Kochen wie in Neapel – ein Kochbuch als kulinarischer Reiseführer

Markt in Neapel

Auf den unzähligen Märkten Neapels hat jeder Neapolitaner seinen Lieblingslieferanten für frische Zutaten. (© Dario Santangelo)

6. Jänner 2019  |  Unzählige Lieder, Legenden und Geschichten handeln von der Hauptstadt Kampaniens, von Neapel. Es gibt kaum eine andere süditalienische Stadt, die so sehr das echte italienische Wesen zeigen kann wie Neapel. Mit Dario und Manuela Santangelo taucht der Leser in diesem nachstehend von mir vorgestellten Kochbuch auch in das Lebensgefühl, aber vor allem in die Esskultur dieser Stadt ein.

Fantastischer gastronomischer Reiseführer mit herrlichen Rezepten aus der Küche von Neapel

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Neapel sehen und genießen: Neapolitanische Lebensart und 180 traditionelle Rezepte

Neapel sehen und genießen; neapolitanische Lebensart und 180 traditonelle Rezepte

in einer Gasse in Neapel, das Titelbild des Buches (Bild: Pichler-Verlag)

Beim Blättern durch dieses Bilder-Kochbuch werden Sommer, gutes Essen und meine Reisen nach Neapel wach. Wer nicht kochen will, der sehe sich die Bilder an! Hier meine Buchbesprechung:

Herrliche Bilder, schmackhafte Rezepte und viel Lebensfreude vermittelt dieses Buch
„Kurz – das Volk isst sich satt – und verdient sich dabei den Spitz- und Schimpfnamen ‚Mangia Foglia‘ – Blattfresser“, so steht es im einleitenden Kapitel „Historie, Anekdoten und Legenden“. Das nächste Kapitel schildert mit „Leben, Brauch und Tradition“ die Tischkultur in Neapel. „Die Jahreszeiten, das Hügelland und die Küste“ informiert bereits auch über Kräuter der neapolitanischen Küche. Und schließlich beginnen die Rezepte mit „Pasta und Teige – Ratschläge, Techniken und Rezepte“. Was das Buch bis hierher bietet ist aber nicht nur viel Lesenswertes, sondern auch und vor allem Bilder von Menschen, mit Essen, beim Kochen und im Leben. Wer nur einen Funken der Neugierde in sich trägt, sagt schon jetzt sicher: da will ich auch hin! […weiterlesen]

Mozzarella, das Blut Christi und Bud Spencer – über die Region Kampanien in Italien

Roberto Genovese, Caseifici Artigiani aus Kampanien, macht noch mit Hand den Mozzarella

Roberto Genovese, Caseifici Artigiani aus Kampanien, macht noch mit Hand den Mozzarella

So wie der berühmte neapolitanische Tenor Enrico Caruso zeitlebens ein zwiegespaltenes Verhältnis zu seiner Heimatstadt Neapel hatte, so gespalten ist meine Ansicht über diese Region, in der Italien wohl noch immer Italien ist, wo ich noch auf jenes Uritalien treffe, das in den romantischen Filmen der 1950er Jahre ein so sympathisches Italien zeichnete.
Neapel erforschen ohne Geld, Schmuck und Kamera, um nicht Opfer eines Raubes zu werden, Capri als Umschlagplatz von Touristen und Müllberge rund um Neapel – das ist das eine Gesicht der Region; sanft ans kieselige Ufer klatschende Meereswellen in Marina del Cantone am südwestlichsten Ende der Sorrentina, jener Halbinsel, die im Norden von Sorrent und im Süden von der Amalfitana beherrscht wird; das Cilento mit langen Sandstränden, einem riesigen Nationalpark und verträumten Dörfern – das ist das andere Gesicht Kampaniens.
Dazwischen finde ich Menschen, wie den Taxifahrer, der mich Kapitalist nannte … [… weiterlesen]

Italien, Heimat der Weihnachtskrippe: Krippenausstellung in Neapel

Weihnachtskrippe aus Kampanien, Italien

Weihnachtskrippe aus Kampanien, Italien

Von Italien begann die Verbreitung der Weihnachtskrippe nach Norden in den alpenländischen Raum. Zwar hat im Norden Italiens auch der Christbaum Einzug gehalten. Doch im Süden des Landes ist die Weihnachtskrippe DER Mittelpunkt im Weihnachtsgeschehen.

