Brauerei, Tanzboden, Kegelbahn, Flohmarkt – die Sternbräu-Hauschronik erzählt

Großgasthof Sternbräu Salzburg

Plakat von 1909

Österreich | Stadt Salzburg | Die Sensation im 18. Jahrhundert: ein bereits verheirateter Brauereibesitzer will als Lehrling den Beruf des Braumeisters erlernen und kann so gut wie keine der Zunftvorschriften mehr erfüllen; die vergessene Sternbräukapelle und der reuige Zechpreller von 1948, der 700 Schilling im Oktober 1982 als Entschädigung schickte – wer die gut 150seitige Hauschronik des Salzburger Großgasthofes Sternbräu liest, stößt immer wieder auf Interessantes.

Verlag Anton Pustet präsentierte Anfang Mai 2015 die Hauschronik

Gerhard Ammerer und Harald Waitzbauer, die beiden Autoren der Hauschronik des 1543 erstmals genannten Sternbräus, sind keine Unbekannten. Über Mozart, das Tomaselli und die Salzburger Kaffeehauskultur, die Getreidegasse, über Salzburger Wirtshäuser, das Stiegl-Bier, das Augustiner Bräu in Mülln und, ja natürlich, auch über die Geschichte des Salzburger Bieres im Generellen, brachten die beiden, getrennt und manchmal gemeinsam, bereits Bücher heraus.

Diesmal war es eine Gemeinschaftsproduktion über einen der ältesten noch bestehenden gastronomischen Betriebe in der Stadt Salzburg, wenngleich nicht mehr selbst bierbrauend – das macht das Hofbräu Kaltenhausen und beide Unternehmen gehören zur Brau Union. Das Buch gibt es auch in einer englischen Ausgabe, wies der Geschäftsführer des Anton Pustet Verlags, MMag. Gerald Klonner, hin.

Ein Buch voller interessanter Details

Die beiden Autoren führten am Montag, den 4. Mai 2015, in einer etwa einstündigen Präsentation durch das Buch. Dabei konnte man erfahren, dass der Name des Sternbräus auf eine Befestigungsanlage an der Salzach im Bereich des Bräus zurückgeht, die Sternbastei genannt wurde. Anfang des 20. Jahrhunderts wollte man vom heutigen Ferdinand-Hanusch-Platz eine Straße über die Getreidegasse zum Neutor durch die Häuserreihen hindurch bauen. Und Kegelturniere auf der Kegelbahn im Gastgarten des Sternbräus dauerten im 19. Jahrhundert einige Wochen.

links Dr. Harald Waitzbauer, wissenschaftlicher Mitarbeiter im Salzburger Freilichtmuseum und Ao. Univ.-Prof. DDr. Gerhard Ammerer, stellvertretender Leiter des Fachbereichs Geschichte an der Universität Salzburg

Die kulinarische Gegenwart folgte auf die geschichtliche Vergangenheit

Nach dem doch recht intensiven Geschichtsunterricht ließ Hausherr Mag. Harald Kratzer einige kulinarischen Spezialitäten servieren, die von Küchenchef Michael Pratter und seinem Team zubereitet waren: Bärlauch-Kaspressknödel auf Spargelragout, Zanderfilet auf Erdbeer-Gazpacho mit Spargelbröseln, Sternbräu-Mini-Bratwurst mit Bierkraut und Bärlauch-Kartoffelpüree und zum Nachtisch gab es Topfenknödel mit Rhabarber-Erdbeer-Kompott. Dazu gab es die naturtrübe Hausbier-Spezialität, das „Sternbier“ sowie roten und weißen Sternwein.

Hausherr vom Sternbräu Mag. Harald Kratzer

Spannende Geschichte, meint der Hausherr

Harald Kratzer ist fasziniert von dem Auf und Ab in der Geschichte seines Hauses, von den Um- und Anbauten (gab es doch Mitte des 18. Jahrhunderts 28 Räume mit rund 80 Tischen im Haus) und dem Wandel des Hauses von einer Brauerei zu einem Großgasthof. Nach dem letzten Umbau verfügt das Haus zwar nicht mehr über ganz so viele Räume, aber vor allem sind einige der alten Gaststuben, fast unverändert, wieder neu erstanden.

Blick in den Gastgarten um 1900

„…anerkannt bestes Bier Salzburg’s … vorzügliche Wiener Küche bei freundlicher Bedienung und billigen Preisen – schöner schattiger Garten…“ so pries sich das Sternbräu in einem Inserat im Reiseführer „Salzburg und Umgebung“ im Jahr 1897 an. Gut 220 Jahre später treffen fast alle Aussagen immer noch zu. Über Bier lässt sich wohl trefflich streiten und die Preise, ja die sind eben nicht mehr wie 1958 – „1/2 Brathuhn, Reis und gemischter Salat öS 28,–„ wie eine im Buch abgedruckte Speisenkarten verrät.

Alle Bilder von der Buchpräsentation mit Blicken in die Vergangenheit und aktuellen Bildern des Hauses auf meiner Pressebilder-Seite.

Information
„Das Sternbräu
Die Geschichte eines Salzburger Brau- und Gasthauses“
Gerhard Ammerer, Harald Waitzbauer
2015 erschienen im Verlag Anton Pustet Salzburg
ISBN 978-3-7025-0776-3

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