Kohle, Schlösser, Pferde und viel Landschaft – der Hausruck

Östlich von Ampfelwang mit Blick zum Hauptkamm des Hausrucks

Österreich | Oberösterreich | Hausruck | Etwa 30 mal 20 Kilometer groß, bei 801 Meter über Adria ist Schluss mit Bergeshöhe, exakt 607 Pferde allein in Ampfelwang, der Anfang (oder der Endpunkt) des Marien-Weitwanderweges nach Bayern befindet sich im Hausruck und eine Linie des alten Adelsgeschlechts der Saint Julien-Wallsee hat in Wolfsegg ihr Stammschloss.

Eine Rundfahrt entlang der Kohlestraße und anderem

Der Hausruck ist eine Hügelkette im österreichischen Oberösterreich. Die westlichen Ausläufer münden in den Kobernaußerwald, im Süden grenzt es an den Attergau mit dem Attersee und im Osten öffnet sich die Landschaft ins Welser Becken.  Es ist eine beschauliche Landschaft mit Wäldern, sanft ansteigenden Hügeln und kleinen Dörfern.

Karte vom Hausruck © Open StreetMap Mitwirkende – Kartenvergrößerung – Bild anklicken; Kartenausschnitt: http://www.openstreetmap.org/node/940301121

Im Süden des sich in ostwestlicher Richtung erstreckenden Hügelzugs sind unter anderen die Orte Neukirchen an der Vöckla, Frankenburg am Hausruck, Ampfelwang und Wolfsegg erwähnenswert.

Freilichtmuseum Stehrerhof Neukirchen an der Vöckla

Druschwoche im Freilichtmuseum Stehrerhof in Neukirchen an der Vöckla

Von Salzburg oder Wien auf der Bundesstraße 1 kommend weist ein Wegweiser nach Zipf in der Gemeinde Neukirchen an der Vöckla. Dort wird seit 1858 Bier gebraut, das Zipfer Bier. Fährt man weiter ins Gemeindezentrum, gibt es das Freilichtmuseum Stehrerhof mit dem österreichischen Dreschmaschinenmuseum zu sehen. Im September bietet das Museum eine „Druschwoche“, in der eine historische Dreschdampfmaschine in Betrieb genommen wird.

Einige Kilometer weiter in nordwestlicher Richtung erreicht man Frankenburg am Hausruck. Hier erinnert alle zwei Jahre (in den ungeraden Jahren) das „Frankenburger Würfelspiel“, ein historisches Volksschauspiel, an ein trauriges Kapitel oberösterreichischer Geschichte. 1625 mussten sich 36 aufständische Protestanten paarweise zu einem Würfelspiel antreten. Wer verlor, wurde vom bayerischen Statthalter durch den Strick erhängt.

Pferde- und Eisenbahngemeinde Ampfelwang

Robinson Club Ampfelwang

Robinson Club Ampfelwang

Etwas weiter östlich, eingebettet zwischen zwei Hügelzügen liegt die Fremdenverkehrsgemeinde Ampfelwang (566 m ü. A.). Sie ist als Pferdedorf (607 Pferde steht auf der Homepage der Gemeinde zu lesen) und als Mekka der Freunde nostalgischer Eisenbahnen bekannt.  Das „Oberösterreichische Eisenbahn- und Bergbaumuseum“ bietet auf 25 000 m² Ausstellungsfläche mehr als hundert Schienenfahrzeuge: Dampf-, Diesel- und Elektroloks, aber auch Personen- und Güterwagen, Kräne, Gleisbaumaschinen, Draisinen und vieles mehr. Auf zehn Kilometer langen Museumsbahngleisen, die nach Timelkam im Süden führen, verkehren immer wieder Dampfsonderzüge.

Der Robinson Club Ampfelwang liegt etwas außerhalb des Gemeindezentrums in grüner Natur. Reiten ist dort groß geschrieben: mehr als 20 Pferde, eine große Reithalle und etliche, markierte Reitwege warten auf Freunde des Reitsports. Daneben werden u.a. ein 9-Loch-Golfplatz und Tennis als weitere Sportmöglichkeiten angeboten. Wandern ergibt sich aufgrund der wunderbaren Landschaft von selbst.

