Mit dem Rad von Rom nach Sorrent im Golf von Neapel

22, Oktober 2021 Der Weltuntergang stinkt nach faulen Eiern. Romantische Grüße mit Schwefeldämpfen von den Phlegmatischen – äh nein phlegräischen Feldern bei Neapel. © 2021 Gerald Lehner

Italien | Salzburg | 14. November 2021 | Der Salzburger Journalist und Pilot Gerald Lehner fuhr vom 16. bis 28. Oktober 2021 mit dem Rennrad von Rom die Küste entlang über Neapel nach Sorrent. Was er dabei erlebte, zeigt er hier in Bildern und seine Facebook-Postings durfte ich im Original übernehmen (danke Gerald). Sie standen bei den einzelnen Postings und können bei allen Bildern, die ich → unter diesem Link aufbereitet habe, nachgelesen werden. In diesem Artikel werden nur einige davon auszugsweise gezeigt.

Samstag, 16. Oktober 2021

17. Oktober 2021, Gepäck für die Reise. © 2021 Gerald Lehner

Abends verlässt Gerald Lehner Salzburg mit dem Zug vom Hauptbahnhof. Dabei hat er eine kleine Reisetasche und sein Rennrad, wie praktisch, ebenfalls zerlegt in einer tragbaren Tasche. Nun folgt sein erstes Posting: mit dem nachtzug und rennrad heute nach roma-termini 🚀 … then with bicicletta heading south via napoli, amalfi … messina …

Sonntag, 17. Oktober 2021

Oktober, ein erster Cappuccino nach Ankunft am Bahnhof Roma Termini. © 2021 Gerald Lehner

arriva roma termini – mit dem nachtzug von salzburg, erster cappuccino gleich am bahnhof …

Giro di Roma (Rundfahrt durch Rom)

meine vorläufige, unerwartet edle bleibe im zentrum von rom, die casa san guiseppe des französischen josefsordens von cluny. mit palmengarten und aussicht vom zimmer auf antike ruinen bis zum kolosseum gleich ums eck. so, und jetzt bau ich mein rennrad zusammen für den ersten giro di roma = erste stadtrundfahrt …

Salve from Forum Romanum

Von hier ausgehend haben sie auch unser keltisches Königreich Noricum mit Krieg, Zivilisation, Kultur, Unterdrückung und vielen Annehmlichkeiten und der weltersten Rechtskunde überzogen … und mit Thermen. Außerdem wurde die 30-jährige Oma oder die spätestens beim zehnten Kind an Infektionen verstorbene Hausmutter nicht mehr unter dem Küchenboden begraben, wie auf dem Halleiner Dürrnberg vielfach nachgewiesen.

Auflauf im Auditorium Conciliazione   

Auflauf im Auditorium Conciliazione
erwischt :-)) grad filmpremiere in rom mit JOHNNY DEPP live. © 2021 Gerald Lehner

erwischt :-)) grad filmpremiere in rom mit JOHNNY DEPP live … er leiht seine stimme dem animierten helden johnny puff… depp und puff, was für eine grandiose paarung… beim vatikan hinter der engelsburg.

Stadtgefahren

schon vor 2.000 jahren mussten sich politiker wie augustus, dessen volkszählung wir das weihnachtskripperl verdanken, von oben bis unten anscheißen lassen. aber auch der moderne radfahrer kämpft mit gravierenden problemen: heute wäre ich beim kolosseum im dichten stadtverkehr fast auf einen bus aufgefahren: wegen des blicks auf die wirklich atemberaubende strumpfmode der stolzen und schönen römerinnen, die du im sommer bei plus 40 grad nie siehst … hoffe, das erreicht einmal unsere breiten.

17. Okotber Abendessen © 2021 Gerald Lehner

In nomini patri  

päpstlich ratifiziertes abendmahl in rom für radlfahrer – und ja, der kas is von den legendären wasserbüffeln in latium… mozzarella di bufala – der echte kos mid insan pinzga kas von der feinen eigenheit her guat aufnemma, by the way …

Montag, 18. Oktober 2021

Das Beweisbild der „zusammengestückelten Säulen“. © 2021 Gerald Lehner

buon giorno aus roma. rechts oben mein zimmer in der casa san giuseppe. mit blick zum kolosseum und zum domus aurea, der residenz von kaiser nero, oder dem, was davon übrig ist. jetzt auf zum forum romanum! werde heute ein wenig für euch herumgraben. klappspaten schon auf dem rucksack …


