70 Jahre Porsche Sportwagen, ein wunderbares Buch, das Erinnerungen weckt

70 Jahre Porsche Sportwagen

„70 Jahre Porsche Sportwagen“, von links ein Porsche Typ 356 Coupé, Bj. 1954. ein Porsche 918 Spyde (2017), und das Titelbild mit dem Porsche 356 Nr. 1 Roadster mit Ferry Porsche an seinem 85. Geburtstag 1994 am Steuer, dem Sohn von Ferdinand Porsche. © 2018 Delius Klasing und Dr. Ing. h.c. F. Porsche AG presse.porsche.de

10. Oktober 2018 | 300 spannende Seiten, mehr Bilder als Texte und doch sehr informativ, brachte der deutsche Verlag Delius Klasing in der Edition Porsche Museum als Buch über 70 Jahre Porsche Sportwagen heraus. Zwar kann ich mich für Automobiltechnik nicht wirklich begeistert, aber der Name „Porsche“, der ja auch mit Salzburg eng verbunden ist, weckte mein Interesse an diesem Buch. Und ich wurde nicht enttäuscht.

1948 – Porsche 356 Nr. 1 lief noch von Hand (noch nicht vom Band)

70 Jahre Porsche Sportwagen Ferry Porsche

„70 Jahre Porsche Sportwagen“, das Titelbild mit dem Porsche 356 Nr. 1 Roadster mit Ferry Porsche an seinem 85. Geburtstag 1994 am Steuer, dem Sohn von Ferdinand Porsche. © 2018 Delius Klasing

Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs lagerte Ferdinand Porsche einen Teil seiner Produktion von Stuttgart in Deutschland nach Gmünd im österreichischen Kärnten aus. Als 1948 Ferdinand Porsche nach 22 Monaten Internierung in Frankreich (die unter mysteriösen Umständen eingefädelt worden war) mit seinem Sohn Ferry in Gmünd den Porsche 356 Nr. 1 Roadster fertigte, war die Geburtsstunde des Sportwagens gekommen. Am 15. Juni 1948 ließ Porsche den Wagen mit der Konstruktionsnummer 356 beim Amt der Kärntner Landesregierung mit dem Kennzeichen K 45-286 zulassen. Dieser erste Porsche war mit einem 1,1-Liter-Mittelmotor ausgestattet, der es auf 35 PS brachte. Als Teststrecken wurden die Katschberg Straße, der Radstädter Tauernpass, die Turrach und die Großglockner Hochalpenstraße verwendet.

Kurz nach der Nr. 1 folgte 356/2 Coupé, das in Fachkreisen auch als „Gmünd Coupé“ bezeichnet wird. Die Nummer 10 dieses Porsches gewann dann 1951 den ersten Klassensieg im 24-Stunden-Rennen von Le Mans in Frankreich. 52 Porsche liefen aus dem Werk Gmünd, bevor der Nachschubmangel an Teilen und die Möglichkeit, die Firma flächenmäßig auszuweiten, Porsche veranlassten, seine Firma wieder nach Stuttgart-Zuffenhausen, Deutschland, zu verlegen, wo sie bis zum Zweiten Weltkrieg ja schon als technisches Konstruktionsbüro zu Hause gewesen war.

Das Buch beleuchtet viele Facetten des Mythos Porsche

Meist über beide Seiten verlaufende Bilder mit kurzen, aber ausreichend informativen Texten, zeigen sieben Jahrzehnte Porsche-Automobile, -Rennsport und -Menschen.

Im Kapitel „Lifestyle“ sieht man beispielsweise James Dean lässig in einen 550 Spyder einsteigen und Herbert von Karajan steuert an der Seite seiner Frau Eliette einen 718 RSK Spyder. Auch Steve McQueen, Keanu Reeves – er spielte die Rolle des Computerhackers Neo in der Filmreihe „Matrix“ – und andere prominente Porsche-Fahrer finden sich in diesem Kapitel. Der „Chronograph I“ und das Kundenmagazin „Christophorus“ runden diesen Abschnitt ab.