Stammsitz des Geschlechts der Hausrucker

Wolfsegg am Hausruck

Fährt man von Ampfelwang über Zell am Pettenfirst über den nächsten östlichen Hügelzug, blickt man in das Tal der Redl (~ 530 m ü. A.) und gelangt über Ottnang am Hausruck in den Luftkurort Wolfsegg am Hausruck (638 m ü. A.).

Hoch über dem Marktplatz thront auf einem Hügel das Schloss Wolfsegg. Es ist das Stammschloss einer Seitenlinie des südfranzösischen Adelsgeschlecht Saint Julien-Wallsee. Die Anfänge des Schlosses liegen 12. Jahrhundert, als es als Stammsitz des Geschlechts der Hausrucker erstmals urkundlich erwähnt wurde. Heute, im Privatbesitz der Familie Saint Julien-Wallsee, ist es für die Öffentlichkeit nicht zugängig. Aber neben dem alten Meierhof hat man einen schönen Ausblick in die hügelige Hausruck-Landschaft. Darüber hinaus bekommt man beim kurzen, aber steilen Aufstieg Hunger. Nimmt man die etwas flachere zweite Straße dann wieder talwärts, gelangt man, vorbei an der Pfarrkirche zum hl. Georg, wieder auf den Marktplatz zurück. Dort bieten sich mehrere Gaststätten zur Einkehr ein. Bei schönem Wetter kann man in der Schlosstaverne im Garten sitzen, von dem aus man einen weiten Blick über das Land hat.

Blick in den Garten der Schlosstaverne in Wolfsegg am Hausruck

Sowohl in Ampfelwang als auch in Wolfsegg am Hausruck gab es bis 1995 Braunkohleuntertagbergbau. 1964 wurde der Bergbau in der im nördlichen Gemeindegebiet von Wolfsegg am Hausruck liegenden Ortschaft Kohlgrube eingestellt.  Dort wird der ehemalige Kohlebrecher als kulturelle Spielstätte genutzt, die u.a. 2005 mit dem „Nestroy-Theaterpreis“ ausgezeichnet wurde.

Im Norden des Hausrucks

Bei Kohlgrube hat man die östlichen Ausläufer des Hausrucks. Die Wirtin der Schlosstaverne in Wolfsegg am Hausruck, Andrea Obrist, gab den Tipp, doch einen Abstecher zum „Bahnhof Scheiben“ in Geboltskirchen zu unternehmen.

Kohlebahnhof Scheiben in Geboltskirchen am Hausruck

Draisinenfahrt am Bahnhof Scheiben

Gut 15 Kilometer später, nach einer Fahrt durch viel Landschaft mit leichter Rätselfahrt (wo ist Scheiben?), sieht man zwischen Wäldern und Feldern einsam einen kleinen Bahnhof, den Bahnhof Scheiben. Dieser Bahnhof war eine wichtige Drehscheibe der Braunkohle, die aus mehreren Untertagbergbauen in unmittelbarer Umgebung gebrochen wurde. Im Bahnhofsgebäude zeigt eine kleine, aber sehenswerte Ausstellung das „Leben um den Bergbau in Scheiben“ mit Bildertafeln, Bildprojektionen, Schauküche und einem Modell „Scheiben 1925“. Beim Gebäude beginnt und endet ein 3,5 km langer Rundkurs einer Draisinen-Strecke mit Schienenfahrrädern. Man kann diese Strecke auch bequem zu Fuß gehen, wird in einem Waldabschnitt von einem Waldschratt oder etwas ähnlichem mit einem Jodler freundlich begrüßt und wenn man Glück hat, sieht man eine Herde Damwild mitten in einer Apfelplantage (deshalb sind die Bäume unten kahl und tragen nur sehr weit oben Früchte).

