Grado, der Strand Mitteleuropas – ein Buchtipp

Grado, der Strand Mitteleuropas

Das Titelbild des Buches „Grado, der Strand Mitteleuropas“ zeigt oben ein Plakat des „Seebad Grado. Österreichisches Küstenland“ von Josef Maria Auchentaller aus dem Jahr 1906. Unten sieht man ein Bild vom Hauptstrand „Spiaggia Principale“ in der Nachsaison 2015, eine Aufnahme von Manfred Bockelmann.

Italien | Friaul-Julisch Venetien | Grado | 22. Mai 2017 | Grado, das bedeutet: Strandvergnügen und Jugendstil-Villen, verträumte enge Gässchen in einer bis heute perfekt erhaltenen historischen Altstadt, Fischerdorfidylle und regionale Küche – und nostalgische Kindheitserinnerungen. Ich möchte heute ein Geschichtsbuch-Bildband, inhaltlich und drucktechnisch auf sehr hohen Niveau von diesem Fischerort und Seebad vorstellen. Dieser erste Prachtband über das traditionelle Seebad an der Adria  bietet  zahlreiche bislang unveröffentlichte Abbildungen.

Das traditionsreiche Seebad an der nördlichen Adria hat eine turbulente kulturhistorische Vergangenheit. Der Herausgeber des Buches, Peter Weinhäupl ,folgt den Spuren des Wiener Secessionisten Joseph Maria Auchentaller, der um 1900 Grado in seinen Gemälden festhielt und die Wiener Kunstszene in die Lagunenstadt lockte. 1915 von Österreich kampflos aufgegeben, erlebte Grado nach der Vereinigung mit Italien anfangs die große Depression, dann die „goldenen“ 1920er und 1930er Jahre. Niemals zuvor war die Adria für Österreicher und Deutsche näher als in den 1960er Jahren, wo es „mit dem Auto ans Meer“ ging. Einheimische führen auch zu den Geheimnissen der Lagune, zu antiken Stätten um Aquileia sowie zum Nationalpark am Flussdelta des Isonzo.

Ein umfassendes Strandbad-Portrait über gut 150 Jahre

Im historischen Zentrum von Grado (© 2007 Peter Krackowizer)

Dem Herausgeber, seinen Autoren, den Fotografen und dem Verlag ist mit diesem großformatigen Geschichtsbuch-Bildband etwas Besonderes gelungen: Sie portraitieren eine der ältesten Seebäder Europas, das einerseits selbst auf eine noch viel ältere Geschichte zurückblickt und andererseits zu den beliebtesten Seebädern der k.k. Zeit gehörte und bis heute nichts an seiner Anziehungskraft auf uns Österreicher verloren hat.

Sant'Eufemia Grado

Kanzel der Sant’Eufemia (© 2007 Peter Krackowizer)

Es gibt keine langweiligen oder langatmigen Texte und es gibt keine unnötigen Bilder. Wunderbare Stimmungsbilder aus der Jetztzeit, historische Badeurlaubsszenen und Ansichten von Grado, alte Urlaubswerbeplakate und anderes Bildmaterial auf über 220 Seiten geben ein sehr lebendiges und eindrucksvolles Bild von Grado als Seebad. Selbst das Kapitel über die Aktivitäten während des Ersten Weltkriegs passt inhaltlich und bildlich gut abgestimmt in dieses Buch. Grado blieb von Gräueltaten verschont.

Sieben Kapitel (z. B. „Aus der Familienchronik“ oder „Archäologie und Kunstgeschichte von Aquileia und Grado“), dazu sieben „Kurzkapitel“ (z. B. „Der Homer Grados: Bagio Manin“, „Essen in Grado“ mit einem Rezept und Restauranttipps oder eine Übersicht über prominente Gäste, Künstler und Gastgeber) bieten sehr unterschiedliche Themen. Bei manchen historischen Aufnahmen erkennt der Grado-Kenner wie sich dieser oder jener Fleck verändert hat.

Spiaggia Principale Grado

Blick auf die „Spiaggia Principale“ in Spiaggia Principale (© 2007 Peter Krackowizer)

Ein Geschichtsbuch-Bildband, inhaltlich und drucktechnisch auf sehr hohen Niveau

Auch die optische Gestaltung des Buches, Textspalten, farbliche Unterscheidungen, Zitat-Darstellungen usw., finde ich sehr gelungen, für die Augen angenehm und übersichtlich. Ich kann nicht sagen, was mich mehr interessiert: die Texte oder die Bilder – es ist eben ein Geschichtsbuch-Bildband, inhaltlich und drucktechnisch auf sehr hohen Niveau und auf jeden Fall lesens- und sehenswert!

Weitere Bilder von mir von meinem letzten Aufenthalt in Grado im Jahr 2007 unter diesem Link.

Information

Grado
Der Strand Mitteleuropas
ISBN 978-3-85033-982-7
Format 24 x 30 cm
Seiten 224
Abbildungen ca. 250
Einband Hardcover
Erschienen 2017 im Christian Brandstätter Verlag, Wien, Österreich

Herausgegeben von Peter Weinhäupl, mit Beiträgen von Marina Bressan, Roberto Festi, Andreas Nödl, Peter Schubert, Wilfried Seipel und Peter Weinhäupl; Fotografien von Manfred Bockelmann, des Herausgebers und zahlreiche historische Abbildungen.

 

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