hier oben anders, verrät Herbert und beginnt über Wandermöglichkeiten zu erzählen. Wer einmal einen Sonnenaufgang am höchsten Punkt der Großglockner Hochalpenstraße auf der Edelweißspitze (2 571 m ü. A.) erlebt hat, wird dieses Erlebnis immer im Gedächtnis behalten.  Auf der Edelweißspitze selbst kann man übrigens auch übernachten, in der Edelweißhütte. Von der Edelweißspitze gelangt man in etwa 2 ½ Stunden zum Baumgartlkopf (2 587 m ü. A.). Die Wanderung führt durch eine Felslandschaft wie man sich wohl die Mondlandschaft vorstellt, wobei es moderat flach dahingeht. Erst kurz unterhalb des Gipfels wird der Weg steiler, aber beim klarem Wetter wird man dann am Gipfel dafür mit einem herrlichen Blick über die Berggipfel der „Dreitausender“ entschädigt – Glocknerblick inklusive

Man kann natürlich auch  gleich vom Gasthof Fuscherlacke zum Baumgartlkopf losmarschieren. Zunächst kommt man an der Römerhütte (auch hier gibt es Übernachtungsmöglichkeiten) vorbei. Gleich hinter der Hütte befindet sich noch ein Rest der alten Römerstraße, die von Salzburg über das Hochtor in den Süden führte. Dann steigt man zum Großglockner Restaurant Fuscher Törl (2 404 m ü. A.) auf, das zwischen dem Fuscher Törl und der Edelweißspitze liegt. Von diesem Restaurant, das ebenfalls Übernachtungsmöglichkeiten bietet, führt ein steiler Weg hinauf zur Edelweißspitze und von dort wie oben beschrieben zum Baumgartlkopf.

Rund um das Hochtor

Ein „Wanderknotenpunkt“ ist das Hochtor (2 575 m ü. A.). Hier treffen sich der Zentralalpen(wander)weg Nr. 02 (der in West-Ostrichtung am Alpenhauptkamm entlang führt) und der Wanderweg aus dem Seidlwinkltal, der über das Schareck auf Kärntner Seite nach Heiligenblut hinunter führt. Wer nun nicht gleich den Alpenhauptkamm entlang wandern möchte, kann beispielsweise von der Südseite des Hochtors auf die Brennkogel Scharte (2 634 m ü. A.) gehen. Nach etwa einstündiger Wanderung hat man von dort bei klarem Wetter einen herrlichen Blick auf die Salzburger und Kärntner Seite des Glocknergebiets bis zum Zeller See und dem Großglockner.  Sehenswert am Hochtor ist auch die Ausstellung „Pass-Heiligtum Hochtor“, die Funde aus der Kelten- und Römerzeit am Hochtor zeigt.

Ferleitental Käfertal

Blick ins Ferleitental, links Bildmitte das Käfertal, Berg Bildmitte der Hohe Dock (3 348 m ü. A.)

Wanderungen im Ferleitental

Eine schöne Wanderung ist im Salzburger Ferleitental am Beginn der Großglockner Hochalpenstraßen möglich. Man parkt bei der Mautstelle Ferleiten beim Gasthof Lukashansl, einer weiteren  Übernachtungsmöglichkeit an der Großglockner Hochalpenstraße. Entlang der Fuscher Ache geht es von etwa 1 100 m ü. A. einige Kilometer südwärts gegen den Alpenhauptkamm bis zum Natur- und Europaschutzgebiet Rotmoos-Käfertal auf etwa 1 300 m ü. A.  Im Rotmoos findet man  zahlreiche für Feuchtgebiete charakteristische Pflanzenarten, unter ihnen das Breitblättrige Knabenkraut, ein Orchideengewächs Schon vor dem Rotmoos kann man sich zwischen zwei etwas längeren Wanderungen entscheiden: entweder zur Schwarzenberghütte (2 269 m ü. A.) oder zur Trauner Alm (1 522 m ü. A.), wo wiederum zwei weitere Möglichkeiten zur Wahl anstehen: Hochmais (1 850 m ü. A., Informationsstelle Hochmais mit Schautafeln zum Thema „Gletscher, das Rotmoos und die Höhenstufen der Vegetation“) oder zu den Resten des Pflandlscharten-Kees (Kees = Gletscher).

