Zugfahren in Italien

Also, wenn es nicht gerade um die halbe Welt geht, fahre ich gerne mit dem Zug. So fuhr ich Anfang Juni dieses Jahres von Salzburg nach Desenzano am Gardasee und von Brescia wieder zurück. Das macht Spaß! Bei der Hinfahrt saß neben mir auf der anderen Seite des Ganges ein Pärchen, dass seine Jugendjahre wohl schon hinter sich hatte. Doch um auch im Alter ansprechend auszusehen, braucht es ab und an einen Schönheitsschlaf, mit Schlafbrille, um 11 Uhr Vormittag. Zu Füßen der sich jung Kurierenden eine Decke, aus der Beinchen hervor lugten. Nachdem sie ihre Schlafbrille wieder abgenommen hatte, schob sie die Füßchen wieder unter die Decke. Der Schaffner ging vorbei. In Bozen steigen die drei aus: das Hündchen, wohl eine Art Windhund, so knochig lang, die Schönheit, die sie einmal war und ihr Begleiter, der aber dafür mit Riesenrucksack am Buckel samt Skistecken und in jeder Hand einen ordentlichen Koffer.

Abwechslung dann an der Stehbar im Speisewagen. Freysing auf Reisen! Genauer gesagt, eine Chorgruppe. Darunter eine ältere, muntere Dame. Sie lerne immer noch Italienisch, war in Venedig mit einem 72-Stunden-Ticket für die Vaporetti, um sich alle Brücken anzuschauen, die in einem von ihr gelesenen Kriminalroman vor kamen. Zurück bei meinem Sitzplatz im Großraumwagen, stellte ich fest, was Frau von Welt bei einer Zugreise braucht: einen Laptop, zwei Scheiben Knäckebrot und Mineralwasser. Das ältere Ehepaar eine Reihe weiter vorne schält sich gerade eine Apfel und bei meinem Sitznachbarn klingelt unaufhörlich das Mobiltelefon – irgendein Spiel verursacht den Reiselärm im IC nach Verona. Wir kamen ins Gespräch. Er wohne in Florenz, sei aber Deutscher. Und gab mir ein paar brauchbare Tipps für meinen nächsten Florenz-Besuch, wo ich günstiger Essen könne, was ich mir noch ansehen sollte. Weiterlesen