Atlas der legendären Seewege, ein Buch, das sogar einen Salzburgbezug aufweist

Titelbild

Titelbild „Atlas der legendären Seewege“ (freigegeben vom Delius Klasing Verlag GmbH Bielefeld)

(PKra) „Legendäre Seewege“ und damit die Zeit der großen Entdeckungen beschwört François Chevalier in diesem überaus spannenden und informativen Band aus dem Delius Klasing Verlag herauf.

Was die Völker Polynesiens seit grauer Vorzeit beherrschten, mussten die Europäer erst mühsam lernen: die Welt der Ozeane zu erobern und sich in den unendlichen Weiten zurechtzufinden. Diese Erkundungswege zeichnet der Autor sorgfältig nach, unterstützt durch die vortrefflichen Kartenzeichnungen der Illustratorin Laura Acquaviva.

Ägypter, Wikinger und große Handelsunternehmen

Von Polynesien war schon die Rede, und mit der Vorgeschichte der europäischen Seefahrt setzt der umfassende Überblick denn auch ein. Das erste Kapitel ist der Zeit der Pharaonen gewidmet, bevor es um die Besiedlung Ozeaniens geht. Erhellende Exkurse führen in die mythischen Welten des Odysseus und der Wikinger. Damit ist man gerüstet für die Kernthematik: die Hanse, die Kaufleute von Venedig, der Seeweg nach Indien (der Kolumbus in die Karibik führte), die erste Weltumsegelung… Dem schließen sich die großen Expeditionen der Aufklärungszeit an, mit James Cook als dem prominentesten Pionier. Das letzte Abenteuer – begünstigt durch den Klimawandel – ist die Suche nach den Nordpassagen.

Für Leser ist es ein Glücksfall, wenn ein Autor sein profundes Fachwissen so zu vermitteln weiß, dass man sich in einen Sog gezogen fühlt, begierig auf die nächste Seite, gespannt auf das nachfolgende Kapitel. Diese Kunst beherrscht François Chevalier. Was aber die Freude an diesem Buch komplett macht, ist die Sorgfalt, mit der es hergestellt wurde, von der Wahl des Papiers bis hin zur Typographie. So gesellen sich zum geistigen Vergnügen die haptische Lust und dank der Illustrationen der optische Reiz. Ein echtes Leseabenteuer, das kann ich bestätigen. Was es sonst noch über dieses Buch zu sagen gibt, steht in den folgenden Absätzen.

Kein Atlas, keine „wunderbaren Karten“, aber sehr gut recherchierter informativer Inhalt

Der Einleitungssatz nimmt schon die beide doch nicht ganz unwesentlichen Kritikpunkte vorweg. Doch zunächst möchte ich ein wenig über den Text, den Inhalt schreiben.

Ich habe selten ein Buch gelesen, dass derart abwechslungsreich und informativ über Reisen auf den Weltmeeren geschrieben war. Francois Chevalier ist ein französischer Historiker, Schiffsarchitekt, Universitätsdozent und Autor von rund 20 Nachschlagewerken über die Geschichte des Segelsports. Ihm gelingt es den Leser wirklich mit auf die Reisen zu nehmen, gibt Einblick in das Alltagsleben an Bord früherer Expeditionen und berichtet teilweise sehr genau über den Ablauf verschiedener Seereisen.

Weltumsegelung von Magellan mit Salzburgbezug

Beim Lesen wird vieles verständlich(er) von dem, was die meisten von uns bisher über beispielsweise die Phönizier oder Wikinger als Seefahrer wussten. Interessant sich auch seine Recherchen, ob Odyssee tatsächlich gelebt hatte und wo denn seine „Odyssee“ stattgefunden haben könnte. Chevalier berichtet von einem Kanal der alten Ägypter, der das Rote Meer über den Nil mit dem Mittelmeer verbunden hatte. Die Geschichte der Hanse und der Niederländischen Ostindien-Kompanie finden ebenso wie die erste Weltumsegelung von Magellan in diesem Buch ausgiebig Platz.

Diese Weltumsegelung von Magellan ist für meine Heimatstadt Salzburg von Interesse. Denn der Sekretär Kaiser Karls V. schilderte als Erster diese Reise rund um Welt. Dazu hatte er 18 der 27 überlebenden Seeleute (von 265 abgereisten) befragt und anschließend seinen Bericht an den Salzburger Fürsterzbischof Matthäus Lang geschickt, der diesen als ersten öffentlich zugänglichen Bericht dieser Weltumsegelung im Jänner 1523 veröffentlichte.

Gegen Ende des Buches beschäftigt sich Chevalier mit der Geschichte der Clipper, der Suche nach den Nordpassagen (was auch sehr interessant ist) und schließlich mit Wettfahrten mit Einhand-Segelbooten über den Ozean bis zu den großen Welt-Regatten der 2010er-Jahre.

Sympathisches und weniger Sympathisches

Sympathisch ist auch das grüne Lesezeichen aus Stoff, das fest mit dem Buch verbunden ist. Weniger sympathisch fand ich die im Titel und auf der Rückseite angekündigten „wunderbaren Karten“. Diese entpuppen sich nämlich als mäßig gestaltete Übersichtskarten, sehr einfach gezeichnet mit wenigen Details. Davon gibt es in den 16 Kapiteln ein bis zwei je Kapitel (auf etwas mehr als 220 Seiten). So gesehen hält der Titel nicht, was er dem Leser verspricht. Das Buchtitelbild zeigt einen solchen Kartenausschnitt.

Wer Kartenwerke erwartet ist absolut enttäuscht. Wer Interessantes über Seereisen von der Antike bis heute erfahren will, wird wahrscheinlich ähnlich begeistert sein wie ich es bin.

Daten zum Buch

Atlas der legendären Seewege
Autor: François Chevalier
Verlag: Delius Klasing Verlag GmbH Bielefeld
Erscheinungsjahr: 2018
ISBN 978-3-667-11413-6

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