Stürmische Zeiten und „Mahlzeit“ – Fritz Kremslehner muss es wissen

Kremslehner's Vinothek, Salzburg-Nonntal, Österreich

Fritz Kremslehner mit „stürmischen“ Rebensaft 2012

Der Wein ist ja noch nicht getauft, daher sagt man ‚Mahlzeit‚“, erklärt Fritz Kremslehner, zumindest in Niederösterreich, und das, wenn man sich mit einem Glas frischem Sturm zuprostet, ehm zumahlzeitet (ja, wie klingt jetzt das wieder?).  Für Nicht-Österreicher: Sturm ist Neuer Wein, Federweißer oder Federroter anders wo genannt.

Wein-Lesen aus dem Sturm
Fritz Kremslehner jun. ist Diplom-Weinsommelier. Den väterlichen Betrieb, der in einem ehemaligen alten landwirtschaftlichen Gebäude der Erzabtei Sankt Peter im Salzburger Stadtteil Nonntal zu Hause ist, hat er vor Jahren von seinem Vater, ebenfalls Fritz mit Vornamen, übernommen. Weiterlesen

Blaufränkischer, Veltliner, hübsche Winzerinnen – Jubiläumsweinverkostung im Terminal 2 am Salzburg Airport W. A. Mozart

Weinspezialitäten Kremslehner Salzburg  United Vineyards Pfneisl Kleinmutschen

Drei Weinprofis beim Verkosten: v.l. Fritz Kremslehner mit Tochter Bettina von Weinspezialitäten Kremslehner Salzburg Nonntal und Gerhard Pfneisl, United Vineyards Pfneisl Kleinmutschen

Auffällig viele Personen ohne Gepäck konnte man am Mittwochnachmittag, den 14. März 2012, am Salzburger Flughafen beobachten, die in Richtung Terminal 2 strömten. Vor dem Terminal – Menschen mit Weingläsern in Händen.

Ein Jubiläumsjahrgang auf Tour: Der Weinviertel DAC
Die 2012 zum zehnten Mal stattfindende und bereits traditionelle Verkostungs-Tour des Weinviertel DAC durch Österreich und Deutschland machte in Salzburg am Flughafen im Terminal 2 Station und präsentierte den regionaltypischen „Grünen Veltliner“, diesmal zusammen mit einer zweiten DAC-Region, nämlich dem mittelburgenländischen Blaufränkischen DAC. Das Weinviertel war das erste Weinbaugebiet Österreichs, das vor zehn Jahren einen DAC-Wein in Österreich präsentiert und damit die Herkunft des Weines in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit gestellt hatte. „Districtus Austriae Controllatus“ (DAC) ist eine Herkunftsbezeichnung für regionaltypische Qualitätsweine aus Österreich. Weiterlesen

Italien: Weinlese-Menge 2011 auf historischem Tief

Weinkellerei Il Mosnel, Lombardei, Franciacorta

Weinkellerei Il Mosnel, Lombardei, Franciacorta

Wichtig ist nicht die Quantität sondern die Qualität“ meinte noch im September der Direktor des Önologen Verbandes Assoenologi , Giuseppe Martelli, im Hinblick auf die zu erwartende Weinproduktion 2011.  44 Millionen Hektoliter Wein sollten es werden, rund fünf Prozent weniger als im Vorjahr.

Als Ende Oktober dann die Ernte fast überall abgeschlossen war, berichtete Assoenologi von einem deutlichen Mengenrückgang, der in der nördlichen Landeshälfte bis zur Toskana mit bis zu 15 %  ausfiel. Weiterlesen

"Schwarze Hendl"

Es war meine allererste Reiseleitung, 1984, mit einer mir noch bis vor wenigen Jahren treuen Fangemeinde einer Feuerwehr. Die Reise ging nach Rom. Ich, das erste Mal als Reiseleiter unterweges, das erste Mal in Rom und überhaupt. Unter anderem sah das Programm, das ich ja selbst zusammengestellt und organisiert hatte, ein Abendessen in den Albaner Bergen vor. Wir fuhren also von Rom mit einer italienischen Reiseleiterin zu dem Lokal in Frascati. Der Wirt freute sich über unser Kommen so sehr, dass er auch sofort, tatsächlich sofort, das Essen warm machen wollte: Brathendl – so richtig frisch gemacht, wenn die Gäste kommen. Die waren aber eigentlich schon hungrig.

Es verging wohl mehr als eine Stunde, mit Wein und viel Überredungskunst von mir, dass das so üblich sei, dass das "gaaanz typisch Albaner Hügel" sei und so weiter. Dann kamen sie, die Hendln, schwarz, wie die Nacht draußen es auch schon war: "Questo è una specialità della zona!" – "Das ist eine Spezialität der Region" säuselte der mir dann gar nicht mehr sympathische Wirt.

Schwarz angebrannte Hendln eine Spezialität? Ich brach in Schweiß aus, zog alle Register meiner sprachlichen Talente, hupfte einem Carabinieri auf die Schulter und sang (beides schrecklich im Rückblick); und die
Reiseleiterin bekam einen "Moralischen" , heulte und erzählte von ihren Männerproblemen. Na Prost!