Die Schwarzenberghütte ist nach dem Salzburger Erzbischof Kardinal Friedrich VI. Fürst Schwarzenberg (* 1809; † 1885), einem begeisterten Alpinisten der ersten Stunde, benannt. Sie befindet sich am südöstlichen Fuße der Glocknergruppe, die hier mit dem Großen Wiesbachhorn (3 564 m ü. A.) sowie sechs weiteren Gipfeln bereits die Dreitausender Marke überschreitet. Der Aufstieg dauert etwa drei Stunden, der Abstieg geht dann etwas schneller. Zum Pfandlkarscharten-Kees sollte man dann schon gut 3 ½ bis 4 Stunden rechnen.

Alpe-Adria-Trail

Wandern entlang des Alpe-Adria-Trails (Bildquelle Nationalpark Hohe Tauern)

Der Alpe-Adria-Trail

Erstmals in diesem Jahr kann man auf dem neuen grenzüberschreitenden Weitwanderweg „Alpe-Adria-Trail“ mit Start- und Zielpunkt auf der Kaiser-Franz-Josefs-Höhe  wandern. Auf einer Gesamtlänge von 750 Kilometern führen 43 Etappen durch Kärnten, Slowenien und Friaul-Julisch Venetien. Das Alpe-Adria-Trail Buchungscenter Kärnten mit Sitz in Heiligenblut am Großglockner schnürt Packages, organisiert die Unterbringung, Gepäcktransport sowie auf Wunsch auch Ausrüstungsverleih und Wanderführer für den gesamten Trail. Der Trail ist 2013 bei sieben Reiseveranstaltern im Programm.

Energielinien selbst erforschen

Zurück von einer „Probewanderung“ im Bereich des Hochtors stärke ich mich beim Mankeiwirt in seiner gemütlichen Gaststube, in der herrliche Bergkristalle und präparierte Murmeltiere zu sehen sind. Herbert, der Mankeiwirt, erzählt von einer Familie mit mehreren Kindern, die Jahr für Jahr bei ihm einige Tage Urlaub verbringen. „Die Kinder“, so Herbert, „sind das ganze Jahr über nie krank oder verkühlt. Das macht die Erholung hier oben in der klaren Luft.“ Aber auch das Wandern zu den vielen Kraftorten, die sich überall hier oben spüren lassen, stärkt die Menschen. Ich selbst habe bei meinen Aufenthalten entlang der Großglockner Hochalpenstraßen schon einige dieser Kraftorte entdeckt.

Ob Herbert nicht „die Nase voll vom Bergleben“ hat? Nein, ganz im Gegenteil, jeder Tag zwischen dem Auf- und dem Zusperren ist ein neues Erlebnis und schmunzelnd fügt Herbert hinzu: „mir gehört das hier alles und als Frühaufsteher erlebe ich die Sonnenaufgänge. Der Glockner ist eine Sucht und die Natur hier oben hat mich angenommen.“ Man muss ihn kennenlernen, den Herbert Haslinger, den Mankeiwirt vom Gasthof Fuscher Lacke. Sein Herz hängt an der Natur und schlägt für die Murmeltiere.

Die Murmeltier-Vision des Mankeiwirts

Seinen Spitznamen „der Mankeiwirt“ hat Herbert daher, weil er sich immer wieder um verletzte oder schwache Murmeltiere kümmert. Er versorgt sie, päppelt sie auf und viele dieser Murmeltiere, die dann wieder in freier Natur leben, besuchen ihn Zeit ihres Lebens im Gasthof. Manchmal stehen diese munteren Kerle dann auf seiner Terrasse, pfeifen ihn heraus, lassen sich streicheln, bekommen eine Karotte und gehen dann wieder ihrer Wege.

Herbert’s Vision ist ein Murmeltier-Informationszentrum gleich neben seinem Gasthof. Das Grundstück hat ihm bereits die Großglockner Hochalpenstraßen AG zur Verfügung gestellt. Nun sucht er noch Sponsoren, die ihn bei der Verwirklichung seines Projekts finanziell unterstützen. Dabei hat Herbert aber keine rein wissenschaftliche Forschungsstation im Auge. Sondern er möchte die praktischen Erfahrungen darstellen, die er im Laufe seines Lebens mit Murmeltieren gemacht hat. Wie wachsen die Jungtiere auf, wovon ernähren sich Murmeltiere, wie funktioniert ihr Pfeif-Warnsystem und viele andere Fragen, die ihm seine Gäste immer wieder stellen, möchte er in dem Murmeltier-Informationszentrum bildlich darstellen und Antworten dazu geben.