Die „Technik“ beginnt mit einem Interview mit Oliver Blume, dem Vorstandsvorsitzenden der Porsche AG. „Grenzerfahrungen“ und „Zukunftsmusik“ mit interessanten Bildern folgen. Im Abschnitt „Unternehmen“ wird die Firmengeschichte lebendig, beginnend mit einem Bild des Geburtshauses von Ferdinand Porsche in Maffersdorf. In Dekaden werden Persönlichkeiten der Porsche AG vorgestellt. Mehr oder weniger „bunte Vögel“ finden Platz in der „Community“: Ottokar Jacobs, Patrick Long (zweimaliger Le-Mans-Sieger), Magnus Walker und andere. Die zehn „lebenswichtigen“ Porsche-Bücher beenden dieses Kapitel und das wohl interessantes für viele Leser beginnt:

Gröbming, Steiermark, Österreich (Austria): 26. Ennstal-Classic, ZENITH Grand Prix von Gröbming. Im Bild Hans-Joachim „Strietzel“ Stuck, zweimaliger Sieger des „24-Stunden-Rennens von Le Mans“ und 1990 Deutscher Tourenwagen-Meister,  am 21. Juli 2018 in einem Porsche 908/03 Spyder, Baujahr 1970, 350 PS – Der Schweizer Joseph Siffert und der Brite Brian Redmann gewannen in so einem Typ 1970 die legende „Targa Florio“ auf Sizilien, Italien. (c) Ennstal-Classic / Martin Huber

 

Porsche-Modelle und Motorsport

Doppelseitig strahlen die Fahrzeugbilder dem Leser entgegen, begleitet von einem kurzen Text. Der 356 aus dem Jahr 1948 sei 140 km/h schnell, jener aus 1954 hätte schon 70 PS, der 904 Carrera GTS 1964 mit 155 bis 185 PS Leistung. Und so geht es weiter bis zum 911 GT2 RS, der es mit 700 PX auf 340 km/h Spitze bringt. Übrigens, in diesem Buch erfährt man auch, weshalb Porsche die Bezeichnung 356 aufgeben und auf die Neunerzahl umsteigen musste.

In „Menschen“ werden Persönlichkeiten aus dem Haus Porsche sowie eng mit der Marke verbundene Personen portraitiert wie Max Edwin Hoffmann, Richard von Frankenberg. Anatole Carl Lapine oder Walter Röhrl u. a.

Schließlich beendet das Kapitel „Motorsport“ das Buch. 1951 – 72-Stunden-Rekordfahrt, 1967 – Weltrekord in Monza, die besonderen Rennstrecken für Porsche und einige Rennsport-Porsche-Modelle wie der Porsche 356 B 1600 GS Carrera GTL Abarth, der Porsche 804, der 1962 den ersten Formel-1-Sieg brachte oder der legendäre Porsche 910/8 Bergspyder aus dem Jahr 1967 bis hin zum Porsche 911 RSR (2017) werden vorgestellt. Eine Doppelseite informiert über „Rennsport in Zahlen“ wie beispielsweise über die Anzahl von Schaltvorgängen im Siegerauto von Le Mans 2017.

Mythos Porsche

Wer dieses Buch durchblättert, merkt bald, dass Porsche nicht irgendeine Marke ist und irgendeine Geschichte erlebt hat. „Der Mythos Porsche lebt und wird nie untergehen – verlassen Sie sich auf mich.“ Meint abschließend Dr. Wolfgang Porsche, Enkel von Ferdinand Porsche, der auch im Buch selbst einen Beitrag zum Thema „Porsche bleibt Porsche“ schreibt.

Dieses technisch hervorragend produzierte Buch ist ein beeindruckendes Portrait einer Marke und der Familie Porsche. Ich bin sehr beeindruckt vom Inhalt, der Gestaltung und der Produktion durch den Verlag!

