Aosta, Piemont und Lago Maggiore, „die drei im Westen Italiens“

Piemont Aosta Tal Italien

Titelbild oben: Bei Entracque in den Westalpen, unten: in den Langhe (Foto: Sabine Brecht // Verlag Michael Müller)

Auf einer Reise von Österreich nach Südfrankreich fährt man wahrscheinlich durch diesen westlichsten Teil Italiens. Vielleicht besucht man auch einmal die Hochburg der Kulinarik und Weine im Herzen des Piemonts. Aber Urlaub machen, dort zwischen dem Gardasee und der Côte d’Azur? Nun, wer einmal etwas abseits der Autobahnen und besagtem Gourmet-Zentrum angehalten hat, weiß, dass dieser scheinbar kleine Teil Italiens allerhand zu bieten hat.

600 Seiten in zwei praktischen Reiseführern

Auch als Reiseleiter wusste ich nicht immer alles auswendig und schleppte oft an tatsächlicher Information dürftige Reiseführer mit mir herum. Seit etlichen Jahren begeistern mich nun die Reiseführer aus dem Michael Müller Verlag. Aus einem einfachen Grund: Sie haben geschichtliche und geografische Daten soweit komprimiert, dass alles Notwendige vermittelt wird und geben mit Öffnungszeiten, Eintritts- und Essenspreise u. a. einen relativ aktuellen Überblick über praktische Fakten. Das heißt nicht, dass es nicht auch andere gute Reiseführer gibt. Beispielsweise werden Kunstfreunde wahrscheinlich eher zu Büchern eines anderen Verlags greifen. Aber ich denke, die meisten von uns wünschen sich etwas Einfaches und Praktisches, in dem wir schnell mal etwas nachlesen können und nicht gleich mit einer Studienarbeit konfrontiert werden.

Beim Lesen bin ich also wieder einmal auf zwei Reiseführer des Michael-Müller-Verlags gestoßen, die ich Ihnen gerne jetzt im „Doppelpack“ vorstellen möchte. Einerseits, weil die darin vorgestellten Regionen aneinandergrenzen, andererseits hege ich den Hintergedanken, Sie gleich für zwei herrliche Landschaften Italiens begeistern zu können.

Der Reiseführer „Lago Maggiore“ beschreibt nicht nur den See, sondern auch die weitere Umgebung

Lago Maggiore Italien

Titelbild oben: Blick von Stresa auf die ‚Isola Bella‘, unten: der kleine Bootshafen von Cannero Riviera (Foto: Eberhard Fohrer // Michael Müller Verlag)

Der Titel „Lago Maggiore“ ist in diesem Fall eher leicht untertrieben, denn dieser Führer bietet auch viel Information über die nördlich gelegenen Täler des Locarnese, des westlich gelegenen Orta Sees, des südöstlich gelegenen Varesetto rund um Varese und des nördlich davon gelegenen Gebiets um den Schweizer Luganer See mit Lugano. Vervollständigt wird Informationsangebot durch eine Beschreibung für einen Abstecher nach Mailand und sechs Wandervorschläge.

Da der Lago Maggiore in meinen Augen nicht unbedingt ein Badeurlaubssee ist, finde ich die angebotenen Ausflugsinformationen ideal für trotzdem einen längeren Aufenthalt an diesem durchaus interessanten See. Auch muss der Reisende nicht unbedingt eine „Seefahrt“ zu den Borromäischen Inseln unternehmen, um die subtropische Vegetation, die die Region Lago Maggiore bietet, erleben zu können. Denn beispielsweise Verbania hat mit dem 16 Hektar großen Park um die Villa Taranto eine einzigartige Pflanzenpracht. Der Monte Mottarone in Stresa ist nicht nur wegen der wirklich eindrucksvollen Aussicht bekannt (klares Wetter vorausgesetzt), sondern auch für seinen alpinen botanischen Garten.

Abstecher in die Bergwelt des Tessins

Nur wenige Kilometer nördlich des nördlichen Endes des Sees auf Schweizer Seite bei Locarno eröffnet sich die Tessiner Bergwelt. Ein Besuch im Valle Rovana und im höchstgelegene Tessiner Dorf Bosco Gurin, dem einzigen deutschsprachigen Ort der Region, ist auch eine Zeitreise im Tessin. Dieser Reiseführer informiert den Interessierten ausreichend darüber, um eine Entscheidung für einen Besuch dieser Landschaft zu treffen.

Natürlich werden viele praktische Informationen angeboten, zahlreiche Bilder bieten eine anschauliche Ergänzung zum Geschriebenen. Bei den Wandervorschlägen ist mir aufgefallen, dass drei von ihnen besonders detailliert mit Sehenswertem und Aussichtspunkten auf die Seen beschrieben sind. Auch das wird eine Entscheidung für eine Wanderung erleichtern. Auf den rund 340 Seiten finden sich interessante geschichtliche Beiträge, Kartenausschnitte und über 40 Beiträge – „Alles im Kasten“ – der verschiedensten Art: über Grotto, dem typischen Tessiner Lokal, den Mittwochsmarkt in Luino, die Villa di Porta Bozzolo, über Schornsteinfeger aus aller Welt und vieles mehr.