Freizeitparadies Haag am Hausruck

Wir befinden uns bereits im Nordosten des Hausrucks auf der geografischen Höhe von Wels. Bevor wir im Norden des Hausrucks wieder in Richtung Westen weiterfahren, besuchen wir noch Haag am Hausruck. Die nicht ganz 2 200 Einwohner zählende Marktgemeinde blickt auf eine lange Geschichte zurück, die heute noch durch das Schloss Starhemberg sichtbar ist.

Schloss Staremberg in Haag am Hausruck

Im Innenhof des Schlosses Staremberg in Haag am Hausruck

Schloss Starhemberg

Der Weg zum Schloss Staremberg in Haag am Hausruck

Erstmals im 13. Jahrhundert wurde das heute im Renaissancestil erhaltene Schloss erwähnt. 1805 nächtigte Napoleon auf seinem Weg zur Schlacht von Austerlitz in diesem Schloss. Seit 1916 ist es im Besitz der Vöcklabrucker Industriellenfamilie Hatschek ist. Es beherbergt die Haager Heimatstuben, ein interessantes Heimatmuseum (nur an Sonn- und Feiertagen von 14 bis 16 Uhr geöffnet). Das Schloss befindet sich oberhalb des Ortskerns am Ende eines Hügelrückens. Da auf der Zufahrtsstraße ein Fahrverbot besteht, gelangt man nur zu Fuß in einem etwa viertelstündigen Spaziergang zur sehenswerten Schlossanlage, die sehr gepflegt ist. Auch ohne Besuch des Heimatmuseums lohnt sich der Besuch!

Im Schlosspark von Staremberg

Der Parkplatz für einen Besuch des Schlosses befindet sich am Fuße des Haager Hausbergs, der Louisenhöhe, die mit etwa 700 m ü. A. ein Freizeitparadies ist. Die erste barrierefreie Erlebnisbergbahn Österreichs erschießt die 750 m lange Sommerrodelbahn,  den mit 26 Stationen 3,5 Kilometer langen „Weg der Sinne“, den 32 m hohen Aussichtsturm (von dem man bei klarem Wetter die Bergwelt des Ötschers über den Dachstein, den Salzburger Untersberg bis in den Böhmerwald sehen kann), einen Waldspielplatz sowie die Einkehrmöglichkeit Waldschenke.

St. Marienkirchen am Hausruck

St. Marienkirchen am Hausruck

Zum Beginn des Marien-Wanderweges

Auf der weiteren Fahrt in Richtung Norden nach Ried im Innkreis, kommt man in die kleine  unscheinbaren Gemeinde St. Marienkirchen am Hausruck. Dieser Ort lag bis 1779 genau an der Staatsgrenze zwischen Bayern und Österreich. Heute bildet die Marien-Wallfahrtskirche den Ausgangspunkt für den etwa 130 Kilometer langen Marien-Wanderweg. Dieser führt von St. Marienkirchen über Maria Schmolln und Gstaig nach Burghausen in Bayern zum Endpunkt Altötting, ebenfalls in Bayern.

Timelkam

Von St. Marienkirchen am Hausruck können Sie Ihre Hausruck-Rundfahrt über Ried im Innkreis und wieder nach Süden über Pramet nach Frankenburg und weiter nach Vöcklamarkt oder Timelkam (beide Orte liegen an der Bundesstraße 1) beenden.

Wer mehr Oberösterreich möchte

Südwestlich von Ried im Innkreis befindet sich die Wohlfühlregion Seelentium, über die ich bereits mehrmals berichtet habe. Fährt man von Haag am Hausruck weiter in nordwestliche Richtung nach Schärding, so gelangt man auf der „Pramtal Museumsstraße“. Entlang dieser etwa 40 Kilometer langen Museumsstraße kann man 17 unterschiedliche Museen besuchen. Nur kurz erwähnt seien das Freilichtmuseum Furthmühle in Pram, das Jagdschloss Zell an der Pram, das Biersandkellermuseum in der Kellergröppe (mittelalterliche Erdstall mit 26 Kellern) in Raab oder das Radiomuseum in Taufkirchen an der Pram.

Am Draisinen-Weg beim Bahnhof Scheiben

Blick vom Draisinenweg beim Kohlebahnhof Scheiben auf Geboltskirchen

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s