Ein ungewöhnlicher Atlas wird von der New York Times zu einem der besten Reisebücher gewählt

London Bridge Atlas der ungewöhnlichsten Orte

Die Original London Bridge aus London, die dort in der Themse versank, wurde von McCulloch 1963 am am ‚Lake Havasu‘ in Arizona wieder errichtet © Paul Briden / Alamy Stock Photo

New York | Wien | Liesl Schillinger arbeitet seit 2004 für die „New York Times“ als Buchkritikerin und ist für die jährliche ‚The New York Times Book Review‘ (Buchbesprechungen) verantwortlich. 2016 wählte sie als eines der besten Reisebücher des Jahres den im Herbst 2016 im österreichischen Verlag Christian Brandstätter in deutscher Ausgabe erschienenen „Atlas der ungewöhnlichsten Orte“ des Kulturhistorikers Travis Elborough und Kartographen Alan Horsfield.

Santuario Madonna della Corona, Atlas der ungewöhnlichsten Orte

‚Santuario Madonna della Corona‘ zu der einst 1.540 Stufen empor führten (Norditalien) © Helmut Maurer

Travis Elborough

Der in London lebende Travis Elborough reist gerne, am liebsten auf alten Landkarten und durch verwinkelte Bibliotheken. Der Autor, Kulturjournalist und Fotograf schreibt u. a. für den ‚Guardian‘, den ‚New Statesman‘ und die ‚Sunday Times‘. In seinem „Atlas der ungewöhnlichsten Orte“ präsentiert er seltsame und geheimnisvolle Orte aus aller Welt.

Es sind wirklich 50 ungewöhnliche und kuriose Orte gut beschrieben

Realisierte Träume, verlassene Orte, gebaute Kuriositäten, Inselwelten, schaurige und unterirdische Orte sind die Kapitelüberschriften, in denen von mehr als 50 Lokalitäten auf der Welt erzählt wird.

Die Geschichten reichen vom Kampf um Landgewinnung (Flevoland, Niederlande) über einen bei einem Vulkanausbruch verschluckten Ort in Mittelamerika, einem trockengefallenen Hafen am einstigen Aral-See, der hängenden Kirche ‚Santuario Madonna della Corona‘ in Norditalien, dem ‚Berg der Kreuze‘ in Litauen bis hin zu Spionage-Anlagen, russischen Sternenstädten und Spionagetunnels. Bei vielen Artikeln ist es auch eine Reise zurück in die Geschichte: verlassene, einstige Hauptstädte, Mahnmale an nationalsozialistische Gräueltaten, aufgegebene Gartenstädte, die echten erfundenen Brücken auf den Euro-Scheinen oder vom legendären Königreich Redonda. Auch ein Geisterschloss fehlt nicht in der Sammlung.

Wollmammuts Wrangel-Insel , Atlas der ungewöhnlichsten Orte

Der Stoßzahn eines Wollmammuts auf der Wrangel-Insel in der Arktis, wo die Wollmammuts erst um 1.650 v. Chr. ausstarben © Getty Images

Elborough  führt den Leser an Schauplätze wie „Wonderland“, einem gescheiterten Vergnügungspark in der Nähe von Peking, auf dessen verlassenen Landwirtschaften einst Kulturpflanzen angebaut wurden, oder nach Portmeirion, einem walisischen Ferienort, der  1926 eröffnet wurde und einem italienischen Dorf ähneln sollte. Bekannt wurde als das Set der Fernsehserie „The Prisoner“ der 1960er Jahre. Der Schöpfer der Stadt, ein Anglo-Waliser namens Clough Williams-Ellis, entwarf dieses Fantasy-Hodgepodge (Fantasie-Mischmasch), weil er glaubte, dass „die einzige Tugend der Architektur darin war, mehr Spaß für mehr Menschen zu bieten“.

Der Atlas im Aufbau

Eine Weltkarte, auf der alle Orte eingezeichnet sind, gibt einen Überblick. Am Beginn jedes Artikels gibt es eine kleine Lagekarte, wo in der Welt sich dieser Ort befindet und mit Längen- und Breitengraden-Angaben. Neben dem Text bietet ein ganzseitiger Detaillageplan eine gute Übersicht über das Geschriebene. Dazu kommen Bilder, die alles veranschaulichen. Die Texte geben Auskunft über die Geschichte des jeweiligen Ortes, der Insel oder des Gebäudes und sind gut geschrieben, nicht zu lang und doch informativ.

Atlas der ungewöhnlichsten Orte

Titelbild „Atlas der ungewöhnlichsten Orte“ © 2016 Verlag Christian Brandstätter

Am Ende findet man eine Auswahl an Bibliografien und ein Register. Die Bilder sind alle in Schwarzweiß, passend zu den ungewöhnlichen Orten. Das Layout ist sehr übersichtlich und angenehm, der Harteinband lässt es in den Händen zu einem Atlas werden.

Wenn Sie also wissen möchte, was es mit ‚Maryhill Stonehenge‘, ‚Slab City‘, Poveglia, Hirta, Aokigahra, ‚Dixia Cheng‘ oder dem Bunker ‚GO-42 212‘ auf sich hat, sollten Sie sich dieses Buch besorgen. Es mag sogar den einen oder anderen Reisetipp für Sie bereithalten! Es ist ein Buch zum immer wieder nachlesen.

Atlas der ungewöhnlichsten Orte
eine Reise zu verwunschenen Plätzen, verlassenen Inseln und geheimnisvollen Labyrinthen
Travis Elborough, Alan Horsfield
übersetzt von Barbara Sternthal
ISBN 978-3-7106-0030-2
2016 im Verlag Christian Brandstätter in Wien

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s