331 Jahre vom fürsterzbischöflichen Goldtransportweg zur modernen Gerlos Alpenstraße

Gerlos Alpenstraße

Bau Oktober 1962 – ein Postauto nützt die halbfertige Straße zur Fahrt nach Gerlos

Österreich | Salzburg | Pinzgau | 70 Arbeiter stellten einen 3,5 m breiten Karrenweg vom Tiroler Zell am Ziller ins Salzburger Wald im Pinzgau so weit fertig, dass im Sommer 1631 eine vierspännige Kutsche die holprige Eröffnungsfahrt über die Gerlos schaffte. Es war der Beginn der alten Gerlosstraße. Der große Pionier des modernen alpinen Straßenbaus, Ingenieur Franz Wallack (* 1887, † 1966) eröffnete am 1. Dezember 1962 die heutige Gerlos Alpenstraße. Dieser Artikel wirft einen Blick zurück in die Geschichte der Entstehung dieser bedeutenden Transitverbindung.

Weitere Bilder vom Bau der Straße ⇒ auf meiner Bilderplattform.

Goldtransport, Eisenbahn oder Seilbahn
Schon seit dem 15. Jahrhundert bezogen die Salzburger Fürsterzbischöfe Gold aus dem Zillertal, das bis 1803 zum Erzbistum Salzburg gehörte. Als man 1630 auf dem Rohrberg hoch über Zell am Ziller im Zillertal ein reiches Goldlager entdeckte, war die „Modernisierung“ des vorhandenen Saumpfades zu eingangs erwähnten Karrenweg notwendig geworden.

Nach der Eröffnung der Inntal-Eisenbahn 1868 hatte eine Gruppe von visionären Männern die Idee, eine Eisenbahnverbindung von Jenbach im Inntal durch das Zillertal und über den Gerlospass in den Pinzgau zu bauen. Als jedoch sechs Jahre später tatsächlich die Planung einer Eisenbahnverbindung von Tirol nach Salzburg anstand, gewann die heutige Streckenführung über Hochfilzen. Nicht zuletzt deshalb, weil die Oberpinzgauer Bauern gegen die Bahnverbindung waren, befürchteten sie doch große Schäden in ihrer Landwirtschaft durch das „Dampfross“. Zwar verstummten die Pläne einer Straße über den Gerlospass nie, aber es geschah auch nichts. Neben endlosen Debatten über eine Straße tauchten 1920 Luftschloss-Architekten auf. Sie wollten die 31 Kilometer lange Lücke (Luftlinie) zwischen den beiden Schmalspurbahnen im Zillertal und Pinzgau mit einer Seilbahn schließen.

Gerlos Alpenstraße

Im Sommer 1961

Erste Baukilometer auf Tiroler Seite
Die verheerende Weltwirtschaftskrise Ende der 1920er Jahre brachte im Salzburger Land den Baubeginn des bereits seit Jahren in der Schublade befindlichen Projekts Großglockner Hochalpenstraße (1930) zur Realisierung, um wenigstens ein paar Tausend Arbeitslosen Arbeit zu bieten. Auf Tiroler Seite des Gerlospasses wurde 1934 und 1935 der 17 Kilometer lange Güterweg zwischen Zell am Ziller und Gerlos für den damaligen Autoverkehr ausgebaut. Der erste Schritt einer zeitgemäßen Straßenverbindung in Richtung Oberpinzgau war getan. Der Krieg stoppte dann aber vorerst alle Pläne.

Mit dem amerikanischen Wiederaufbauprogramm, dem „Marshall Plan“, und der deutschen Währungsreform begann 1948 eine wirtschaftliche Besserung im Land Salzburg. 1949 wurde der Erbauer der Großglockner Hochalpenstraße, Franz Wallack, mit der Planung einer Gerlos Alpenstraße beauftragt.

Elf Jahre bis zum Spatenstich
Geldmangel verhinderte jedoch vorerst die Umsetzung der zwölf Kilometer langen und 7,5 Meter breiten Straße, die Wallack von Krimml über 558 Höhenmeter und acht Kehren bei einer maximalen Steigung von neun Prozent hinauf nach Gerlos geplant hatte. Am 20. Juli 1960 war es dann aber nach elf Jahren des Wartens endlich soweit. Landeshauptmann Josef Klaus, der gleichzeitig auch Vorsitzender im Aufsichtsrat der Großglockner Hochalpenstraßen AG war, nahm den Spatenstich vor.

