2021 am Palmsonntag: Letzte Umstellung auf die Sommerzeit?

Michael Neureiter, Historiker und Groß- und Turmuhrmacher, bei der Umstellung der Turmuhr im Torwarthaus bei Schloss Kleßheim (Bildquelle horologium michael neureiter).

Salzburg | Bad Vigaun | Neumarkt am Wallersee | 27. März 2021 | Die Zeitumstellung bei historischen Turmuhrwerken, ewig falsche Sonnenuhren und vor 101 Jahren begann die Demontage der Sommerzeit in Salzburg, berichtet Michael Neureiter, Historiker und Groß- und Turmuhrmacher.

2021 die letzte Sommerzeitumstellung?

Die heurige Umstellung am Palmsonntag ist die 42. seit 1980. Sie wurde zum dritten Mal nach 1916 und 1945 im Jahr 1979 beschlossen und 1980 erstmals umgesetzt.

Im März 2019 befasste sich das EU-Parlament mit dem Ende der Zeitumstellung: Für die Empfehlung der EU-Kommission votierten 410 Abgeordnete, dagegen stimmten 192. Demnach wäre die heurige Umstellung die letzte! Die EU-Parlamentarier forderten auch eine Koordinierung der EU-Staaten, um ein Zeit-Chaos zu verhindern. Die finale Entscheidung liegt beim EU-Ministerrat und bei den EU-Staaten.

Die österreichische Bundesregierung hat sich damals für eine permanente Sommerzeit ausgesprochen und richtete sich nach der Bevölkerungsmeinung: 66,8 Prozent der Österreicherinnen und Österreicher würden die „ewige Sommerzeit“ begrüßen. Derzeit gilt eine Verordnung der Bundesregierung, die mit dem 31. Oktober 2021 ausläuft. Auf Nachfrage betreffend die künftige Regelung erhielt Michael Neureiter aus dem Bundesministerium für Digitales und Wirtschaftsstandort bisher keine Antwort.

Turmuhr der Kirche in Zellhof in der Marktgemeinde Mattsee, Land Salzburg (Bildquelle horologium michael neureiter)

Die Zeitumstellung bei historischen Turmuhrwerken

„Bei den Uhrwerken in der Stadt Salzburg am Borromäumgebäude in Parsch (1912), der Universitätsaula (1746) im Flachau an der Kirche in Zellhof in Mattsee (ca. 1780) und am Torwarthaus bei Schloss Kleßheim (1732) werde ich die Umstellung am Montag selber durchführen – ich brauche die Werke nur eine Stunde vorlaufen lassen. Es braucht einen Besuch beim Werk und ein Vorstellen von Hand.“ berichtet Turmuhrmacher Michael Neureiter. Die Umstellung sei immer auch eine gute Gelegenheit, das betreffende Werk zu schmieren und den Zustand zu überprüfen, meint Neureiter.

Eine ewig falsche Sonnenuhr im Sommer – hier an der der Pfarrkirche zum hl. Dionysius in Bad Vigaun im Bundesland Salzburg.

Ewig falsche Sonnenuhren?

Eine „ewige Sommerzeit“ hätte unter anderem den Effekt ewig falscher Sonnenuhren. Am Beispiel von Bad Vigaun – die Uhren der Pfarrkirche sind im Bild: Derzeit zeigen die Sonnenuhr aus 1765 und die mechanische Uhr, die nachweislich 1650 von Hans Sauter repariert wurde, die Normalzeit gleich an und differieren ab Sonntag in der Sommerzeit um eine Stunde – die Sonnenuhr ist dann sieben Monate lang hinten.

Vor 101 Jahren: Demontage der Sommerzeit in Salzburg

Am 5. April 1920 begann in Österreich die Sommerzeit, die 1916 mitten im Ersten Weltkrieg eingeführt worden war. Drei Wochen später wurde sie schon vom Landtag demontiert. Es war ein frühes Ausscheren aus der österreichweiten Regelung, die die „Sommerszeit“ vom 5. April bis 13. September 1920 vorsah. Der Salzburger Landtag beschloss am 28. April nach dem Bericht von LHStv. Dr. Franz Rehrl einstimmig wegen des „lebhaftesten Widerspruchs… auch aus allen Kreisen der Bevölkerung“ den Ausstieg mit 1. Mai. In Salzburg dauerte die Sommerzeit 1920 also nur vom 5. April bis zum 1. Mai! Die Begründung im Antrag des christlich-sozialen Abgeordneten Johann Hasenauer, Kooperator in Mittersill: Die Sommerzeit widerspreche „allen republikanischen Anschauungen“ und sei „nur zum Zwecke des Krieges und der Menschenabschlachtung“ 1916 eingeführt worden.

Weiterführende Links:
die Geschichte über das Torwarthaus bei Schloss Kleßheim und seine Uhr
homepage von horologium michael neureiter

Michael Neureiter, Historiker und Groß- und Turmuhrmacher, bei der Umstellung der Turmuhr im Torwarthaus bei Schloss Kleßheim (Bildquelle horologium michael neureiter).

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