Marokko, ein außergewöhnlicher „Geschichten-Bildband“

Peter Krackowizer: Marokko, ein Buch von Steffen Burger &emdash; Im Mittleren Atlas

Auf dem Weg von Taza zum Jbel Bou Iblane südlich von Taza: Blick in die Landschaft und die „Titelheldin“ der Geschichte „nonverbales Missverständnis“ © 2012 Steffen Burger

Marokko | Baden-Württemberg | Salzburg | 25. Juni 2018 | Es ist ein außergewöhnliches Buch, das der leidenschaftliche Fotograf und Motorradfahrer Steffen Burger über seine 40 Wochen publizierte, die er seit 2012 in Marokko verbrachte. Außergewöhnlich eindrucksvolle Bilder und außergewöhnliche Schilderungen über Erlebnisse und Gefühle des Autors prägen dieses prachtvolle Buch.

Warum eigentlich Marokko?

Nun mag einer vielleicht sagen, dass Steffen Burger einer von vielen Buchautoren sei, der ja nur seine Erlebnisse unters Volk bringen möchte. Das, meine lieben Leser, trifft jedoch bei Steffen Burger so nicht zu und ich lasse ihn selbst erzählen, Zitat: „In der Westsahara saß ich gemeinsam mit einem alten Sahraoui (Bewohner der südlichen Provinzen Marokkos) an einem Lagerfeuer.

Peter Krackowizer: Marokko, ein Buch von Steffen Burger &emdash; Minztee

Minztee oder wie Steffen Burger erklärt, „Zucker mit Tee“. © 2012 Steffen Burger

Wir kochten Minztee auf den Kohlen und redeten die halbe Nacht über meine Reisen, Erfahrungen und Begegnungen. Ich fragte ihn, ob er einen Wunsch habe – ob es etwas gibt, was in meinem Buch über seine Heimat Erwähnung finden soll. Seine Antwort bestärkte mich seither jeden Tag aufs Neue, mein Buch zu realisieren: ‚Wenn du den Menschen in Europa meine Heimat so zeigst, wie du sie mir eben am Feuer beschrieben hast, kannst du meinem Volk kein größeres Geschenk machen – folge deinem Herzen mein Freund‘.“ „All die unerhörten Klänge“, Titel eines Lieds von Konstantin Wecker, hörte Burger im Lautsprecher seines Sturzhelms und erlebte diese „unerhörten Klänge“ auch auf seiner Reise, die zum Verstehen seines Ausbruchs aus der europäischen Zivilisation führen sollte.

Dieses Buch ist also eine Liebeserklärung an ein Land, „das wie ein Baum ist, der seine Wurzeln in Afrika hat und seine Äste nach Europa ausstreckt“ (Zitat Hassan II, ehemaliger König Marokkos), zu dem Konstantin Wecker dann auch das Vorwort schrieb.

Persönliche Erlebnisse prägen dieses Buch   

Peter Krackowizer: Marokko, ein Buch von Steffen Burger &emdash; Oued Tissint

In dieser Oase erhielt der Autor einen Heiratsantrag. © 2012 Steffen Burger

Dieses 400-Seiten-Buch ist mehr als nur ein außergewöhnlicher Bildband. Denn zwischen den farbintensiven Bildern mit Bedacht gewählten Motiven  erzählt Steffen Burger von seinen Erlebnisse mit den Menschen in Marokko. Es sind nicht alltägliche Geschichten,  war er doch mit seinem Motorrad mehrere zehntausend Kilometer in einem Land unterwegs, das größer ist als Deutschland. Er lernte die uneingeschränkte Gastfreundschaft seiner Bewohner in den entlegensten Gebieten kennen, die ihn einmal unter Bergen von Teppichen fast erdrückte, wie er in seiner Geschichte bei der Übernachtung in einem Nomadenzelt schildert.

Nach einer Reifenpanne im tiefen Süden Marokkos telefonierte er mit dem ADAC und erhielt die Antwort, dass es dauern werde, bis der neue Reifen käme und „alles wäre nicht so einfach“ sei. Es fehlte der auch in Europa selten in Werkstätten zu findende Spezialschlüssel für eine Federungseinstellung.  Steffen Burger lässt den Leser dann an einer unglaublichen Reparatur-Geschichte teilhaben.

Im Rif, eine zum Atlasgebirge in Nordafrika gehörende Gebirgskette, wird er für einen besonders wichtigen Einkäufer von Hanf angesehen, der zur Erzeugung von Haschisch verwendet wird, er erlebt die Rechtschaffenheit von Dorfbewohnern und genießt ein „Picknick mit einem Verrückten“.

Peter Krackowizer: Marokko, ein Buch von Steffen Burger &emdash; Moulay Idris

Die heilige Stadt Moulay Idris © 2012 Steffen Burger

Viel Information über die Menschen, die Tierwelt und die Landschaften

Bei all seinen eigenen Geschichten kommen aber auch Informationen über das Land und seine Menschen nicht zu kurz. Welche Unterschiede es bei Störchen gibt, warum das Dromedar im Sand nicht versinkt, weshalb der Minztee eigentlich kein Minz- sondern Zuckertee ist; er berichtet über das „Brot der Wüste“, die Datteln, über den „König der Achate“;  er wandert zu Wasserfällen, schildert seine Eindrücke unter freiem Sternenhimmel in eiskalten Nächten und immer wieder faszinieren ihn die Begegnungen mit Menschen. Ein „nonverbales Missverständnis“ mitten in der Bergwelt mit einer Frau, die eine Ziegenherde betreute, bescherte dem Buch seine „Titelbildheldin“.