Piemont & Aostatal: ein wirklich umfassender Überblick über die Vielfalt dieser beiden Regionen

Das Titelbild dieses Reiseführers zeigt bereits die Gegensätze, die der Inhalt bietet: die Bergwelt im Westen des Piemonts sowie in der Region Aosta und die sanfte Hügellandschaften im Süden und Osten des Piemonts. Dazwischen liegen weite Ebenen und viele, teilweise uralte Dörfer.

Das Piemont ist nicht nur ein kulinarisches Schlaraffenland, sondern bietet auch sehr viel Kunst und Kultur. Erwähnenswert sind dabei die „Santuari“ und „Sacri“, Heiligtümer und Kalvarienberge: Sacra di San Michele, Santuario di Oropa, Santuario di Graglia, Sacro Monte di Varello, Sacro Monte Calvario; im Santuario di Vicoforte gibt es die größte elliptische Kuppel der Welt zu bestaunen; uralte Kirche und Klöster werden in diesem Führer beschrieben. Wenig bekannt ist die Tatsache, dass das Westufer des Lago Maggiore zum Piemont gehört und daher dieser Teil des Sees auch in diesem Führer vorgestellt wird.

Das Aosta-Tal, wohl in Italien, aber doch schon sehr Französisch, kann seine geschichtlichen Wurzeln nicht leugnen. Auf gut 60 Seiten beschreibt die Autorin Sabine Precht alles Sehens- und Erlebenswerte dieser Region.

Santuario di Vicoforte, die Kuppel Piemont

Santuario di Vicoforte, die Kuppel

Racconigi, Staffarda, Cuneo … sehenswert und gar nicht abseits

Dieser Führer bietet viel Information über die bei uns weniger bekannten, aber sehenswerten Regionen des Piemonts wie beispielsweise die Westalpen und seine Täler. Hier befinden sich Städte wie Cuneo, das Schloss von Racconigi, die Abtei von Staffarda, die Quelle des Flusses Po oder Sacra di San Michele u.a. Und wer sich die Orte auf einer Karte ansieht, wird feststellen, dass man vieles von einem Stützpunkt aus besichtigen kann. Obwohl, eine Nacht in Cuneo beispielsweise, sicherlich jedem gefallen wird.

Sehr hilfreich zur Planung der Reisekosten sind Preis-Richtwerte bei den vorgeschlagenen Hotels und Restaurants. Denn Wohnen und Essen sind im Piemont nicht gerade günstig. Die Autorin gibt auch einige Weinkellereien-Tipps. So beschreibt sie beispielsweise das Weingut Fontanafredda, das zwar geschichtsträchtig ist, aber oft leider eine Massenabfertigung bietet. Ich bevorzuge kleinere Kellereien. Und noch ein Tipp von mir, im Buch natürlich beschrieben: der Besuch des Castello die Serralunga d’Alba. Der Ausblick vom Turm dieser Höhenburg über das Gebiet der „Le Langhe“ ist bei klarem Wetter wirklich eindrucksvoll!

Wer sind die Autoren?

Den Führer über das Aosta-Tal und das Piemont schrieb Sabine Becht, geboren in Wiesbaden (BRD), studierte in Bamberg Amerikanistik und Kommunikationswissenschaft. Schon in ihren Semesterferien war sie für den Michael Müller Verlag in Griechenland unterwegs, bevor sie 1997 mit »Tunesien« ihren ersten eigenen Reiseführer schrieb. Den gibt es zwar nicht mehr, dafür aber diverse zu Italien (Rom, Piemont, Ligurien, Elba etc.), zu den griechischen Inseln (Kefalonia & Ithaka), zu Mecklenburg-Vorpommern und zu Österreich

Am Reiseführer über den Lago Maggiore wirkten zwei Autoren mit.

Eberhard Fohrer, Jahrgang 1952, geboren in Marburg, ist ein Müller-Autor der ersten Stunde, studierte Germanistik und Geschichte, wandte sich aber gleich nach dem Staatsex­amen dem Reisejournalismus zu. In den ersten Jahren nach der Verlagsgründung war er nicht nur Autor, sondern auch Lektor und Layouter. Mittlerweile arbeitet er seit über dreißig Jahren als hauptberuflicher Reisebuchautor.

Marcus X. Schmid, Jahrgang 1950, geboren und aufgewachsen in der Schweiz, im etwas öden Mittelland zwischen Zürich und Bern. Der fehlende Blick aufs Matterhorn oder in die Sonnenstube Tessin hat seine spätere Reisetätigkeit erheblich begünstigt. Studium in Basel, in Erlangen und im damaligen Westberlin, dortselbst die akademischen Weihen in Germanistik, Komparatistik und Politologie empfangen. Lebt und arbeitet freiberuflich als Autor und Übersetzer in der französischsprachigen Schweiz.

Information

Piemont & Aostatal
Sabine Becht
4. Auflage 2014
ISBN 978-3-89953-845-8

Lago Maggiore
Eberhard Fohrer, Marcus X. Schmid
3. Auflage 2014
ISBN 978-3-89953-855-7

Beide erschienen im Michael Müller Verlag

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