Stadtwildnis am Donauprallhang – eine grüne Oase in Wien

In der Bildmitte von links nach rechts erstreckt sich die Erdberger Stadtwildnis. In der Mitte sieht man einen der beiden denkmalgeschützten Ziegelmauerteile. Links oben das Schulgebäude. Aufnahme Anfang März 2021

Salzburg | Neumarkt am Wallersee | 17. März 2021 | Raben und Krähen kreisen über einem kleinen Wäldchen oberhalb einer altertümlich wirkenden Ziegelsteinmauer im III. Wiener Gemeindebezirk. Schon auf den ersten Blick sieht man, dass es sich nicht um eine gepflegte Grünanlage handelt. Es sind die letzten Reste einer sogenannten Wiener Stadtwildnis.

Wiener Stadtwildnis im Allgemeinen

In der Erdberger Stadtwildnis

Der Wiener kennt mehrere Stadtwildnisse: Beim Nordbahnhof (www.stadtwildnis.wien), eine verkehrsumtoste bewachsene Schuttlagerfläche zwischen dem Gaudenzdorfer Gürtel, der von Otto Wagner gestalteten Wientalbrücke der Stadtbahn, neben der Rechten Wienzeile und der U4-Station Margaretengürtel (www.geschichtewiki.wien.gv.at/Stadtwildnis) und die Erdberger Stadtwildnis am Donauprallhang (www.wien.info/…/erdberger-stadtwildnis). Von Letzterer, einem Wiener Naturdenkmal, ist hier die Rede.

Bildmitte, die grüne Fläche, ist die Erdberger Stadtwildnis. Bildquelle © OpenStreetMap-Mitwirkende (CC BY-SA 2.0)

Erdberger Stadtwildnis

Seit Jahren gehe ich an diesem kleinen Stück grüner Wildnis auf dem Weg zur U-Bahn-Station „Schlachthausgasse“ vorbei, wenn ich meinen Pkw in der günstigen Erdberger Garage hole oder von dieser komme. Jede Jahreszeit offenbart dabei andere Einblicke. Dieses etwa 300 Meter lange, mehr oder weniger nur 20 Meter breite, rund einen Hektar kleine Wäldchen liegt zwischen der Fachmittelschule und Polytechnische Schule, der Wohnlage ‚Karée St. Marx‘ auf dem Gelände des ehemaligen Schlachthofs und der Hans Bock Sportanlage. Am Rand dieser Sportanlage stehen Reste einer Ziegelmauer hinauf zur Stadtwildnis, die meine Neugierde erweckte.

In der Erdberger Stadtwildnis.

Denkmalgeschützter Linienwall am Donauprallhang

Einer der beiden denkmalgeschützten Mauerreste des Linienwalls, an dem eine Fluchttreppe aus der Turnhalle der Schule hinunter führt. über dem Linienwall befindet sich die Erdberger Stadtwildnis.

Bis ins 18. Jahrhundert umfloss der Donaukanal das Erdberger Mais, das Gebiet nordöstlich der Erdberger Stadtwildnis, in Form einer Schlinge und „prallte“ hier an eine Erhebung, den sogenannten Donauprallhang. Nachdem man den Donaukanal 1726 mit einen Durchstich begradigt hatte, versandete das Erdberger Mais (mais, im Volksmund mas = Jungholz, hier stand bis ins 18. Jahrhundert ein Wald). Bei den heute noch zu sehenden Ziegelmauerresten, die unter Denkmalschutz stehen, handelt es sich um Reste des Linienwalls, einer Verteidigungsanlage. In einer Länge von 13 Kilometer verlief dieser Linienwall vom Donaukanal bei St. Marx bis zur Vorstadt Lichtental. Der Wall wurde 1738 mit Ziegeln aufgemauert (www.geschichtewiki.wien.gv.at/Donauprallhang).

Blick Anfang März 2021 von der Maiselgasse in die Erdberger Stadtwildnis

Stadtwildnis zwischen moderner Architektur und historischer Rinderverkaufshalle

Durch die Stadtwildnis führen Schotter- und Lehmwege, in deren Verlauf man an windschiefen hölzernen, kleinen Unterständen vorbeikommt. Im Sommer, wenn das Laub der Büsche grün und dicht ist, verfolgen unzählige Katzenaugen die in der Stadtwildnis spazieren gehenden Menschen, die ihre Hunde Gassi führen. Über den Köpfen kreisen Raben und Krähen, stets mit lautem „krah krah“ als ob sie ihre Artgenossen über die Ankunft oder den momentanen Aufenthaltsort der Menschen informieren möchten. Einmal traf ich eine Frau, die bei den kleinen Unterständen, wie sich herausstellte Katzenfütterungsplätze, Futter verteilte. Wo sie Futter verteilte, kamen sofort Katzen aus dem Dickicht.

In der Erdberger Stadtwildnis ist man nie unbeobachtet.

Zwischen den Sträuchern und im laublosen Winterhalbjahr blickt man auf der einen Seite von der Stadtwildnis zum futuristisch anmutenden spiralförmig erbauten Gebäude der Zentrale des ÖAMTC. Auf der anderen Seite gibt eine Lücke einen Blick auf die danebenliegende Rinderverkaufshalle frei, deren Außenmauern noch original erhalten sind während sie innen zu Ausstellungshallen umgebaut wurden. Dahinter erhebt sich ein weiterer, St. Marx beherrschender Bau, das ‚T-Center‘, in dem mehrere Telekommunikationsanbieter ihre Büros haben.

Im Vordergrund die historische Fassade der Rinderverkaufshalle, dahinter erhebt sich das Gebäude des „T-Centers“.

Vor etwa einem Jahrzehnt gab es nicht weit von der Erdberger Stadtwildnis an der südlichen Schlachthausgasse eine noch größere Stadtwildnis. Dort entstand ein riesiges Wohnviertel, in dessen Mitte heute der Waisenhauspark noch etwas Grün bietet. Ich hoffe, dass der Erdberger Stadtwildnis nicht dasselbe Schicksal droht. Weitere Bilder gibt es auf meiner Bilderplattform über Wien.

In der Erdberger Stadtwildnis
Die Erdberger Stadtwildnis ist auch ein kleines Katzenparadies.
Blick von der Erdberger Stadtwildnis zum ÖAMTC-Gebäude (links) und dem Gasometer in Simmering.
In der Bildmitte von links nach rechts erstreckt sich die Erdberger Stadtwildnis. In der Mitte sieht man einen der beiden denkmalgeschützten Ziegelmauerteile. Links oben das Schulgebäude. Aufnahme Anfang März 2021

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