Die Basilika San Marco in Venedig

Blick in den zentralen Raum der Markuskirche. © 2021 Wolfgang Seifert

Italien | Venedig | 29. November 2021 | San Marco auf der Insel Rialto stellte über fast ein Jahrtausend das Macht- und Repräsentationsviertel der Seerepublik Venedig, der „Serenissima“, dar. Neben dem weltlichen Machtzentrum, dem „Palazzo Ducale“, dem Dogenpalast, steht das nicht minder wichtige geistliche Machtzentrum, die Basilika San Marco. Allerdings war diese Basilika nicht der Sitz des Bischofs von Venedig, sondern die „Hauskapelle der Dogen“.

Wie der hl. Markus zu seiner Basilika kam

Schon die Lage des unscheinbaren Eingangs in den Dogenpalast, die „Porta della Carta“, macht auf Umstand aufmerksam, dass Palast und Basilika zusammengehören. Er befindet sich zwischen dem Dogenpalast und der Basilika. Noch zwei Dinge unterscheidet die Basilika von anderen Kirchen: Die niedrige, byzantinische Kuppelbauweise und die teilweise Ausstattung mit Raubgut der venezianischen Beutezüge.

Blick vom Markusplatz auf die Basilika San Marco, rechts der Dogenpalast; der Eingang dazu ist hinter der rechten roten Fahnenstange. © 2021 Wolfgang Seifert

Es war um 829 nach Christi, als die muslimischen Herrscher in Alexandria in Ägypten damit begannen christliche Kirchen abzureißen. Sie benötigen Baumaterial für einen Palast. Zwei gerade anwesende venezianische Kaufleute, Rusticus und Tribunus, entdeckten in einer dieser Kirchen die sterblichen Überreste des Evangelisten Markus. Dieser starb der Legende nach auf einer Missionsreise in Alexandria den Märtyrertod. Um kein Aufsehen zu erregen, dass vielleicht die Besatzer die Bedeutung der Reliquien erkennen, deren Ausfuhr verweigern oder sehr teuer machen könnten, bargen die beiden die Gebeine mithilfe von Geistlichen. Dann verbargen sie diese in einer Kiste unter Schweinefleisch und passierten so ungehindert den Zoll. In Venedig zurück wollte man die kostbare, gestohlene Fracht zum Patriarchen nach Grado bringen. Doch, wie das so in Legenden ist, machte sich der Heilige oder was eben von ihm noch übrig war, in der Kiste so schwer, dass ein Weitertransport unmöglich wurde. Der amtierende Doge Giustiniano Partecipazio legte ein Gelübde ab, an der Stelle, wo die Kiste stand, eine Kirche zu errichten.

Blick in eine der Kuppeln. © 2021 Wolfgang Seifert

Nach einem Brand 976 glaubte man, dass die Reliquien verbrannt seien. Doch abermals zeigte der Heilige seine Kraft, als er am 25. Juni 1094 im neu errichteten Kirchenhaus seine Hand aus jener Säule streckte, in der er sich verborgen hatte.

Die vier Pferde, heute Kopien, über dem Eingang in die Basilika San Marco. © 2021 Wolfgang Seifert

Die Geschichte mit den vier Pferden

Über dem Eingang zieren vier Pferde die Fassade der Basilika. Sie sind ein „Ergebnis“ der Geschäftstüchtigkeit der Venezianer. 1198 rief Papst Innozenz III. wieder einmal zu einem Kreuzzug auf. Für den Transport des Ritterheeres wurde mit der Seerepublik Kontakt aufgenommen. Diese hatte aber weniger aus Glaubensgründen an einer Teilnahme Interesse, sondern am Handel mit jenen Ländern, in die der Kreuzzug führen sollte. Der bereits greise und blinde, aber noch außerordentlich aktive Doge Enrico Dandolo einigte sich mit dem Papst, um die Summe von rund 20 Tonnen Silber 1 200 Schiffe für den Transport nach Ägypten bereitzustellen. Dandolo schickte noch 50 Galeeren als Geleitschutz mit, mittels deren Hilfe Venedig aber sich auch die Hälfte der eroberten Gebiete behalten durfte. Im Zuge dieses Kreuzzugs kam es im April 1204 zur Erstürmung von Konstantinopel, einem grausigen Kapitel venezianischer Beutezüge. Sinnlosen Zerstörungen, Misshandlungen und Morden folgten Plünderungen. Riesige Schätze schleppten die Venezianer nach Hause, darunter die vier Pferde, venezianisch „Quadriga“ genannt, die heute, allerdings nur mehr als Kopie, an der Fassade der Markus-Basilika zu sehen sind.

