Vor 80 Jahren: Eröffnung der Nordrampe der Großglockner Hochalpenstraße

Großglockner Hochalpenstraße 1934

Franz Wallack (links) bei seiner Eröffnungsrede, ganz rechts Landeshauptmann Franz Rehrl (Bildquelle Archiv der Großglockner Hochalpenstraßen AG)

Österreich | Salzburg | Hohe Tauern | Als im Jahr 1922 eine Gruppe österreichischer Experten Pläne für eine Straße über die Hohen Tauern beim Hochtor vorlegte, erntete sie vorwiegend Spott. Im Juni 1924 erhielt der Kärntner Ingenieur Franz Wallack den Auftrag, diese Panoramaalpenstraße zu trassieren. Der erste Sprengschuss zur Errichtung der Großglockner Hochalpenstraße fiel am 30. August 1930 und vier Bausommer später, am 23. September 1934, konnten Landeshauptmann Dr. Franz Rehrl und Ing. Franz Wallack die Straße bis zum Fuscher Törl eröffnen (auf Kärntner Seite war sie bereits 1933 bis zur Kaiser-Franz-Josefs-Höhe eröffnet worden).

Der Bausommer 1934
Mit Hochdruck trieb Wallack im kurzen Bausommer 1934 die Arbeiten zur Fertigstellung der Straße voran. Es fehlten nur noch wenige Kilometer zwischen dem Fuscher Törl und dem Hochtor. Noch zur Zeit des Hochgebirgswinters nahmen die Arbeiter von Kärnten und von Salzburg wieder ihre Arbeit auf. Das war am 25. Mai 1934 – die Arbeiten am Hochtortunnel wurden wieder aufgenommen, wo noch im Spätnovember 1933 den Stollendurchschlag gelungen war. Mitte Juni konnte mit dem Tunnelanschlag des Mittertörltunnels begonnen werden und am 22. September 1934 gelang dem Salzburger Landeshauptmann die legendäre Erstbefahrung auf dem Unterbau der Glocknerstraße-Scheitelstrecke. Das war einen Tag vor der Eröffnung der Straße auf Salzburger Seite von Hochmais bis zum Fuscher Törl.

Großglockner Hochalpenstraße 1934

Blick von der Edelweißspitze hinunter über die Edelweißstraße zum Fuscher Törl (Bildquelle: Archiv der Großglockner Hochalpenstraßen AG)

Die Edelweißstraße wird eröffnet
Der Straßenabschnitt um den Törlkopf, der sich über dem Fuscher Törl erhebt, konnte erheblich günstiger ausgeführt werden als es Wallack geplant hatte. Mit den eingesparten 53.000 Schilling (€ 152.000,– Geldwert 2014) ließ Wallack im Sommer 1934 eine 1,6 Kilometer lange Stichstraße vom Parkplatz Fuscher Törl auf das „Poneck“ bauen. Doch Wallack gefiel der Name „Poneck“ nicht und so wählte er in Anlehnung der Bezeichnung „Edelweißleite“ des Südosthangs des Ponecks hinunter zum Fuscher Törl den heutigen Namen „Edelweißspitze“ und gab der Stichstraße den Namen „Edelweißstraße“. Die Edelweißspitze ist mit 2 571 m ü. A. der höchste Punkt der Großglockner Hochalpenstraße und bietet bei klarem Wetter einen imposanten Rundblick über 37 Dreitausender und 19 Gletscherfelder.

Am Sonntag, den 23. September 1934, erreichte gegen 10 Uhr Vormittag die Wagenkolonne der Eröffnungsgäste Ferleiten. Vorne erschien Landeshauptmann Dr. Franz Rehrl in seinem „Überquerungswagen“, mit dem er tags zuvor die erste Befahrung der Großglockner-Scheitelstrecke durchgeführt hatte. Ihm folgten die Wagen des Bundespräsidenten Wilhelm Miklas, des Bundeskanzlers Kurt Schuschnigg, der Minister, Diplomaten und Würdenträger. Wie eine Perlenkette reihten sich 343 Personenkraftwagen, 32 Autobusse und 318 Motorräder, die sich an der Zielfahrt zur heutigen Eröffnung beteiligt hatten, die der Salzburger Automobil- und Touringklub ausgeschrieben hatte, auf der Großglockner Hochalpenstraße auf.

Großglockner Hochalpenstraße 1934

die parkenden Fahrzeuge im oberen Nassfeld, rechts das Dr.-Franz-Rehrl-Haus im Urzustand (eine zerlegbare Baubaracke) (Bildquelle: Archiv der Großglockner Hochalpenstraßen AG)

Die Feierlichkeiten
Nachdem Ing. Wallack dem Bundespräsidenten die Fertigstellung des neuen Bauabschnittes gemeldet hatte, setzte er sich in den Steyr 100 zum Landeshauptmann und die Kolonne kroch bergwärts. Nur die wichtigsten Fahrzeuge durften auf die Edelweißspitze fahren, da dort der Parkraum sehr begrenzt ist. Die anderen Fahrzeuge reihten sich entlang des Straßenabschnitts im oberen Nassfeld und um den Törlkopf auf. Nach einer kurzen Gipfelrast auf der Edelweißspitze versammelten sich die mittlerweile auf rund 8 000 Personen angewachsene Menschenmenge am Parkplatz Fuscher Törl.

Nach einem Salutschuss einer Gebirgsbatterie, die am Fuscher Törl in Stellung gegangen war, begann eine feierliche Feldmesse in rund 2 400 m ü. A., bei der der Salzburger Kammersänger Richard Mayr (* 1877, † 1935) ohne jede Begleitung die ersten beiden Strophen Goethes „Talismane“ nach der Vertonung von Schubert sang. Über dem Fuscher Törl kreiste Ulrich Ferdinand Fürst Kinsky (* 1893, † 1938), der Präsident des Österreichischen Aero-Clubs, in seinem Sportflugzeug.

Franz Wallack schreibt dazu in seinem Buch über die Baugeschichte: „Eine große Zahl von Lautsprechern ließ diese Worte feierlich in den Äther hinaustönen. Ernst und schweigend blickten die Dreitausender, darunter auch der Großglockner als ihr König, auf den Festplatz und die 8 000 Menschen herunter, die hier einen Festtag begingen, der sie weit weg von der Enge des Alltags in die herrliche Gottesnatur geführt hatte.

Nach der Messe folgten Ansprachen von Wallack, von Landeshauptmann Dr. Franz Rehrl, des Bundespräsidenten sowie der Vertreter der „automobilistischen und Fremdenverkehrs-Verbände“. Dann löste sich die Feier zwanglos auf, die Festgäste traten die Rückfahrt ins Tal an und die Arbeiter zogen ihren Sonntagsstaat wieder aus, nahmen Krampen, Schaufel, Bohrhämmer und Meisel wieder in ihre schwieligen Hände und arbeiteten weiter an der Vollendung der 37,7 Kilometer langen Durchzugsstraße von Fusch an der Großglocknerstraße nach Heiligenblut. Die Fertigstellung der Großglockner Hochalpenstraße erfolgte im daauffolgenden Sommer mit Eröffnung am 3. August 1935.

Großglockner Hochalpenstraße Edelweißspitze 1934

unterhalb des provisorischen Gipfelkreuzes der Edelweißspitze: Bundeskanzler Kurt Schuschnigg, rechts neben ihm Bundespräsident Wilhelm Miklas, Landeshauptmann Dr. Franz Rehrl, nicht bekannte Person und dann Ing. Franz Wallack (Quelle Archiv der Großglockner Hochalpenstraßen AG)

 

 

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