Leuchttürme: Ein preisgekröntes Bild, ein Buch und die Geschichte dazu

Der Leuchtturmwärter des Leuchturms Kéréon im Dezember 1989 fotografiert von Jean Guichard (Titelbild des Buches)

Frankreich | Bielefeld | Salzburg | 28. Oktober 2019 | Jean Guichard, ein französischer Fotograf, der für seine Leuchtturm-Bilder bekannt ist, hat ein Buch mit spannenden Bildern von Leuchttürmen und ihrer Umgebung herausgebracht. Die deutsche Übersetzung ist 2019 im Verlag Delius Klasing in der Edition Maritim erschienen.

Die Geschichte französischer Leuchttürme

Jean Guichard, Jahrgang 1952, veröffentlichte eine im Dezember 1989 gemachte atemberaubende Aufnahme. Sie zeigt den Leuchtturmwärter des Leuchturms Kéréon, der vor die unterste Türe seines Leuchturms tritt als gerade riesige Wellen scheinbar über ihn hereinbrechen. Kéréon befindet sich westlich vor der bretonischen Küste Frankreichs auf der Insel Ouessant. Das Bild machte Guichard auf der ganzen Welt bekannt. Es ist das Titelbild des Buches.

Kern des Buches sind Bilder von Leuchttürmen und ihrer Umgebung. 14 in Frankreich werden ausführlich mit mehreren Bildern präsentiert sowie weitere Kurzportraits von Leuchttürmen in Deutschland, den USA, Kanada, Island, Finnland, Irland, Schottland und Großbritannien. Doch das 280seitige Buch bietet nicht nur eindrucksvolle Aufnahmen aus verschiedenen Jahres- und zu verschiedenen Tageszeiten, sondern auch interessante Beiträge über die Geschichte der Leuchttürme und Leuchtturmwärter in Frankreich.

Die alte Abtei von Pointe Saint Mathieu in Plougonvelin. Um 1250 wurde hier auf diesem Kap der erste Leuchtturm der Bretagne errichtet. Der heutige Turm rechts wurde 1835 errichtet. © 2014 Emmanuel Berthier, Tourisme Bretagne (nicht aus dem Buch!)

Die Geschichte  des Berufes des Leuchtturmwärters

Nach etlichen Bildern, die alle auch kurz die Geschichte des abgebildeten Turms schildern, kommt man zum ersten von vier mehrseitigen Beiträgen, der Geschichte des Berufes des Leuchtturmwärters. Obwohl es seit der Antike Leuchtfeuer gab, begann die französische Geschichte der Leuchttürme eigentlich erst nach der französischen Revolution Anfang des 19. Jahrhunderts. Es war das „Services des Phares“, die „Organisation der Leuchttürme“, die mit dem systematischen Aufbau, der Betreuung und Bemannung der Leuchttürme an der französischen Atlantikküste begann. Der Beitrag schildert den Alltag und die Aufgaben eines Leuchtturmwärters, die Beschaffenheit des Leuchtturmwärterhauses und die Entwicklung des Berufes vom Wärter zum Elektromechaniker.

Blick in den Leuchtturm Le Four Point Saint-Mathieu auf der Île Vierge © Ronan Gladu, Tourisme Bretagne (Bild ist nicht aus dem Buch!)

Werden die Leuchtfeuer erlöschen?

Der Beitrag über die große Zeit der Leuchttürme erzählt von der Gefährlichkeit der Wachablösung auf den „offshore“-Leuchttürmen, berichtet aus alten Leuchtturm-Wachtagebüchern und von der Feuerwache.  Zur Unterhaltung der Wärter richtete man im 19. Jahrhundert eine Leuchtturm-Bibliothek ein. Ob der Leuchtturm eine Erfindung der Bretagne war, damit beschäftigt sich der dritte Beitrag im Buch. Und er berichtet von der Entwicklung der Besichtigungsmöglichkeiten von Leuchttürmen, mit denen sich die Wärter ein Taschengeld zu ihrem sehr geringen Gehalt – sie waren Beamte des Staates – verdienten. Der Leuchtturm war auch in der Literatur zu finden wie beispielsweise in einem Roman von Jules Verne und Thema von Filmen.  Die Automatisierung der Leuchtfeuer führte zum Ende der Leuchtturmwärter und zur Entdeckung der Leuchttürme als Fotomotive. Werden die Leuchtfeuer erlöschen wird im letzten Beitrag gefragt. Darin wird auch über den letzten Leuchtturm von Paris erzählt, der 1992 vom Dienstgebäude des „Service des Phares“ am Trocadéro-Platz abmontiert wurde.

Leuchtturm Creac’h auf der Île d’Ouessant bei Nacht © Emmanuel Berthier, Tourisme Bretagne (Bild ist nicht aus dem Buch!)

Schäumende Gischt umtost die Leuchttürme

Jean Guichard besuchte die Leuchttürme mehrmals und fing faszinierende Bilder ein. Den roten Backsteinbau des Leuchtturms auf dem Cap Fréhel in den rotbraunen Farben des Abendlichts, die felsenreiche Umgebung von Leuchttürmen bei Ebbe, bei Flut und bei Stürmen, Bauwerke auf Felsen mitten im Meer, bei denen man sich fragt, wie hier wohl die Wachablöse aufgrund der Brandung und Felsenhöhe erfolgen konnte. Es gibt aber auch Bilder von Leuchttürmen, die am Festland landeinwärts errichtet wurden und von kleinen Ansiedlungen umgeben mitten in Feldern stehen, wie beispielsweise auf der „Île de Batz“. Eindrucksvoll sind die Aufnahmen, auf denen die Gischt bis zur Laterne hinauf, 20, 30 oder mehr Meter, schäumt. Den Beiträgen kann man auch entnehmen, dass die Türme unter der Wucht der Naturgewalten wanken.

Naturgewalten umspülen den Leuchtturm Vieille am Pointe du Raz bei Plogoff © Emmanuel Berthier, Tourisme Bretagne (Bild ist nicht aus dem Buch!)

Die Bilder vermitteln die Kraft des Meeres, lassen die Leistungen früherer Baumeister dieser Türme und den Wärtern, die auch während Atlantikstürmen das Feuer überwachten, erahnen. Wie die Befeuerung funktionierte und welche Spiegeltechniken verwendet wurden kann man ebenfalls im Buch lesen.

Die Bilder der Leuchttürme in den anderen Ländern sind ebenso interessant und abwechslungsreich. So sieht man einen roten Turm in der Schneelandschaft von Island, finnische Leuchttürme, die aus dem Eismeer herausragen oder Irische, die wie Schwalbennester an mächtigen Felsen in der See kleben. Am Ende des Buches gibt es Übersichtskarten mit den Standorten der nummerierten Leuchttürme.

Es ist ein interessantes und eindrucksvolles Bilderbuch mit Geschichten, das einen guten Einblick in einen Beruf bietet, der schon fast verschwunden ist.

Daten zum Buch

„Leuchttürme“ von Jean Guichard
Erschienen 2019 im Verlag Delius Klasing in der Edition Maritim
Format Klappenbroschur
ISBN 978-3-89225-635-9
Maße 22.2 x 19.8 cm, 280 Seiten 205 Abbildungen

Auf der Île d’Ouessant mit Blick zum Pointe de Pern mit dem Leuchtturm Creac’h © Emmanuel Berthier, Tourisme Bretagne (Bild ist nicht aus dem Buch!)
Der Leuchtturmwärter des Leuchturms Kéréon im Dezember 1989 fotografiert von Jean Guichard (Titelbild des Buches)

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