Julius von Payer: Alpinist, Polarfahrer und Maler

Gemälde von Julius Payer “Nie zurück“ (Österreichisch-Ungarische Nordpolexpedition). Hier beschwor der Expeditions-Kommandant Karl Weyprecht seine Männer, zu Fuß nach Süden zu gehen und „nie zurück“ zum Schiff. (Quelle wikipedia)

12. Mai 2021 | Julius von Payer (* 1841; † 1915) wurde als Teilnehmer an der Österreich-Ungarischen Nordpolarexpedition 1872 bis 1874 berühmt. Doch war er auch ein bedeutender Erschließer Südtiroler und Trentiner Gebirgszüge und den überwiegenden Teil seines Lebens erfolgreicher Historienmaler. Der Frankfurter Historiker Frank Berger brachte 2015 anlässlich des 100. Todestages von Payer eine ausgesprochen interessante Biografie als Buch im Tyrolia Verlag Innsbruck heraus. Vor Jahrzehnten las ich das Buch „Nie zurück“ über die Österreich-Ungarische Nordpolarexpedition, an der Payer teilgenommen hatte. Dies war der Grund für mich, das vorliegende Buch zu lesen.

Julius von Payern

Titelbild Julius Payer. Die unerforschte Welt der Berge und des Eises. Bergpionier – Polarfahrer – Historienenmaler;

Wer seine Biografie in Kürze nachlesen möchte findet dazu einige Seiten im Internet. Ich möchte mich hier nur auf einleitende Daten beschränken. Julius Payer wurde 1841 im böhmischen Kurort Teplitz-Schönau geboren. Nach seiner militärischen Ausbildung in Krakau und Wien nahm er am 24. Juni 1859 an der Schlacht von Solferino teil. 1866 nahm er auch an der Schlacht von Custozza (Nähe Verona). Payer war in Oberitalien stationiert und unternahm in seinen Urlauben ausgedehnte Bergfahrten in Südtirol und dem Trentino. Durch seine schriftstellerische Begabung wurden seine alpinistischen Beiträge in „Petermanns Geographischen Mitteilungen“ veröffentlicht, einer der führenden deutschen geografischen Magazinen. Über den Herausgeber August Petermann wurde er zur „Zweiten Deutschen Nordpolar-Expedition“ von 1869 bis 1870 eingeladen, 1871 war er nochmals zur Erforschung der Meeresströmungen im Polarmeer unterwegs, bevor er an der seinen späteren Ruhm begründenden „Österreich-Ungarischen Polarexpedition“ von 1872 bis 1874 teilnahm. Doch nach seiner Rückkehr wendete er sich von der Polarforschung ab und der Malerei zu. Er heiratete reich, verließ aber nach 14 Jahren seine Frau und beiden Kinder, um sich ganz der Malerei und Vorträgen widmen zu können. Während der Ehe erblindete er auf einem Auge und schob die Schuld seiner Frau zu. Während der letzten Jahren konnte er dann auch nicht mehr sprechen und sich nur mittels geschriebener Sätze verständigen. Er starb 1915 während einer Kur in Veldes, dem heutigen slowenischen Bled.

Sein bekanntestes Historienbild trägt den Titel „Nie zurück“ und zeigt Carl Weyprecht, den Kommandanten des Expeditionsschiffes „Admiral Tegettoff“ der Österreichisch-Ungarischen Expedition, wie er seine Mannschaft beschwor weiter nach Süden zu wandern und eben „nie zurück“ zum aufgegebenen Expeditionsschiff. Das Bild mit den Maßen 324 cm x 459 cm wurde von Payer 1892 fertiggestellt und befindet sich heute im Heeresgeschichtlichen Museum Wien.

Umfassendes Portrait einer stets nur als Polarforscher dargestellten Persönlichkeit

