Drei Bücher – 333 Orte in Wien, Venedig und im Burgenland

Die drei Titelbilder (Bilder: Verlag Emons, Köln)

Gerd Wolfgang Sievers, Koch von Beruf, hat in drei Büchern je 111 „Orte, die man erlebt haben muss“ beschrieben. In Wien ging er vor allem kulinarischen Begriffen und Orten nach, aus dem Burgenland schreibt er über viele geschichtliche Relikte und Kunstobjekt und im Buch von Venedig geht es ebenfalls hauptsächlich um historische Orte und Gegenstände.

Erschienen sind diese Bücher 2014 im Kölner Emons Verlag, der bereits über 30 Bücher der Reihe „111 Orte, die man erlebt haben muss“ publizierte. Der Aufbau dieser Bücher ist stets gleich: die linke Seite beschreibt den Ort oder die Sache und die rechte Seite ist einem oder mehreren Bildern vorbehalten. Auf einer Übersichtkarte je Buch sind die beschriebenen Orte eingezeichnet.

111 Orte in Venedig, die man aber nicht alle erleben muss

Ob die Kantine der Gondolieri tatsächlich ein „Muss“ für Venedig-Besucher ist, lässt sich aus den vier Absätzen nicht ganz klar erkennen. Denn drei der Absätze beschreiben die Kleidung der Gondolieri und nicht das Lokal. Auch der zugeschüttete Kanal, also ein nicht mehr sichtbarer, lockt vielleicht nicht viele Besucher an. Da mag schon eher das Labyrinth der Abtei von San Giorgio Maggiore anziehend wirken (Öffnungszeiten und nächste Vaporetto-Station samt Linien werden angeführt). Ein interessanter Tipp ist die „Sala San Marco“, der Versammlungsaal der ehemaligen Bruderschaft San Marco. Dieser ist sogar vielen Einheimischen nicht bekannt. Die Geschichte des Teufelsloches oder der weißen Maske mit Geschichte mögen weitere Beispiele für Orte sein, die einen Besuch wert sind. Ob es andere wie eine Erinnerungstafel an den Poeten Lord Byron, die heilige Brustwarze oder die „Ponte delle Tette“ – die „Brücke der Titten“ (der Autor schreibt selbst „mäßig sehenswert“) sind, möge jeder Besucher dann selbst entscheiden.

111 Orte der Wiener Küche, die man erlebt haben muss

Den Gansln als Festtagsessen und Karpfenfutter ist eine ganze Seite gewidmet, das Bild zeigt Gansln, der kleine Infoblock darunter bietet die Adresse eines Bio-Bauernhofes „vor den Toren Wiens“. Also in meinen Augen nicht ganz „ein Ort der Wiener Küche“. Am Konstantinhügel bei der Prater Hauptallee stand einst eines der schönsten Wiener Kaffeehäuser. Aber es stand eben dort, jetzt nicht mehr, nur Hügel. Unter dem Titel „Die Stiere“ beschreibt der Autor den ehemaligen Schlachthof und Viehmarkt von St. Marx, von dem heute noch spärliche Reste zu sehen sind bzw. einige Hallen für Veranstaltungen genutzt werden. Aber wenigsten ein Ort, der durchaus einen Besuch wert ist, wie ich selbst festgestellt habe.

Es sind mehr Geschichten als Orte, von denen der Autor schreibt: Kaiser Franz Joseph I. war ein spartanischer Rindfleischfreund (natürlich gibt es einen Hinweis, wo man heute in Wien Rindfleisch essen kann), der Resselpark war 1945 ein beliebter Schleichhandelsplatz für Lebensmittel und der Volksgarten war ein „Paradeisgartl“ (Paradeiser = Tomaten). Beiden sieht man diese Dinge aber heute nicht mehr an. Der Kaiserpavillon, der beschrieben und abgebildet ist, liegt schräg gegenüber dem Giraffenhaus. Und folgerichtig ist beim Kaiserpavillon von einem Giraffenreis die Rede. Eine echte Eselsbrücke.

111 Kunstwerke, Weine und auch Orte im Burgenland

Der „Ruster Ausbruch“ ist ein ganz besonderer Wein, aber für mich jetzt nicht unbedingt unter dem Begriff „Ort“ einzureihen, wenngleich man ihn in einem Ort, nämlich Rust, kaufen kann. Ein weiterer Beitrag aus dem Ort Rust handelt vom Storchenverein (auch kein Ort, den man gesehen haben muss). Freunde der Kunst und Kultur finden tatsächlich viele Orte im Burgenland, die sie sehen sollten: Der Riesen-Plutzer (Krug) aus Ziegeln , die experimentelle Kunst im Edelhof oder die Jubiläumssäule des Künstlers Wander Bertoni wären Beispiele dafür. Auch die Windmühle in Podersdorf ist sicherlich interessant, da die 1849 in Betrieb genommene Windmühle noch heute voll funktionsfähig ist.

„Lovely, sweet Chili“ klingt nun gar nicht Burgenländisch, handelt aber von Chili und Paprika, die im Mönchhof im Seewinkel von einem Ehepaar produziert und verkauft werden. Der Tarródy-Kenotaph im Park des Schlosses Lackenbach erinnert an eine Schlacht und das Rasenkreuz in Eisenberg an der Raab an ein Wunder.   Den Hafen von Illmitz muss man dem Autor nach deshalb sehen, weil dort die zweitlängste Brücke Europas gebaut werden hätte sollen. Sie wurde aber nicht gebaut und so sieht der Hafen eben wie ein Hafen an einem See aus (zeigt auch das Bild so). Und weil der Stadtteil Tauchen in Mariasdorf und das Tauchen am Wechsel (an der Grenze von Niederösterreich und der Steiermark, also ganz woanders) die gleiche Anfangszahl 7 bei der Postleitzahl haben, meint der Autor, sollte man das Mariasdorfer Tauchen unbedingt sehen. Allerdings beschreibt er überwiegend das Tauchen am Wechsel.

Bei den 111 „Orten“ im Burgenland muss man den Begriff „Ort“ eben großzügig auslegen. Aber auf den Punkt gebracht sind es nicht 111 Orte. Dieses Buch erfüllt meine Vorstellungen über „111 Orte“ am wenigstens von den drei Büchern.

333 Artikel, nicht alles Orte, aber viel Wissenswertes

Wenn die Zahl 111 vorgegeben ist, muss man sicherlich den einen oder anderen Artikel erfinden, um die Sollzahl zu erfüllen. Uninteressant sind sie ja nicht, aber doch ist das Wort „Ort“ in vielen Fällen nicht ganz zutreffend, abgesehen davon, dass der Autor bei Speisen Restaurant- und bei Weinen Kauftipps (Orte) anführt. Nette Geschenkideen allemal und zum Nachlesen von Zeit zu Zeit auch nicht schlecht.

Information

Gerd Wolfgang Sievers
111 Orte der Wiener Küche, die man erlebt haben muss
ISBN 978-3-95451-337-6

111 Orte im Burgenland, die man gesehen haben muss
ISBN 978-3-95451-229-4

111 Orte in Venedig, die man erlebt haben muss
ISBN 978-3-95451-352-9

alle drei Bücher sind je 240 Seiten stark und im Emons Verlag Köln 2014 erschienen

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