Abseits der Großglockner Hochalpenstraße: Adler, Murmeltiere, Enzian und Wasserfälle

Großglockner Hochalpenstraße Steinböcke

„tanzende“ Steinböcke © Großglockner Hochalpenstraßen AG

Liest man „Großglockner Hochalpenstraße“, so wird man wohl gleich an ein eindrucksvolles Panorama der Bergriesen in den Hohen Tauern, an die straßenbauliche Pionierleistung, an den höchsten Berg Österreichs und den Pasterzen-Gletscher denken. Ja und an Murmeltiere. Wer aber seinen Blick aufmerksam durch die Landschaft streifen lässt und ein paar Schritte abseits der Parkplätze macht, wird eine faszinierende Tier- und Pflanzenwelt sowie grandiose Landschaftsbilder erleben.

Bartgeier und Bienen
Im Nationalpark Hohe Tauern, der sich über die drei österreichischen Bundesländer Osttirol, Salzburg und Kärnten erstreckt, in dem sich ja auch die Großglockner Hochalpenstraße befindet, leben mehr als 40 Steinadlerpaare. Wenn sie hoch am Himmel kreisen, sind sie aufgrund ihrer Flügelspannweite, die bis knapp über zwei Meter erreichen kann, gut mit freiem Auge zu sehen. Auch Gänsegeier bevölkern die Bergwelt. Sie können eine Flügelspannweite bis zu 2,7 Metern erreichen. Der „König der Flügelspannweite“ ist aber der Bartgeier, der seit einigen Jahren wieder in der Großglockner Bergwelt heimisch ist. Er bringt es auf eine Flügelspannweite bis zu 2,9 Metern.

Bartgeier Nationalpark Hohe Tauern Großglockner Hochalpenstraße

Bartgeier im Flug © 2012 urheberrechtlich geschützt Michael Knollseisen, Bildquelle: Nationalpark Hohe Tauern

Während man die Geier und Adler aufgrund ihrer Größe leicht erkennen kann, wird es bei den kleinsten „Flugobjekten“ schon schwieriger. So kommen von den 690 Bienenarten, die es in Österreich gibt, erstaunliche viele Arten auch in den Hohen Tauern bis in Höhen von 2 500 m ü. A. vor, also bis zum Fuscher Törl, Hochtor oder der Kaiser-Franz-Josefs-Höhe. Nicht ganz so hoch im Gebirge hat man 27 der 46 österreichischen Hummelarten im Glocknergebiet nachgewiesen. Sie findet man bis in 1 900 Meter Seehöhe.

Akrobaten der Luft, soziale Wegelagerer und Städtetouristen
Nicht ganz so klein wie Bienen und Hummeln, aber auch nicht so riesig wie Geier und Adler sind die Alpendohlen. Vor allem im Gebiet der Kaiser-Franz-Josefs-Höhe und entlang des Gamsgrubenwegs kann man diese Flugkünstler beobachten. Sie schießen blitzschnell durch die Luft, bleiben plötzlich in einem Aufwind „in der Luft stehen“ und segeln dann gemächlich, jede kleinste Luftströmung ausnutzend, an den Felswänden auf und ab. Haben sie einmal einen Partner gefunden, dann bleiben sie meist für ihr Leben zusammen.

Alpendohle auf der Kaiser-Franz-Josefs-Höhe

Alpendohle auf der Kaiser-Franz-Josefs-Höhe

Sie sind sehr intelligente und neugierige Vögel, die keine Scheu vor Menschen haben. Daher nähren sie sich auch beispielsweise von Essensresten bei Schutzhütten. Im Winter, wenn sie im Hochgebirge keine Nahrung finden, fliegen sie bis in Tallagen zur Futtersuche. Sie kehren aber abends wieder in die Nähe ihrer Felsbrutplätze zurück, die sich in gut 2 000 Meter Höhe befinden. Man hat auch schon brutverdächtige Beobachtungen im Gebiet des Sonnblick-Observatoriums gemacht – in 3 100 Meter Seehöhe!

Gasthof Fuscherlacke Murmeltier Großglockner Hochalpenstraße

Herbert Haslinger, der Mankeiwirt des Gasthofs Fuscherlacke, mit Murmeltier

Der Besucher der Großglockner Hochalpenstraße kann noch andere Tiere beobachten: Steinböcke, Gämsen, Ziegen, Schafe – manchmal verläuft sich eines, möchte den Hochtor-Tunnel als Abkürzung verwenden, hat aber dann aber doch Respekt vor diesem großen Loch und klettert wieder die Bergweiden hinauf. Auch Murmeltiere kann man beobachten.

Wunderwelt Glocknerwiesen
Ob in der sogenannten Hexenküche unterhalb der Edelweißwand auf Salzburger Seite oder bei der Guttalalm auf Kärntner Seite – der Besucher wird immer wieder auf manchmal farbenprächtige, manchmal unscheinbare Pflanzen stoßen. Ja, ja, das Edelweiß und den Enzian kennt man ja, aber wie sieht der Frühlings-Enzian aus, die Zypressenwolfsmilch oder der Felsenehrenpreis?