Neuste Forschung – revolutionäre Fotos

Heute ist mir als Experte beim Forum Romanum endlich klar geworden, was wir hier in Wirklichkeit sehen: Keine Ruinen, sondern den vergeblichen Bauversuch. Die Römer bestellten sich bei einem griechischen Fertigteilhersteller eine Hauptstadt, waren aber dann völlig unfähig, die Teile zusammenzusetzen. Heute sind mir dazu als Nachweis diese revolutionären Fotos gelungen. Erstmals ist ganz genau erkennbar, dass sie selbst die einfachsten Säulen mit Metallringen zusammenstückeln mussten. Sie ließen den Krempel einfach liegen und stehen und widmeten sich weiter ihren Orgien mit den Schönheiten aus Nubien, Germanien und dem keltischen Königreich Noricum. Die spinnen, die Römer.

Beratungsgespräch

Oktober 2021, Rom: Beratungsgespräch © 2021 Gerald Lehner

Beratungsgespräch für zwei junge Römer, vermutlich klassisch katholische Ehevorbereitung durch Schwester Monica. Im idyllischen Garten vor der uralten Chiesa di San Sebastiano auf dem Palatin – neben dem Kapitol einer der Haupthügel im Zentrum des antiken Rom über dem Forum Romanum. Hier hatte auch Augustus seinen Palast. Ich habe die Drei gefragt als Radlfahrer, ob ich draufdrücken darf … sehr nett, die Sr. Monica, und sie weiß sicher wovon sie redet – is ja mim Messias verheirat … und der ist als Menschensohn sicher auch nicht immer der einfachste Typ.

am ausgang des kolosseums … endlich feierabend! © 2021 Gerald Lehner

Colosseum

Ganz schön was los heute beim Russell Crowe in der Arbeit …

Roma red & white moons

hab grad chet baker dazu in den ohren: how deep is the ocean, how high is the sky?

so! auch den heutigen gladiatorenkampf überstanden. am ausgang des kolosseums in roma warten schon meine schlachtenbummler und groupies. endlich feierabend!

Dienstag, 19. Oktober 2021

Ruins of Ostia Antica 

19. Oktober 2021 Ruins of Ostia Antica © 2021 Gerald Lehner

heute nach dem start am morgen in downtown roma dann nach 30 kilometern am vormittag der erste wegpunkt: noch rein westlicher kurs ans tyrrhenische meer zu den ruinen der antiken hafenstadt ostia, des lange wichtigsten seehafens des imperiums. hier wurde der aus afrika verfrachtete weizen für das brot der millionen plebejer in der stadt umgeschlagen. heute alle anlagen und reste längst verlandet. von hier jetzt strammer süd- bzw. südostkurs an der küste … schön warm hier, kannst halbnackt fahren … bissel baden bei den pausen …

Pontinische Inseln

Wegen dieser Insel am Horizont habe ich mich heute zum Gespött einer charmanten Horde von lustigen Latinerinnen gemacht. Auf der Durchreise am Tyrrhenischen Meer in Anzio – wo einst der sozial hoch intelligente Kaiser Nero geboren wurde- wollte ich von den anmutigen Damen wissen, ob das schon Capri ist da am Horizont? Wildes Gelächter. Und dann wollten sie hören, wo ich mit dem Radl hinfahre. Südafrika wollten sie mir nicht mehr glauben …

Mittwoch, 20. Oktober, 2021

20. Oktober 2021: Wuzler Extrem © 2021 Gerald Lehner

Wuzler Extrem  

länderspiel zwischen teams von ostia und anzio vor einem pub in latium. schon ewig nicht mehr solche begeisterung gesehen. die mander haben mir nebenbei sogar auf mein radl aufgepasst, während ich im supermarkt daneben was zum rasieren gekauft habe … edi finger senior in cordoba? ein lercherlschas!

Mittagspause am Tyrrhenischen Meer © 2021 Gerald Lehner

Mittagspause am Tyrrhenischen Meer

il mare in tavola, heißt dieser laden. hier essen nur hafenarbeiter, fischer, einheimische und als einziger fremder ein radlfahrer aus österreich – auf dem weg von rom nach napoli, pompeji, vesuvio und amalfi … keiner versteht englisch, kann es ihnen nicht wirklich vermitteln, wie sehr mir der laden gefällt, wie gut das essen ist. zwei vorspeisen mit kalamari und ein feinstes hauptfischerl …

Captain trifft Flottenchef?  

