liebeslängliche Dunkelheiterheit sprudelt aus der Schriftstellerin Gerlinde Weinmüller

Gerlinde Weinmüller

Wenn man Gerlinde Weinmüller bei einer Lesung genau beobachtet, sieht man, wie die Schriftstellerin mit ihren Texten lebt. Ein verschmitztes Lächeln, ein ernster Blick ins Publikum, geschlossene Augen nach dem letzten Wort. Am 8. März 2017 stellte sie ihr neues Buch „liebes.länglich“ mit Gedichten und Prosaminiaturen im Bildungshaus St. Virgil vor. Erschienen in der Edition Tandem Salzburg. Alle Bilder der Lesung unter diesem Link.

„Immer etwas total verdichten

„Tulrose“ von Florian Herzog, Titelseite

Weinmüller brachte 2001 ihren ersten Gedichtband heraus. „Die Entlarvung des Schmetterlings“ hieß dann ihr erster Kurzgeschichtenband, der 2003 als zweites Werk von ihr erschien.  Es folgten weitere Kurzgeschichten und Gedichte. Alle getreu dem Grundanliegen der Schriftstellerin,  dass ihre Werke für ihre Leser verständlich sein müssen – nur – nicht zu schnell! Gerlinde Weinmüller möchte „immer etwas total ‚verdichten‘ “. Nicht immer habe ich ihr „Verdichtetes“ verstanden. Doch obwohl in ihrem neuen Buch auch viel „Verdichtetes“ zu lesen ist, finde ich dieses Buch durchaus verständlich, eben, nicht so schnell.

Wo sie noch nach Wünschen gefragt wird

Ihre neuen sprachlichen Kunstwerke lassen viel Lebensweisheit, manche Trauer über Versäumtes, Seitenhiebe auf Partner und Melancholie, manchmal einen Hauch von Erotik, spüren. Ja, manches, so sagte mir Gerlinde Weinmüller, basiere auf eigenem Erlebten, vieles habe sie beobachtet und manches sei gedichtet, nein, verdichtet.

So schildert sie einen Kaffeehausbesuch und sieht wohl im Lokal „…christbäume, sind in den frühling gekommen, so wie ich, in die jahre; ob es noch einen sommer der liebe geben wird …“ und wird sanft aus ihrer Träumerei gerissen als sie gefragt wird  „haben sie noch einen wunsch“ – „das werde ich nur hier gefragt“ stellt sie daraufhin fest.

„So knapp wie es geht, aber nicht knapper“

Diesen Satz sagte Gerlinde Weinmüller mir in einem Interview im Sommer 2009. Dazu steht sie heute noch, natürlich auch in ihrem neuen Buch:

verloren

Verloren
die worte
die unschuld
die liebesmüh

wer weiß
wer sie findet

 

verschlüsselt

wir schließen die fächer
wir binden die schlüssel
wir sperren die stunde

schließendlich

entschlüsseln wir uns

 

In „liebeslänglich“ fragt sie „was bleibt, willst du wissen“ und sucht die Antwort in „trauerflor, liebeslänglich, und heimsucht nach dir; auch ein paar zärtlichblicke und etwas dunkelheiterkeit“ und kommt zu dem Schluss was bleibt „vor allem aber gewissheit – es war“.

Gerlinde Weinmüller vor einem Bild von Florian Herzog (rechts)

Tulrose

Vom österreichischen Fotokünstler Florian Herzog, dessen Werke schon in zahlreichen Ausstellungen zu sehen waren, stammen die Bilder im Buch. So auch das Titelbild, das eine Tulrose darstellt, eine Pflanze, die Rose und Tulpe ist. Ein anderes Bild – Mikroeis – zeigt einen Mikrofonständer, der nicht ein Mikrofon trägt, sondern ein Erdbeereis in einem Stanitzel. Schmelzendes Eis unter den Worten des Gesagten (oder so ähnlich).

Ein Wiedersehen mit Freunden bei der Buchvorstellung

Hauptberuflich ist Gerlinde Weinmüller Professorin am Bundesgymnasium Nonntal in Salzburg. Und das schon über 33 Jahre. „Sie ist einfach cool. Jeder mag sie“ meinte eine 16-Jährige in einem Interview mit dem „Salzburger Fenster“ (SF). Die Schüler mussten aber eine Zeitlang auf ihre geliebte Lehrerin (Zitat SF: „Diese Lehrerin freut sich auf uns!“) verzichten, da sie schwer erkrankte. Aber ihr Wille, weiter zu verdichten und die Freude am Schreiben, haben ihr neben anderen Faktoren zur wiedergefundenen Gesundheit verholfen.

Simone Pergmann und Bernie Rothauer

Am 8. März 2017, dem Weltfrauentag, konnte sie viele Freunde bei ihrer Lesung begrüßen. Ihre Schwester, die bekannte Sängerin Simone Pergmann, die mit ihrer charismatischen Stimme zu den besonderen Interpretinnen der Weltmusik zählt, sang jüdische und sephardische (Liebes)Lieder, begleitet von Bernie Rothauer auf Gitarre, einem ebenso bekannten wie vielseitigen Salzburger Musiker.

Der Verleger des Buches, Mag. Ludwig Volker Toth, freute sich, dass Gerlinde Weinmüller wieder gedichtet hatte; die Besucher freuten sich, dass sie im Anschluss an die Lesung noch Gelegenheit hatten mit den Künstlern zu plaudern – bei einem Glas Sekt auf Einladung von Ing. Reinhard Weinmüller, dem Wirtschaftsdirektor des Bildungshauses St. Virgil und Ehemann der Schriftstellerin.
„liebes.länglich“
Gerlinde Weinmüller
Bilder: Florian Herzog
ISBN 978-3-902932-65-5
2017, Edition Tandem, Salzburg
gebunden, 112 Seiten

von links: Florian Herzog, Gerlinde Weinmüller, Simone Pergmann und Bernie Rothauer

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