Nationalpark Hohe Tauern – ein Bildband

Das Titelbild des Buches zeigt den Stüdlgrad, der von Süden auf den Gipfel des Großglockners verläuft.

21. April 2021 | Der größte Nationalpark der Alpen feiert 2021 Geburtstag – und das gleich vierfach! 50 Jahre Nationalparkerklärung (1971), 40 Jahre Umsetzung in Kärnten (1981), 30 Jahre Umsetzung in Tirol (1991) und den 20. Jahrestag der Anerkennung durch die internationale Weltnaturschutzorganisation IUCN. Aus diesem Anlass hat der Innsbrucker Verlag Tyrolia einen Bildband mit interessanten Beiträgen zu Persönlichkeiten und Themen im Nationalpark herausgebracht.

Die vielen Gesichter des größten Nationalparks der Alpen

Der Anstieg zum Gipfelkreuz auf dem Spielmann ist inzwischen gletscherfrei.

Mit 1 856 Quadratkilometern, verteilt auf die drei Bundesländer Tirol, Salzburg und Kärnten, ist der Nationalpark Hohe Tauern der größte Nationalpark der Alpen. Eine unglaubliche Artenvielfalt mit 15 000 Tier- und 3 500 Pflanzenarten, mehr als 300 Dreitausendern, über 500 Bergseen, 26 große Wasserfälle und rund 170 Quadratkilometer Gletscher machen ihn zu einem landschaftlichen und naturkundlichen Juwel – und zu einem Sehnsuchtsort, für alle, die unberührte Natur schätzen. Die Besucher erwartet eine faszinierende Hochgebirgslandschaft und ein vielfältiges Ökosystem, das bewahrt, aber auch behutsam erforscht, erkundet und gelebt werden will.  

Faszinierende Wildnis und einzigartige Hochgebirgslandschaft

Beim Krimmler Tauernhaus im Krimmler Achental.

Susanne Schaber und Herbert Raffalt folgen in ihrem Buch den Spuren der Tiere und Pflanzen, widmen sich den geologischen und geografischen Besonderheiten und entdecken die Kultur, Traditionen und Lebensweisen in den Tälern zwischen Gipfeln, Graten und Gletschern. In kurzen, unmittelbaren Reportagen portraitiert die Reiseschriftstellerin Schaber etwa die Arbeit der Park-Ranger, die Großglockner Hochalpenstraße oder die Wetterwarte und das Forschungszentrum Sonnblick, taucht ein in das Tauernfenster, das die tektonischen Stockwerke vergangener Jahrmillionen offenlegt oder berichtet von Almwirtschaft und Kulturgeschichte, bevor sie zum Abschluss die schönsten Tipps für Erkundungen in allen drei Bundesländern verrät. Der Bergfotograf Raffalt liefert dazu eindrucksvolle Stimmungsbilder, die erahnen lassen, wie viel es auf diesem ganz besonderen Flecken Natur im Herz der Alpen an Naturschönheiten zu entdecken gibt.

Ein außergewöhnliches Buch, das Persönlichkeiten aus und den Nationalpark eindrucksvoll präsentiert

Die Jagdhausalm, eine der ältesten Almen Tirols, wird auch „tibetisches Dorf“ genannt.

Beim Anblick der Aufnahme der Jagdhausalm im Defreggental fühlt man sich ins tibetische Hochland versetzt, die doppelseitige winterliche Aufnahme des Hohen Sonnblick lässt den Betrachter leicht erschaudern, wenn er daran denkt, dass auf diesen fast 90 Grad steilen Gipfel eine Seilbahn führt. Denn dort oben befindet sich Europas älteste durchgehend besetzte Gipfelwetterwarte und mit knapp unter 3 106 m ü. A. ist es auch das höchst gelegene Observatorium Europas. Das ist der Arbeitsplatz Elke Ludewig, der Leiterin des Observatoriums, den Schaber in ihrem Beitrag beschreibt.

