Keine Bestpreisklausel auf Hotel-Internet-Buchungsplattformen mehr gestattet

Gasthof Hohlwegwirt Ernst Kronreif

Gästezimmer-Beispiel im Gasthof Hohlwegwirt Hallein im Salzburger Land, Österreich

Österreich | Wien | Tourismus | Hotels dürfen auch auf eigener Homepage günstigere Preise anbieten.  

Der Ministerrat hatte am 12. Juli 2016 eine Gesetzesnovelle gegen die Bestpreisklauseln von Buchungsplattformen beschlossen. Künftig dürfen Hoteliers (wieder) ihre Preise und Konditionen selbst frei gestalten. Das bedeutet auch, dass sie auf ihren eigenen Homepages günstige Preise anbieten können als in Internet-Buchungsplattformen.  „Das unterstützt den fairen Wettbewerb“, sagte Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner zur Änderung des Bundesgesetzes gegen unlauteren Wettbewerb sowie des Preisauszeichnungsgesetzes. Die Novelle soll im Herbst 2016 im Parlament beschlossen werden und bis Ende des Jahres in Kraft treten.

Plattformbetreiber verlangten Bestpreisgarantie und hohe Provisionen von diesen günstigsten Zimmerpreisen

Derzeit sind Internet-Plattformbetreiber bevorteilt, die weitreichende Forderungen gegenüber Hotelbetreibern stellen konnten. Die Buchungsplattformen verlangen nicht nur hohe Provisionen, sondern stellen für die Auflistung auch umfangreiche weitere Bedingungen wie zum Beispiel Bestpreisklauseln (= keine andere Plattform, auch nicht der Hotelier selbst, darf günstigere Preise anbieten).

Frankreich hat die Vorgaben der Plattformen bereits verboten. In Italien wird ein entsprechender Gesetzesvorschlag behandelt. Auch Kroatien erarbeitet eine Änderung. Das deutsche Bundeskartellamt hat entschieden, dass die Vorgaben der Plattformen wettbewerbswidrig sind.

booking.com kritisiert die österreichische Entscheidung

Laut der Österreichischen Hoteliersvereinigung (ÖHV) erfolgen schon mehr als 50 Prozent aller Hotelbuchungen online. Das nach eigenen Angaben weltweit führende Online-Buchungsportal für Unterkünfte aller Art, booking.com, kritisierte die Entscheidung des Ministerrats.

Der Konsument profitiert von Preistransparenz, Vergleichbarkeit und niedrigen Preisen, so booking.com. Bereits im Sommer 2015 gab es zum Thema Paritätsklauseln eine Einigung zwischen booking.com und der österreichischen Bundeswettbewerbsbehörde. Hoteliers konnten – diesem Kompromiss nach – auf allen Vertriebskanälen inklusive anderer Plattformen günstigere Preise anbieten, ausgenommen davon waren lediglich ihre eigenen Homepages. Durch das Verbot könnten Vorteile wie Preistransparenz und Vergleichbarkeit für den Konsumenten verloren gehen. Für kleine und mittlere Hotelbetriebe wird der Zugang zum heiß umkämpften Online-Markt möglicherweise schwieriger und teurer heißt es in einer Aussendung von booking.com.

Booking.com kooperiert in Österreich mit 22.000 Hotels und Unterkünften und bietet ein Vergleichsinstrument für weltweit 950.000 Beherbergungsbetriebe.  (Quellen: http://www.tourismuspresse.at und http://www.bmwfw.gv.at/Presse)

Wer gewinnt wirklich? Meine Einschätzung

Mag sein, dass nun mancher Konsument länger suchen muss, bis er das für sich günstigste Angebot im Internet gefunden hat. Es mag aber auch sein, dass nun Hoteliers flexibler auf kurzfristige Direktanfragen zum Vorteil des Konsumenten reagieren können.  Und die Erfahrung zeigte auch, dass nicht jedes „Bestpreiszimmer“ dann auch auf der „Sonnenseite“ des Hotels gelegen war. Da sind faire Preise mit fairen Zimmerbeschreibungen allemal hilfreicher für alle Beteiligten als einseitige „Knebelverträge“ von Buchungsplattformen. Angebot und Nachfrage regeln ja bekanntlich sowieso schon den Preis.

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