Heute kam ich am großen Seehafen Gaeta am Tyrrhenischen Meer mit dem Radl vorbei – southbound to Napoli, Pompeji, Vesuvio und Amalfi. Nachdem ich auch ein Captain bin, wollte ich hier gleich den Kapitän der USS Mount Whitney besuchen. Das Flaggschiff der 6. U.S. Flotte ist seit 1967 in Gaeta fix stationiert, seit 2005 ist die Mount Whitney in dieser Funktion. Sie trägt von allen Schiffen der Navy heute die komplexeste Eletronik für das Gesamtkommando. Bewaffnet ist sie selbst vergleichsweise schlecht. Leider fiel mein Kapitänsbesuch heute aus, weil die Marines am Kontrollpunkt beim Pier die Schrift auf meinem Bergrettungsausweis nicht entziffern konnten. So musste ich als vagabundierender Captain weiterziehen … schneuz.

Der Mount Whitney (in der Sprache der Paiute Tumanguya) ist mit 4.421 Meter in der Sierra Kaliforniens der höchste Berg der USA außerhalb Alaskas.

© 2021 Gerald Lehner

Die USS Mount Whitney (LCC-20) ist Kommandoschiff für amphibische Kriegsführung der United States Navy und das zweite Schiff der Blue-Ridge-Klasse. Sie ist seit 1971 im Dienst, seit 2004 gehört das Schiff zum Military Sealift Command. Gebaut wurde sie in Newport, Virginia. Vor Gaeta war sie lange stationiert in Norfolk, Virginia.

Erste Fahrten 1971 führten sie in die Nordsee, 1973 war sie während des Jom-Kippur-Krieges im Mittelmeer. In den siebziger und achtziger Jahren nahm das Schiff an mehreren Rettungsmissionen und Suchaktionen im Atlantik teil. 1989 war sie das Gastgeberschiff während des ersten Besuchs einer sowjetischen Delegation in Norfolk.

1994 war sie Flaggschiff während der Operation Uphold Democracy vor Haiti. 1999 löste sie die La Salle als Kommandoschiff der 6. US-Flotte im Mittelmeer ab und wurde in Gaeta stationiert. Die Mount Whitney war während des Kosovokrieges sowie der Operation Iraqi Freedom ein zentrales Element der Kommandostruktur der US-Streitkräfte.

2004 übernahm das Military Sealift Command offiziell das Kommando über das Schiff, die vorher rein militärische Besatzung wurde drastisch verkleinert und zum Teil durch zivile Angestellte des MSC ersetzt. Im Februar 2005 löste sie die La Salle endgültig von ihrer Aufgabe als Flaggschiff der 6. Flotte im Mittelmeer ab.

Nach Ende des russisch-georgischen Krieges im Südkaukasus im August 2008 wurde die Mount Whitney Anfang September 2008 ins Schwarze Meer entsandt, um humanitäre Hilfslieferungen nach Georgien zu bringen. Die erste derartige Lieferung, die nach Poti ging, wurde von Russland äußerst kritisch aufgenommen.

Ab März 2011 fuhr sie während des Bürgerkrieges in Libyen vor der Küste des nordafrikanischen Landes.

Im Februar 2014 wurde sie   mit der Ramage ins Schwarze Meer verlegt, um während der Olympischen Winterspiele 2014 in Sotschi insgesamt 600 Marineinfanteristen bereitzuhalten.

Sie diente auch als Kommandoschiff 2018 beim NATO-Großmanöver „Trident Juncture 18“ vor der Küste von Norwegen und 2019 beim Manöver BALTOPS 2019 vor Schleswig-Holstein.

Donnerstag, 21. Oktober 2021

Zweiter Frühling im Herbst

Dem Radler fallen hier nun die vielen frischen Blumen am Straßenrand auf. Im südlichen Italien gönnt sich die Natur nach der normalen Hitzewalze im Sommer den zweiten Frühling im Herbst. Tagsüber ist die Sonne noch so stark, dass sie die Luft ausreichend zur Aufnahme von viel Feuchtigkeit erwärmt. Die Nächte sind schon recht kühl, die Folge ist viel Morgentau. Es kondensiert schön aus und bringt auch an Stellen frische Blumen hervor, die im Sommer keine Chance hätten. Im August hatte ich auf den letzten Tagesetappen bis Assisi und Rom mehrfach 40 Grad Celsius, jetzt tagsüber 20. In der Sonnenstrahlung an den Beaches lässt sich das auch oben ohne fahren. Kurze Hose sowieso. Die italienischen Radler sind aber fast alle schon wie für den tiefsten Winter sturmfest angezogen …