Wir fuhren singend arrividerci Roma! nach Rom zurück, der Busfahrer sang mit, die Reiseleiterin heulte, die Gruppe zufrieden und wir alle im Wissen um die "specialità dei Colli Albani"! Es war ein super Abend, sagte mir später der Kommandant der Gruppe: die Unterhaltung, die Stimmung, der Wein, die Reiseleiterin, nur, nur, das mit die Hendln, das war grauslich.

Herbst in Italien

Das Laub fällt langsam ab, die Weinreben sind geerntet, Nebelschwaden ziehen schon manchmal auf, Herbst in Italien. Die Fahrt führt mich durch eine Hügellandschaft. Nach der nächsten Biegung öffnet sich der Blick auf ein sanft geschwungenes Tal, an dessen Hänge die goldgelben Blätter der Weinstöcke im Licht der Sonne des späten Nachmittags leuchten. Oberhalb, auf einem kleinen Hügel, liegt ein Landgut. Das Hauptgebäude ist schon halb mit Weinranken verwachsen, die nun ebenfalls in der herbstlichen Farbenpracht erstrahlen. Die alte Mauer, die wahrscheinlich einst das ganze Landgut umgab, steht nur mehr in Fragmenten. Aber noch deutlich genug, um den Besucher zu beeindrucken.

Ich biege bei der nächsten Villa ab und fahre durch Weingärten, vorbei an einem einsam gelegenen Friedhof und nach ein paar weiteren Kurven bleibe ich auf einem Schotterplatz stehen. Wenige Schritte führen mich zu einer Agriturismo, einem landwirtschaftlichen Betrieb, der Speisen anbietet und manchmal auch Zimmer vermietet. Ein Mann betritt die Wirtsstube, bekommt ein Glas Wein und schwatzt ein wenig mit den Leuten – Ombra nennen es die Menschen im Veneto – ein Gläschen nach Feierabend mit Freunden zu nehmen, bevor es nach Hause geht.

Draußen versinkt der Feuerball der Sonne hinter den Hügeln, wieder beginnen sich Nebel und Dunkelheit übers Land zu senken. Aus einem großen Blutzer, einer überdimensionalen Weinflasche, füllt der Wirt Wein in Flaschen und schenkt die Gläser ein. Bei einem Glaserl "Vino dolce", wie der heurige Wein, der Sturm, manchmal in Italien bezeichnet wird und ein paar Happen Prosciutto und Käse, lasse ich den Tag noch einmal in Gedanken vorüber ziehen.

Er begann mit einem Spaziergang durch jenes alte Dorf, das noch komplett von einer Zinnen gekrönten Mauer umgeben ist. Kopfsteinpflaster in den Gassen, überall war ein mehr oder weniger freundliches "buon giorno" zu hören und der gute Duft von frischem Brot wehte über den Platz.

Nur ein paar Kilometer weiter fand ich ein Hinweisschild, das mich zur ersten Villa von Andrea Palladio führte. Um genau zu sein, waren es dann zwei Villen, die auf halber Höhe des Hanges schon von weitem zu sehen
waren. Kein Touristenbus, kein Lärm, nur ländliche Ruhe und Einsamkeit. Schlurfend, in Filzpantoffeln, den prachtvollen Steinboden schonend, sah ich mir die Fresken verzierten Räume und das kleine Bett an. Ja, es gehörte eigentlich nicht dahin, das Bett, aber, so sagte mir die Signora, so sehen es wenigstens die Besucher.

Es ist Herbst in Italien. Das merkt man auch an der Kleidung der Italiener. Während wir noch mit einem warmen Pullover in den späten Tagen des Oktobers auskommen, laufen die Italiener trotz der milden Temperaturen schon Pelz behangen und mit langen Stiefel, tief vermummt in Mäntel und Anorak herum.

Zur Mittagszeit hat die Sonne in Italien noch etwas Kraft. Wärmend fällt sie dann auf die hochgeklappten Stühle und mit Laub bedeckten Tische im Gastgarten der Trattoria. Nein, nein, Essen nur mehr drinnen – im Freien ist es doch schon viel zu kalt! Kopfschütteld bittet mich der Patrone in die Wirtsstube.

Also ließ ich mir einen Tisch im Eck der Gaststube geben. Ich hörte Italienisch um mich herum, während ich die wunderschöne Holzdecke bestaunte. Es ist Herbst in Italien und Touristen kommen nur mehr wenige hierher erzählte mir der Kellner. Es ist ruhig geworden im Dorf. Zeit für einen Plausch mit dem Österreicher – "Parla bene italiano!" meinte er bewundernd, ich spräche gut Italienisch, "no, no" erwiderte ich, " basta solo per parlare un po con la gente", es reicht, um ein wenig mit den Menschen zu plaudern.

Parlare con la gente – mit den Menschen reden, das kann man im Herbst recht gut. Die Cafès nur mehr von Einheimischen besucht, am Markt fehlen die feilschenden Touristen – "in Italien muss man handeln" scheint ihr Motto manchmal zu sein. Oh, diese armen Touristen – der Balkan liegt ganz woanders! Zeitung lesen, einen Cappuccino trinken, genießen, das scheinen sich im Spätherbst dann wohl auch die Italiener wieder zu sagen, wenn sich der Gang der täglichen Arbeit verlangsamt und die Tage kühler und kürzer werden.

Das Licht war schon deutlich schwächer als ich weiter fuhr, durch das sanft geschwungene Tal mit den Weinstöcken.