Faszinierende Bilder in Großformat

Und mit der „Titelbildheldin“ bin ich beim zweiten außergewöhnlichen Schwerpunkt dieses Buches. Gewiss, Bilder finden sich in allen Bildbänden. Doch bei Steffen Burger führt seine Leidenschaft des Fotografierens zu sensationellen Bildern. Ja natürlich sind Landschaft und Menschen in Marokko immer ein Bildmotiv. Aber Burger kombiniert mit dem Blick eines leidenschaftlichen Fotografen Landschaftsaufnahmen mit eben noch weiteren darin befindlichen Motiven. Er zeigt die Menschen mit ihrer Lebensfreude an ihren Arbeitsplätzen, mit ihren Kindern.

Peter Krackowizer: Marokko, ein Buch von Steffen Burger &emdash; Amazighin

Nach unzähligen Datteln und viel Gelächter durfte Steffen Burger diese Amazighin so fotografieren. © 2012 Steffen Burger

Nachdem er mit einer stolzen Amazigh („Berberfrau”) Unmengen von Datteln gegessen und sie viel miteinander gelacht hatten, öffnete sie ihr Kopftuch und es entstand ein doppelseitiges eindrucksvolles Bild. In der heiligen Stadt Chefchaouen lernte er viel vom Familienoberhaupt Belhaj über Teppiche. Sein doppelseitiges Bild, das Belhaj umgeben von seinen Teppichen zeigt, ist nicht nur farbenfroh sondern vermittelt auch bildhaft die Atmosphäre eines Teppichgeschäfts. In Chefchaouen, wo alles blau ist und es die besten Zimtkekse gibt, zeigt uns Burger auf einer Doppelseite Bilder aus der Altstadt mit ihren blau gefärbten Häusern. Auf einem dieser Bilder steht als farbliches Pendant dazu eine braune Eselin, die roten Kanister transportiert. Bilder aus der Sandsahara, Menschen bei ihrer Arbeit, Kinder, die lachen, Nomadenzelte, Möwen in Großformat an der Atlantikküste – eigentlich dürfte dieses Buch nie enden. Doch es endet nach rund 400 Seiten mit einer Übersicht über die „verborgene Seele Marokkos“: von „Barmherzigkeit und Güte“ über Gastfreundschaft, „Handeln statt reden“ bis „Wertschätzung für das Wesentliche“ sowie „Vergebung und Humor“ gibt Steffen Burger einen Einblick in seine Erkenntnisse, die ihm 40 Wochen Marokko brachten.

Peter Krackowizer: Marokko, ein Buch von Steffen Burger &emdash; Marokko

Steffen Burger hat einen Blick für das Besondere. © 2012 Steffen Burger

Das Buch gliedert sich in sieben Abschnitte. Der erste nennt sich „typisch Marokko“ und gibt einen Einblick in Land und Leute sowie Essen und Trinken. Es folgen sechs Abschnitte über die verschiedenen geografischen Regionen, die Burger bereiste.

Ein außergewöhnliches Buch

Peter Krackowizer: Marokko, ein Buch von Steffen Burger &emdash; Atlastal

Etwa 50 Kilometer südlich von Marrakech überrascht der hohe Atlas mit satter Vegetation. © 2012 Steffen Burger

Jedes Mal, wenn ich das Buch durchblättere, bleibe ich wieder bei einer Geschichte hängen, betrachte mir ein großformatiges Bild, ein lachendes Kindergesicht oder Bildsequenzen, die Burger manchmal von Personen aufgenommen hatte. Jedes Bild ist stimmig zum Text dazu ausgewählt. Es ist wirkliche ein „Geschichten-Bilderbuch“ mit Betonung auf Bilderbuch. Burgers offene Art, seine Gefühle und Erkenntnisse in seine Texte einfließen zu lassen machen dieses Buch auch zu einer Art philosophischen Reisebuch. Burger zeigt sich immer wieder tief beeindruckt von den Menschen und kann dies auch sehr gut in Worte umsetzen. Es gibt manchmal Reiseführer, in denen das Lesen nach ein paar Seiten monoton und fade wird. Bei diesem Buch ist es ganz anders. Schade, dass nach Seite 400 keine Seiten mehr folgen!

Über den Autor und das Buch

Steffen Burger ist von Beruf Fotograf, lebt und arbeitet in Aichtal, einer Stadt in Deutschland in der Mitte von Baden-Württemberg, etwa 18 Kilometer südlich der Landeshauptstadt Stuttgart.

Wer den Autor persönlich erleben will hat dazu am Sonntag, den 8. Juli 2018, im Rahmen des Afrikafestivals bei Schloss Mamling in Miming, Innviertel, Oberösterreich, Österreich, Gelegenheit. Von 12:30 bis 13:30 Uhr hält Steffen Burger einen Vortrag  über seine „Reise durch eine verborgene Wunderwelt zwischen Wüste und Prunk“ in Marokko (http://www.afrikafestival-mamling.at/programm/filme-vortraege/)

Mehr über das Buch,  wie man es bestellen kann und über einen Sonderpreis bis 14. Juli 2018 gibt es auf der Internetseite  https://www.startnext.com/marokko-bildband. Dort gibt es auch ein Video über das Buch mit weiteren Bildern.

ISBN 978-3000599606

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Ein Kommentar zu “Marokko, ein außergewöhnlicher „Geschichten-Bildband“

  1. Herzlichen Dank für diese ganz wunderbare Rezension lieber Peter. Du hast mein Projekt punktgenau erfasst – und darüber hinaus mit Liebe und Seele beschrieben. Ich bin sehr glücklich und dankbar.

    Liebe Grüße aus dem Aichtal 🙂
    Steffen

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