© 2021 Gerald Lehner

Mit dem Radl durch die nördlichen Vorstädte der urbanen Riesin Neapel zu fahren, das katapultiert mich weit zurück zu meinen Reportagen aus Westafrika, nach Ghana und Ouagadougou, Burkina Faso. Sehr viele junge Männer ohne Arbeit auf der Straße, wenige Frauen, schwarze und weiße außerhalb von Autos fast nur als Prostituierte zu sehen – auch schon vormittags. Bei kurzem Rot an der Ampel bekomme ich Dienste angeboten und Drogen. Auch die Armut der weißen Italiener in Kampanien steht urplötzlich in scharfem Kontrast zur reichen Region Latium – nur 50 Kilometer im Norden. Extreme Schlaglöcher, die fürs Rennradl sehr gefährlich sind. Hoffe, dass downtown Napoli bissel romantischer ist im Sinn von Volare und Dean Martin … freu mich auf den Vesuv, Pompeji, Amalfi und Sorrento …

Golf von Neapel

ein Bier für den Radlspinner © 2021 Gerald Lehner

nach schwieriger Etappe mit Starkregen zwischendurch, extrem steife Brise von Südwest … jetzt ein Birra alla spina, ein Bier für den Radlspinner an der Nobelpromenade von Pozzuoli …

Castel Volturno Massaker

Gut, dass man bestimmte Dinge erst nachher erfährt. Gerade hat mir mein Zimmerwirt in Neapel erzählt, dass ich heute mit dem Radl ca. 20 Kilometer durch eine Gegend an der Küste gefahren bin, die von Italiens Behörden mittlerweile aufgegeben sei. Um Castel Volturno sei Mafia aus Nigeria am Werk, die hier schwarze Migrantinnen nach der Überfahrt übers Mittelmeer und der folgenden Anreise von Sizilien her auf ganz Europa verteile für den Mädchenhandel. Mittlerweile offenbar mit Duldung und kommerzieller Beteiligung kampanischer Clans. An meiner heutigen Morgenroute gab es auch schon Vorgänge mit einheimischen Spezialisten. Gut, dass ich das erst jetzt lese:

21. Oktober 2021: Blick aus dem Fenster des Radlers heutigen Nachtlager © 2021 Gerald Lehner

Das Castel Volturno Massaker, Strage di San Gennaro oder auch Strage di Castelvolturno, ist der von der italienischen Presse gegebene Name des Massakers durch den Casalesi Clan, bei dem am 18. September 2008 sieben Menschen vor einem Laden in Castel Volturno in Kampanien ums Leben kamen. Das Massaker war Teil eines wachsenden Konflikts zwischen der Camorra und einer immigrierten afrikanischen Mädchenhändler- und Drogenbande. Deren Leute wurden offenbar nach dem Zufallsprinzip ermordet. Sechs italienische Männer, die im Auftrag von Giuseppe Setola – einem Angehörigen des Casalesi Clans – gehandelt haben sollen, werden als Täter vermutet.

Im Jahr 2011 verurteilte ein Gericht in Santa Maria Capua Vetere den Auftraggeber Giuseppe Setola sowie drei Täter zu lebenslanger und einen weiteren Komplizen zu 23 Jahren Haft.

Des Radlers heutiges Nachtlager

direkt am Golf von Napoli. Beste Lage zum Nichtsaison-Tarif und günstiger als jeder Campingplatz …

22. Oktober 2021: radlfahrer-mittagessen in napoli-pozzuoli am fuß der phlegmatischen äh – nein, phlegräischen felder… © 2021 Gerald Lehner
21. Oktober: Oktober 2021 Golf von Neapel
nach schwieriger Etappe mit Starkregen zwischendurch, extrem steife Brise von Südwest …
© 2021 Gerald Lehner

Freitag, 22. Oktober 2021

radlfahrer-mittagessen in napoli-pozzuoli am fuß der phlegmatischen äh – nein, phlegräischen felder…

Der Weltuntergang stinkt nach faulen Eiern

Romantische Grüße mit Schwefeldämpfen von den Phlegmatischen – äh nein phlegräischen Feldern  bei Neapel. Einem der 20 Supervulkane weltweit, dessen Solfatera hier ganz harmlos ausschaut. Unterirdisch bis in 20 Kilometer Tiefe lauert unter dem ganzen Golf von Neapel auch unter dem Meer eine Kraftmaschine, die viele Kubikkilometer Material über weite Erdteile verstreuen und jahrelange Winter ohne Sonnenstrahlung auslösen könnte. Wie die Supervulkane in Indonesien und Neuseeland.

