Ein Blick in die Geschichte der Schweizer Jungfraubahn

Jungfraubahn um 1912

Jungfraubahn auf der Kleinen Scheidegg, Lokomotive He Nr. 3 mit Rowanwagen, im Hintergrund die Jungfrau, Aufnahme um 1912 (ETH-Bibliothek Zürich, Bildarchiv, Fotograf ubekannt, Bildlizenz Public Domain)

23. August 2020. Die Jungfraubahn feierte 2012 ihr 100jähriges Bestehen und transportiert jährlich rund eine Million Menschen in die hochalpine Bergwelt der Schweiz. Die „Salzburger Nachrichten“ brachten in ihrer Ausgabe vom 22. August 2020 einen Beitrag über die Situation auf der Jungfrau im Corona-Jahr. Ich möchte einige historische Notizen und Bilder aus den ersten Jahrzehnten des Betriebs der Bahn zeigen, die aus den digitalisierten Bilddatenbeständen der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich (ETH) stammen.

Jungfraujoch

Das Jungfraujoch 3 457 m ü. a. mit Berghaus, Observatorium (damals noch nicht oben auf dem Berg) und Mönch 4105 m, Postkarte nach 1940 aus dem Besitz von Robert Haefeli. (ETH-Bibliothek Zürich, Bildarchiv, Fotograf unbekannt, Bildlizenz Public Domain)

Von 795 Meter über Adria auf 3 454 m ü. A.

Die Jungfraubahn ist eine elektrische Zahnradbahn in der Schweiz. Sie führt seit August 1912 von der Kleinen Scheidegg durch Eiger und Mönch bis auf das Jungfraujoch mit der höchsten Eisenbahnstation Europas (Tunnelstation, 3454 m) und überwindet auf einer Länge von 9,34 Kilometern fast 1 400 Höhenmeter, davon führen mehr als sieben Kilometer durch einen Tunnel. Um auf das Kleine Scheidegg zu gelangen muss man die Wengernalpbahn benutzen. Sie führt von Lauterbrunnen auf 795 m ü. A. und Wengen über die Kleine Scheidegg nach Grindelwald.

1898-1900: Jungfraubahn, Tunneleingang am Eiger

Kleine Baugeschichte

1869 tauchte der erste Plan auf, die Region von Eiger (3 967 m ü. A.), Mönch (4 107 m ü. A.) und Jungfrau (4 158 m ü. A.) mit einer Bahn zu erschließen. Es folgten verschiedene Vorschläge, doch erst der damals 54-jährigen Großindustrielle und Finanzpolitiker Adolf Guyer-Zeller hatte die entscheidene Idee für die Jungfraubahn. Als er nämlich einen Zug der Wengernalpbahn gegen die Kleine Scheidegg fahren sah, fasste er den Entschluss, von dort aus eine Bahn auf die Jungfrau zu bauen.  Das war im Sommer 1893. Er erhielt die Bewilligung zum Bau der Bahn aber nur unter der Voraussetzung, dass er den Beweis erbringt, dass Arbeiten in derartigen Höhen keine gesundheitlichen Schäden bei den Arbeitern hervorrufen. So organisierte Guyer-Zeller einen „Expedition“ mit sieben Versuchspersonen im Alter von zehn bis 70 Jahren, die von je sechs bis acht Trägern auf das 3 750 m hohe Plateau des Berges gebracht wurden. Die Auswertung der dabei gemachten Beobachtungen waren positiv und dem Bau der Jungfraubahn stand nichts mehr im Wege – bis auf den rund sieben Kilometer langen Tunnel, bei dessen schwierigen Bau bereits kurz nach Baubeginn  ein schweres Unglück einer Dynamitexplosion sechs italienische Arbeiter das Leben kostete. 16 Jahren nach dem Spatenstich am 27. Juli 1896 und dem Opfer von 32 italienischen Bauarbeitern konnte die Bahn am 1. August 1912 ihren Betrieb aufnehmen.