Lange glaubte man, die vergoldeten Pferde seien aus Bronze, bis man anlässlich einer Restaurierung feststellte, dass sie aus Kupfer waren, auf dem das Gold besser hielt.  Sie stammten ursprünglich aus Rom, kamen dann nach Konstantinopel und dann nach Venedig. Dort nahm sie Napoléon I. als Beute nach Paris, musste sie aber infolge des Wiener Kongresses wieder zurückgeben. Heute stehen die Originale im Dommuseum.

Das Innere der Basilika San Marco ist mit byzantinischen Mosaiken ausgestattet. © 2021 Wolfgang Seifert

San Marco, die Byzantinische

Während sich damals in Westeuropa Kirchen aus römischen Säulenhallen mit flachen Dächern entwickelten, errichteten die venezianischen Architekten ein eher flaches Bauwerk mit mehreren Sälen und fünf Kuppeln im byzantinisch-orientalischen Stil. Das Bauwerk ähnelt einem riesigen „braciere“, einem Wärmeofen. Die Backsteingewölbe waren außen mit hölzernen Kuppelschalen versehen, auf denen außen dünne Bleiplatten für den Abschluss sorgten, während innen die Mosaiken befestigt waren.  

Historische Ansichtskarte um 1934, Bildquelle Österreichische Nationalbibliothek, Ansichtskarten online

Die Basilika ist ein Symbol der ersten venezianischen Blütezeit des Handels mit dem byzantinischen Reich. Ab 1204 kamen aus Konstantinopel (Byzanz) Mosaik-Künstler. So entstanden dann die mehr als 4 000 Quadratmeter umfassende Fassade aus Gold, Symbolen aus der Bibel sowie Gemmen (geschnittener Schmuck- oder Edelstein).

Blick in eine Kuppel. © 2021 Wolfgang Seifert

Die Innenräume der Basilika sind nicht minder prachtvoll ausgestaltet. Allein der rund 3,5 Meter lange und 1,5 Meter hohe Hochaltar, „Pala d’Oro“ („pala“ = Altarbild, „d’oro“ = vergoldet) genannt, stellt eine einzigartige Kostbarkeit dar. Unter anderem ist er mit 80 kunstvoll gearbeiteten Emailbildern verziert, die meisten von ihnen sind Kriegsbeute aus Byzanz. Aber die Faszination in dieser Basilika geht von den Mosaiken aus, die Wände und Kuppeln zieren. Die Meister der Mosaike waren sich der Tatsache bewusst, dass das Volk weder Lesen noch Schreiben konnte. Also mussten sie die Bibel und das Evangelium in Bildern darstellen. Und zwar so, dass die Menschen auf den ersten Blick erkennen konnten, um welche Szene oder Heiligen es ging. Daher gestalteten sie ihre Mosaiken so lebensecht wie nur möglich.  Insgesamt, innen und außen, ist eine Fläche von mehr als 8 000 Quadratmetern mit Mosaiken auf Goldgrund geschmückt.  Weiters gibt es im Inneren es über 500 Säulen.

Vor der Markuskirche öffnet sich der Markusplatz, auf dem der Kirchturm der Basilika steht, der „Campanile“. Über diesen berichtete ich bereits in einem Artikel (siehe diesen Link).

Literatur (Auswahl)

* Lane, C. Frederic: „Seerepublik Venedig“, Prestel Verlag München, 1980, ISBN 3-7913-0406-2
* Sternthal, Barbara: „Dogen, Diebe, Deliquenten. Der Venedig-Führer für Juristen.“ Manzsche Verlags- und Unversitätsbuchhandlung Wien, 2010, ISBN 978-3-214-00502-3
* Reski, Petra; Thiele, Johannes: „Alles über Venedig“, Thiele Verlag, 2007, ISBN 978-3-85179-005-4

Bildnachweis: Wolf-Photography Salzburg, © 2021 Wolfgang Seifert

Weitere Venedig-Bilder von Wolfgang Seifert hier unter diesem Link.

Blick auf die Markuskirche von der „Piazzetta“ vor dem Dogenpalast (rechts). © 2021 Wolfgang Seifert
Blick auf das Machtzentrum der ehemaligen Seerepublik Venedig. Rechts der Dogenpalast, dahinter die Kuppeln der Basilika San Marco, links der Campanile umgeben von den Bauten der ehemaligen Ministerien und Büros. Bildquelle Österreichische Nationalbibliothek Ansichtskarten onlinke

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