Blick in die Phlegräischen Felder. © 2021 Gerald Lehner

Die stärkste bekannte Eruption in den Phlegräischen Feldern („Kampanischer Ignimbrit“) wird derzeit auf ein Alter von etwa 39.280 Jahren geschätzt. Bei dieser supermassiven Eruption wurden ca. 430 bis 680 Kubikkilometer Tephra und Ignimbrit ausgestoßen, deutlich mehr als beim Ausbruch des Tambora im Jahre 1815. Die angegebenen Mengen ergeben eine Stärke von 7 auf dem Vulkanexplosivitätsindex (VEI).

Eine neue Studie fand Hinweise für einen bisher unbekannten Ausbruch vor etwa 29.000 Jahren, dessen Ablagerungen in einem Gebiet von etwa 150.000 Quadratkilometern gefunden wurden.

Bei einem weiteren Großausbruch vor 15.000 Jahren wurden 40 Kubikkilometer Material ausgestoßen und 1000 Quadratkilometer Bodenfläche zerstört.Der letzte größere Ausbruch fand im Jahr 1538 statt. Er dauerte acht Tage, und aus dem ausgeworfenen Material entstand ein neuer Berg – der Monte Nuovo – und der angrenzende Lago d’Averno (Averner See; ein mit Wasser gefüllter Vulkankrater) wurde vom Meer abgeschnitten.

Im Jahr 2012 wurden verstärkte unterirdische Aktivitäten gemessen. Der Zivilschutz erhöhte daraufhin die Warnstufe.

23. Oktober: Besuch in Pompeji am Fuße des Vesuvs. © 2021 Gerald Lehner

Arrival in Pompeji today (heute Ankunft in Pompeji)

Nach dem Meeresblickzimmer in der ersten Altbau-Reihe am Golf von Neapel nun auch in Pompeji das zentrale Zimmer im ersten Hotel am Platze zum unfassbaren Herbsttarif … die Basilika ist aber nicht mehr von den Römern Gottseidank, sonst wären noch mehr vom Vesuv gebraten worden. Schön isses hier! Hunger …

In einem Haus in Pompeji. © 2021 Gerald Lehner

Samstag, 23. Oktober 2021

Gruß aus Pompeji. Hier spürst du zum ersten Mal, dass die Römer richtige Menschen waren. Nicht nur 20 Zentimeter hohe Gartenzwerge, die in ihrer Kriegsgeilheit wie Mikroben oder Hobbits auf heruntergekommenen Grundmauern hausten. Hinten seht ihr den Vesuv, der auch alles andere als klimafreundlich arbeitet once in a while. Oder ca. alle zweitausend Jahre. Er könnte bald wieder erwachen … sagen Geologen.

Heute neu entdeckte Fresken

bei meinem Radlfahrerbesuch in Pompeji ist mir heute wieder eine kulturgeschichtliche Sensation gelungen: Habe im Haus des Antonius Violonchellus diese Steintafeln mit zeitgenössischen Motiven der Freizeitgestaltung aus der meterhohen Vulkanasche ausgegraben. Sie dienten im römischen Reich auch als Briefmarken …

Heute neu entdeckte Fresken © 2021 Gerald Lehner

Hier spürst du zum ersten Mal, dass die Römer richtige Menschen waren. Nicht nur 20 Zentimeter hohe Gartenzwerge, die in ihrer Kriegsgeilheit wie Mikroben oder Hobbits auf heruntergekommenen Grundmauern hausten.

23. Oktober: Abendessen: was die pompejianer als calzone verstehen, das kann auch ein fernradlfahrer kaum wegessen … © 2021 Gerald Lehner

Sonntag, 24. Oktober 2021

Blick zurück über den Golf von Neapel zum Vesuv und nach Herculaneum und Pompeji. Guten Morgen aus Castellammare  di Stabia auf dem Weg nach Sorrento, Positano und Amalfi …

Buongiorno aus Sorrento. Der aufblasbare Barbecue Grill muss für Radlfahrer noch erfunden werden, dann kannst du auch in dieser Tonnara einkaufen mit leichtestem Gepäck und dir zu Mittag auf dem Strand am Golf von Neapel das frische Thunfischsteak aufbrateln. Endlich auch gute Apotheke gefunden gegen Nackenschmerzen.

Hier spinnen nicht die Römer, sondern die Sorrentiner am Palmenstrand beim Golf von Neapel …

Capri!

