Moorgeister, Bierbader, Traktor-Roas und Bauerngolf – ein Besuch im Seelentium im Innviertel

Ibmer Moor Seeleiten See Seelentium

Blick auf den Seeleiten See am östlichen Rand des Ibmer Moores

Österreich, Oberösterreich, Innviertel, Seelentium – Ganz Österreich befindet sich im Stress-Fieber. Ganz Österreich? Nein. Eine kleine Region in Oberösterreich mit gemütlichen Menschen, herrlicher Natur und Ruhe wehrt sich erfolgreich dagegen. Die Rede ist vom Landstrich der „stillen Seen“ in der Wohlfühlregion „Seelentinum“.

Seeletium – die Seele an Seen baumeln lassen
Das Wort „Seelentium“ entstand aus dem deutschen Wort „See“ und dem Lateinischen „silentium“, was so viel wie Lautlosigkeit oder Stille bedeutet. Es begann im Jahr 2006, als sich acht Gemeinden des Innviertels zusammenschlossen. Sie wollten die kleinen unbekannten Schönheiten ihrer Region den erholungssuchenden Menschen erschließen. Heute gehören zum Seelentium bereits 15 Gemeinden, darunter auch die beiden bayerischen Städte Burghausen und Tittmoning. Im Bier baden, Irrlichter in Mooren suchen, Bauerngolfen oder selbst einmal Traktor fahren bei der Traktor-Roas. Das sind nur einige Angebotspunkte im südlichen Teil dieser Wohlfühlregion, die auf Entschleunigung, Wohlfühlen und Erholung setzt.

Moorwächterin Maria Wimmer © Seelentium

Moorwächterin Maria Wimmer © Seelentium

Im Land der Moorseen
Keine 40 Kilometer nördlich der Stadt Salzburg, gleich „hinter der Grenze“ auf oberösterreichischer Seite befinden sich einige Moorseen. Sie waren beim Schmelzen des Salzachgletschers vor etwa zwölftausend Jahren entstanden und sind heute im Sommer beliebte Badeseen. Höllerer See, Holzöstersee, Heratinger See, Seeleiten See und Huckinger See heißen die bekannteren von ihnen. Um sie herum haben sich noch Moore erhalten, die mit der Entstehung von Seelentium auch eine Moorwächterin erhalten haben.

„Die spinnen, die Innviertler“
Mit Wetterfleck, Wanderstab und Laterne ausgerüstet führt Maria Wimmer als Moorwächterin Besucher durch das Ibmer Moor. Sie kennt die Sagen, die sich ums Moor ranken, weiß wohl auch manch versteckten Ort, an dem besonders seltene Pflanzen wachsen und kann wahrscheinlich auch mit den Moorgeistern sprechen. Bei ihren Wanderungen lernt man Rosi Hafner kennen, die das Spinnen und Filzen von Schafwolle beherrscht. Doch vorher führt die Tour mit dem provokanten Titel „die spinnen, die Innviertler“ natürlich durch das Ibmer Moor zu Toteislöchern. Toteislöcher? Ja, Sie merken schon, um alles zu beschreiben, was man da im Moor erleben kann, reicht der Platz hier nicht aus. Aber wandern Sie doch einmal mit Maria Wimmer – dann erfahren Sie mehr. Termine finden Sie unter den am Ende des Artikels angeführten Weblinks.

