„Mehr Licht“ – das Buch der falschen Zitate

Salzburg | ecowin | 24. Oktober 2017 |  „Hier stehe ich, ich kann nicht anders“ so soll Martin Luther gesagt haben.  Einsteins prophezeite düster „Wenn die Bienen verschwinden, hat der Mensch nur noch vier Jahre zu leben.“ Und Galileis letzten Satz soll „Und sie bewegt sich doch!“ gewesen sein. Was diese Sätze gemeinsam haben: Sie sind komplett erfunden.

Martin Rasper folgt den Spuren der berühmtesten falschen Zitate. Er deckt auf, was wirklich gesagt wurde – oder eben nicht –, folgt der Entstehungsgeschichte dieser berühmten Aussagen und erklärt, wie sie zustande gekommen sind.  Mit einem Vorwort von Goethe, kein falsches, ich erkläre es in meiner nachstehenden Rezension.

Erhellende und unterhaltende Hintergrundinformation über niemals so gesagte Zitate

22 falsche Zitate beschreibt Rasper, das Vorwort stammt aber von einem echten Goethe, dem Henning Goethe, einem langjährigen Freund des Autors. Schon bei der Einleitung des Autors merke ich, dass Rasper da nicht nur einfach so Zitate zusammengetragen hat und seine Meinung dazuschreibt. Er hat sich sehr genau mit diesem Thema auseinander gesetzt. „Die meisten Zitate sind falsch“ zitiert er Theodor Fontane (* 1819, † 1898) und erklärt das dann auch genau.

Nehmen wir das Zitat von Martin Luther und seinem Apfelbäumchen. Der Wahrheitsgehalt beträgt null Prozent, gesagt hatte er so einen Satz nie und entstanden war das – falsche – Zitat im 20. Jahrhundert. Wie sich das ergeben hatte erklärt der Autor. Da bin ich auch schon beim Aufbau der Beiträge. Auf einer Seite findet der Leser das falsche Zitat, Angaben zum Wahrheitsgehalt, der Art der Verfälschung, den Kreativitätsgrad (das erklärt der Autor am Ende des Buches), über den (tatsächlichen) Urheber, wann es entstanden war und dann einen Satz, den der Zitierte tatsächlich gesagt hatte oder haben könnte.

Sagte Wolfgang Goethe „mehr Licht“ oder wollte er den Botschamper haben?

Gesagt hatte oder haben könnte… Willy Brandt hat beim Mauerfall in Berlin nie gesagt „Jetzt wächst zusammen, was zusammengehört“. Dass er das nie gesagt hatte, ist nachgewiesen. Doch im Laufe der Zeit meinte Brandt, er hätte es doch so gesagt. Wahrheit und Dichtung liegen also in diesem Buch eng beieinander. So waren des Dichters Goethes letzte Worte nicht „mehr Licht“, sondern er verlangte nach einem Nachttopf. Aber wäre der Ruf „bringt mir einen Botschamper“, auf den er sich noch setzte, bevor er starb, ein gutes „Nachruf-Zitat“ auf diesen großen Meister gewesen? Eben! Rasper geht bei jedem Zitat genau den Fakten nach. Im Fall von Goethe waren viele Personen nachweislich anwesend und trotzdem gibt es unterschiedliche Aussagen zu den letzten Worten. Bei anderen wiederum werden Archive durchforstet, doch tauchen die bekannten Zitate mehrheitlich darin nicht auf.

Es gibt bei jedem Zitat am Ende der durchschnittlich acht Seiten langen Beschreibung oder Erklärung noch eine Liste der Quellen, in denen Rasper geforscht hat. Rasper schreibt sachlich aber aufgelockert, was seinen Text gut lesbar macht. Die offensichtlichen umfangreichen Recherchen merkt man in den Texten, wenngleich er selbst natürlich manchmal darauf hinweist, dass es nicht immer hundertprozentig so gewesen sein muss, wie er in Erfahrung gebracht hatte.

Es ist ein unterhaltsam geschriebenes Buch mit viel Information. Und nach dem Lesen weiß ich jetzt, dass kaum ein in der Welt kursierendes Zitat so oder überhaupt gesagt wurde.  „Wer zu spät zum Lesen kommt, den bestraft die Unwissenheit“, soll, glaube ich, Michail Gorbatschow gesagt haben. Oder lautete das Zitat doch anders? Vielleicht macht aber nun mein Zitat Furore.

Buchdaten

Das Buch der falschen Zitate
„No sports“ hat Churchill nie gesagt
Martin Rasper
2017, ecowin Verlag, Benevento Publishing
ISBN 978-3-7110-0140-5

192 Seiten/ 200 x 120 mm, Hardcover

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