Erstmals der direkte Blick des Radlers aus den Alpen auf die legendäre Insel der Sirenen, die einst Odysseus verführen wollten. Hier wurde in früheren Jahrhunderten von den Göttern auch der berühmte Ford entworfen und gebaut, den die Frauen mehr liebten als den Opel Manta. Und hier haben Fischer durch ein Missgeschick einst die Sonne fast im Meer versenkt. Doch Capri, seine Schönheit und Anmut halten auch noch die nächsten Jahre.

Sehnsuchts- und Zitronenland.

Die Halbinsel von Sorrent am Golf von Neapel beflügelt die Fantasien seit der Antike. Der Radler arbeitet sich an den Bergstraßen bis Amalfi und Positano ab, einst sollte hier Odysseus von den Sirenen an der Steilküste verführt werden. Die Imperatoren und Patrizier Roms hatten hier ihre Sommerfrischen, ließen dafür sogar einen eigenen Highway aus dem Norden herunter bauen – die Via Domiziana, der auch die heutige Küstenstraße noch immer folgt bis Pozzuoli kurz vor Neapel. Die fruchtbare Region um den Golf und den Vesuv ist seit vielen Jahrhunderten für viele Nordeuropäer eine Art Paradies und Fata Morgana der heilen Welt. Siehe Goethe. Aber auch der sowjetische Staatsdichter und Bolschewik Maxim Gorki, der hier auf Rat von Lenin und auf Kosten des russischen Volkes jahrelang seine TBC auskurierte. Als die Winter bei uns noch keinen solchen Spaß machten wie heute, sondern oft nicht überlebt werden konnten. Ohne Elektrizität und Annehmlichkeiten. Und ohne Fahrräder aus Carbon

Heute fuhr Gerald mit Zug wieder zurück bis Rom.

Montag, 25. Oktober 2021

25. Oktober: Neues Radlfahrer-Zimmer mit nunmehr dieser Aussicht grad bekommen. © 2021 Gerald Lehner

Retour in Roma mit Doppelbett.

Neues Radlfahrer-Zimmer mit nunmehr dieser Aussicht grad bekommen. Mit dem Regionalzug von Neapel via Roma-Termini wieder zurück in Sichtweite des Kolosseums in der CASA SAN GIUSEPPE der Josefsschwestern aus Cluny in Frankreich. Heute ist Sister Janis aus den USA an der Rezeption. Nein, nicht die Joplin. Gibt mir ein Doppelzimmer. Sagi: No girlfriend, only a bicycle. Sagt sie, das hat der heilige Josef auch immer gesagt. Und dann sei alles ganz anders gekommen. Da steht mir ja noch was bevor. Aber jetzt Zeug hinschmeißen und mit meiner Radl-Unrundung von Rom weitermachen …. wunderbares Licht …

Cirucs Maximus – Formel-1-Rundkurs von Benhur

Der Hollywood-Klassiker mit Charlton Heston hat unser inneres Bild von diesem Ort seit Kindheitstagen geprägt. Der Circus Maximus hat historisch nichts mit der blutigen Folter- und Kampf-Arena Kolosseum zu tun, wie viele meinen, die noch nach Rom fahren sollten. Hier fanden die ersten Formel 1-Rennen mit Vierer-Gespannen statt. Im Mittelalter und in der frühen Neuzeit wurde der Circus Maximus – westlich des Palatin-Hügels und des Forums – von Päpsten und Fürsten als Steinbruch für ihre Prachtbauten verwendet. So ist von der einst überreichen Marmor-Ausstattung und den Tribünen nichts mehr übrig. An den riesigen Obelisken der Antike erinnert heute nur noch die einsame Zypresse. Bin nun mit dem Rennrad mehrmals rundherum gefahren – um den größten Circus im riesigen Imperium der alten Römer. Der Rundkurs hatte eine Gesamtlänge von rund 600 Metern (die Arena und Stufen eingerechnet) sowie eine Breite von 140 Metern. Sein Fassungsvermögen soll laut Dionysios von Halikarnassos im Ausbaustand zur Zeit des Kaisers Augustus 150.000 Plätze, zur Zeit des älteren Plinius 250.000 Plätze betragen haben. Er wurde bis ins 6. Jahrhundert nach Christus für Wagenrennen genutzt.

Blick über den Circus Maximus hin zum Domitian-Palast auf dem Palatinhügel, hinter dem rechts sich das Forum Romanum befindet. © 2021 Gerald Lehner

Ruinen rechts oben?