Bauerngolf, Traktor-Roas und der Seewirt in Holzöster
Mitten im Land der Moorseen liegt die Gemeinde Franking, die für vier Dinge bekannt ist: für das Bauerngolf, die Traktor-Roas, den Holzöstersee und das Bier-Bottich-Bad. Doch bevor wir uns näher damit auseinandersetzen stärken wir uns noch. Einkehr beim Seewirt in Holzöster und, obwohl er Seewirt heißt, ist der See doch noch ein paar Meter weiter und von der Terrasse des Seewirts aus nicht zu sehen. Oder nicht mehr zu sehen, da viel Grün den Garten umschließt. Die gefüllte Kalbsbrust war an jenem Sommersonntag recht gefragt gewesen (wohl sehr gut, weil aus), also wurde das Beuschl mit Knödel bestellt. Eine weise Entscheidung, denn das Beuschel beim Seewirt enttäuscht den Liebhaber dieses Gerichts nicht. Dazu ein „Schnaitl dunkel“ aus der Schnaitl-Brauerei aus Gundertshausen und man ist mit sich, der Welt und dem Seelentium rundum zufrieden.

ein Beuschel im Hotel Seewirt Holzöster

ein Beuschel im Hotel Seewirt Holzöster

War zunächst eine Stärkung angesagt, so musste nun vor einer Moorwanderung ein Ruhepäuschen eingelegt werden. Im Garten des Seehauses des Seewirts, jetzt aber wirklich am Ufer des Holzöstersees, der den Hausgästen vorbehalten ist, kann man, natürlich nur als Hausgast, so eine Pause einlegen. Bei einer anschließenden Wanderung rund um den Holzöstersee kommt man am Nordufer durch das Hehermoos, ein Moor, das man auf Holzstegen durchquert. Schautafel erläutern die Tier- und Pflanzenwelt. Kommt man dann wieder auf die Felder, kann es passieren, dass ein munteres Zicklein herumtollt. Es war aus seinem Gehege ausgebüxt, nun von seiner Mutter durch den Zaun getrennt und ließ sich partout nicht einfangen.

Anstelle einer Wanderung bieten sich auch zwei Innviertler „Sportarten“ an. Beim Kirchenwirt von Franking holt man sich das nötige Sportgerät zur Ausübung des Bauerngolfs. Ausgerüstet mit Wanderkarte, Holzkugel und Schläger macht man sich auf den Weg zu den acht bis 17 Stationen, die aus alten bäuerlichen Wirtschaftsgeräten, wie etwa Leiterwagen, Pflug, Egge, Schlitten oder Mostpresse, bestehen und spielt „Golf“, eben „Bauerngolf“. Für die kleine Runde von fünf Kilometern mit acht Stationen sollten Sie etwa zwei Stunden Gehzeit planen. Für die guten Geher gibt es die große Tour mit 17 Stationen, einer Länge von 14 km und etwa fünf Stunden Gehzeit.

Seelentium Traktor-Roas in Dorfibm

Innviertler Traktor-Roas in Dorfibm in der Gemeinde Franking in der Wohlfühlregion Seelentium, im Hintergrund das Landhotel Moorhof, das mit dem Bierbad… © Seelentium

„Resi, i hol di mit mei’m Traktor ab“
Was der deutsche Schauspieler und Schlagersänger Wolfgang Fierek 1984 als Ohrwurm auf Schallplatte herausbrachte, kann in Franking Wirklichkeit für den Hobby-Traktorfahrer werden. Ein normaler Pkw-Führerschein reicht aus und schon tuckert man mit einem „Bauern-Cabriolet“ durch die Landschaft des oberen Innviertels. Abholung und Rückgabe erfolgt in Dorfibm, auch ein Orteils der Gemeinde Franking. Noch mehr Spaß macht es, wenn sich ein paar Freunde gemeinsam zu so einer „Traktor-Roas“ zusammenfinden. Die beiden Organisatoren, Manfred Gloning und Ralf Kreuzeder, erklären zunächst die Funktion der Steyr-Oldtimer und geben gerne Tipps, wohin man eine Traktor-Roas unternehmen sollte. Die Fahrer und Beifahrer sind beim Biobauern am Höllerersee ebenso wie beim urigen Mostbauern mit dem schönsten Blick über den Heratinger See oder beim Heimatmuseum Haigermoos immer willkommen. Am Huckinger See kann man den Besuch eines Oldtimermuseums und eine kleine Wanderung mit der Traktorfahrt verbinden. Aber die beide Traktor-Profis warnen alle Hobby-Fahrer: Traktorfahren kann süchtig machen!