500 Arbeiter errichteten in 700 000 Schichten, in 26 Monaten, die Straße. Dabei musste eine umfassende Entwässerung des rutschgefährdeten Geländes ebenso gebaut werden wie eine aufwändige Wildbachverbauung. Die Scheitelstrecke, die durch ein Hochmoor führt, musste auf einer Länge von 1,5 Kilometern vier Meter tief ausgehoben werden, bis man auf festen Untergrund stieß.

Gerlos Alpenstraße

Gerlos Alpenstraße: Bau Juli 1962: die Schleife unter und um das Trattenköpfl

Wallack löste Probleme genial
Kurz nach Beginn der Strecke musste Wallack eine technische Lösung für das sogenannte Trattenköpfl finden, in dessen Bereich die Straße eine 180-Grad-Kehre benötigte. Wallack löste dieses Problem, in dem er zunächst die Trasse der Straße durch einen Tunnel unter dem Trattenköpfl führte, danach eine Kehre in Form eines Dreiviertelkreises um dieses Trattenköpfl im Freien baute und die fehlende Drehung der Straße in die Gegenrichtung in einer Schleife bergwärts führen konnte.

Die gesamte Trasse war auf einer 40 bis 60 Zentimeter starken Frostschutzschicht gebaut worden, um die Straße absolut wintersicher zu machen. Wie schon bei der Großglockner Hochalpenstraße ließ Wallack auch bei der Gerlos Alpenstraße ein Fernsprechkabel entlang der Straße verlegen und Notrufstellen errichten.

Gerlos Alpenstraße

Eröffnung am 1. Dezember 1962: links Landeshauptmann Dr. Hans Lechner, Bundeskanzler Julius Raab, Ing. Franz Wallack

Am 1. Dezember 1962 wurde dann die Gerlos Alpenstraße eröffnet. Klaus, der mittlerweile zum Finanzminister berufen worden war, und der neue Salzburger Landeshauptmann Dr. Hans Lechner führten zusammen mit Franz Wallack die 300 Fahrzeuge umfassenden Autokolonne der Eröffnungsfahrt an. Aber erst 1964 war dann auch das letzte Straßenstück zwischen der Salzburger Landesgrenze und der Gemeinde Gerlos auf Tiroler Seite geschlossen. Durch den Bau des Kraftwerkspeichers Durlaßboden konnte nun die 38 Kilometer lange Straße zwischen Krimml und Zell am Ziller durchgehend befahren werden.

2012 – 50 Jahre Gerlos Alpenstraße
2012 konnte die neue Gerlos Alpenstraße ihr 50jähriges Jubiläum feiern. Heute ist sie aber nicht nur eine wichtige Ostwest-Transitverbindung zwischen dem Salzburger Pinzgau und dem Tiroler Zillertal. Sie ist auch eine beliebte Ausflugsstraße, die am Beginn in Krimml mit den WasserWunderWelten eine interessante Erlebniswelt rund um das Wasser für Jung und Alt bietet. Nicht von ungefähr wurde hier das Thema Wasser aufgegriffen, tost doch nur wenige Hundert Meter entfernt die Krimmler Ache aus dem Krimmerl Achental über die höchsten Wasserfälle Europas und die fünft höchsten Wasserfälle der Welt, die Krimmler Wasserfälle. Entlang der Gerlos Alpenstraße wurden Parkplätze eingerichtet, von denen aus man imposante Blicke auf diese Wasserfälle werfen kann. Und im Winter erreicht man über diese Alpenstraße das Winterskigebiet „Zillertal Arena“, bei die sich die Orte Gerlosplatte-Hochkrimml, Königsleiten, Gerlos und Zell am Ziller zu einer Urlaubsregion zusammengeschlossen haben.

Die Gerlos Alpenstraße im Internet: hompage

Gerlos Apenstraße

Gerlos Apenstraße im 21. Jahrhundert – WasserWunderWelt in Krimml am Beginn der Gerlos Alpenstraße

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