Domitian ließ seinen Kaiserpalast auf dem Palatinhügel so erweitern, dass er direkt von dort die Spiele verfolgen und sich von einer mit dem Palast verbundenen Kaiserloge aus dem Volk zeigen konnte. Doch erst unter Trajan wurde bis zum Jahr 103 der Circus komplett mit Stein, opus caementitium und Ziegeln ausgeführt. Er ließ die Kaiserloge Domitians abreißen und fügte eine Kaiserloge wieder dem Circus selbst ein. Im frühen 4. Jahrhundert n. Chr. erreichte der Circus dann seinen maximalen Ausbaustand.

Größenvergleich Mensch – Circus Maximus. © 2021 Gerald Lehner

Frühgeschichte

Bereits im 6. Jahrhundert v. Chr. wurde das sumpfige Murciatal zwischen den Stadthügeln Palatin und Aventin trockengelegt und konnte darauf für verschiedene Wettkämpfe genutzt werden. König Lucius Tarquinius Priscus soll, der Sage nach, erste hölzerne Tribünen errichtet haben, die in der weiteren Geschichte des Circus immer wieder einstürzten, was zuweilen viele Todesopfer forderte.Erst Julius Caesar, der den Circus in seiner Breite erweiterte, ließ anlässlich seiner Triumphalspiele im Jahr 46 v. Chr. zum Teil dauerhafte Sitzstufen aus Marmor einbauen und umgab die Arena mit einem Wassergraben, um sie vom Zuschauerraum zu trennen. Nach einem Brand im Jahr 31 v. Chr. erneuerte Augustus den Circus, baute ihn weiter aus, errichtete eine erste Kaiserloge und stellte im Jahr 10 v. Chr. den ersten Obelisken in der Mitte der Spina, der damals wohl noch hölzernen Trennwand zwischen den Bahnen, auf. Der Obelisk steht heute auf der Piazza del Popolo in Rom. Den zweiten, heute vor dem Lateran zu findenden Obelisken fügte Constantius II. im Jahr 357 hinzu. Der Circus diente in der Kaiserzeit nicht zuletzt der Kommunikation der Herrscher mit der Stadtbevölkerung, deren Akklamationen man hier entgegennahm.

Tiberius River Wildlife © 2021 Gerald Lehner

Tiberius River Wildlife 

Ganz schöne Trümmer lauern am Radweg entlang des Tiber im Norden Roms uns Legionären auf, die wir gerade erst Gallien und Kampanien zurückgekehrt sind …

Größte Kirche überhaupt

Abendessen in Rom mit Aussicht. © 2021 Gerald Lehner

Heute steht mein Trockener mit Aqua con Gas für das Abendmahl genau östlich der kleinen Hauskapelle des Pfarrers aus Buenos Aires, den sie zum Pontifex gewählt haben. Zum ersten Mal auch die mittelalterliche Festungsmauer des Vatikans mit dem Radl umrundet. Sehr klein eigentlich dieser unabhängige Staat. Muss wild gewesen sein, als rundherum jahrelang nur Mussolini und/oder die Nazis das Sagen hatten …

Dienstag, 26. Oktober 2021

Grad live hier was Romantisches zum Zuhören von der Engelsburg am Tiber in downtown Roma … er ist auch ein guter Trompeter, neben den Vocals etc. Super Repertoire, auch Eigenes … Kam heute kaum noch weg mit dem Radl. Simon ist aus Dortmund und lebt in Rom.

Dazu hatte Gerald ein Video gepostet.

Mittwoch, 27. Oktober 2021

Liebeslyrik von Sappho!

Als 79. n. Chr. der Vesuv in die Luft flog, war diese Poetin und Dichterin schon 500 Jahre tot. In einem der Patrizierhäuser des zerstörten und dennoch gut erhaltenen POMPEJI findet sich ein Fresko, das die altgriechische Erzählerin zeigt. Die Straßenmalerin Maddalena verkauft mir – dem Radlfahrer aus den Alpen – aus eigener Produktion die Nachbildung des Freskos auf einer Vulkansteintafel … zuerst wollte sie mir die härteren Erotikmotive aus Pompeji verkaufen, sah dann aber, dass sie einen wahrhaften Poetenkollegen der Sappho vor sich hatte …

Oktober 2021 – Rom, Liebeslyrik von Sappho!

Sappho (attisch und neugriechisch Σαπφώ Sapphṓ, deutsche Aussprache meist ​[⁠ˈzapfoː⁠]​, klassisch ​[⁠sapʰːɔ̌ː⁠]​; * zwischen 630 und 612 v. Chr.; † um 570 v. Chr.) gilt als wichtigste Lyrikerin des klassischen Altertums und hat kanonische Bedeutung.