Neapel,  Zentrum der Krippenproduktion und -sammlungen
Alljährlich findet in der Kirche San Severo al Pendino in Neapel die Krippenausstellung Mostra di Arte Presepiale statt. Die Ausstellung bietet einen umfangreichen Einblick in die Kunst des neapolitanischen Krippenbaus.

Die Via San Gregorio Armeno, in der Altstadt von Neapel, ist das Zentrum des neapolitanischen  Weiterlesen

Capitalisti!

Es war im Jänner 1999. Ich war zu einer Reisemesse nach Neapel eingeladen und wohnte in Sorrent. Es war ein ausgesprochen kalter Jänner, auch für süditalienische Verhältnisse: Frost und Minusgrade. Zu meiner „Freude“ fand die Reisemesse in einer Halle der Schiffsanlegestelle in Neapel statt: schön aus Beton gebaut, a bisserl zugig und nicht beheizt; ein paar Wärmespender vermittelten einen halben Meter in ihrem Umkreis etwas Wärme und versuchten so die Kälte zu vertreiben; ich saß mit angezogenen Handschuhen bei meinem Tisch und versuchte so gut es ging den Vormittag zu verbringen.

Das Mittagessen war spät, so nach 14 Uhr, und es gab viel zu wenig zu Essen für die viel zu viele Leut‘ – da haben sich nämlich wieder dutzendweise Italiener dazu eingeladen, für die eigentlich gar nix vorgesehen war… Also so gegen 16 Uhr wurde es mir zu fade und vor allem zu kalt; der Transferbus nach Sorrent war jedoch erst für „so 18 Uhr“ geplant; also marschierte ich hinaus aus dem Hafengelände, fragte einen Taxifahrer, was die Fuhre nach Sorrent denn kosten würde.

90.000 Lire – fast € 50.– – das war mir zu teuer, na gut, er macht’s auch für 70.000 Lire, etwa € 35.–. Ich stieg also ein und ab ging die Post. Eiskalt ist es im Taxi gewesen, ob er denn nicht einheizen könnte? Nein, die Heizung sei kaputt (oder waren’s jetzt die 20.000 Lire, die er weniger bekommen sollte?). Woher ich denn komme, was ich denn tue und wie viele Kinder ich hätte, fragte mich der Taxifahrer. Ich betrachtete ihn näher: ein älteres Männlein mit dicken, mit sehr dicken Brillen. Ja, er sähe schon fast nichts mehr, aber das Gefühl, ja, mit Gefühl fahre er sicher – und ziemlich schnell…

Es dunkelte immer mehr, viel Verkehr, wir kamen Sorrent immer näher. Ja, wo denn mein Hotel sei, fragte er immer wieder. Durch Sorrent durch, gleich bei der ersten Steigung – nein, nein, er glaube mir nun kein Wort mehr, wo ich doch ein Capitalisti bin, einer, der Geld hat, sonst könnte er sich doch die Fahrt gar nicht leisten, begann er zu schimpfen – capitalisti! Und überhaupt: er blieb plötzlich mitten in Sorrent stehen, er müsse heim zu seiner Familie, wenn’s ganz dunkel sei, sieht er überhaupt nix mehr, wer weiß, wo mein Hotel wirklich sei – aussteigen, zahlen, avvanti! Sprach’s und ich fand mich auf der Straße. Gott-sei-Dank waren es nur mehr ein paar Kilometer und die brachte ich, unterbrochen durch ein paar Einkehrschwünge in Bars, auch noch hinter mich!