Chiemgau und Rupertiwinkel, über Königsschlösser, Lüftlmaler und Zauberberge. Ein Buchtipp

Chiemgau und Rupertiwinkel

Buchtitelbild, Fotograf Toni Anzenberger

Bayern | Chiemgau | Rupertiwinkel | Salzburg |  Es war vor genau dreihundert Jahren, als der nördliche Teil des Landes Salzburg schmerzlich auseinandergerissen wurde. Zuvor war das ganze ehemalige Fürsterzbistum während der napoleonischen Wirren dem Königreich Bayern zugeschlagen worden, und die Österreicher setzten alles in Bewegung, um es wiederzubekommen. 1816 ist ihnen das im Vertrag von München gelungen. Aber alles, was im Flachgau westlich der Flüsse Saalach und Salzach lag, gehörte weiterhin zu Bayern. Seither bilden die Gewässer eine scharfe, gleichsam natürliche Grenze, viele Verbindungen blieben aufrecht. Der Chiemgau war schon um Jahrhunderte früher bayerisch, aber auch hier weist Manches auf die alte Zugehörigkeit zu Salzburg hin.

Wer kennt sie wirklich?

Es lässt sich dennoch nicht leugnen, Chiemgau und Rupertiwinkel sind heute Herzstücke des Freistaates, wohl bekannte und viel besuchte Urlaubsgegenden. Aber wer kennt sie wirklich? Sie weisen unendlich viele Geheimnisse und Sonderbarkeiten auf, von einem angeblichen Meteoriteneinschlag in der Keltenzeit über das Märchenschloss König Ludwigs II. und die Chiemseemaler bis zu Alois Irlmaier, der die Zukunft voraussehen konnte. All diese Merkwürdigkeiten sollen in diesem Buch vorgestellt werden.

Stimmungsvolle Bilder und Unbekanntes aus dem südöstlichen Eck Bayerns

Balkon mit Geranien © Chiemsee-Alpenland Tourismus

Balkon mit Geranien © Chiemsee-Alpenland Tourismus

Wallfahrtsorte, über Klöstern, von Chiemseemalern und merkwürdige Personen sowie vieles andere mehr offenbart dieses ausgesprochen gut gelungene Buch. Da schreibt Pfarl vom „verreckten Mammut von Siegsdorf“,   Leonhardsbrunnen von Leonhardspfunzen, von der Höhlenburg Stein an der Traun, von der einsam gelegenen Kapelle und dem immer noch bewohnten Einsiedlerhäuschen in Kirchwald bei Nußdorf, von Schlössern,  wie dem Schloss Wildenwart, das eine bedeutende Rolle im Schlussakt der bayrischen Monarchie spielte und anderem.

Pfarl schreibt in gut lesbaren Stil, nicht zu viel und doch so viel, dass der Leser neugierig wird und selbst einmal zu diesem oder jenem Ort möchte. Vom Alois Irlmaier, einem Hellseher von Freilassing hatte ich schon gehört. In diesem Buch konnte ich mehr über diese Persönlichkeit nachlesen.  Georgiritt, Ratschenbuben, Totenbretter, Pfarl bringt viele Themen aus dem Chiemgau und Rupertiwinkel.  Am Ende des Buches gibt es ein Ortsverzeichnis von A wie Ainring bis W wie Wonneberg. Danach folgt noch ein umfangreiches Literaturverzeichnis. Auf den vorderen und hinteren Einbandseiten des Buches gibt es eine doppelseitige sehr genaue Landkarte, in der alle Orte eingezeichnet sind.

Aussichtskapelle Samerberg © Chiemsee-Alpenland Tourismus

Aussichtskapelle Samerberg © Chiemsee-Alpenland Tourismus

Was das Buch aber erst zu dem werden lässt was es ist – ein wunderbares Lesebuch mit Bildern – ein Bilderbuch mit Texten – sind die stimmungsvollen und ausdrucksstarken Bilder von Toni Anzenberger. Mystischer Nebel steigt da auf einem Bild vor dem Kloster Seeon auf,  im Abend- und Scheinwerferlicht liegen ruhig die Ausflugsboote am Chiemsee, bei Maria Eck leuchten Früchte dunkelrot vom Blitz erhellt im Vordergrund, während die Wallfahrtskirche im Hintergrund sich unter tiefblauem Himmel zeigt oder Sonnenstrahlen durchdringen einen Wald wie Scheinwerferstrahlen. Anzengruber zeigt die fast kitschig anmutende Lüftelmalerei und stimmungsvolle Bilder von Landschaften und Kleindenkmälern.

Und wenn Sie jetzt wissen wollen, wer die Maria Furtner, die Wassertrinkerin von Frasdorf war, müssen Sie sich einfach nur dieses wirklich gut gelungene, interessante, ja teilweise spannend geschriebene Buch besorgen!

 

Chiemgau und Rupertiwinkel, über Königsschlösser, Lüftlmaler und Zauberberge.
Autor: Peter Pfarl (Text), Toni Anzenberger (Bilder)
Verlag: Verlag Anton Pustet
Erscheinungsjahr: 2016
ISBN 978-3-7025-0821-0

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