Großglockner Hochalpenstraße Schneeräumung 2017. Die letzten Meter, bevor sich die beiden Räumteams getroffen haben (Pressefoto Neumayr)

Und damit bin ich beim zweiten Teil des spannenden Bildbandes, dem Textteil. In acht von neun Kapiteln stellt Susanne Schaber sprachlich ausgesprochen gut geschrieben, interessante Personen und deren Tätigkeiten im Nationalpark vor. Neben der Meteorologin werden u. a. ein Geologe, ein Bergführer und Bergretter sowie der „Herr über vier charakterstarke, eigenwillige Burschen“, Peter Embacher, Werkstättenleiter bei der Großglockner Hochalpenstraße und seit über 40 Jahren Leiter der alljährlichen Schneeräumung der Straße vorgestellt; mit seinen „vier Burschen“, betagte Wallack-Rotations-Schneefräsen. Herbert Raffelt zeigt in diesem Beitrag u. a. mit einem eindrucksvollen Bild, welche Schneehöhen an dieser hochalpinen Panoramastraße noch im April liegen können und wie sich die „die vier Burschen“ Meter für Meter durch den Schnee fräsen.

Wenn Schaber in ihrem Beitrag über den Nationalpark-Ranger Emanuel Egger schreibt, dass er im Nationalpark wurzelt, dann bestätigt das auch das Bild von ihm, das Raffelt vor dem Hintergrund der Venedigergruppe geschossen hat. Und so setzt es sich im Buch fort: Spannende Geschichten mit viel Information und dazu absolut sehenswerte Bilder. Die gigantische Bergwelt um den Krimmler Tauern türmt sich fast erdrückend über dem Ahrntal auf – das Bild visualisiert sehr eindringlich, welche Strapazen 1947 die mehreren Tausend Juden bei ihrer sogenannten „Krimmler Judenflucht“ auf sich nehmen mussten. Schaber beschreibt sich diese Geschichte näher.

Am Ende des Buches sitzt der Leser „mit langer Zunge“ da und hat nun noch auf gut 50 Seiten „die Qual der Wahl“ in einer Übersicht über Sehenswertes im Nationalpark und vier Mehrtagestouren.

Der Bergrücken, der vom Figerhorn nach Kals hinunterzieht, wird je nach Wolkenstimmung zum mystischen Ort.

Ein außergewöhnliches Buch, das durchaus bekannte Berge und Täler aus anderen Perspektiven zeigt, das über Menschen und ihre Arbeit in dieser einmaligen Bergwelt berichtet, spannend und vielfältig, das sicherlich nicht alles und jeden präsentieren konnte, aber am Ende ein umfassendes Bild des Nationalparks Hohe Tauern beim Leser hinterlässt!

Über die Autoren

Herbert Raffalt, 1964 in Schladming geboren, ist geprüfter Bergführer sowie Fotograf. Die Bilder des mehrfach ausgezeichneten Künstlers sind in zahlreichen Büchern zu sehen. Im Sinne der Nachhaltigkeit bevorzugt er das Abenteuer vor der eigenen Haustür, die heimischen Alpen und besonders die Tauern sind für ihn ein unerschöpfliches Betätigungsfeld.

Susanne Schaber, 1961 in Innsbruck geboren, lebt seit Abschluss ihres Studiums als Reiseschriftstellerin und Literaturkritikerin in Wien. Sie hat mehr als zwanzig Bücher geschrieben, über Island, die Provence und Venedig und über ihre Heimat.

In den alten Stuben des Krimmler Tauernhauses haben sich die Maler aus dem Fassatal verewigt.

Buchdaten

Susanne Schaber/Herbert Raffalt
Nationalpark Hohe Tauern
Naturparadies im Herz der Alpen
192 Seiten, 171 farbige Abbildungen, 24 x 29 cm, gebunden
Tyrolia-Verlag, Innsbruck Wien 2021
ISBN 978-3-7022-3935-0

Das Titelbild des Buches zeigt den Stüdlgrad, der von Süden auf den Gipfel des Großglockners verläuft.

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