Buchvorstellung: Istrien, eine Liebeserklärung an das Land, seine Menschen und seine Kultur

Istrien Buch

Titelbild „Istrien“ (Quelle Verlag Edition Tandem)

Ein Universitätsprofessor entdeckte als Student seine Liebe zum damaligen noch jugoslawischen Istrien, eine gelernte Buchhändlerin verliebte sich nicht nur in den Universitätsprofessor, sondern ebenfalls in Istrien und des Professors erste Frau konnte sich den Reizen der Menschen und der Landschaft auch nicht entziehen. Zusammen trugen sie selbst Erlebtes aus mehr als fünf Jahrzehnten und Geschichtliches über ein Gebiet zusammen, das halb so groß wie das Bundesland Salzburg ist.

Kein Reiseführer im herkömmlichen Sinn, aber mit sehr viel Information und Geschichten
Die drei erzählen Begebenheiten, die sie bei ihren Reisen an der Küste und im Hinterland Istriens erlebt hatten, und flechten dabei viel Wissen und Geschichte ein. Dieses Buch kann man fast nicht in einem Zug lesen, so viel Interessantes und Wissenswertes birgt der Text. Da diese Halbinsel, der größter Teil gehört heute zu Kroatien (ein kleinerer Teil zu Slowenien und ein ganz kleiner Rest zu Italien, da das Gebiet ab der östlichen Stadtgrenze von Triest dazu gehört), über Jahrhunderte zur Seerepublik Venedig und später zum Habsburger Reich gehörte, widmen die Autoren diesen beiden Geschichtsepochen besonders breiten Raum.

Fisch mit einem Stein im Ohr
Da Alfred Goldschmid u.a. Professor für Biologie und Zoologie ist (seine erste Frau Ulrike studierte ebenfalls Zoologie), finden sich im Buch naturgemäß etliche Beiträge zu diesen Themenkreisen. Beispielsweise über die Mitwirkung k.u.k. Österreich an der Meeresforschung am meeresbiologischen Institut in Rovinj, italienisch Rovigno. Er beschreibt seine Erlebnisse mit Sardinenfischern und erklärt in einem Kapitel alles über Fische vor dieser Küste. Ein unterhaltsamer Beitrag schildert die Geschichte in einem Restaurant von einem Fisch mit einem Stein im Ohr.

Vom k.u.k „Monte Carlo“
Wie erlebten die Autoren Balle/Valle 1967 und wie sah es 2012 dort aus, wie hat sich die frühromanische Basilika Sv. Foško verändert, was ist in Muggia sehenswert, erstaunlich viel Geschichte über die Orte Izola und Piran, was ist Savudrija, von einem Totentanz in den Bergen und Geschichten von „altösterreichischen“ und „altitalienischen“ Einwohnern, wohin ein See verschwindet, ein interessantes Kapitel über die einst österreichischen Brioni-Inseln – befreit von Malaria wurden sie zu einem k.u.k „Monte Carlo“ an der Adria, über starke Frauen aus Savrinja und vieles mehr;

Die jüngere Geschichte beginnt mit Pola und der k.u.k. Marine, führt über den Zerfall der Monarchie hin zu Faschisten, Partisanen, Foibe und Esuli – allesamt eher grausliche Kapitel in der Geschichte Istriens. Zum Ende des Buches beschäftigen sich die drei noch mit der Sprachenvielfalt und der aussterbende Sprache Istrorumänisch, sowie mit den Themen Musik und Fresken.

Der Titel des Buches verspricht und hält: eine Liebesklärung an ein Land und seine Menschen
Über 400 Bilder gibt es im Buch, meist zwar sehr klein und nicht immer in bester Qualität, aber dafür die Texte sehr bereichernd, weil bildlich darstellend, was geschrieben wurde, etliche historische Aufnahmen und was mir auch gut gefällt, Bilder von den Personen, von denen die Autoren erzählen. Einziger Wermutstropfen ist das Fehlen eines Stichworteregisters, was angesichts der Datenfülle und der 314 Inhaltsseiten sicherlich hilfreich wäre.

Ich habe jetzt sicherlich nicht alle Themen dieses Buches erwähnt. Es ist auch kein Reiseführer im herkömmlichen Sinn, sondern wie der Titel des Buches verspricht und hält: eine Liebesklärung an ein Land und seine Menschen. Kein Buch für den eiligen Touristen, sondern für Menschen, die Istrien wirklich kennenlernen möchten. Sehr empfehlenswert!

Information
Istrien
Eine Liebeserklärung an das Land, seine Menschen und seine Kultur
Autoren: Friederike, Ulrike und Alfred Goldschmid
2013 Edition Tandem, Salzburg, Wien
ISBN 978-3-902606-79-2

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