Ignaz Rojacher, Erbauer des Observatoriums auf dem Rauriser Sonnblick und Fremdenverkehrspionier

Bilder im Rauriser Talmuseum in Rauris. Links Maria Rojacher, geborene Seidl, Gattin des Ignaz Rojacher (Bild Mitte) und rechts seine Mutter Anna Rojacher, geborene Brindlinger. Darunter das Geburtshaus von Ignaz Rojacher und rechts, Josef Donat, sein Lehrer und Förderer.

Salzburg | Rauris | 1. Dezember 2021 | Ignaz Rojacher vulgo „Kolm Naz“ (* 1844 im Gaisbachtal in Rauris; † 1891) war Goldbergwerksbesitzer, Fremdenverkehrspionier und Erbauer des Observatoriums auf dem Hohen Sonnblick im Raurisertal in den Hohen Tauern im Salzburger Land. Seine Ururenkelin Margot Daum begab sich auf Spurensuche und brachte eine interessante Biografie über diesen Pionier heraus.

Vom Ziegenhirten zum Goldbergwerksbesitzer

Ignaz Rojacher zählte zu den Pionieren im Raurisertal. Neben dem Observatorium installierte er die erste Telefonanlage im Tal, hatte vermutlich als Erster im Kronland Salzburg elektrisches Licht ins Raurisertal gebracht, eröffnete Gasthäuser (Werkhaus Kolm, das Bodenhaus in Bucheben, den Gasthof Post in Rauris und das Zittelhaus am Hohen Sonnblick) mit Unterkünften und wurde ein Fremdenverkehrspionier, erwarb die Postmeisterstelle, richtete eine Postverbindung ein und regte Straßenbauten an.

Das Observatorium Sonnblick und das Zittelhaus am Gipfel des Hohen Sonnblicks; historische Ansichtskarte um 1922, Bildquelle Österreichische Nationalbibliothek Ansichtskarten online.

Wilhelm Ritter von Arlt (* 1853; † 1944), ein Ökonomierat aus Böhmen, kam 1876 im amtlichen Auftrag aufgrund seiner Studien, nach Salzburg. Es ging darum, dass das im Pinzgau gezüchtete Pinzgauer Rind für Böhmen besonders geeignet wäre. Im „Salzburger Volksblatt“ las er einen Artikel über den ansehnlichen Rauriser Markt und so war seine erste Station im Salzburgerischen Rauris. Ritter von Arlt reiste nach Kolm-Saigurn und lernte den bekannten Kolm Naz kennen. Zwischen dem Rauriser und dem Prager Ökonomierat entwickelte sich ein betont freundschaftliches Verhältnis.

Ignaz Rojacher besuchte die Volksschule in Rauris. Zwei Jahre musste er als Ziegenhirte seiner Taufpatin, der Brücklwirtin Elisabeth Rasser, helfen und versäumte daher manchmal die Schule. Dann fand er eine Anstellung im Goldbergbau und mit 19 Jahren übernahm Ignaz Rojacher dort die Leitung der Werktischlerei. 1876 pachtete er die Rauriser Goldmine und 1880 kaufte er sie dann. Nun begann die Geschichte der Errichtung des höchstgelegenen Observatoriums Europas, das bis heute, bis auf einige Tage im Krieg, durchgehend in Betrieb war. Es folgten weitere Pioniertaten, die in der Biografie beleuchtet werden.

Über die Biografie

Zunächst werden auf 14 Seiten das geschichtliche und bergmännische Umfeld der Zeit, in der Ignaz Rojacher lebte, erläutert. Unter welchen Bedingungen wurden damals Erze abgebaut, wie entstand der Markt Rauris, woher kommt der Name Kolm-Saigurn u. a. – Beiträge des Montanspezialisten Prof. Dr. Gruber geben Auskunft darüber.

Titelbild der Biografie. Es zeigt das Observatorium auf dem Gipfel des Hohen Sonnblicks von Süden. © Ludwig Rasser ZAMG

Der zweite, umfangreiche Teil beschäftigt sich mit dem Leben (25 Seiten) des Rojacher und dokumentiert seine Nachfahren, beginnend mit seinen ledigen Kindern, im Besonderen mit seinem ledigen Sohn Richard Ignaz Pfarrmaier vulgo Jaga Naz, der den Beginn der Familiengeschichte „entern Tauern“, an der Südseite der Hohen Tauern einleitete. Von da wechselten die verwandtschaftlichen Beziehungen immer wieder hin und her. Es ist auch für einen Außenstehenden durchaus interessant die kurzen Lebensgeschichten zu lesen, welchen Berufen die Menschen damals nachgegangen waren oder wie groß die Kinderschar früher war. Der Abschnitt über das Leben von Rojacher schließt natürlich die Geschichte über der Errichtung des Observatoriums auf dem Hohen Sonnblick ebenso ein wie die Elektrifizierung des Raurisertals. Bilder von technischen Objekten und Verwandten lockern die Seiten auf. Ein zweiseitiger Stammbaum zeigt übersichtlich die verwandtschaftlichen Verflechtungen.

Nun folgen zwei Seiten über Wilhelm Ritter von Arlt, dem Mäzen und Freund von Rojacher, seine Aktivitäten rund um das Skifahren und den Alpenverein Sektion Rauris. Das leitet über zur Skigeschichte in Rauris und den legendären Abfahrtsläufen vom Sonnblick, denen eine Chronologie Skigeschichte des Tales folgt. Während sich im Teil über das Leben von Rojacher der Abschnitt über das Observatorium um die Geschichte von der Idee über die Planung bis zum Bau beschäftigt, gibt der nun hier gegen Ende der Biografie stehende Beitrag eine chronologische Übersicht über alle Ereignisse bis in die Gegenwart, von dem tragische Tod eines Beobachterehepaares und eine Liste aller bisherigen Mitarbeiter. Schließlich folgen noch die Chronologien des Zittelhauses, des Ammererhofes und der Rojacherhütte, die ja 2021 unter Denkmalschutz gestellt wurde.

Dass diese Biografie nicht einfach so aus heiterem Himmel entstanden ist dokumentiert das umfangreiche Quellen- und Bildquellen-Verzeichnis am Ende sowie eine kleine Literaturliste. Ganz zum Schluss kommt die Autorin dann auch noch zu Wort.

Diese Biografie erhellt das vielleicht bisher etwas im Dunklen verborgen gewesene Leben eines der bedeutendsten Männer des Raurisertals und vor allem in der Geschichte der österreichischen Wetterbeobachtung. Ein wohl überregional interessantes Buch, das viele interessieren könnte.

Gratis als pdf oder als gedruckte Ausgabe

Die 80seitige Biografie kann man ohne Kosten als pdf unter diesem Link herunterladen (Salzburgwiki) oder als gedruckte Ausgabe um € 10,– zzgl. Porto bei Margot Daum bestellen:
Margot Daum
Laireiting 15
5611 Großarl
Mobiltelefonnummer: (06 64) 490 99 21
E-Mail: margot30@gmx.at

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