Hofrat Geiger und der Sauhändler soffen um Marianne im Wirt z’Furkern in Moosdorf im Innviertel

Der Hofrat Geiger in Moosdorf im Innviertel

links Mutter Marianne (Sandra Reindl) kann sich nicht so recht mit dem Erscheinen des Vaters ihrer Tochter Mariandl (Bianca Huber, Bildmitte) abfinden, aber die alte Wirtin, Frau Windischgruber (Gerlinde Zechner) nimmt die Sache in die Hände

Oberösterreich | Innviertel | Seelentium | Moosdorf | Die Rechnung schrieb der Sauhändler (Willi Zachbauer) mit Kreide auf den Wirtshaustisch, Mariandl (Bianca Huber) turtelte ständig mit ihrem Hans (Gunther Boennecken) und die alte Wirtin, Frau Windischgruber (Gerlinde Zechner), war ständig auf der Suche nach einem Liebhaber.

Das Wachauer Erfolgsstück ins Innviertlerische übersetzt
Seit 34 Jahren wird einmal im Jahr der Wirt z’Furkern in Moosdorf im oberösterreichischen Innviertel zum Nabel der Theaterwelt. Was den Salzburgern ihre sommerlichen Festspiele, das sind dem Moosdorfer Theaterverein seine Frühjahrsaufführungen. Diesmal erwischte es „den Hofrat Geiger“ (Sigi Schreiner) und er musste auf der Suche nach seinem Kind, dem Mariandl und ihrer Mutter Marianne (Sandra Reindl) etwas über die Wachau hinaus fahren, ins Seelentium, wie diese Wohlfühlregion im Westen Oberösterreichs um Moosdorf heißt.

Der Hofrat Geiger in Moosdorf im Innviertel

links Hofrat Geiger (Sigi Schreiner) mit seinem Kanzleidiener Lechner (Edi Söllhammer)

Der Hofrat reiste in Begleitung seines langjährigen Kanzleidieners Lechner (Edi Söllhammer) in die ausverkauften Vorstellungen (Restplätze gibt es mit Glück und Zusatzaufführung am 13. März) im großen Saal des Wirts z’Zurkern. Lechner bemühte sich auch redlich, seinem offenkundigen Theatervorbild Hans Moser nachzueifern, aber ein Innviertler bleibt halt ein liebenswerter Innviertler und so ergab sich eine sprachliche Komikmischung zwischen Moser und Söllhammer (der „Lechner“).

Der Hofrat Geiger in Moosdorf im Innviertel

der Sauhändler (Willi Zachbauer) beim frühmorgendlichen Saufgelage mit Hofrat Geiger (rechts)

Die Wirtin, der Sauhändler und die Marianne
Das Mariandl, um die es ja eigentlich in diesem Stück geht, war aber immer so mit dem Flirten und Knutschen beschäftigt, dass sie etwas ins Abseits der Aufmerksamkeit rutschte. Das Gegenteil aber gelang dem Herrn Hofrat Geiger durch eine gekonnt gespielte Hofratsrolle und vor allem aber der Wirtin Windischgruber. Sie war so etwas wie die Würze in der Theatersuppe, wollte sie doch alle Männer, nein fast alle – der Hofrat war ihr zu alt, verführen und setzte ihren Witz und durchaus vorhandenen Charme mit Aktionen und trocken eingeworfenen Meldungen dazu ein. Sie war dann auch die Schlüsselperson dafür, dass das Stück ein vernünftig nachvollziehbares Ende fand, sprich Rätsel und Verwirrung sich auflösten.

Der Hofrat Geiger in Moosdorf im Innviertel

Sandra Reindl in der Rolle von „Marianne“, der Mutter Mariandls

Emotional hervorragend spielte Sandra Reindl ihre Rolle als Mutter des Mariandls, die 20 Jahre nichts von ihrem Geliebten und Vater Mariandls, dem Hofrat, gehört hatte. Bis dieser durch Zufall von einer Eingabe Mariannes im Ministerium Anfang 1900 erfahren hatte. Aber das lag auch schon wieder fünf Jahren zurück. Jetzt wollte Hofrat Geiger „seine“ Marianne heiraten, die aber von ihm nichts mehr hören. Wie das so in Lustspielen ist, gibt es da noch den Sauhändler Pfüller, der die Marianne ebenfalls gerne zur Frau hätte. Der Pfüller hatte es nicht so mit dem Rechnen, war jedoch stark im Saufen. Geiger, in der irrigen Meinung, das Saufen am frühen Vormittag gefiele seiner Marianne, hielt tapfer drei Liter Wein viel mit, lebte sich ausgezeichnet und unter Beifall des oberösterreichischen und Salzburger (das war ich) Publikum in die Rolle des Beschwipsten ein.