Franz Friedrich Wallack

Franz Friedrich Wallack

Der Reis, der Verkochte

Und zum Abschluss unseres Gesprächs über Herbstwanderungsmöglichkeiten erzählte mir Herbert noch eine Geschichte. Der Erbauer der Großglockner Hochalpenstraße, Franz Wallack, wanderte zwischen der Geburt der Idee, hier eine Panoramastraße zu errichten, das war 1924, und der Fertigstellung der Straße, das war 1935, hunderte Male über die Berge. Er suchte die ideale Trassenführung, besuchte die Bautrupps, führte Besucher zu den Baustellen und nahm Vermessungen vor. Bei diesen Wanderungen begleitete ihn oft ein Bergführer. Bei einer dieser Wanderungen drückte Wallack dem Bergführer ein Packerl Reis in die Hand mit der Bitte, diesen zu kochen. Der Bergführer kannte aber keinen Reis,  schüttete den gesamten Inhalt der Packung in einen Topf, gab Wasser dazu und kochte ihn. Immer größer wurde die Menge des aufquellenden Reis, so erzählt Herbert, der diese Geschichte vom Neffen des Bergführers, Hubert Unterberger, erfuhr. Der Bergführer wusste sich nicht mehr zu helfen, nahm den Topf und schüttete den gesamten Inhalt hinter einen Felsen. Der Wallack bekam keinen Reis, dessen Kommentar ist nicht überliefert.

Wanderungen auf Kärntner Seite

Natürlich sind die bisher aufgezählten Wanderungen nur ein Teil aller Möglichkeiten. Im nächsten Jahr werde ich über die Möglichkeiten auf Kärntner Seite berichten, vom Alpenhotel Wallackhaus zum Schareck, vom Karl-Volkert-Haus, dem Glockner-Haus und den Betrieben auf der Kaiser-Franz-Josefs-Höhe hinauf zur Oberwalder Hütte, der Erzherzog-Johann-Hütte und zum Großglockner und anderen Touren.

Großglockner-Maut ist wie lange gültig?

Solange man die Panoramastraße nicht durch eine der beiden Mautstellen wieder verlässt, kann man mit der bezahlten Mautkarte auf der Straße hin und her fahren sooft man will. Also auch entlang der Straße übernachten oder eine mehrtägige Wanderung am Alpenhauptkamm unternehmen.  Eine andere  Möglichkeit ist die zweimalige Befahrung der Straße mit einer Aufzahlung von 10 Euro. Damit kann man innerhalb eines Kalenderjahres mit demselben Kennzeichen zwei Mal über die Großglockner Hochalpenstraße fahren (bitte unbedingt Ticket der Erstfahrt aufheben – muss an der Mautstelle vorgewiesen werden!).

Nun steht einem herbstlichen Ausflug ins Glocknergebiet mit einer kürzeren oder längeren Wanderung nichts mehr im Wege. Die Großglockner Hochalpenstraße ist je nach Wetterlage bis Ende Oktober oder Anfang November befahrbar. Dann hält sie Winterschlaf bis Ende April – Anfang Mai.

Noch ein paar Wandertipps

Wer mit dem Auto anreist und dieses auf einem Parkplatz an der Großglockner Hochalpenstraße längere Zeit parkt, sollte einen Zettel ins Auto legen, auf dem Ziel und Rückkehr der Wanderung angegeben werden. Mitarbeiter der Großglockner Hochalpenstraßen AG kontrollieren nämlich regelmäßig die parkenden Fahrzeuge und reagieren, wenn ein Fahrzeuglenker längere Zeit nicht zu seinem Auto zurückkehrt.

Wer eine Wanderung im Hochgebirge unternimmt, muss gutes Schuhwerk und wetterfeste Kleidung dabei haben. Gerade im Hochgebirge kann das Wetter binnen Minuten umschlagen und aus strahlendem Sonnenschein kann eine dichte Nebelsuppe werden. Wer lediglich einen Ausflug auf den allgemeinen Parkplätzen und Besichtigungswegen macht, muss zwar nicht unbedingt mit Bergschuhen ausgerüstet sein, aber ordentliches Schuhwerk ist allemal angeraten.

Überprüfen Sie, ob die Batterien Ihres Mobiltelefons aufgeladen sind, um im Notfall einen Notruf tätigen zu können.  Nehmen Sie sich energiereichen Proviant für alle Fälle mit.

Besorgen Sie sich eine gute Wanderkarte (die es auch in den Geschäften entlang der Großglockner Hochalpenstraße überall gibt).

Information

Alpe-Adria-Trail
Edelweißhütte
Gasthof Fuscherlacke
Römerhütte
Zentralalpenweg 02

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