Bier-Bottich-Bad im Landhotel Moorhof in Dorfibm Seelentium

Bier-Bottich-Bad im Landhotel Moorhof in Dorfibm in der Gemeinde Franking in der Wohlfühlregion Seelentium – Prost! ehm nein, Gesundheit! © Seelentium

Der Traum eines jeden Biertrinkers – Bier Bottich Baden
Ebenfalls im Ortsteil Dorfibm bietet das Landhotel Moorhof Bierbäder an. Genauer gesagt, man steigt in einen Holzbottich, der mit Bier gefüllt ist. Bei vielen entzündlichen rheumatischen Beschwerden, Gicht, bestimmten Hautkrankheiten aber auch bei Durchblutungsstörungen in Händen und Füßen können Bäder mit diesem Biertrub eine wirksame Hilfe sein, verrät die Besitzerin des Hotels, Hedwig Bauer. Ob da schon jemand er- oder betrunken gewesen sei. Nein, keines von beiden, meint Hedwig Bauer mit Augenzwinkern. Das erste Seidl Bier, das warme Bierbad und die eintretende Entspannung sorge schon dafür, dass die meisten mit einem Seidl genug hätten und lieber das Bad genießen, das übrigens etwa 20 Minuten dauert. Auf den Geschmack gekommen? Dann ist rechtzeitige Reservierung empfehlenswert, denn wie das Traktorfahren scheint auch das Bier Bottich Baden süchtig zu machen. Behaupten jedenfalls die Stammkunden.

der Herartingerhof am Heratinger See, auch Ibmer See Seelentium

der Herartingerhof am Heratinger See, auch Ibmer See genannt, eine Oase der Erholung in der Wohlfühlregion Seelentium © Seelentium

Tagesausflug oder Übernachtung
Wer einen Ausflug in das Land der Moore im südlichen Seelentium unternehmen möchte, fährt beispielsweise von Salzburg an dem hier beschriebenen Tag keine 100 Kilometer (hin, herum und zurück). Erholsamer ist es natürlich, wenn man eine Nacht in dieser Landschaft verbringt. Erwähnt wurden bereits der Kirchenwirt in Franking, der Seewirt in Holzöster und das Landhotel Moorhof in Dorfibm. Aber es gibt noch weitere Übernachtungsmöglichkeiten in diesem Teil des Seelentiums wie beispielsweise den Heratingerhof am Heratinger See (der auch Ibmer See genannt wird). Dort kann man den Tag dann mit einem Spaziergang entlang des kleinen Sees beschließen. Aber auch der Tagesausflügler kann vor seiner Heimfahrt noch gemütlich einkehren. Beispielsweise beim Peer in Seeleiten, Gemeinde Moosdorf. Auf Käse, Geselchtes, Kübelspeck und Brot aus dem Holzofen mit einem Glas Most und den Blick auf den Seeleiten See und das Ibmer Moor genießen.

Alle Bilder von meinen Ausflügen in das Innviertel hier unter diesem Link.

Information
– Homepage der Wohlfühlregion Seelentium
Termine für eine geführte Moorwanderung im Ibmer Moor
– Alles über die Traktor-Roas
– Rund ums Bauerngolf
Bier Bottich Baden im Landhof Moorhof
– Über den Seewirt in Holzöster

Buchtipp: Geheimnis Moor: Im Voralpenland zwischen Ibm und Ainring

Bereits von mir erschienene Reportagen über Seelentium:
Hostienschänder, Plättenfahrer und Moorbader: Rundfahrt durch das obere Innviertel
Gletscherrandweg als neue Naturattraktion Felsen aus den Tauern liegen im Innviertel

Moorsee-Baden im Holzöstersee Seelentium

Moorsee-Baden im Holzöstersee

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