Großglockner: Pasterze gibt Baumstammm nach tausenden von Jahren frei

Großglockner Hochalpenstraße Pasterze

(v.l.n.r). Peter Rupitsch (Direktor Nationalpark Hohe Tauern Kärnten), Andreas Kellerer (Uni Graz), Konrad Mariacher (Nationalpark Ranger), Josef Rieger (Grossglockner Gletscherbahn) und Katharina Aichhorn (Nationalpark Hohe Tauern Kärnten) kurz vor der Bergung des sensationellen Fundstücks (© Michael Avian, Nationalpark Hohe Tauern)

Nationalpark Hohe Tauern und Oesterreichischer Alpenverein bargen mit fachlicher Unterstützung der Universität Graz einen sensationellen Gletscherfund am Fuße des Großglockners und machen ihn für wissenschaftliche Untersuchungen und in Folge für die Öffentlichkeit zugänglich.

In einer spektakulären Bergung konnte die – in zwei Teile zerbrochene – Zirbe am 24. Juni 2015 mit Hilfe eines Hubschraubers erfolgreich aus dem Gletschervorfeld der Pasterze geborgen werden. Beide Teile zusammen haben insgesamt eine Länge von 7,9 m und das stattliche Gewicht von 1 700 kg.

Zirben auf der Pasterze, heute kaum vorstellbar

Die Pasterze ist mit rund acht Kilometer Länge und 17 km² Fläche nach wie vor der größte Gletscher Österreichs und der Ostalpen. Die rasch zurückschmelzende Gletscherzunge gibt in den letzten zehn Jahren verstärkt Holzfragmente und Torfstücke frei. Bereits 1990 entdeckte der Gletscherforscher Heinz Slupetzky zwei Holzstammreste. Dieser sogenannte „Pasterzenbaum“ wuchs vor mehr als 9 000 Jahren und ist eine ungefähr 300 Jahre alte Zirbe. All diese Funde belegen, dass in den Bereichen wo heute Eis, Schutt, Sand und Wasser regieren, vor 9 000 und auch zwischen 7 000 und 3 500 Jahren teils hochstämmige, alte Zirben wachsen konnten – eine unglaubliche Vorstellung.

Sensationeller Fund

Im Herbst 2014 kamen nun erstmals große Baumstücke aus glazialen Hangsedimenten im Gletschervorfeld der Pasterze zum Vorschein. Diese übertrafen von der Größe her die bisherigen Funde bei weitem, die eindrucksvolle Zeugen des einstigen Baumbestandes sind. Entdeckt wurde der nun geborgene, mehrere Meter lange, in zwei Teile zerbrochene Baumstamm schon im September 2014 von zwei Mitarbeitern der Großglockner Gletscherbahn. Erste Analysen durch Andreas Kellerer-Pirklbauer (Uni Graz) und Kurt Nicolussi (Uni Innsbruck) ergeben ein Alter von circa 6 000 Jahren.

Pasterze & Großglockner live erleben

Direkt erreichbar über die Großglockner Hochalpenstraße führt der Gletscherweg Pasterze ausgehend vom Glocknerhaus entlang von Sandersee und Pasterze bis hinauf auf die Kaiser-Franz-Josefs-Höhe. In einer beeindruckenden Halbtageswanderung geht es über blühende alpine Rasen, geschliffenen Fels und tosendes Wasser bis zum größten Gletscher der Ostalpen. Jeweils Dienstag gibt es auf diesem Gletscherweg geführte Wanderungen mit Nationalpark Ranger.

Von der Kaiser-Franz-Josefs-Höhe aus ist der Fundort des historischen Baumstammes mit der Großglockner Gletscherbahn (bis 20. September2015 täglich von 10:00 Uhr bis 16:00 Uhr) und einer halbstündigen Wanderung gut zu erreichen. Der Atem des Eisstromes, der beeindruckende Blick zum Großglockner und die Faszination der Gletscherlandschaft können hier hautnah erlebt werden.

Pasterze, Großglockner Traumwetter und perfekte Kulisse – mit Pasterze und dem Kleinen Burgstall im Hintergrund – bei der spektakulären Bergung am 24. Juni 2015 (© Andreas Kellerer, Nationalpark H)ohe Tauern

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