Eine sehr professionell spielende Theatergruppe

Die unter der Regie von Lisa Hanöffner (sie schien mir zwar keine Innviertlerin zu sein, aber gut) spielende Laientruppe agierte bemerkenswert professionell. So wurde nicht banal die Pause angesagt, sondern drei Knechte stolperten und flogen über ihre Besen auf die Bühne und erklärten „unter Schmerzen“ die Pause. Die Lichtregie steuerte gekonnt die Umgestaltung der Bühnenbilder. In der Tat, Moosdorf im Innviertel ist dieser Tage wirklich der „Nabel der Theaterwelt“ (wenigstens von Oberösterreich).

Moosdorf im Innviertel

Silvia, Helmut und Fritz aus Moosdorf sind bereits Stammgäste

Und was meinte das Publikum? Ja, der Loiperdinger, der gefiele!
Pausenzeit ist Jausenzeit im Innviertel! Wer kein „Paarl Würstel“ wollte, die frei Haus in den Zuschauerraum auf Tabletts gebracht wurden (kassiert wurde nachher, Ehrlichkeit ist hier noch hoch im Kurs), konnte sich mit einem Flaschl Bier erfrischen. Schnaitl-Bier, versteht sich, ist doch die Brauerei Schnaitl „ums Eck“ in Gundertshausen (Eggelsberg). Schade nur, dass ich noch mit dem Auto ins Salzburgische zurückfahren musste – das Schnaitl Dunkel wär’s schon gewesen! Also befragte ich zu meiner Ablenkung ein paar der Zuschauer, was sie vom Herrn Hofrat und den Mädels so hielten.

Gut sei das Stück und gut die Schauspieler, „sonst war‘n ma net do“ [sonst wären wir nicht da] und weiter „hot hia no nia wos Schlechts net geben“ [„hat es hier noch nie etwas Schlechtes nicht gegeben“ – die doppelte Verneinung ist was ganz typisch Innviertlerisches] meinten Silvia, Helmut und Fritz aus Moodorf. Ja, die müssen es wissen, denn sie haben die letzten, viele, Jahre alle Stücke gesehen.

Franking

von links: Harald, Toni und Petra aus Franking fanden es erfrischend und spritzig

Petra, Toni und Harald aus Franking fanden die Vorstellung, bis zur Pause, wohlgemerkt schon bis zur Pause (nachher wurde es nochmals besser), erfrischend, witzig und die Sprüche cool (ja, ja der Jahreszeit, dem März halt entsprechend oder meint der Innviertler mit „cool“ etwas anderes?). Aber, und da staunte ich, „der Loipertinger Wolfi g’foit [gefällt] mir am besten“ meinte Petra augenzwinkernd. Ja, ja, da hammas [nein, nicht die nahöstliche Vereinigung, sondern „da haben wir es“, die Sache] wieder: nicht die Hauptrolle(n), nicht die hübsche Marianne (Sandra Reindl) oder gar die hübsche Mariandl (Bianca Huber) waren die Lieblinge der Besucher aus der Nachbargemeinde, sondern „der Loiperdinger Wolfi“. Dieser spielte einen Gast, der auf sein Gulasch wartete, was aber Mariandl und ihr Hans, gerade in ein Streitgespräch verwickelt, nun wirklich nicht wichtig fanden, das Gulasch für Wolfi.

„Der Herr Hofrat“ und seine Mariandl’s waren es die Fahrt zum Wirt z’Furkern wert und ich bin schon neugierig, wer nächstes Jahr verkuppelt, geschieden oder umgebracht wird (ja, auch solche Grauslichkeiten führte die Truppe bereits auf: Arsen und Spitzenhäubchen – Wie viele Leichen hat Moosdorf im Keller liegen? … 2013)!

Hintergründiges
Das musikalische Lustspiel „Der Hofrat Geiger“ wurde 1942 in Prag uraufgeführt und stammte von Martin Costa. Costa schrieb unter anderem noch „Hallo Dienstmann“, „der alte Sünder“ und „An der schönen blauen Donau“. Hans Wolf drehte dann 1947 den gleichnamigen Film an Schauplätzen in der Wachau (eine Willi-Forst-Produktion). Den Hofrat spielte Paul Hörbiger, Hans Moser seinen Kanzleidiener Lechner, Marianne (Mutter) wurde von Maria Andergast gespielt und das Mariandl war Waltraut Haas.

Alle 100 Bilder von der von mir besuchten Vorstellung gibt es auf meiner Pressebilder-Plattform unter diesem Link zu sehen.

Moosdorf im Innviertel

die Regisseurin Lisa Hanöffner mit dem Moosdorfer Werbe-, Marketing- und Reiseprofi Wolfgang Reindl

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