Sappho lebte in Mytilene auf der Insel Lesbos in der Nordägäis, dem kulturellen Zentrum des 7. vorchristlichen Jahrhunderts. In ihren Dichtungen spielt die erotische Liebe eine wichtige Rolle. Nach heutigen Schätzungen sind nur etwa sieben Prozent ihres Gesamtwerks erhalten geblieben.

Lebendig begraben

Selten einen Ort mit so viel Schönheit und brutaler Widersprüchlichkeit gesehen. Die spinnen, die Römer. Heute im Atrium des Tempels der Vestalinnen auf dem Forum Romanum Auch im antiken Kontext eine sehr alte Kultstätte, die noch weit vor die Zeit der Republik zurückreicht.

Die Priesterschaft der Vestalinnen bestand aus sechs (in der Spätantike sieben) Priesterinnen, die im Alter von sechs bis zehn Jahren für eine mindestens dreißigjährige Dienstzeit berufen wurden. Ihre Hauptaufgabe war es, das Herdfeuer im Tempel der Vesta zu hüten, das niemals erlöschen durfte, und das Wasser aus der heiligen Quelle der Nymphe Egeria zu holen, das zur Reinigung des Tempels verwendet wurde. Daneben stellten sie die mola salsa (eine Mischung aus Salzwasser und Getreideschrot) sowie das suffimen (Asche ungeborener Kälber) her, die bei bestimmten Kulthandlungen benötigt wurden.

Während ihrer Dienstzeit waren die Vestalinnen zur Keuschheit verpflichtet. Der Verlust der Jungfräulichkeit galt als unheilverkündendes Vorzeichen für das römische Gemeinwesen. Eine solche Vestalin wurde aus der Priesterschaft entfernt und konnte lebendig begraben werden.

Eine Verurteilte wurde gefesselt und geknebelt in einer verschlossenen Sänfte unter großer Beteiligung der Bevölkerung zur Porta Collina getragen, wo innerhalb der Stadt ein unterirdisches Verlies hergerichtet worden war. Dort befand sich „eine Liege mit einer Decke, eine brennende Lampe sowie kleine Mengen der notwendigen Lebensmittel: Brot, Wasser in einem Gefäß, Milch und Öl, als wollte man es vermeiden, den Körper einer für den höchsten Dienst geweihten Person durch Hunger zu töten“. Nachdem man der Vestalin die Fesseln gelöst hatte, ließ man sie in das Verlies hinabsteigen, verschloss den Eingang und deckte Erde darüber, um die Stelle unkenntlich zu machen. Die spinnen, die Römer.

Hier in Roma stellen sich Legionäre und Zenturionen auch schon um das neue Asterix-Heftl an … die spinnen, die Römer. © 2021 Gerald Lehner

Abends nahm Gerald dann wieder einen Nachtzug und kehrte nach Salzburg zurück.

Donnserstag, 28. Oktober 2021

28. Oktober: Colazione im ÖBB-Nigthjet © 2021 Gerald Lehner

super frühstück im nachtzug von rom nach salzburg bzw. nach münchen… serviert zwischen mallnitz, böckstein und bad gastein (alte heimat). die nehmen in villach frische bäckersemmeln an bord – brötchen, wie die mitreisenden sagen von nördlich des weißwurscht-äquators.

geruhsame heimreise nach viel kultur, uraltem mauerwerk, netten klosterschwestern, 700 kilometer radlfahren southbound – und wieder vier kilo leichter gut ausgeschlafen für gebirgsflug gegen mittag what else? ach ja, nicht zu vergessen der nette schlafwagenschaffner aus rom, gebürtiger brasilianer – mit dem du dich noch ein wenig über antonio carlos jobim unterhalten kannst.

Kaum zu Hause, setzte sich Gerald wieder in sein Flugzeug.

Italien auf zwei Arten an einem Tag

Heute um 5.00 Uhr früh in Tarvis (Friaul) im Nachtzug aus Rom noch auf italienischem Boden, sechs Stunden später weiter nordwestlich über dem Südtiroler Ahrntal wieder über Italian soil. Beim Passübergang des 2.658 Meter hohen Krimmler Tauern. By the way: Im ÖBB-Schlafwagen gut ausgeschlafen.

Links das Windbachtal auf Salzburger Seite der Hohen Tauern (Österreich). Der Blick geht nach Nordosten Richtung Salzachtal. Hinten die Schlieferspitze, eine Nachbarin von Großvenediger, Simonyspitzen und Dreiherrnspitze. Links von der Flügelspitze ist der Krimmler Tauern, Übergang in das Ahrntal in Südtirol, Italien.

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