Der österreichische Alpenverein schrieb 2015 nach dem Erscheinen dieses Buches „… über den kühnen Bergsteiger, der auch als Nordpolfahrer und als Maler Berühmtheit erlangte…“ Dieser Satz bringt das Leben auf den Punkt und zeigt auf, dass Payer „nicht nur Nordpolfahrer“ war. Liest man dieses spannende Buch, so erfährt man, dass er zwischen 1864 und 1868 als Kartograf und Erschließer der Adamello- und der Presanella-Alpen sowie des Ortlergebiets mit über 70 Gipfelbesteigungen, darunter 38 Erstbesteigungen, einer der bedeutendsten Alpinisten in Südtirol und im Trentino war. Von 1876 bis zu seinem Tod, 1915, widmete er sich aber dann der Malerei. Nur wenige Jahre, nämlich von 1869 bis 1874 war er drei Mal bei Expeditionen im Nordmeer dabei. Mit der „Österreich-Ungarischen Nordpolarexpedition“ von 1872 bis 1874, bei der das Franz-Josefs-Land entdeckt und erforscht wurde, erlangte Payer internationale Bekanntheit. Die Eindrücke, die er bei dieser Expedition sammelte, flossen in seine monumentalen Historienbilder ein, die ihm zu weiterem Ruhm verhalfen. Er selbst wendete sich dann schon bald von der Polarforschung ab. Er soll sogar später einmal gesagt haben, als man ihm einen Bericht einer Expedition zeigte, dass ihn dies nicht mehr interessierte.

Die Ortler Nordwand, eine Zeichnung von Julius von Payer 1865 (Quelle wikipedia)

Rund 50 Seiten über seine alpinistischen Erfolge, rund 80 Seiten über seine Nordpolarreisen und rund 120 Seiten über sein Leben als Maler, seine Ehe, aus der er Hals über Kopf ausbrach und seine letzten Lebensjahre, auf einem Auge blind und letztlich auch der Verlust der Sprache, beschreiben die Schwerpunkte seines Lebens. Berger erläutert in einem eigenen kurzen Kapitel, welcher Quellen und Hinweise er sich bediente, um dieses hervorragend recherchierte Buch zu schreiben. Zwei Seiten Erklärungen über im Buch abgekürzte zitierte Literatur, 1 ½ Seiten Literaturhinweise über Payer, ein Verzeichnis an Danksagungen und eine ganze Seite detailliertes Abbildungsverzeichnis untermauern diese durchaus wissenschaftliche Arbeit.

Julius Payer: „Bärenjagd auf Franz-Josef-Land“ (Quelle wikipedia)
Titelblatt Illustrirtes Wiener Extrablatt, 25. September 1874: links Julius von Payern und rechts Carl Weyprecht.

Der Autor schildert alle Ereignisse so ausführlich wie sie noch gut lesbar und so kurz wie zum Verständnis notwendig sind. Und genau dieser Stil macht dieses Buch so interessant und lesenswert. Er räumt auch mit der Vorstellung auf, dass Julius Payer nur ein Held war. Mit seinem sofortigen Ausschneiden aus dem österreichischen Militär, dem er seit 1857 angehörte, nach Rückkehr der Österreich-Ungarischen Expedition 1874 wollte er einem drohenden Militärverfahren wegen unehrenhaftem Verhalten während der Expedition zuvorkommen. Wer am Scheitern seiner Ehe schuld war lässt sich nicht eindeutig sagen. Bei den arktischen Unternehmungen fiel den Offizierskollegen seine schwer erträgliche Arroganz auf. Nach seiner Reise zum Franz-Josef-Land stritt er mit dem Kommandanten des Expeditionsschiffs und der Expedition, Carl Weyprecht, darüber, wem der Erfolg gebührt. Mit jenem Mann, der ihn als Journalist seiner alpinistischen Beiträge früh förderte und für die Nordpolarreisen vorschlug, brach er im Streit. Seine Frau, die er des Geldes wegen heiratete, warf er vor, sie wäre schuld gewesen am Verlust seines Auges und ließe ihn nicht Herr im Haus sein. Im Alter haderte er über den Undank Österreichs.

Das Buch schildert aber nicht nur Fakten, sondern bringt auch Brief- und Zeitungsartikelauszüge, zahlreiche Abbildungen, darunter Portraits, Zeichnungen und Gemälde aus der Berg- und Polarwelt, historische Dokumente u. a. Es gibt einen umfassenden Einblick in das interessante Leben dieses Bergpioniers, Polarfahrers und Historienmalers.

Daten zum Buch

Julius Payer
Die unerforschte Welt der Berge und des Eises
Bergpionier – Polarfahrer – Historienmaler
Frank Berger
2015 erschienen im Tyrolia Verlag Innsbruck
268 Seiten
48 farbige und 43 Schwarzweiß-Abbildungen
233 mm x 159 mm
ISBN 978-3-7022-3441-6

Auf der homepage des Verlags gibt es einen 26seitige Leseauszug mit Bildern.

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