Rasthaus Schöneck mit der Wunderwelt Glocknerwiesen Großglockner Hochalpenstraße

Rasthaus Schöneck mit der Wunderwelt Glocknerwiesen

Zwischen dem Rasthaus Schöneck und dem Glocknerhaus auf Kärntner Seite an der Gletscherstraße zur Kaiser-Franz-Josefs-Höhe liegen die prächtigsten und blumenreichsten Bergmähder entlang der Großglockner Hochalpenstraße, die Pockhorner Wiesen. Dort gibt es auf nur 100 Quadratmeter bis zu 140 verschiedene Pflanzenarten, darunter zahlreiche Orchideen.

Frühlings-Enzian - Wunderwelt Glocknerwiesen Großglockner Hochalpenstraße

Wunderwelt Glocknerwiesen

Beim Rasthaus Schöneck lädt die „Wunderwelt Glocknerwiesen“ zu einem Besuch ein (Eintritt frei). Dort lernt man auf einer Wiese zahlreiche Blumen kennen und in einem Ausstellungsgebäude zeigt eine kleine Naturschau diese Blütenpracht und Insektenvielfalt in den einzigartigen Bergwiesen mit faszinierenden Einblicken in das erstaunliche Zusammenspiel und die wechselseitige Abhängigkeit zwischen Alpenblumen und Insekten. Daneben gibt es einen Kinderspielplatz mit – ja natürlich – vielen bunten Blumen.

Eine Sonderschau „Sonnblick-Observatorium“ bietet einen Einblick in die Geschichte und die vielfältigen Aufgaben des Sonnblick-Observatoriums. An schönen Tagen mit klarem Fernblick haben Sie vom Rasthaus Schöneck aus den Blick frei auf den Sonnblick in der Rauriser Goldberggruppe.

Abseits von Großglockner, Hochtor und Edelweißspitze
Entlang der Großglockner Hochalpenstraßen wartet eine Sehenswürdigkeit nach der anderen darauf entdeckt zu werden: das Haus Alpine Naturschau, die Ausstellungen „Passheiligtum Hochtor“, „die Geschichte der Straße“, „125 Jahre Automobilismus“ und im Sommer 2014 die Kunstausstellung „Alpenliebe“, Lehrpfade und anderes mehr. Doch wer Ruhe und Natur genießen möchte, findet auch dazu viele Möglichkeiten.

Großglockner Hochalpenstraße Guttal

gurgelnd findet der Guttalbach seinen Weg ins Tal, im Hintergrund der Kloben (2 938 m ü. A.)

Nachstehend seien ein paar dieser Ruheorte erwähnt. So führt beim Hochtor auf Salzburger Seite ein Wanderweg (gutes Schuhwerk!) hinauf auf das Plattenkar, von wo aus man bei schönem Wetter einen herrlichen Blick über die Hohen Tauern und ins Seidlwinkeltal hinunter hat. Im Guttal auf Kärntner Gebiet spürt man die Gischt des Guttalbaches noch etliche Meter weit, das Murmeln des Gebirgsbaches und das Bergpanorama lassen einen vergessen, dass nur wenige Hundert Meter weiter eine der schönsten Panoramastraßen der Ostalpen vorbeiführt.

Felsformationen in der Hexenküche

Felsformationen in der „Hexenküche“

Vom großen Parkplatz beim Glocknerhaus führt ein Wanderweg vorbei am Pasterzenhaus hinunter zum Margaritzenstausee der Tauernkraftwerke Kaprun und hinauf zum Elisabethfelsen. 1856 war bis hier herauf Kaiserin Elisabeth von Österreich, Sisi, mit ihrem Mann gewandert. Kaiser Franz Joseph zog es noch höher hinauf bis zur heutigen Kaiser-Franz-Josefs-Höhe.

Ein paar hundert Meter oberhalb des Glocknerhauses, in der letzten Kehre, zweigt ein kleiner Weg zum Naßfeldstausee, einem Gebirgssee, ab. Links und rechts kann man eigenartige Felsformationen sehen, in denen man mit etwas Phantasie auch Figuren erkennen kann. Und wenn Sie einen Pfeifton hören, dann könnte das ein Murmeltier gewesen sein. Also Augen auf in der herrlichen Berglandschaft entlang der Großglockner Hochalpenstraße – sie hält noch mehr zum Entdecken bereit als dieser Artikel schildern konnte.

Alle Bilder von der Großglockner Hochalpenstraße siehe meine zenfolio-Bilderplattform.

Information über die Großglockner Hochalpenstraße im Internet: www.grossglockner.at

Adlerblick - Steinadler Nationalpark Hohe Tauern

Adlerblick – Steinadler © 2013 urheberrechtlich geschützt Martin Steinthaler, Bildquelle: Nationalpark Hohe Tauern

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