Walter Mittelholzer, Flugpionier und Luftbildfotograf, Beitrag Nr. 3 aus der Geschichte der Swissair

Walter Mittelholzer vor einer Fokker in Ostafrika während seiner Kilimanjaro-Flugreise 1929-1930 ( ETH-Bibliothek Zürich, Bildarchiv Stiftung Luftbild Schweiz, Fotograf: Unbekannt, LBS_MH02-07-0310, Public Domain Mark)

15. Mai 2020 | Walter Mittelholzer (* 1894; † 1937) lebte, flog und fotografierte vor 100 Jahren, war Mitbegründer der Ad Astra Aero-Fluggesellschaft und später erster technischer Direktor bei Swissair. Auf seinen Flugreisen, die ihn bis Südafrika brachten, machte er Tausende von Fotografien, die von der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich digitalisiert wurden. Werfen wir einen Blick auf sein Leben und seine Fotografien.

Walter Mittelholzer Dübbendorf

Am 27.3.1929 unternahmen sechs Schriftsteller und eine Zeichnerin mit Walter Mittelholzer an Bord einer Dornier Merkur einen Alpenflug. V.l.n.r.: : Gobi Walder, Dr. Max Pulver, Walter Mittelholzer, Otto Wirz, Hanni Bay, Dr. Wyss, Frank Thiess, Jakob Bührer. Die Künstler wurden von Ad Astra zu diesem Flug eingeladen, mit der Absicht, dass daraus etwas entstehe. Vermutlich in Dübendorf. (Bildquelle ETH-Bibliothek Zürich, Bildarchiv/Stiftung Luftbild Schweiz / Fotograf: Swissair / LBS_SR02-00055-A public domain mark)

Die Zeit mit Ad Astra Aero als Luftbildfotograf

Walter Mittelholzer, der am 2. April 1894 in St. Gallen in der Schweiz geboren wurde, kam während seiner Militärzeit in Dübendorf in die Rekrutenschule, wo er einer neuen Fliegertruppe zugeteilt wurde. Dort bekam er den Auftrag, Luftbilder anzufertigen und bereits ein Jahr später wurde er als Unteroffizier Leiter der fotografischen Abteilung. Nachdem Mittelholzer 1917 die zivile Fluglizenz erhalten hatte, schloss er ein Jahr später die Ausbildung zum Militärpiloten ab. Wieder ein Jahr später, 1919, gründete er mit seinem Militärkollegen Alfred Comte die „Mittelholzer und Co., Luftbildverlagsanstalt und Passagierflüge„. Diese Firma fusionierte 1920 mit der finanzkräftigeren Ad Astra Aero in Zürich.

Walter Mittelholze Ad Astra Aero

Persienflug 1924-1925: Die Schwimmer wurden unterwegs, in Mersina an der Süd-Ostküste der Türkei, mit dem Landfahrwerk, das hinten im Rumpf mitgenommen wurde, ausgewechselt. Die Junkers A 20 trug die Aufschrift „Ad Astra“, die Immatrikulation CH-130 und auf einer Seite stand „Switzerland“. Walter Mittelholzer (links) überstellte dieses zweiplätzige Flugzeug im Auftrag der Junkers Werke Dessau, zusammen mit dem Mechaniker Ernst Bisegger, in mehreren Etappen vom Zürichhorn nach Teheran, Start am 18.12.1924, Landung am 2.2.1925. Dieses wurde bei Testflügen bei der „Ad Astra“-Werft am Zürichhorn aufgenommen, nachdem dort das Fahrwerk durch Schwimmer ersetzt worden war. Den abenteuerlichen Flug beschrieb Mittelholzer in seinem Buch „Persienflug“. Bildquelle ETH-Bibliothek Zürich, Bildarchiv/Stiftung Luftbild Schweiz / Fotograf: Swissair / LBS_SR02-00038-B, public domain mark.

Es folge eine Zeit, in der Mittelholzer im Auftrag der deutschen Junkers-Werke (in Dessau) flog. So waren Proviantierungsflüge von Spitzbergen aus für die Nordpolexpedition Roald Amundsens geplant, die aber dann doch nicht notwendig wurden. Dafür wurden bei der Junkers-Spitzbergen-Expedition im Juli 1923 vier Rundflüge über Spitzbergen unternommen. Der längste führte über eine Strecke von 1’000 km. Bei diesen Flügen war Mittelholzer für Filmaufnahmen und Fotografien zuständig und es entstanden so die ersten Luftbildaufnahmen Spitzbergens. Im Winter 1924-1925 flog Mittelholzer im Auftrag der persischen Regierung nach Teheran, wo er einen Monat nach seinem Start am Zürichhorn in Zürich eintraf.