Porsche, Karajan und Salzburg

Herbert von Karajan mit Gattin Eliette in einem Porsche

Herbert von Karajan mit Gattin Eliette beim Porschehof in Salzburg in einem Porsche (7. August 1959) © 1959 Helmut Krackowizer

Unter der Leitung von Dr. Anton Piëch, dem Ehemann von Louise Piëch, der Tochter von Ferdinand Porsche, begann am 28. Februar 1949 der Werkstattbetrieb in der ersten Niederlassung in Österreich, in der Porsche Alpenstraße in Salzburg.

In Zell am See besitzt die Familie Porsche das Schüttgut, wo auch in einer Kapelle die verstorbenen Familienmitglieder begraben liegen.

Persönliche Erinnerungen an Porsche in Salzburg ergeben sich dadurch, dass mein Vater Helmut Krackowizer von 1955 bis 1964 Pressechef in der Österreich-Zentrale von VW-Porsche in Salzburger war. 1964 organisierte er mit Journalisten eine Weltrekordfahrt auf der Rennstrecke in Monza in Italien, allerdings mit einem VW 1500.

Von ihm stammt auch die Aufnahme von Eliette und Herbert von Karajan in einem Porsche. Herbert von Karajan liebte Sportwagen. So war er einer der Ersten, die im Herbst 1969 auf dem gerade erst eröffneten Salzburgring den Porsche 908/02 „Flunder“ testen durfte. Als Karajan auf 80 Jahre zuging, wurde er von Porsche gebeten, mit dem neuen 959 eine Probefahrt zu unternehmen. Was der Maestro auch tat und sich von den etwa 290 gebauten Exemplaren gleich zwei kaufte. Den ersten verlor er durch überhöhte Geschwindigkeit; den zweiten in der Farbe Rot erhielt er am 4. März 1988 vor die Haustüre in seinem Winterdomizil nach St. Moritz, Schweiz, geliefert. Es sollte Karajans letztes Auto sein, das er auch schon Anfang 1989 wieder verkaufte. Denn seine Kräfte schwanden. Am 16. Juli 1989 starb Karajan.

Herbert von Karajan im Porsche 908/02

Herbert von Karajan nach Ende seiner Testfahrt mit dem Porsche 908/02 „Flunder“ 1969 am Salzburgring im Gespräch mit Sportreporter Hans Klettner von Radio Salzburg. © 1969 Helmut Krackowizer

Die Zentrale von VW- Porsche Österreich im Porschehof beim Salzburger Hauptbahnhof war alljährlich Schauplatz der technischen Abnahme der Fahrzeuge für das Gaisberg-Rennen, bei dem auch ein Lauf zur Europabergmeisterschaft gefahren wurde. Natürlich waren da auch Porsche-Rennwagen dabei. 1962 gewann der Deutsche Sepp Greger auf Porsche RSK die Gesamtwertung. 1967 waren vier Porsche RSK unter den ersten Fünf und 1963 triumphierte der Deutsche Edgar Barth auf Porsche 2000 PT, um nur einige Beispiele der Erfolge von Porsche am Salzburger Hausberg zu erwähnen.
Porsche 917C1970 wurden zwei Porsche 917k in Salzburg in der Porsche Alpenstraße für den Renneinsatz zum „24-Stunden-von-Le-Mans“-Rennen in Frankreich vorbereitet. Der Salzburger Einsatz wurde zum motorsportlichen Triumph. Während die beiden Werksporsche aus Deutschland ausfielen, gewann einer der beiden rotweißroten Porsche 917 aus Salzburg mit Hans Herrmann und Richard Attwood die 24 Stunden von Le Mans.

Es gäbe noch einige über Porsche und Salzburg zu erzählen. Doch dies geht über den Rahmen dieses Beitrags hinaus, in dem ich das neue Buch „70 Jahre Porsche Sportwagen“ vorstellen möchte.

Daten zum Buch

70 Jahre Porsche Sportwagen
Herausgeber Christina Rahmes und Dr. Josef Arweck
2018 erschienen in der Edition Porsche Museum im Delius Klasing Verlag Bielefeld
ISBN 978-3-667-11297-2

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