Burg und Höhle des slowenischen „Robin Hood“: die Predjamski Grad

In der 123 Meter hohen senkrechten Felsenwand thront ein über 800 Jahre altes uneinnehmbares mittelalterliches Wunder. Die größte Höhlenburg der Welt. Bild und Text © 2021 Bernhard Graessl

12. November 2021 | Wie ein Wächter des dahinter und darunterliegenden unterirdischen Höhlensystems duckt sich „die Burg vor der Höhle“, so die Übersetzung von „Predjamski Grad“, unter einer 123 Meter hohen Felswand. Der Kärntner Bernhard Graessl aus Heiligenblut besuchte Burg und Höhle. Seine Bilder und Bildtexte stellte er mir für diesen Artikel zur Verfügung.

Höhlen, Sickersee und eine Raubritterburg

Hinter der größten Höhlenburg der Welt befindet sich ein Geflecht von geheimen Gängen, von denen aus sich der Ritter Erasmus von Predjama auf seine Raubüberfälle begab. Hier Blick aus der Erasmushöhle hinunter zu den Dächern der Burg und auf das Dorf. Bild und Text © 2021 Bernhard Graessl

Fährt man von Österreich kommend durch Slowenien an dessen Hauptstadt Ljubljana (Laibach) vorbei weiter südwärts erscheint nach etwas mehr als 40 Kilometer das Ausfahrtschild „Postojnska jama“ – Adelsberger Grotte. Sie zählt mit ihrer Länge von rund 24 Kilometern zur den größten Höhlensystemen der Welt. Diese weltberühmte Höhle ist nur eine von etwa 6 000 Höhlen im Karst, der sich von hier nach Westen bis ins italienische Friaul-Julisch Venetien und nach Süden über die gesamte Halbinsel Istrien erstreckt. Doch sie ist nicht einmal die Spektakulärste! Diese ist nämlich das weniger bekannte Höhlensystem „Škocjanske jama“, die Höhlen von St. Kanzian, das etwa 35 Kilometer südlich von Postojna liegt und UNESCO Weltnaturerbe ist. Und die „Postojnska jama“ ist auch nicht Sloweniens größte Wasserhöhle. Das ist „Planiska jama“, zehn Kilometer nordöstlich von Postojna. Nicht genug des „Höhlen-Größenwahns“ in diesem Gebiet – auch einen See gibt es hier, der sich in Nichts auflöst und doch plötzlich wieder da ist: Der See „Cerkniško jezero“, der Zirknitzer See, zehn Kilometer östlich von Postojna. Er ist der größte Sickersee der Erde. Der See ist ein periodisches Gewässer, das nach längeren Regenfällen im geflutetem Karstbecken eine Fläche von 26 km² bis 38 km² aufweist und dann versickert das Wasser wieder im karstigen Untergrund. Zum Abschluss noch eine Höhle mit den meisten unterirdischen Seen in Slowenien: „Križna jama“, die Kreuzberghöhle, 28 Kilometer östlich von Postojna. Dort speist ein Fluss 22 unterirdische Seen, die sich auf einer Länge von acht Kilometer aufreihen und mit Schlauchbooten befahren werden können.

Und noch eine Sehenswürdigkeit befindet sich im Karstgebiet um Postojana:

Einst geheimer Versorgungs- und Fluchttunnel der Höhlenburg Predjama, beheimatet die Höhle unter der Burg heute einen sicheren Rückzugsort für Fledermäuse. Bild und Text © 2021 Bernhard Graessl
Blick in eines der Gemächer © 2021 Bernhard Graessl

Predjamski Grad, „die Burg vor der Höhle“ von „Robin Hood“

Fährt man an der Adelsberger Grotte vorbei noch etwa elf Kilometer weiter nach Nordwesten, gelangt man zur „Predjamski Grad“. Die Burg war ursprünglich ein Lehen des Patriarachen von Aquileia (rund 80 Kilometer westlich in Friaul-Julisch Venetien), kam aber im 14. Jahrhundert in habsburgischen Besitz. Aber berühmt wurden Burg und dahinterliegende Höhle erst in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts unter dem Raubritter Erasmus Lueger. Er plünderte vorbeikommende Kaufleute und deren Karawanen. Nicht, dass er selbst ein gieriger Mensch gewesen wäre, nein, den Großteil der Beute verteilte er unter Besitzlosen und Armen. Seine „Robin-Hood“-Tätigkeit nahm derartige Ausmaße an, dass der Handel zwischen Laibach und Triest, dem habsburgischen Hafen an der Adria, schwer darunter litt. Das Maß war voll als Erasmus einen Angehörigen des lokalen habsburgischen Regenten umbrachte. Daraufhin belagerte Baron Rauber, der Stadthalter von Triest, die Raubritterburg ein Jahr lang. Erfolglos. Wenn da nicht …

… ja, wenn da nicht der Raubritter wie alle Menschen immer wieder ein „Geschäft“ hätte tätigen müssen, das „selbst der türkische Sultan nicht durch seinen Gesandten erledigen kann“. Und prompt verriet ein bestechlicher Diener diesen Ort den Belagerern, die Erasmus Lueger dort dann töteten.

Noch ein Wort dazu, warum Erasmus die Belagerung so lange ausgehalten hatte. Hinter der Burg beginnt ein ausgedehntes Höhlensystem, durch das von Freunden immer wieder Lebensmittel geliefert wurden. Heute wird der Eingangsbereich Erasmushöhle genannt, in dem sich der „geheime“ Erasmusgang befindet. Und unter der Burg versteckt sich ein vierstöckiges Höhlensystem, das durch den unterirdischen Karstfluss Lovka entstand, der 13,5 Kilometer entfernt in den Fluss Vipava und dieser in die Adria mündet.

In der Höhlenburg Predjama können sie neben den Räumlichkeiten auch eine Ausstellung von Waffen und Gegenständen aus dem Mittelalter besichtigen. Bild und Text © 2021 Bernhard Graessl

Heute geht es nicht mehr so grausam, wie Bernhard Graessl bei seinem Besuch selbst feststellen konnte. Man kann Burg und Höhle allein besichtigen oder aber an einer Führung teilnehmen. Etwa 40 Minuten, je nach „Intensität des Schauens“, benötigt man für einen Rundgang, bei dem es bis zu 10 °C kühl werden kann.

Weitere Informationen über„Predjamski Grad“  im Internet www.kroati.de/slowenien-infos/hoehlenburg-predjama.html

Alle Bilder von Bernhard Graessl peterkrackowizer.zenfolio.com/p16434895

Die imposante Burg diente als Drehort für zahlreiche Dokumentationen, Serien und Spielfilme. Hier sieht man den Fotografen Bernhard Graessl.
© 2021 Olga Graessl


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