Frühling bei Mozarts Grab auf dem St. Marxer Friedhof in Wien

Frühling auf dem St. Marxer Friedhof in Wien

Wien | 05. Mai 2021 | Anfang Mai duftet es nach Flieder, zwischen den Grabreihen hat ein Imker seine Bienenstöcke aufgestellt, unter den alten Grabsteinen, die von Büschen umrankt sind, finden sich Gräber von bekannten Persönlichkeiten. Umgeben von einer Schleife der Südosttangente der Stadtautobahn ist der St. Maxer Friedhof eine grüne Oase im Südosten Wiens, der Hauptstadt von Österreich.

Blick durch das Eingangstor auf die Hauptachse, die leicht ansteigend ist.

Ein bisschen Geschichte

Zwischen 1784 und 1874 gab es auf diesem Friedhof Bestattungen. Viele wurden hier begraben, manche umgebettet von anderen Friedhöfen, aber auch von hier auf andere. Als 1874 der Wiener Zentralfriedhof eröffnet wurde, fiel der St. Marxer Friedhof in einen Dornröschenschlaf und wurde erst durch die Bemühungen von Hans Pemmer wieder wachgeküsst. 1936/1937 wurde der Friedhof instandgesetzt und als ein Friedhof als Parkanlage eröffnet.

Der Grabstein des aus Mattsee im Salzburger Land stammenden Komponisten Anton Diabelli.

Ein Gang durch den heute romantisch mit Sträucher, Bäumen und kleinen Wiesen verwachsenen Friedhof gleicht einem Spaziergang durch die Geschichte:

→ Philipp Johann Graf Cobenzl (* 1741; †  1810), ein Staatsmann und Erbauer des Schlosses Cobenzl  im Wienerwald;
→ Anton Diabelli (* 1781; † 1858), Komponist aus Mattsee im Salzburger Land;  
→ Johann Baptist von Hagenauer (* 1732; † 1810), ein Bildhauer aus der berühmten Salzburger Familie Hagenauer;
→ Der Glasfabrikant Ludwig Lobmeyr (* 1829; 1917) stellte den ersten elektrisch beleuchteten Luster der Welt her. 
→ Alois Negrelli (* 1799; † 1858), Erbauer der Semmeringbahn und Planer des Suez-Kanals. Negrelli starb noch vor dessen Fertigstellung. Der Kanal wurde von Ferdinand Lesseps fertiggebaut, der dann den Ruhm einheimste.
→ Josef Madersperger (* 1768; † 1850), der Erfinder der Nähmaschine hat hier seine letzte Ruhestätte gefunden.
→ Gustav Ignaz Graf Chorinsky (* 1806; † 1873), k. k. Regierungsrat, Staatsbeamter, Kreishauptmann von Salzburg sowie Statthalter von Niederösterreich und Krain.
→ Der als tüchtiger Arzt und als Menschenfreund bekannt gewesene Primararzt im Krankenhaus Rudolfstiftung und Armenrat Dr. Ludwig Kreutzer († 1866) starb im Alter von 57 Jahren an Typhus.

Das ungefähre Grab von Mozart

Und noch ein berühmter Salzburger liegt hier gegraben. Eigentlich wäre er ein berühmter Wiener, denn die überwiegende Zeit seines Schaffens verbrachte der im Hagenauerhaus in der Stadt Salzburg geborene Wolfgang Amadé Mozart ja in Wien.

Sein Grab ist eine etwas komplizierte Geschichte, sein Begräbnis weniger. Nachdem Mozart am 5. Dezember 1791 in seiner Wiener Wohnung verstorben war, wurde am darauffolgenden Tag in seiner Wohnung aufgebahrt. Zur damaligen Zeit war es üblich, dass die Angehörigen und andere Trauergäste bereits im Zuge der Aussegnung vom Verstorbenen Abschied nahmen und den Leichenzug höchstens bis zur Stadtgrenze, nicht aber bis zum Friedhof begleiteten. So endete in den Abendstunden des 6. Dezember der Trauerzug bei Mozarts Überführung bereits beim Stubentor.

Auf dem St. Marxer Friedhof wurde der Sarg vorerst in der Leichenkammer untergebracht, da seit 1753 eine Beerdigungsfrist von 48 Stunden vorgeschrieben war, die zur Rettung etwaiger Scheintoter dienen sollte. Die Beisetzung dürfte somit am 8. Dezember erfolgt sein, in einem Schachtgrab ohne Kreuz oder andere Kennzeichnung.  Als Mozarts Witwe Constanze im Jahr 1808 oder 1809 erstmals das Grab besuchen wollte, konnte der diensthabende Totengräber nur vage Angaben bezüglich der Position der Grabstelle machen. Sein Vorgänger Joseph Rothmayer war erst wenige Monate davor verstorben, anderen Quellen zufolge sprach Constanze noch vor seinem Tod mit Rothmayer, erfuhr aber auch nur, dass die Stelle nicht mehr genau bestimmbar sei.

Die Rückseite des Grabdenkmals von Wolfgang Amadé Mozart.

So kam es dann erst 1855, ein Jahr vor Mozarts hundertstem Geburtstag, dass der Wiener Bürgermeister Johann Kaspar von Seiller den Auftrag gab, die möglichst exakte Position von Mozarts Grab zu finden und zu kennzeichnen. Nicht zuletzt, um den fortwährenden diesbezüglichen Nachfragen ein Ende zu bereiten. Eine amtliche Untersuchung fand jene Stelle, an der sich Mozarts Gebeine laut Protokoll zumindest „mit größter Wahrscheinlichkeit“ befanden, und ließ dort ein Grabdenkmal errichten. Dieses vom Bildhauer Hanns Gasser gestaltete Grabmal wurde am 6. Dezember 1859 enthüllt, aber bereits 1891, anlässlich Mozarts hundertstem Todestag, auf den Zentralfriedhof überführt, wo es seither als Teil des Mozart-Monuments in der Komponisten-Ehrengräbergruppe steht. An der nunmehr erneut schmucklosen und ungekennzeichneten Stelle errichtete der Friedhofswärter Alexander Kugler ein schlichtes Grabmal, das er aus nicht mehr benötigten Teilen anderer Gräber zusammenstellte. Nach kriegsbedingter Zerstörung neu errichtet, Anfang des 21. Jahrhunderts restauriert, steht es heute an einer gut sichtbaren Stelle.

Auch Wiener Originale fanden hier ihre letzte Ruhestätte

Das „Fremden-Blatt“ berichtete in seiner Ausgabe vom 7. August 1867: „Vorgestern Nachmittags fand dos Leichenbegängniß des Regierungsrathes Dr. Pleischl unter zahlreicher Betheiligung statt. Der verstorbene Greis war in gewisser Hinsicht ein Original; so trug derselbe seit dem Jahre 1852, also beinahe volle 15 Jahre, während der kalten und warmen Jahreszeit einen und denselben Rock und einen grauen Hut. Der Leichenzug bewegte sich von der Alservorstadt über die Landstraße auf den St. Marxer Friedhof, und folgten demselben mehr als 50 Equipagen und Fiaker.

Der St. Marxer Friedhof ist jedenfalls einen Besuch wer und man sollte sich dafür Zeit nehmen. Besonders im April und Mai stehen Flieder und andere Sträucher und Wiesenblumen in voller Blüte und geben den Grabmälern neben ihrer Patina auch ein romantisches Flair.

Weblink zu einem Stadtplan, auf die Lage des St. Marxer Friedhofs eingezeichnet ist. Weitere Bilder auf meiner Bilderplattform.

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