Walter Mittelholzer in Teheran

Bei seiner Reise nach Persien: Auf dem Startplatz in Isfahan vor dem Abflug über den Demawend. Walter Mittelholzer 2. von rechts (Bildquelle ETH-Bibliothek Zürich, Bildarchiv/Stiftung Luftbild Schweiz / Fotograf: Unbekannt / LBS_MH02-02-0155 public domain mark)

Im Dezember 1926 startete er, zusammen mit dem Schweizer Geologen Arnold Heim, dem Schriftsteller René Gouzy und dem Mechaniker Hans Hartmann, mit seiner Maschine vom Typ Merkur der Dornier-Werke in Zürich nach Südafrika. Seine Flugreise führte ihn über Alexandrien in Ägypten und den Victoriasee in Ostafrika. 76 Tage später, am 21. Februar 1927, landete er in Kapstadt in Südafrika. Dabei legte er in zweieinhalb Monaten mit dem auf Schwimmer gesetzten Flugzeug 20’000 Kilometer zurück. Vom 17. Februar bis 6. März 1928 umrundete Mittelholzer in einer Junkers F 13 das westliche Mittelmeer und machte über 100 Luftbilder während der gesamten Flugzeit von etwas mehr als 47 Stunden und Gesamtflugstrecke von 6’370 Kilometern.

Kilimanjaro-Flug Walter Mittelholzer 1929-1930

Während der Reise zum Kilimanjaro von Walter Mittelholzer 1929-1930: Tanken in Mongalla bei 40° Hitze am 3.1.1930 (Bildquelle ETH-Bibliothek Zürich, Bildarchiv/Stiftung Luftbild Schweiz / Fotograf: Mittelholzer, Walter / LBS_M public domain mark)

Am 8. Jänner 1930 überflog er als Erster den Kilimandscharo, Afrikas höchsten Berg (5’895 m ü. A.). Im darauffolgenden Winter flog Mittelholzer abermals nach Afrika, über Marokko und Algerien bis zum Tschadsee. Auf dem Rückflug traf er in der Wüste am Kap Juby die deutsche Pilotin Elly Beinhorn auf ihrem ersten Afrikaflug.

Vom technischen Direktor bei Swissair bis zu seinem Tod in den steirischen Bergen

Bei der 1931 gegründeten Fluggesellschaft Swissair, ein Zusammenschluss von Ad Astra Aero und Balair, wurde Mittelholzer erster technischer Direktor. Noch einmal reiste er 1934 nach Afrika nach Addis Abeba, um Kaiser Haile Selassie (* 1892; † 1975) seine bestellte Fokker Maschine selber zu überbringen. Damals war es noch das Kaiserreich Abessinien, heute Äthiopien. Dies war sein letzter Flug auf langen, unbekannten Routen.

Abessinienflug 1934

Walter Mittelholzer schreibt über seinen Abessinienflug 1934 zu diesem Bild: „Auf dem neuen Flugplatz von Addis Abeba wurden wir in einem eigens errichteten Zelt vom Kaiser Hailé Selassié I., umgeben von den Grossen seines Landes, feierlich empfangen. Der Kaiser selbst sitzt auf einem improvisierten Thronsessel in der Mitte.“ (Bildquelle ETH-Bibliothek Zürich, Bildarchiv/Stiftung Luftbild Schweiz / Fotograf: Mittelholzer, Walter / LBS_M public domain mark)

Weiterhin machte Walter Mittelholzer in Europa und vor allem in der Schweiz Luftbilder. Walter Mittelholzer stürzte am 9. Mai 1937 auf einer Klettertour an der Südwestwand der Stangenwand im Hochschwabgebiet in der Steiermark mit seiner Seilschaft zu Tode, verursacht vermutlich durch Steinschlag.

Walter Mitterholzer im Cockpit

Walter Mittelholzer im Cockpit der Fokker VII b mit Kamera. Bildquelle ETH-Bibliothek Zürich, Bildarchiv/Stiftung Luftbild Schweiz / Fotograf: Unbekannt / LBS_MH02-08-0161 pubic domain.

Seine über 100’000 Aufnahmen aus rund 9’000 Flügen haben heute einen großen historischen Wert. Rund 18’000 Bilder, unter anderem Glasplatten im Format 13 × 18 cm ,befinden sich heute im Bildarchiv der ETH-Bibliothek. Die Bilder und Geschichten seiner langen Auslandflüge hatte Walter Mittelholzer in Büchern veröffentlicht. Zur multimedialen Vermarktung seiner Auslandsflüge gehörten auch Dokumentarfilme, die Mittelholzer als Mitbegründer der Praesens-Film AG produzierte.



Walter Mittelholzer 1930

Walter Mittelholzer vor seinem Zelt im Camp Serengeti, Kilimanjaro-Flug 1929-1930 (Bildquelle ETH-Bibliothek Zürich, Bildarchiv/Stiftung Luftbild Schweiz / Fotograf: Unbekannt / LBS_MH02-07-0470 public domain mark)

Abessinienflug 1934

Abessinienflug 1934: Übergabe von Schild und Degen an Walter Mittelholzer durch den Privatsekretär des Kaisers Haile Selassie I. (Bildquelle ETH-Bibliothek Zürich, Bildarchiv/Stiftung Luftbild Schweiz / Fotograf: Unbekannt / LBS_MH02-22-0789 public domain mark)

Junkers-Spitzbergen-Expedition 1923

Junkers-Spitzbergen-Expedition 1923, eine Aufnahme von Walter Mittelholzer (Bildquelle ETH-Bibliothek Zürich, Bildarchiv / Fotograf: Unbekannt / Ans_05528-075-AL / Public Domain Mark)

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