Plan Station Eismeer

Jungfraubahn, Station Eismeer, 3157 m, Situationsplan 1: 200 (ETH-Bibliothek Zürich, Bildarchiv, Bildlizenz CC BY-SA 4.0)

Tunnelstation Eismeer, Berghaus und Observatorium

Spektakulär damals wie heute ist die im Felsen gebaute Tunnelstation Eismeer auf 3 571 m ü. A. mit Blick auf den längsten Gletscher der Alpen, den Aletschgletscher.  Von der Station Jungfraujoch gelangt man zum Berghaus Jungfraujoch, das 1924 eröffnet wurde und das höchstgelegene Restaurant Europas besitzt. Nach einem Brand 1972 wurde es neu erbaut. Dann gibt es das noch weiter oben errichtete Sphinx-Observatorium, eine. Sie ist nach der Felsenkuppe Sphinx benannt, auf deren Spitze es steht und wo man von einer Aussichtsterrasse einen eindrucksvollen Rundblick auf die Bergwelt hat.

Station Jungfraujoch

Station Jungfraujoch, vermutlich Zahnradlok HGe 2/2 Nr. 9 mit Zugskomposition, Aufnahmejahr unbekannt (ETH-Bibliothek Zürich, Bildarchiv, Fotograf unbekannt, Bildlizenz CC BY-SA 4.0)

Was noch erwähnenswert ist

In den 1930er-Jahren begannen zwei Bergführer eine gewaltige Halle aus dem Gletschereis zu schneiden. In Handarbeit, mit Eispickel und Säge, entstand ein 1 000 Quadratmeter großes Labyrinth – der Eispalast. Das 1934 begonnene Werk ist nie vollendet worden. Durch die Ausdünstung der tausenden Besucher muss die Grotte auf minus drei Grad künstlich klimatisiert werden. Die Decken und das Gewölbe der Gänge müssen regelmäßig nachgehauen werden.

Berghaus Jungfraujoch

Berghaus Jungfraujoch, 3 457 m ü. a., großer Speisesaal, Poststempel 15.10.1926 (ETH-Bibliothek Zürich, Bildarchiv, Fotograf unbekannt, Bildlizenz Public Domain)

Auf dem Jungfraujoch liegt auch das höchstgelegene Postbüro Europas mit der eigenen Postleitzahl 3801.

Noch heute kann die Jungfraubahn mit Superlativen aufwarten:
– Die Station Jungfraujoch auf 3 454 m ü. A. ist  höchstgelegene Bahnstation Europas (Top of Europe);
–  Die Station Eigergletscher ist der betrieblicher Mittelpunkt der Jungfraubahn mit der höchstgelegenen Betriebsküche aller Bahnen Europas sowie der Werkstätte Eigergletscher, höchstgelegener Mechanikerausbildungsplatz Europas;

Kleine Scheidegg um 1900

1897-1905: Kleine Scheidegg, Hotel und Jungfrau (ETH-Bibliothek Zürich, Bildarchiv, Fotograf unbekannt, Public Domain)

Weitere Bilder

Eine weitere Auswahl von Bildern habe ich auf meiner Bilderplattform bereitgestellt. Alle Bilder (rund 2 300) aus dem Gebiet von Eiger, Mönch und Jungfrau mit weiteren Bildern von Bahn und deren Einrichtungen kann man auf der Internetseite von ETH anschauen.

Dieses Video zeigt die Region heute https://www.youtube.com/watch?v=8WWGZSQ9hwo

Auf dem Gletscherweg von der Station Eismeer. Datum des Poststempels dieses Bildes 18.8.1912 (Bildquelle ETH-Bibliothek Zürich, Bildarchiv, Fotograf unbekannt, Bildlizenz Public Domain)

Station Eismeer der Jungfraubahn

Station Eismeer der Jungfraubahn. Datum des Poststempels dieser Postkarte 19.8.1912 (Bildquelle ETH-Bibliothek Zürich, Bildarchiv, Fotograf unbekannt, Bildlizenz Public Domain Mark)

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